Šanov nad Jevišovkou

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Šanov
Wappen von Šanov nad Jevišovkou
Šanov nad Jevišovkou (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 2045 ha
Geographische Lage: 48° 48′ N, 16° 23′ O48.80102216.377245199Koordinaten: 48° 48′ 4″ N, 16° 22′ 38″ O
Höhe: 199 m n.m.
Einwohner: 1.520 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 64 - 671 68
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Hrabětice - Velký Karlov
Bahnanschluss: Břeclav–Znojmo
Hevlín–Hrušovany
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Škarek (Stand: 2009)
Adresse: Hlavní 65
671 68 Šanov
Gemeindenummer: 594873
Website: www.sanov.cz

Šanov (deutsch Schönau) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze.

Geographie[Bearbeiten]

Šanov liegt nahe dem Kreuzungspunkt der Bahnstrecken Hevlín–Hrušovany und Břeclav–Znojmo (Lundenburg-Znaim). Es schließt unmittelbar westlich an Hrabětice an und liegt 3,5 km südlich von Hrušovany nad Jevišovkou. Der Ort ist als Reihendorf angelegt worden.

Nachbardörfer sind Hrabětice (Grafendorf) im Osten und Hrušovany nad Jevišovkou (Grusbach) in Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die "ui"-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weist auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes war im Jahre 1390 in der Mährischen Landtafel. Eine Urkunde aus dem Jahre 1046 wurde als Fälschung aus dem 12. Jahrhundert identifiziert. Durch die Ungarneinfälle im Jahre 1463 war der Ort völlig zerstört worden und verödete. Erst am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Ort neu besiedelt und erscheint 1524 wieder in den Urkunden. In dieser Urkunde wird der Ort an Sebastian von Weitmühl übergeben.[2]

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ort durch Kriege immer wieder verwüstet, so dass er bereits 1589 wieder verödete. Zwar entstand der Ort bald wieder, wurde jedoch im Dreißigjährigen Krieg abermals stark zerstört und verödete. In den Kriegsjahr 1637 entstand der Ortsteil Neuhof, wo ein Meierhof errichtet wurde. Im Jahre 1697 erscheint der Ort in den Urkunden des Grafen Althan. Das Dorf gehörte fast immer zur Herrschaft Grusbach. Ab dem Jahre 1710 war Schönau eine selbstständige Gemeinde. Die Matriken werden seit 1676 bei Grusbach und ab 1784 bei Grafendorf. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [3] Durch die Revolution 1848/49 und die daraus resultierende Bauernbefreiung kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung im Dorf, welcher sich durch den Bau der Zuckerfabriken in Grusbach (1851) und Lundenburg (1875) noch erhöhte. In den Jahren 1842 und 1883 werden Teile des Ortes durch große Brände zerstört. Im Jahre 1880 wurde der Ort an das Bahnnetz angeschlossen und erhielt eine Haltestelle. Durch eine Geldspende Kaiser Franz Josephs I. wird im Jahre 1905 ein Armenfond eingerichtet. Ab dem Jahre 1910 wird bei Schönau der Ortsteil Neu-Schönau genannt. In Schönau wurde im Jahre 1911 eine Schule errichtet. Davor waren die Schönauer Kinder in Grusbach und später in Grafendorf eingeschult. Der größte Teil der Einwohner von Schönau lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau nur eine untergeordnete Rolle spielte, weshalb die produzierten Weinmengen nie über den Eigenbedarf hinaus gingen.[4] Aufgrund des günstigen Klimas wurden neben verschiedenen Getreidesorten, Kartoffeln, Mais, Rüben, Bohnen, Gurken, Zwiebeln, Karotten, Kraut, Kohl, Kirschen Zwetschgen und Weichseln angebaut. Auch die Jagd war mit jährlich 400 geschossenen Hasen und 10 bis 15 Rehen einträglich. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es eine Ziegelei, zwei Mühlen, eine Sparkassa und zwei Schweinehändler im Ort.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 24 Ortsbewohner forderte, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Im Winter 1918 wird der Ort von tschechischen Militäreinheiten besetzt. Der Vertrag von Saint-Germain[5] 1919 erklärte Schönau, dessen Bewohner 1910 zu 94 % Deutschsüdmährer waren, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Im September 1919 wird mithilfe des tschechischen Militärs eine Klasse der Volksschule geräumt und für tschechische Kinder beschlagnahmt. Im April 1920 zieht die tschechische Schule in ein eigenes Gebäude im Ortsteil Neu-Schönau um. In der Zwischenkriegszeit kam es durch Neubesetzungen von Beamtenposten und Siedlern zu einem massiven Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[6] Gleichzeitig wurden 140 deutsche Beamte aus Schönau in das Innere der Tschechoslowakei versetzt.[7] Nach dem Münchner Abkommen, 1938,[8] gehörte der Ort bis 1945 zum Gau Niederdonau. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1938. Von 1939 bis 1945 wurde Schönau mit der Nachbargemeinde Grafendorf zu der neuen Gemeinde Schöngrafenau vereinigt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 90 Opfer forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bis auf 355 Personen flohen die deutschen Bürger vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen oder wurden über die Grenze nach Österreich 'wild' vertrieben. Durch diese Exzesse kam es zu fünf Ziviltoten. [9] [10] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/1946 (Straflosstellungsgesetz) erklärt Handlungen bis 28.Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, … für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [11] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Die 'offizielle' Vertreibung der letzten deutschen Bürger erfolgte zwischen dem 22. Juni und dem 18. Oktober 1946 nach Westdeutschland. [12][13] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

12 % der Schönauer wurden in Österreich ansässig. Der Großteil fand in Deutschland eine neue Heimat und sechs Personen wanderten in andere europäische Länder, drei in die USA aus. [14]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Das älteste Siegel des Ortes stammte aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt ein Pflugeisen, umgeben von bogenartig gezogenen Furchen. Die äußerste Begrenzung bildet eine Perlenkette.

Ein zweites Siegel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt zwischen zwei Perlenkreisen die Umschrift „SIGL.DES.TORF.SSENAU 1758“, dazu im Siegelfeld auf angedeutetem Erdboden einen aufgerichteten Löwen mit einer großen Weintraube in den Vorderpranken. Bei späteren Siegelabbildungen wird der Löwe aber oft fälschlicherweise als Bock dargestellt. Von 1920 - 1938 führte Schönau einen bildlosen, zweisprachigen Gemeindestempel.[15]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 1215 1157 52 6
1890 1279 1274 0 5
1900 1312 1250 57 5
1910 1459 1376 65 18
1921 1576 1295 250 31
1930 1672 1257 393 22

[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kapelle zum hl. Rochus, Umbau 1860
  • Brünndlkapelle (1831), Umbau 1936
  • Weißes Kreuz, hl. Florian (1900)
  • Schloß Emmahof in der Hoja (1885)
  • Kriegerdenkmal (1924)

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahreslauf und das Leben der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Der Kirtag fand immer am 7. September statt.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Hans Höger: Gedenkbuch der Gemeinde Schönau (1938)
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Schönau S.226
  • Geschichte der Gemeinde Schönau (1983)
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren, Bd 1 -3, Wien 1793.
  • Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens ISBN 3-927498-092
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0,
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band I, S.125
  3. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 19. April 2011.
  4. Hans Zuckriegl:Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S.260
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  6. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl:Der Kreis Znaim von A bis Z,2009
  8. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  9. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2010, Totenbuch S.378
  10. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0,
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12. Wilhelm Jun: Die Flüchtlings-Transporte des Jahres 1946
  13. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  14.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 275f (Schönau).
  15. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Schönau S. 217
  16. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984