Willy Zielke

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Willy Zielke (eigentlich Wilhelm Otto Zielke, * 18. September 1902 in Łódź; † 16. Juni 1989 in Bad Pyrmont) war ein deutscher Fotograf, Regisseur, Kameramann, Filmeditor und Filmproduzent.

Zielcke studierte von 1923 bis 1924 an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München, wo er von 1928 bis 1936 selbst lehrte. 1929 beteiligte er sich mit seinen Glasstillleben an der internationalen Werkbundausstellung Film und Foto in Stuttgart. Ab 1931 war er auch als Filmemacher tätig. Durch seinen avantgardistischen Film Das Stahltier über die Reichsbahn wurde Leni Riefenstahl auf ihn aufmerksam und machte ihn zu ihrem Mitarbeiter für die Produktion der Olympia-Filme. Vertraglich war Zielke in gesamter inhaltlicher und künstlerischer Gestaltung für den sogenannten Prolog der Filme verantwortlich.[1][2] Das Stahltier indes wurde vom Propagandaministerium verboten, laut übereinstimmenden Erinnerungen gab es über diesen Film eine lange Diskussion zwischen Joseph Goebbels und Leni Riefenstahl, bei der letztere sich nicht durchsetzen konnte.

Während der Dreharbeiten zum Prolog der Olympia-Filme kam es zwischen Zielke und Riefenstahl zu Differenzen. Sie wollte nach Zielkes Aufzeichnungen als Nacktmodell eingesetzt werden, Zielke habe jedoch nur ihre Hände aufgenommen. Kurz nachdem er das fertige Filmmaterial abgeliefert hatte, wurde er am 13. Februar 1937 entführt[2] und in die Psychiatrie Haar verbracht. Dort wurde eine angebliche Schizophrenie diagnostiziert und Zielke zwangssterilisiert. Nach Meinung Zielkes war Riefenstahl für die Einweisung verantwortlich, er konnte es ihr aber nicht beweisen.[3] Zudem seien in der Anstalt an ihm auch medizinische Experimente durchgeführt worden. Im August 1942, fünf Jahre nach der Zwangseinweisung, wurde „der als unheilbar geltende“ Zielke wieder freigelassen[2], offenbar wieder auf Betreiben von Riefenstahl, die ihn gleich wieder als Kameramann bei ihrem Film Tiefland einsetzte.[2] Leni Riefenstahl habe sich nie bei ihm entschuldigt. Die Bundesrepublik hat Zielke im Jahr 1987 für die Zwangssterilisation mit 5.000 DM entschädigt. Zwei Jahre später, am 16. Juni 1989, starb er im Alter von 86 Jahren.[2]

Zielke war verheiratet und ist der Großonkel 2. Grades der Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer.[1]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1933: Arbeitslos – Ein Schicksal von Millionen (Buch, Regie, Kamera)
  • 1934: Die Wahrheit (Schnittfassung von „Arbeitslos“)[4]
  • 1935: Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht (Kamera)
  • 1935: Das Stahltier (Buch, Schnitt, Regie, Kamera)
  • 1935: Triumph des Willens
  • 1938: Olympia, 2 Teile (Kamera)
  • 1953: Verzauberter Niederrhein (Buch, Regie, Kamera)
  • 1956: Schöpfung ohne Ende (Kamera)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957 Filmband in Silber in der Kategorie Beste Farbfilmkameraführung für Schöpfung ohne Ende (1956)[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ausstellungskatalog Lehrjahre Lichtjahre – Die Münchner Fotoschule 1900–2000. Münchner Stadtmuseum, München 2000.
  • hjt: Vor 75 Jahren: Willy Zielke und das Jubiläum „100 Jahre Deutsche Eisenbahn“; in: InfoFax: Fotografie, Schellerten, ISSN 0947-8418, 17. Jg., 1. Juni 2010, 2 S/W-Abb.
  • Hans-Jürgen Tast: Das Stahltier. Die Bahn im Schatten deutscher Geschichte; in: Philatelie. Das Magazin des Bundes Deutscher Philatelisten, Bonn, ISSN 1619-5892, 62. Jg., Nr. 398, Aug. 2010, S. 31–34, 10 Farb- u. S/W-Abb.
  • Ausstellungskatalog Licht-Bilder. Fritz Winter und die abstrakte Fotografie, Pinakothek der Moderne, München 2013.
  • Thomas Tode: Zielke, Willy. in: Ian Aitken (Hrsg.): The Concise Routledge Encyclopedia of the Documentary Film. Verlag Routledge, 2013 (2006), S. 1032f

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vorfahren gesucht: Ann-Kathrin Kramer (Memento vom 24. März 2010 im Internet Archive). Ein Film von Heiko Schäfer. Ausstrahlung im WDR am 19. März 2010. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  2. a b c d e Michael Niehus: Ann-Kathrin Kramer: Leni Riefenstahl ließ meinen Onkel zwangssterilisieren; Bild am Sonntag, 14. März 2010. Abgerufen am 19. März 2010.
  3. Riefenstahls Kameramann; Westdeutsche Zeitung, 18. März 2010. Abgerufen am 19. März 2010 (Online nicht mehr verfügbar).
  4. „... 1933-1938, 34’, Es geht um die Situation von arbeitslosen Männern am Ende der Weimarer Republik. Als Lösung für die Überwindung ihrer Situation und der Wirtschaftskrise allgemein wird der Nationalsozialismus propagiert.“ von www.dhm.de/archiv/kino/filme2005, abgerufen 21. Oktober 2014
  5. Deutsche Filmakademie: Deutsche Filmpreise von 1951 bis heute, Jahr 1957. Abgerufen am 21. März 2010.