Wolkenbrüche bei Trendelburg

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Blick in den Nassen Wolkenbruch
Schild Nasser Wolkenbruch

Die Wolkenbrüche bei TrendelburgNasser Wolkenbruch (oder Großer Wolkenbruch) und Trockener Wolkenbruch (oder Kleiner Wolkenbruch) – sind zwei durch Erdfälle entstandene Einsturztrichter im nordhessischen Landkreis Kassel (Deutschland).

Die beiden Erdfälle sind ein Naturdenkmal von einzigartigem Rang und stehen unter Naturschutz. Der Nasse Wolkenbruch ist im Bereich der südniedersächsisch-nordhessischen Buntsandsteinlandschaft an der Oberweser der größte Erdfalltrichter.[1][2]

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die beiden Wolkenbrüche befinden sich etwa 1 km östlich der Kernstadt der Gemeinde Trendelburg bei der Gehöftsansiedlung Saurenthal, auch Saures Tal genannt. Sie liegen jeweils am Rand eines Waldgebiets nördlich der von der B 83 nach Osten führenden Landesstraße 763, die das westliche Trendelburg mit seinem östlichen Stadtteil Friedrichsfeld verbindet.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Die Wolkenbrüche gehören in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37) und in der Haupteinheit Solling, Bramwald und Reinhardswald (370) zur Untereinheit Reinhardswald (370.4). Nach Westen fällt die Landschaft in der Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (34) und in der Haupteinheit Westhessische Senke (343) in die Untereinheit Hofgeismarer Rötsenke (343.4) ab.

Die Wolkenbrüche[Bearbeiten]

Nasser Wolkenbruch[Bearbeiten]

Der Nasse Wolkenbruch (Großer Wolkenbruch51.5756388888899.4461111111111Koordinaten: 51° 34′ 32″ N, 9° 26′ 46″ O) liegt am Rand einer weitläufigen Hochfläche mit Feldern, Wiesen und Bauernhöfen am Waldrand, versteckt zwischen teils eigenartig verwachsenen Bäumen, die im oberen Trichterteil 200 bis 300 Jahre alt sind. Sein oberer Rand liegt auf etwa 195 m ü. NHN[3].

Der Nasse Wolkenbruch ist unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 47,5 und 60 m[1] tief und hat an der fast kreisrunden Oberkante rund 470 m[1] Umfang bei etwa 150 m[1] Durchmesser. In seinem Inneren hat sich ein kleiner See gebildet, der bei höchstem Wasserstand bis zu 60 m[1] Durchmesser hat und mehr als 15 m[1] tief ist, wobei der Wasserspiegel etwa 6 m[1] schwankt. Damit ist der unterschiedlichen Angaben zufolge etwa 325.000 m³[1] oder 353.400 m³[4] große Einsturztrichter knapp zu einem Drittel mit Wasser gefüllt. Dies brachte ihm den Beinamen Nasser Wolkenbruch ein.[1]

Der Nasse Wolkenbruch liegt im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Wolkenbruch bei Trendelburg (FFH-Nr. 4422-308; 3,14 ha groß).[3]

Trockener Wolkenbruch[Bearbeiten]

Der Trockene Wolkenbruch (Kleiner Wolkenbruch51.5759444444449.4403611111111) liegt knapp 400 m[1] weiter westlich auf der anderen Seite der Felder am Waldrand und ist ebenso gut versteckt zwischen Bäumen. Der rund 23 m[1] tiefe und 70 m[1] breite Einsturztrichter ist etwa 4.000 m³[1] groß. Er ist nicht mit Wasser gefüllt, weshalb er Trockener Wolkenbruch heißt.[1] Sein oberer Rand liegt auf etwa 200 m ü. NHN[3].

Geologische Entstehung des Nassen Wolkenbruchs

Geologie[Bearbeiten]

Beide Wolkenbrüche befinden sich in den Schichten des Oberen Buntsandsteins (Röt), unter denen das Zechstein-Salz (Druse) liegt, das im ausgehenden Erdaltertum durch Salzwasserkondensation unter heißen und trockenen Klimaverhältnissen abgelagert wurde.

Vor rund 250 Millionen Jahren[1] mit Beginn des Erdmittelalters lagerten sich auf dem Zechstein allmählich rot gefärbte Sedimente und Sedimentgesteine in einer Mächtigkeit von weit mehr als 1000 m[1] ab und verfestigten sich vorwiegend zu Sandsteinen. Um die Zeitenwende zur Erdneuzeit vor etwa 65,5 Millionen Jahren wurden diese Ablagerungen bis zum Mittleren Buntsandstein abgetragen.

Die Satzgesteine im Untergrund wurden in der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit allmählich durch Süß-Grundwasser in einer Tiefe zwischen 900 und 1300 m[1] herausgelöst, wodurch zunächst ein Primärhohlraum entstand. Die Deckschichten brachen in diesen Hohlraum ein. Über ihnen entstand so ein Sekundarhohlraum, der wiederum in historischer Zeit die beiden Erdfälle der Wolkenbrüche ermöglichte.[2]

Sage[Bearbeiten]

Zur Entstehungsgeschichte der merkwürdigen Trichter hat eine Sage eine Erklärung parat:

„Trendula, eine der drei Reinhardswald-Riesinnen und Namensgeberin der Stadt Trendelburg, war voller Missgunst gegenüber ihren Schwestern Saba und Brama. In einer unwetterheimgesuchten Nacht waren die beiden auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihrem Vater, dem Riesen Kruko, zu ihren eigenen Burgen, als die hasserfüllte Trendula ihnen auflauerte und Brama hinterrücks meuchelte. Seit Tagen schon gingen Wolkenbrüche und starke Gewitterregen in der Gegend der Mordstelle nieder und die gerechte Strafe ließ nicht lange auf sich warten: Ein Blitz erschlug die Mörderin und im Donnergrollen öffnete sich der Erdboden und verschlang Trendula.“

Namensdeutung bzw. -herkunft[Bearbeiten]

So abwegig ist die aus der Sage entstandene Namensherkunft der Wolkenbrüche gar nicht; denn sieht man einmal vom Mythischen ab, bleibt ein tagelang anhaltendes Unwetter mit starken Niederschlägen als prägendes Naturereignis durchaus geeignet, die dünne Decke einer unterirdischen Auswaschung im Zechstein zum Einsturz zu bringen und den Volksmund zu veranlassen, die damals − zumindest im Rahmen der Sage − unerklärlicherweise plötzlich vorhandenen, aber eigentlich 250 Millionen Jahre alten Erdtrichter Wolkenbruch zu nennen.

Anfahrt[Bearbeiten]

In Trendelburg biegt man von der B 83 nach Osten auf die Landesstraße 763 in Richtung Friedrichsfeld/Gottsbüren ab. Einige Hundert Meter hinter Trendelburg liegt links am Wald eine kleine Parkbucht, an dem das Schild Nasser Wolkenbruch und eine interessante Informationstafel auf beide Einsturztrichter hinweist. Aus dem recht tief eingeschnittenen Tal läuft man von der Parkbucht über einen kurzen Weg steil bergauf durch den Wald zum Nassen Wolkenbruch, von dem man auch zum Trockenen Wolkenbruch gelangen kann.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q siehe in Weblinks: Jahreszeiten – Geotope: Winter 2008/2009, Artikel des HLUG
  2. a b Dr. Jochen Lepper, Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Hannover (Infotafel Nasser Wolkenbruch)
  3. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Schild Nasser Wolkenbruch an der Parkbucht

Weblinks[Bearbeiten]