Suchohrdly

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Suchohrdly. Für die gleichnamige Gemeinde im gleichen Bezirk, siehe Suchohrdly u Miroslavi.
Suchohrdly
Wappen von ????
Suchohrdly (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1368 ha
Geographische Lage: 48° 52′ N, 16° 6′ O48.86861111111116.100277777778290Koordinaten: 48° 52′ 7″ N, 16° 6′ 1″ O
Höhe: 290 m n.m.
Einwohner: 1.180 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 669 02
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Hana Matochová (Stand: 2006)
Adresse: Těšetická 114
669 02 Suchohrdly
Gemeindenummer: 555231
Website: www.obec-suchohrdly.cz

Suchohrdly (deutsch Zuckerhandl) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt durch das Flüsschen Leska getrennt, östlich der Stadt Znojmo (Znaim) in Südmähren. Das Dorf selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbarorte sind Kuchařovice im Norden, Dobšice (Klein Teßwitz) und Dyje (Mühlfraun) im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf Zuchoherde wurde 1226 erstmals urkundlich erwähnt und später mit Czuchohurdel bezeichnet. Matriken werden seit 1580 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[2] Während des Dreißigjährigen Krieges wurde es verlassen und lag bis 1670 wüst. Der Ort gehörte immer zur Herrschaft des Klosters Bruck. Erst als dieses im Jahre 1784 aufgelöst wurde, kam es zu einem Herrschaftswechsel.[3]

Nach der Wiederbesiedlung durch deutschstämmige Siedler entstand der Ortsname Zuckerhandl, der seit 1728 allgemein gebräuchlich wurde. Die von den Einwohnern bis ins Jahre 1945 gesprochene „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weist darauf hin, dass die Siedler aus dem österreichischen bzw. süddeutschen Raum stammten.[4] Im Jahre 1798 erwarben die Grafen Ugarte den Ort und vereinten es mit den Dörfern Brenditz, Krawska und Mramoitz zur gemeinsamen Allodherrschaft Brenditz, in dieser Zeit kam es verstärkt zum Zuzug von Einwohnern tschechischer Nationalität.

Während der Napoleonischen Kriege wurde Zuckerhandl 1805 von den Franzosen geplündert. 1809 besetzen diese erneut den Ort und auf dem Hurkahügel errichtete Napoléon während der Kämpfe um Znaim sein Feldlager. Dort steht heute die Napoleon-Eiche. Das Schulgebäude des Ortes wurde im Jahre 1835 gebaut und im Jahre 1891 umgebaut. Bis dahin waren die Kinder von Zuckerhandl in Klein-Teßwitz eingeschult. Nach der Ablösung der Patrimonialherrschaften, 1848, kam der Ort zum Znaimer Bezirk. Im Jahre 1855 sterben 80 Bewohner an Cholera. Eine Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1896 gegründet. Die Napoleon-Eiche wurde im Jahre 1909 von einem Blitz getroffen und zerstört. Sie wurde durch eine neue Eiche ersetzt. Die Ortsbewohner waren größtenteils in der Landwirtschaft tätig. Die Haupteinnahmequellen waren hier Kirschen, Wein und Gurken.[5] Der Zuckerhandler Wein galt als würzig und war wegen seiner hoher Qualität als einer der besten im Znaimer Kreis.[6] Um das Jahr 1864 kam die Reblaus nach Südmähren und zerstörte große Teile der Weinernten. Von diesem Schlag erholte sich der Weinbau in Zuckerhandl nie wieder und bis ins Jahre 1925 verringerte sich die Menge des angebauten Weines um 90 %.[7]

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Saint-Germain[8] 1919, wurde der Ort Teil der Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit kam es durch neue Siedler und neu ernannte Beamte zu einem vermehrten Zuzug von Personen mit tschechischer Nationalität, auch wird eine tschechische Minderheitenschule eröffnet.[9] Als die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich, auch allgemein, die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete an Deutschland. Dies wurde im Münchner Abkommen [10] geregelt. Somit wurde Zuckerhandl mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. Von 1939 bis 1945 war die Gemeinde nach Znaim eingemeindet.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Zuckerhandl 25 Opfer zu beklagen. Nach dessen Ende (8. Mai 1945) wurde der Forderung der ČSR-Regierung Beneš durch die Siegermächte entsprochen und die im Münchener Abkommen (1938) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Zuckerhandl, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch militante Tschechen und nationale Milizen floh der Großteil der deutschen Bürger nach Österreich oder wurde über die Grenze getrieben. Dabei fanden zwei Personen den Tod.[11] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 (Straffreiheitsgesetz) erklärte Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ...'für nicht widerrechtlich. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[12][13] Bis auf eine Person wurden die restlichen 76 Ortsbewohner zwischen dem 2. März und dem 18. Juni 1946 in organisierten Transporten nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt.[11] [14] Das Vermögen der deutschen Bewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Ortskirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Die in Österreich befindlichen Zuckerhandler wurden entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen bis auf zwei Familien nach Deutschland abgeschoben. Zwei Familien wanderten in die USA aus [11][15][16]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Das Gemeindesiegel zeigt nebeneinander stehend eine Traube und ein Winzermesser.[17]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 473 473 0 0
1890 627 522 105 0
1900 738 665 73 0
1910 757 668 89 0
1921 813 593 196 24
1930 871 626 213 32

[18]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kapelle der hl. Margareta (1829)
  • 4 Heiligenstatuen (1721) auf dem Fahrweg nach Töstitz
  • Kriegerdenkmal, 1945 von Tschechen zerstört

Brauchtum, Märchen, Sagen[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum,wundersame Märchen und geheimnisumwitterte Sagen bereicherten das Leben der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Traditionell gab es jährlich am 4. Mai eine Prozession nach Mühlfraun zu ehren des Ortspatrons, des hl. Florian.
  • Und zu Maria Himmelfahrt nach Pöltenberg.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Zuckerhandl , s. 45, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Zuckerhandl , s. 168f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000
  • Hans Zuckriegl: Die Znaimer Gurke
  • Hans Zuckriegl: Ich träum von einem Weinstock - Enzyklopädie des Weinbaues in Südmähren, Eigenverlag, Unterstützt von der Kulturabteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung.
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 309 (Zuckerhandl).
  • Kurt Nedoma: Südmährische Legende, verwehte Spuren, Gedichte, Verlag: Südmährischer Landschaftsrat, 2001, ISBN 3-927498-28-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 24. April 2011.
  3. Walfried Blaschka, Gerald Frodl:Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Gregor Wolny:Die Markgrafschaft Mähren. 1836, s.102
  6. Gustav Gregor: Der politische Bezirk Znaim Band 4 (1970) S. 152
  7. Hans Zuckriegl:Ich träum von einem Weinstock, Kapitel 7, S.261
  8. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  9. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918–1938, München 1967
  10. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  11. a b c  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 309 (Zuckerhandl).
  12. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  13. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  14. Wilhelm Jun: Die Flüchtlings-Transporte des Jahres 1946
  15. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  16. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  17. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band VII, S.575
  18. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984