Šatov

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Šatov
Wappen von Šatov
Šatov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1343 ha
Geographische Lage: 48° 48′ N, 16° 1′ O48.79305555555616.01248Koordinaten: 48° 47′ 35″ N, 16° 0′ 36″ O
Höhe: 248 m n.m.
Einwohner: 1.146 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 22
Struktur
Status: Minderstadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Františka Jahodová
Adresse: Šatov 124
671 22 Šatov
Gemeindenummer: 594881
Website: www.obecsatov.cz

Šatov (deutsch Schattau) ist eine Minderstadt und ein Weinort, der sechs Kilometer südlich von Znojmo (Znaim) im südlichsten Teil Tschechiens liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche und Rathaus von Schattau

Die bis 1945 gesprochene "ui"-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weist auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte. [2] Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Šatov im Jahre 1201. Bereits seit dem Jahre 1338 nennt man den Ort unverändert „Schattau“. Im Jahre 1373 erlaubte Markgraf Johann von Mähren dem Ort die Abhaltung eines achttägigen Jahrmarktes. Die Markterhebung erfolgte am 29. Juli 1497 durch König Wladislaus. Die Marktrechte und Privilegien wurden vom römisch-deutschen König und späteren Kaiser Ferdinand I. (1531), Kaiser Karl VI. (1727) und Maria Theresia (1747) erneut bestätigt. Bereits ab dem Jahre 1586 wird ein Schulmeister in Schattau genannt. Im Jahre 1601 wurde von Kaiser Rudolf II. ein weiterer Jahrmarkt gestattet. Ebenso hatte der Ort das Recht zur eigenen Gerichtsbarkeit, zu welcher der Galgen auf dem Galgenberg im Süden gehörte. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte Schattau zur Herrschaft Frain (Frain), später kam der Ort zur Herrschaft Joslowitz. Ein kleiner Teil des Ortes kam später unter die Herrschaft des Klosters Bruck, bis zur Auflösung desselben unter Joseph II.[3] 1609 wurde der Ort an Wolf Dietrich von Althan verkauft. Nach dessen Tode erbte seine Gemahlin Katharina geb. Kraig die Herrschaft. In dieser Zeit war Schattau für seinen guten Wein bekannt. [4] Matriken werden seit 1637 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [5] Im Jahre 1677 wütete die Pest im Ort und kostete 80 Schattauern das Leben. Ein Jahr später gingen 178 Bewohner des Ortes auf eine Wallfahrt nach Mariazell. Dabei sank das Schiff und nur 2 Leute konnten sich retten. Während des Ersten Schlesischen Krieges im Jahre 1742 war der Ort zwei Tage lang von 600 preußischen Soldaten besetzt. In den Jahren 1766 und 1767 wüteten Großbrände im Ort, welche 122 bzw. 147 Häuser zerstörten. Um 1787 wird eine zweiklassige Schule im Ort errichtet.

Während der Koalitionskriege litt Schattau in den Jahren 1805 und 1809 unter der Einquartierung von französischen Truppen. In den Jahren 1831 und 1832 brach die Cholera im Ort aus, welche 20 Opfer unter den Bewohnern forderte. Während der Revolution 1848/1849 wird im März 1848 eine Nationalgarde aufgestellt. Diese üben einmal pro Woche mit Holzgewehren. Am 2. Dezember 1848 wird die Nationalgarde jedoch wieder aufgelöst. 1864 wurde ein Gendarmerieposten im Ort eingerichtet. Ein wirtschaftlicher Aufschwung im Ort erfolgte nach dem Anschluss an die Nordwestbahnstrecke (1870) und der Eröffnung einer Tonwarenfabrik (1873). 1874 zerstörte ein Hochwasser einen Teil der Ortschaft. Um der steigenden Anzahl der Kinder im Ort eine Schulbildung zu ermöglichen, wurde im Jahre 1885 ein neues vierklassiges Schulgebäude gebaut und später sogar noch aufgestockt und auf fünf Klassen erweitert. Bereits im Jahre 1888 wurde eine Freiwillige Feuerwehr in Schattau gegründet.[6] Der Großteil der Schattauer lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Rolle einnahm. In der Reblausplage, um 1864, wurde die Weinbaufläche um die Hälfte auf 259 ha vermindert und in der Folge nahmen die Flächen bis 1925 um zwei weitere Drittel ab.[7] Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch eine Ziegelei, eine Tonwarenfabrik und eine Mühle im Ort.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Die Bewohner von Schattau waren 1910 zu 96 % Deutschsüdmährer. Der Vertrag von Saint-Germain erklärte den Ort zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik[8] In der Zwischenkriegszeit verstärkte die Arbeitslosigkeit und Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung die Ansiedlung von Personen tschechischer Nationalität. 1919 wird in der deutschen Schule eine tschechische Minderheitenschule eingerichtet und erhält 1923 einen Neubau. Der Anteil der deutschen Bevölkerung ist innerhalb von 30 Jahren um 35 %, bis zum Volkszählungsjahr 1930 auf 61 % gesunken. So wie in Schattau führten derlei Vorgehen zu Spannungen innerhalb der Bevölkerung der Tschechoslowakischen Republik. Als auch die von den Deutschen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, nutzte dies Hitler-Deutschland, von den Westmächten die Zustimmung zur Abtretung der Randgebiete der Tschechoslowakei an Deutschland, das sich schon Österreich einverleibt hatte, zu bekommen. Dies wurde im Münchner Abkommen geregelt. Somit wurde Schattau mit 1.Oktober 1938 bis 1945 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau [9]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakischen Republik zurück. Viele Schattauer flohen vor den Nachkriegsexzessen, die zehn Todesopfer unter den deutschen Bürgern forderte, über die nahe Grenze nach Österreich. [10] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/1946 (Straflosstellungsgesetz) erklärt Handlungen bis 28.Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, … für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [11] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“ verlangt. 58 noch zurückgebliebene Deutschsüdmährer wurden zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 über Znaim nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert. Die katholische Kirche wurde in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. [12] In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten des Potsdamer Kommuniques mussten alle Sudetendeutschen aus Österreich nach Deutschland weiter transferiert werden.

Seit dem 22. Juni 2007 hat der Ort den Status einer Minderstadt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Durch die Privilegien aus dem Jahre 1497 war es der Gemeinde erlaubt, mit grünem Wachs zu siegeln. Das Siegel zeigt ein Renaissanceschild, dessen seitliche Spitzen bis in die Umschrift reichen, welche nur seitlich und oberhalb des Schildes angebracht ist. Im Schild ist ein Zinnenturm abgebildet, über dessen offenem, mit einem Fallgitter versehen Tor ein Schildchen angebracht ist Es enthält zwei schräg gekreuzte, gestümmelte Äste: das Wahrzeichen der Herren von Lichtenburg. Dieses Siegel besteht seit dem Jahr 1569.

Eine Besonderheit war im 17./18. Jahrhundert, dass ein Teil von Schattau dem Kloster Bruck unterstand. Dieses hatte für seine insgesamt sechs Schattauer Untertanen ein eigenes Siegel. Es war ein sechseckiges Gerichtssiegel, in dem unter dem Großbuchstaben „G“ aus einer Wiese drei zweiblättrige Blumen wachsen.

Das Wappen des Ortes zeigte: Im silbernen Schild einen roten Zinnenturm mit offenem Tor, goldenen Torflügeln und goldenem Fallgitter. Über dem Tor steht ein goldenes Schildchen, darin das Wahrzeichen der Herren von Lichtenburg, zwei schräg gekreuzte, gestümmelte schwarze Äste.[13]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 1700 1681 18 1
1890 1963 1963 0 0
1900 2494 2316 168 10
1910 2323 2228 76 19
1921 2079 1248 691 140
1930 2065 1300 658 107

[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hellmut Diwald (1929-1993) Historiker und Ordinarius für Mittlere und Neuere Geschichte. Südmährischer Kulturpreisträger.
  • Karl Hummel (1801-1879) ordentlicher Professor der Physik und Mathematik an der Universität Graz
  • Ambros Ritter von Mras (1844-1902) k.u.k. Feldmarschall-Leutnant
  • Alfred Hellepart (1926-1967) Bergsteiger

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche des hl. Martin, zuerst dem hl. Aegidius gewidmet, wurde nach dem Brand von 1656 wiederaufgebaut, Altarbild von Josef Winterhalter (1784). Der Hauptaltar wurde 1896 von Mathias Neubauer errichtet.
  • Pfarrhof (17. Jahrhundert)
  • Bildstöcke (Joh. von Nepomuk 1737, Vesperbild 17. Jahrhundert)
  • Hl. Johannes von Nepomuk (2. Viertel 18. Jh.)
  • Dreifaltigkeitssäule
  • Kriegerdenkmal (1922)
  • Rathaus, Umbau 1900
  • Gelände des Tschechoslowakischen Walls (Areál československého opevnění Šatov), Aussenstelle des Technischen Museums in Brünn

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Der Weinkeller der Familie Thajer
  • Eine abgeschlagene Bitte[15]

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahreslauf und das Leben der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Die vier Jahrmärkte waren an Fabian und Sebastian (20.Januar), falls dies ein Sonntag oder Montag ist, am folgenden Dienstag, am Pfingstdienstag, an Matthäus (21.September) und am Dienstag nach Martin (11.November).
  • Der Kirtag fand immer am 2. Sonntag im August statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, (1941), Schattau Seite 421
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Schattau Seite 34, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Schattau Seite 212f, ISBN 3-927498-19-X
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 301 (Schattau).
  • Ludwig Wieder: Markt Schattau 1924 (1924)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Šatov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.9
  3. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band II, S.65
  4. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1837 s.300
  5. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 19. April 2011.
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  7. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 260
  8. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  9. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  10. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2010, Totenbuch S.378
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 604.
  13. Soucek: Heimatkunde 6 Schauttau, 1899, S. 32
  14. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  15. Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, S.114