Wingolfsbund

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Dieser Artikel behandelt den Korporationsverband, die Halle der nordischen Göttinnen findet sich unter Vingólf.
Wingolfsbund
Das Wappen des Wingolfsbundes.
Gründungsdatum: 1844
Mitgliedsverbindungen: 35 Verbindungen an 34 Hochschulorten, 800 Bundesbrüder
Wahlspruch: Δι' ἕνος πάντα
Di henos panta!
(griech.: Durch Einen Alles!)
Farben: schwarz-weiß-gold
Magazin: Wingolfsblätter (vier Ausgaben pro Jahr)
Altherrenverband: Verband Alter Wingolfiten (VAW) e.V., 3500 Philister.
Homepage: http://www.wingolf.org/

Der Wingolfsbund ist ein Dachverband christlicher, überkonfessioneller, farbentragender, nichtschlagender Studentenverbindungen. Er ist der älteste Korporationsverband (seit 1844) in Deutschland und gilt als eine der ersten interkonfessionellen, ökumenischen Gemeinschaften. Zum Wingolfsbund gehören derzeit 35 Verbindungen an 34 Universitäten in Deutschland, Österreich und Estland (Stand: August 2013). Der Wingolf hat über 4300 Mitglieder.

Der Wingolf pflegt freundschaftliche Kontakte zum Falkensteinerbund in der Schweiz.

Wahlspruch[Bearbeiten]

Wahlspruch des Wingolfsbundes ist Δι' ἕνος πάντα – „Di henos panta“ (griech.: Durch einen (Jesus Christus) allesPhilipper 4,13).[1] Grundsätze des Wingolfs sind christliches Bekenntnis, Lebensbundprinzip und korporative Form. Der Wingolf verwirft seit seiner Gründung auf Grund des christlichen Prinzips Duell und Mensur; er ist damit der historisch erste Korporationsverband, der das Duell ablehnt.[2] Der Wingolfsbund und seine Mitgliedsverbindungen fühlen sich politisch und konfessionell ungebunden.

Geschichte des Wingolfsbundes[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Friedrich Gottlieb Klopstock 1724–1803

Das Wort Wingolf entstammt dem altnordischen Wort Vingólf, das in der germanischen Mythologie einen Raum (oder Platz) neben Walhall – die Freundeshalle – bezeichnet.[3]

Friedrich Gottlieb Klopstock griff dieses Wort auf. 1767 schrieb er seine Ode „An des Dichters Freunde“ aus dem Jahre 1747 um in eine Liedfolge in germanischem Gewand unter dem Namen Wingolf. Er entlieh das Wort im Zuge der aufkommenden Begeisterung für die angeblich wiederentdeckten Dichtungen des keltischen Barden Ossian der Mythologie im Sinne eines Freundschaftsbundes.

Christliche Studentenkreise in verschiedenen Universitätsstädten übernahmen um 1840 das Wort und nannten sich Wingolf. Die erste Wingolfsverbindung entstand 1841 in Bonn. Der Wingolfsbund als Dachverband wurde Pfingsten 1844 auf dem Konzil zu Schleiz gegründet. Gründungsmitglieder waren der Bonner Wingolf, der Erlanger Wingolf (bzw. Uttenruthia Erlangen), der Hallenser Wingolf und der Berliner Wingolf. Bereits hier wurden gemeinsame Kriterien für die Mitgliedschaft und die Ausgestaltung des Verbindungslebens vereinbart. Die Beschlüsse lauteten im Einzelnen:

  1. Aufnahmsbedingung für Christen: ernstes sittliches Streben nach Wahrheit,
  2. für Juden (!): ein über das Judentum hinausgehendes Streben,
  3. Erbauungskränzchen durch freie Übereinkunft einzelner Mitglieder,
  4. keine Accomodation an fremdes Studentenwesen,
  5. keine Abzeichen,
  6. kein gemeinsamer Name. (weil man sich auf keinen gemeinsamen Namen einigen konnte[4]),
  7. absolute Verwerfung des Duells,
  8. Fechten und Turnen ist Vereinssache,
  9. Kneipabend als Anhaltspunkt des Vereinslebens, sittlich-wissenschaftlich-geselliger Charakter, Verwerfung des Bierkomments,
  10. Landesvater ist nicht zu recipieren, weil seine Bedeutung ungewiss und durch ihn ein untergeordnetes Moment zur Hauptsache gemacht würde,
  11. Kartellverhältnis: Wer Mitglied eines Vereins, sei eo ipso Mitglied des andern. Ebenso mit dem Austritt und Ausschluß,
  12. alle drei Jahre Zusammenkunft, am Stiftungstag Briefe. Mitteilung der Vereinsgeschichte jedes Semesters.[5]

Damit war der älteste heute noch bestehende studentische Dachverband geboren.

Die Verbindungen suchten ihre christliche Überzeugung mit studentischen Sitten und Gebräuchen zu verbinden, was von Anbeginn zu Spannungen führte. Nachdem sich der etwas freier ausgerichtete Bonner Wingolf im Sommer 1844 in Germania umbenannt hatte, wurde dieser Name zum Sinnbild einer freieren Richtung. Im weiteren kam es in Berlin (WS1845/1846) und Marburg zu Abspaltungen einer Germania. In Erlangen kam es schließlich zu einer Trennung zwischen der Uttenruthia und dem Erlanger Wingolf.

Das Verhältnis zum Bonner Wingolf (nun Germania) kühlte im Verlauf des WS 1845/1846 und SS 1846 immer weiter ab. Dieser beschimpfte die Berliner Verbindung als „Pietisten und Mucker“.[6] Damit war aber der Stellenwert des Christlichen längst nicht geklärt. Bald entstanden neue Spannungen, unter anderem weil die christliche Ausprägung weiterhin unterschiedlich war.

In der Revolution von 1848 nahm man entschieden Partei für die Konservativen und beteiligte sich insbesondere in Berlin gemeinsam mit den dortigen Corps Borussia (nicht mit dem heutigen Corps Borussia Berlin identisch) und Guestphalia an der Bürgerwehr auf Seiten der Monarchisten. Während des Wartburgfestes der Studentenschaft 1848 tagten die Verbindungen des Wingolf (Berliner Wingolf, Hallenser Wingolf, Marburger Wingolf und Uttenruthia Erlangen) gleichzeitig im Schwarzburger Hof bei Blankenburg und sprachen sich, nachdem ihnen ein Bote von den Beschlüssen und Forderungen auf der Wartburg berichtet hatte, entschieden dagegen aus. Die auf die Wartburg übersandte Erklärung löste dort großen Unwillen aus.[7]

Nach der Revolution schloss man sich 1852 noch enger zusammen und definierte sich rechtlich als eine Verbindung an verschiedenen Universitäten. Daher stammt noch das heute geltende Singularitätsprinzip, d. h. dass nur eine Wingolfsverbindung an einer Universität bestehen sollte.

Der idealistische Zusammenschluss zum sogenannten Gesamtwingolf war deshalb auf Dauer nicht tragfähig. Er wurde daher durch einen föderaleren Verband (über die Definition des engeren und weiteren Gesamtwingolf) ersetzt.[8]

Gießener Wingolf 1863
Historische Couleurkarte von 1904

Die einzelnen Wingolfsverbindungen wurden im 19. Jahrhundert von Theologiestudenten an Universitätsstädten mit evangelischen Fakultäten gegründet. Der Wingolf war entsprechend dem evangelisch-lutherischen Kirchenverständnis und der Sichtweise des sogenannten „neuerwachten Glaubenslebens“ (Pietismus des 19. Jhd.) von Anfang an überkonfessionell. Katholische Studenten traten jedoch im 19. Jahrhundert häufig den später gegründeten katholischen Studentenverbänden bei.

Mit Hilfe örtlicher Pfarrer, die Mitglieder des Wingolfs waren, entstanden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Wingolfsverbindungen auch an Technischen Hochschulen (nachdem man lange um die Gleichwertigkeit des Hochschulzugangs gestritten hatte, das sog. Maturitätsprinzip).

An der Universität Freiburg im Breisgau (die eine katholische theologische Fakultät, aber keine evangelische besitzt) gelang die Gründung einer Wingolfsverbindung 1911 (Freiburger Wingolf),[9] in Würzburg 1932 (Wingolfsverbindung Chattia zu Würzburg),[10] in Wien (damals als Wanderverbindung Luginsland) 1928 (Wingolf zu Wien).[11]

Weimarer Republik und NS-Diktatur[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Tendenz im Wingolf und innerhalb der einzelnen Wingolfsverbindungen uneinheitlich. Einerseits beteiligten sich einige Wingolfsverbindungen zum Teil geschlossen aktiv an Freikorpskämpfen, wie etwa der Münstersche Wingolf (III. Bataillon der Akademischen Wehr Münster unter Martin Niemöller) oder der Erlanger Wingolf bei der Niederschlagung kommunistischer Aufstände im Ruhrgebiet sowie der Abwehr polnischer Nationalisten in Oberschlesien. In anderen Wingolfsverbindungen, namentlich im Gießener Wingolf und von Einzelpersonen in der gesamten Wingolfs-Altherrenschaft (z. B. Paul Tillich, Hallenser Wingolf), wurde von Teilen die Idee des Christlichen Sozialismus propagiert, eine der Wurzeln der Frankfurter Schule.

Während der Zeit des Nationalsozialismus lösten sich, mit Ausnahme der Argentina Straßburg, alle Wingolfsverbindungen wie auch der Wingolfsbund selbst auf (Vertagung), bevor alle noch bestehenden Studentenverbindungen verboten wurden. Einzelne Wingolfsverbindungen existierten im Untergrund weiter. Die Wingolfsverbindung Argentina wurde an der nationalsozialistisch dominierten Reichsuniversität Straßburg bis 1941 als NS-Kameradschaft weitergeführt.[12] Der Verband Alter Wingolfiten (VAW), der Dachverband der Altherrenorganisationen des Wingolfsbundes unter seinem Bundesführer Robert Rodenhauser, hatte seit 1920 einen zentralistischen und nationalen Kurs gefördert und unterstützt.

Nicht wenige Studenten des Wingolfs schlossen sich hingegen der Bekennenden Kirche (BK) an oder besuchten die von der Landeskirchenleitung untersagten Seminare der BK (z. B. Karl Zeiß). Die Führung des VAW reagierte dort, wo eine oppositionelle Mehrheit in den Verbindungen sichtbar wurde, meist mit drastischen Maßnahmen. So kam es z.B. 1934 zum zwangsweisen Ausschluss dieser Mehrheit im Gießener Wingolf.

Nun scheiterte die Verbandsführung nicht an der Ablehnung des Regimes (man beugte sich auch der Forderung der NS-Rassengesetzgebung, indem man Christen jüdischer Herkunft ausschloss), sondern an der Forderung des NSDStB, unbedingte Satisfaktion zu geben, d.h. das Duell zuzulassen. Der VAW umging die Auflösung durch zwangsweise Eröffnung des Liquidationsverfahrens, welches jedoch nicht abgeschlossen wurde. Daher konnte die Tätigkeit des Verbandes nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes bald wieder aufgenommen werden. Eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte in den einzelnen Verbindungen fand im Wesentlichen seit den 1980er Jahren statt.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Ab 1947 entstanden an 31 Hochschulorten der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins sowie Österreichs 32 Wingolfsverbindungen neu. In der DDR war der Wingolf aufgrund seiner christlichen Prägung, in Frankreich, Polen und der UdSSR aufgrund seiner deutschsprachigen Tradition vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges verboten. Im Juni 1949 nahm der Wingolfsbund in Eltville die Tradition der Wartburgfeste wieder auf, die bis zur Wiedervereinigung alle zwei Jahre an einem anderen Ort in der Bundesrepublik Deutschland stattfanden. Nach einer Neuorientierung in den 70er-Jahren wuchs der Wingolf in den 80er-Jahren wieder.

Nach der Wende in der DDR finden seit 1991 die Wartburgfeste wieder in Eisenach statt. Es kam zu erfolgreichen Wiedergründungen der seit 1935 aufgelösten Verbindungen in Jena (1990), Leipzig (2001), Halle an der Saale und Rostock sowie der Arminia Dorpatensis im estnischen Tartu an der Universität Dorpat (1994, bereits 1883 vertagt). In Erfurt kam es zu einer Neugründung, in den alten Bundesländern entstand der Bremer Wingolf.

Bereits in den 1970er- und 80er-Jahren entstanden in der damaligen DDR Studentenverbindungen im Verborgenen. Viele dieser DDR-Studentenverbindungen schlossen sich 1990 in der Rudelsburger Allianz zusammen. Die 1977 in der DDR gegründete Ottonia Magdeburg wurde 1991 in den Wingolfsbund aufgenommen. Am 25. Oktober 1997 wurde die Ottonia Magdeburg vertagt, nachdem sie vom Wingolfsbund aufgrund rechter Tendenzen und Unvereinbarkeit mit dem Wingolfsprinzip mit einer 3/4-Mehrheit ausgeschlossen wurde.

Der WB ist Gründungsmitglied im Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) und hatte zuletzt in den Jahren 2005–2007 den Vorsitz inne. Der Verband Alter Wingolfiten (VAW) ist Gründungsmitglied im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA). Da der CDK satzungsgemäß nicht in innere Angelegenheiten seiner Mitgliedsverbände eingreifen kann wird diese Mitgliedschaft teils kritisch gesehen. Hintergrund hierbei ist das Bedürfnis, sich deutlich von der Deutschen Burschenschaft und ihrem unklaren Verhältnis zum Rechtsextremismus abzugrenzen.

Im Jahr 2009 kündigte der Wingolfsbund das Arbeits- und Freundschaftsabkommen mit dem Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) auf.

Aufbau und Struktur[Bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten]

Bundesglieder des Wingolfsbundes sind zunächst die aktiven Wingolfsverbindungen. Zwar nehmen die Bundesorgane (s.u.) übergreifende Aufgaben wahr, die Einzelverbindung bleibt aber in ihrer Verfasstheit selbstständig (Conventsprinzip, Geltung des Comments). Das einzelne Mitglied des Wingolf ist also zunächst Mitglied einer Einzelverbindung. Die Wingolfsverbindungen gewähren ihren Mitgliedern gegenseitiges Eintrittsrecht (→ Mehrbandträger), wenngleich eine gleichzeitige Mitgliedschaft in einer Verbindung eines anderen Dachverbandes (CV,Corps, etc) nicht möglich ist. Eine Ausnahme bildet insoweit nur der Falkensteinerbund in der Schweiz mit dem im Rahmen des Freundschaftsabkommens auch die Möglichkeit der Mitgliedschaft in Verbindungen beider Verbände besteht.

Mit dem Wechsel in die Altherrenschaft (oder Philisterium) der Heimatverbindung gelten die Mitglieder ihren Heimatverbindungen als außerordentliche Mitglieder. In einigen Wingolfsverbindungen ist die Beschreibung des Verhältnisses der Mitglieder des Philisteriums zur aktiven Verbindung unklar.

Alle Mitglieder des Wingolf stehen zueinander im Duz-Comment, wenngleich die Brüder innerhalb der eigenen Wingolfsverbindungen den Zusammenhalt und die Freundschaft betreffend ein besonders intensives Verhältnis pflegen.

Bundesorgane[Bearbeiten]

Für übergeordnete Aufgaben hat sich der Wingolfsbund Strukturen gegeben. Jeweils eine der aktiven Wingolfsverbindungen übernimmt für den Zeitraum von zwei Jahren die Vorortschaft im Wingolfsbund. Gewählt wird der neue Vorort während eines Chargiertenconventes auf dem Wartburgfest. Zentrale Aufgaben des Vororts sind die Organisation des nächsten Wartburgfestes und die Moderation bundesweiter Entscheidungen und Beschlüsse. Üblicherweise wählt der Chargiertenconvent eine personell starke Wingolfsverbindung zum Vorort (zum Beispiel 2011–2013 den Marburger Wingolf).

Auf dem Wartburgfest 2013 wurde der Clausthaler Wingolf zu Marburg zum Vorort des Wingolfsbundes gewählt.

Zur Wahrnehmung der ihm übertragenen Pflichten richtet der Vorort folgende Ämter ein:

  • Bundessprecher des Wingolfsbundes (B-x)
  • Bundesschriftwart (BSW)
  • Bundeskassenwart (BKW).

Hinzu kommen andere Beauftragungen und Entsendungen, beispielsweise in den Redaktionsbeirat der Wingolfsblätter oder als Hochschulpolitischer Beauftragter des Wingolfsbundes.

Verband Alter Wingolfiten (VAW) [Bearbeiten]

Der VAW bildet die Dachorganisation aller Altherrenvereine der Wingolfsverbindungen. Hinzu kommen sogenannte Bezirksverbände (BV), die alle Mitglieder nochmals nach Regionen geordnet zusammenfassen. Diese Doppelstruktur ist einzigartig in der Korporationslandschaft. Der VAW übernimmt zum Beispiel Aufgaben der Finanzierung und Bewerbung bundesweiter Initiativen. Er fungiert als Herausgeber der Wingolfsblätter und der Schriftenreihe aus dem Wingolf.

Der VAW wählt auf seinem Convent anlässlich des Wartburgfestes den Philisterrat. Diesem steht der Philisterratsvorsitzende vor.

Couleur[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Wappen des Bundes ist auf schwarz-weiß schrägrechts geteiltem Grund ein schwebendes Kruckenkreuz in Gold (als Vereinfachung des Jerusalemkreuzes) zu sehen. Die Wingolfsverbindungen führen in ihren Wappen die eigentliche Form des Jerusalemkreuzes, woraus sich die heraldische Sonderform des Weiß-Golds (Metall an Metall) ableitet.

Das älteste Wingolfswappen zeigte ein schwebendes goldenes lateinisches Kreuz auf Schwarz. Ab 1850 war das Wappen des Wingolfs ein goldenes Kruckenkreuz auf schwarz-weiß schrägrechts geteiltem Grund.

Farben[Bearbeiten]

Farben des Wingolf im Kneipsaal des Hallenser Wingolf

Die Farben des Wingolfsbundes sind Schwarz-Weiß-Gold. Diese werden von den meisten Wingolfsverbindungen getragen (mit Ausnahmen aus historischen oder lokalen Gründen). Diese Farben gehen zurück auf den Reichsfreiherrn Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, der 1814 Schwarz-Weiß-Gold als zukünftige deutsche Nationalfarben vorschlug. Vermutlich dessen Freund Ernst Moritz Arndt legte dem Bonner Wingolf diese Trikolore nahe (die sich schon aus den frühesten Farben der Wingolfe Schwarz-Gold und Weiß-Gold ergab), so dass dieser 1845 die Farben erstmals anlegte. Der Wingolf distanzierte sich damit auch äußerlich vom revolutionäreren Schwarz-Rot-Gold der Deutschen Burschenschaft.

Bundesnadel[Bearbeiten]

Alle Mitglieder der Wingolfsverbindungen tragen die sog. Bundesnadel. Gestiftet wurde sie im Jahre 1925. Die Bundesnadel hat einen kleinen Ring zu ihrer Spitze und wird am linken Revers getragen. Alle Wingolfsverbindungen tragen goldene, lediglich der Erlanger, der Hallenser und der Erfurter Wingolf Georgia tragen silberne Bundesnadeln.

Wartburgfest[Bearbeiten]

Wartburg zu Eisenach
Wingolfsdenkmal in der Innenstadt von Eisenach

Die Wingolfsverbindungen treffen sich seit 1850 alle zwei Jahre in der Woche nach Pfingsten, seit 1951 zu Christi Himmelfahrt zum Wartburgfest des Wingolf. Es findet seit 1991 wieder in Eisenach statt, zum Teil auf der Wartburg, wo die Heilige Elisabeth von Thüringen lebte und Martin Luther die Bibel übersetzte. Teile des Bundesfestes sind ein Festakt auf der Wartburg, die Ernste Feier, das anschließende Totengedenken am Wingolfsdenkmal, ein großer Kommers, Gottesdienste, ein Ball und ein Konzert, zu dem die Bürger der Stadt ausdrücklich eingeladen werden. Das Wartburgfest wird vom Vorort des Wingolfsbundes ausgerichtet.

Nicht zu verwechseln ist das Wartburgfest des Wingolf mit dem Fest der Deutschen Burschenschaft, das in zeitlicher Nähe zu den Bundesfesten des Wingolf ebenfalls in Eisenach stattfindet.

Verbindungen des Wingolfsbundes[Bearbeiten]

siehe: Liste der Wingolfsverbindungen

Bekannte Wingolfiten[Bearbeiten]

Zitate von Wingolfiten[Bearbeiten]

„Was ich theologisch, philosophisch und menschlich geworden bin, verdanke ich nur zum Teil den Professoren, in überragendem Maße dagegen der Verbindung, wo die theologischen und philosophischen Debatten nach Mitternacht und die persönlichen Gespräche vor Sonnenaufgang für das ganze Leben entscheidend blieben. Musik spielte dabei eine große Rolle und das romantische Verhältnis zur Natur […] verdanke ich vor allem den Wanderungen durch Thüringen und zur Wartburg in jenen Jahren, in Gemeinschaft mit den Verbindungsbrüdern.“

Paul Tillich: in einem Brief vom 23. April 1943 an Thomas Mann

Kuriosa[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Gesamtdarstellungen

  • Hans Waitz: Geschichte des Wingolfbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt. Darmstadt 1896, 2. Aufl. 1904, 3. Aufl. 1926 (Verlag Joh. Waitz)
  • Hans Waitz (ed.): Geschichte der Wingolfsverbindungen Darmstadt (Verlag Joh. Waitz) 1913
  • Menze, Hugo und Tiebel, Hans-Martin: Geschichte des Wingolfs 1917–1970, Lahr 1971
  • Verband Alter Wingolfiten Hrsg.: Geschichte des Wingolfs 1830–1994, Manfred Wieltsch u.a., 5. Auflage , Detmold 1998

Historische Einzelpublikationen

  • H. O. Köhler (Pseudonym): Schild und Schwert des Wingolf, gegen die pia desideria von Leiner etc., Göttingen 1852
  • Anonymus: Aus dem Wingolf, Halle 1853 (bei Plötz)
  • Anonymus: Aus dem Wingolf — Eine Blüthenlese, Marburg 1860, 2. Aufl. Erlangen 1866, 3. Aufl. Halle/Erlangen 1875
  • Anonymus (möglicherweise Johannes Waitz Ba58 GiEph84): Entstehung, Berechtigung und Ziele des Wingolfs — Ein Wort zur Abwehr und Beherzigung, Darmstadt 1867
  • Felix Mühlmann: Der Wingolf und seine Stellung in der deutschen Studentenschaft, Halle 1870
  • Traugott Hahn (sen.): Gedenkblätter. Gesammelt aus den Schriften des theologischen Abends und der Arminia, Leipzig 1873
  • Anonymus: Das Leben und Treiben der Wingolfiten — Beiträge zur Charakteristik der christlichen Verbindungen auf deutschen Universitäten, Hagen i. W. 1889
  • Aus dem Wingolf – Zweiter Teil. Blütenlese, enthaltend Gedichte Reden und Aufsätze (ed. W. Sarges), Halle 1891, 2. Aufl. Mühlhausen/Thü. 1901
  • Theologus: Zum militärischen Waffendienst der evangelischen Theologen, Gütersloh 1905
  • F.A. Pinkerneil, Ernst Müsebeck, August Winkler: Der Wingolf und das neue Deutschland — Vorträge auf dem Berliner Wingolfstag am 31. Januar 1919, Mühlhausen / Th. 1919
  • Wilhelm Fischdick: Der Wingolf und seine Stellung in der deutschen Studentenschaft, Schriften aus dem Wingolf, Heft 1, Mühlhausen/Th. 1922
  • Hermann Knodt: Wappen- und Farbengeschichte des Wingolfs, Schriften aus dem Wingolf, Heft 2, Mühlhausen/Th. 1924
  • Karl Bernhard Ritter: Reich Gottes und Staatsgedanke, Schriften aus dem Wingolf, Heft 3, Mühlhausen/Th. 1926
  • Ernst Müsebeck: Der Wingolf in der geistesgeschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes, Schriften aus dem Wingolf, Heft 4, Wolfratshausen/München 1932
  • Robert Rodenhauser (ed.): Ehre und Genugtuung — Aufsätze und Zeugnisse, Schriften aus dem Wingolf, Heft 5, Wolfratshausen/München 1934
  • Ingo Zocher: Der Wingolfsbund im Spannungsfeld von Theologie und Politik 1918–1935. GDS-Archiv für Hochschul- und Studentengeschichte, Beiheft Nr. 6 (1996)
  • Eva Chr. Gottschaldt (Hrsg.): "Das ist die Tat unseres herrlichen Führers". Die christlichen Studentenverbindungen Wingolf und der Nationalsozialismus im Spiegel der Verbandspresse. Eine Dokumentation. Marburger Beiträge zur Geschichte und Gegenwart studentischer Verbindungen, Bd. 4/1997, ISBN 3-926295-08-2

Periodika

Wingolfsblätter – Zeitschrift des Wingolfsbundes. Begründet 1872 von F. Mühlmann, herausgegeben vom Verband Alter Wingolfiten (VAW) e.V. (Von 1936–1938 in Wingolfs-Nachrichten umbenannt)

Artikel

  • Otto Imgart: Der Wingolfsbund in Vergangenheit und Gegenwart, in: Das Akademische Deutschland, Bd. 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger, Berlin 1931
  • Hans Christhard Mahrenholz: Einführung des Arierprinzips im Wingolf nach 1933, in: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 27 (1982) S. 127–134
  • Eva Gottschaldt: Keine Flucht vor Argumentationslinien der Antifa Vom Umgang des Wingolfsbundes mit rechtsextremen Tendenzen in den eigenen Reihen in „Verbindende Verbände“. Marburger Beiträge zur Geschichte und Gegenwart studentischer Verbindungen Bd. 5, Marburg 2000 Seite 28 ff

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wingolfsbund – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto Böcher, Kleines Lexikon des studentischen Brauchtums, 3. Aufl., Hannover 2009, Seite 87.
  2. Böcher, S. 235 f.
  3. VAW (Hrsg.), Vademecum Wingolfiticum, 24. Aufl., Hannover 2005, S. 15
  4. Aus dem Wingolf, Marburg 1860, S. 5
  5. Geschichte der Uttenruthia in Ihren ersten 25 Jahren 1835 bis 1861, Nürnberg o. J., S. 35 Fn 4.
  6. Geschichte des Berliner Wingolf seit seiner Gründung bis Ostern 1849, Berlin, 1850 S. 26
  7. Geschichte des Berliner Wingolf seit seiner Gründung bis Ostern 1849, Berlin, 1850 S. 64ff
  8. Vademecum, S. 21.
  9. Vademecum, S. 70.
  10. Vademecum, S. 85.
  11. Vademecum, S. 84.
  12. Vademecum, S. 81 f.