5. Sinfonie (Mahler)

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Die 5. Sinfonie ist eine Sinfonie in fünf Sätzen von Gustav Mahler.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehung

Die Sinfonie entstand in ihren wesentlichen Teilen in den Jahren 1901–1902 in Maiernigg und Wien. Die Instrumentierung erfolgte 1903, wurde aber 1904 überarbeitet. Noch 1911, im Jahr seines Todes, überarbeitete Mahler die Instrumentierung erneut; diese Fassung erschien allerdings erst 1964 im Rahmen der Mahler-Gesamtausgabe im Druck. Die Uraufführung der Sinfonie fand am 18. Oktober 1904 im Gürzenich in Köln statt; es spielte das Gürzenich-Orchester unter der Leitung des Komponisten.

[Bearbeiten] Zur Musik

[Bearbeiten] Besetzung

4d2, 3d1, 3d1 D, +bass, 2+1 - 6, 4, 3, 1, timp, perc, hp, str. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 70 Minuten.

[Bearbeiten] I. Abteilung

1. Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Streng. Wie ein Kondukt (cis-Moll)
2. Stürmisch bewegt. Mit größter Vehemenz (a-Moll)

[Bearbeiten] II. Abteilung

3. Scherzo. Kräftig, nicht zu schnell (D-Dur)

[Bearbeiten] III. Abteilung

4. Adagietto. Sehr langsam (F-Dur)
5. Rondo-Finale. Allegro - Allegro giocoso. Frisch (D-Dur)

[Bearbeiten] Zur Tonart

In manchen Nachschlagewerken und auf verschiedenen Tonträgern wird die 5. Sinfonie als Werk in cis-Moll bezeichnet, nach der Tonart des 1. Satzes. Diese Angabe ignoriert allerdings die „progressive Tonalität“ der späten Mahler-Sinfonien, die es – im Gegensatz zum Formschema der klassischen Sinfonie – zulässt, dass ein Werk in einer anderen Tonart endet als es beginnt. Auch hat sich Mahler selbst in einem Brief an seinen Verleger ausführlich mit der Frage der Tonart auseinandergesetzt und eine Benennung der 5. Sinfonie nach einer Tonart ausdrücklich abgelehnt:

„Es ist nach Disposition der Sätze (von denen der gewöhnliche I. Satz erst an 2. Stelle kommt) schwer möglich von einer Tonart der "ganzen Symphonie" zu sprechen, und bleibt, um Mißverständnissen vorzubeugen, lieber eine solche besser unbezeichnet. (Der Hauptsatz (Nro 2) ist in A-moll – das Andante (Nro 1) ist in Cis-moll.) Man nennt die Symphonie nach dem Hauptsatz – aber nur wenn er an erster Stelle steht, was bisher immer der Fall war – mit einziger Ausnahme dieses Werkes.“ [1]

[Bearbeiten] Wirkung

Die 5. Sinfonie wurde, wie manch andere Sinfonie Mahlers, nach ihrer Uraufführung nicht verstanden. Die 5. Sinfonie gilt heute als eine der beliebtesten Sinfonien Mahlers. Maßgeblichen Anteil an ihrer Popularität hat der Film Tod in Venedig von Luchino Visconti (1971), in dem das Adagietto mehrfach erklingt. Die Omnipräsenz des Adagietto im Soundtrack dieses Films steht in bemerkenswertem Gegensatz zu seinem Intermezzo-Charakter innerhalb der Sinfonie.

[Bearbeiten] Stellenwert

Die 5. Sinfonie ist die erste rein instrumentale Werk dieser Gattung, seit der 1. Sinfonie. Ihr gingen die sogenannten Wunderhorn-Sinfonien, da diese Texte aus Des Knaben Wunderhorn von Clemens Brentano vertonten. Mahler findet in der 5. Sinfonie zur rein musikalischen Ausdrucksform zurück. Gerade im Vergleich zur zwei Jahre vorher entstandenen 4. Sinfonie stellt sie einen großen inhaltlichen und formalen Unterschied dar. War die vorangegangene Sinfonie in vieler Hinsicht noch das klassischste Werk Mahlers, so stellt die 5. Sinfonie den Beginn einer neuen Schaffensphase dar. Die fünf Sätze der Sinfonie weisen eine große charakterliche Vielfalt auf, welche kaum untereinander vermittelt wird. So entsteht eine große äußerliche Unruhe und Abwechslung, welche durch die enorme Ausdehnung des Werkes, die an die Länge der 2. und 3. Sinfonie anschließt, noch gesteigert wird. Dennoch sind die einzelnen Themen der Sätze durchaus miteinander verwandt. Noch markanter ist allerdings der oftmals veränderte Klang Mahlers Tonsprache. Gerade in der fünften Sinfonie häufen sich Dissonanzen und die äußerste Ausreizung des tonal möglichen, ohne diese jedoch aufzugeben. Gerade dies hat das Werk für Zeitgenossen schwer verständlich gemacht. So ist es kein Wunder, dass in der 5. Sinfonie, der oftmals als neu und ungewohnt wirkende Klang Mahlerscher Musik, zunächst besonders befremdlich wirkt. Ein Vorgang, der sich in den kommenden Sinfonien, namentlich in der 6. und 9. Sinfonie, sogar noch steigern wird. Formal hält Mahler sich in diesem Werk nicht an die klassische, viersätzige Form, sondern konzipiert fünf Sätze, für drei Abteilungen. Es ist dies ebenfalls ein Vorgehen, welches Mahler schon in den großen Vorgängern der 2. und 3. Sinfonie so verwendet hatte. Die Konzeption der einzelnen Sätze bringt zwar harmonische Neuerungen, der Inhalt greift jedoch größtenteils bewährte Methoden auf. So ist der erste Satz ein Marsch, welcher durchaus an das größere Pendant in der 3. Sinfonie erinnert. Der Ruhepunkt der Sinfonie ist hier ein Adagietto, welches zwar nicht an die Tiefe der Adagios aus den beiden vorangegangenen Sinfonien heranreicht, jedoch durchaus als charakterisitsch für Mahlers ruhige Sätze bezeichnet werden kann. Der Mittelpunkt des Werkes ist ein großes Scherzo, welches aus Elementen besteht, die Mahler in den vorherigen Sinfonien etabliert hatte. Grotesker Humor, welcher an Jean Paul angeleht ist, vermischt sich mit traditionellen Tänzen mit simpel anmutender Gestaltungsweise und verschlungenen, kaum artikulierten Motiven. Dieses Konzept des Mahlerschen Scherzos findet sich auch in den folgenden Sinfonien immer wieder.

Mit der raueren Klangwelt der fünften Sinfonie beginnt eine neue Schaffensphase Mahlers, welche in der folgenden 6. Sinfonie weiterentwickelt wird. Gerade die Ausreizung des tonalen Raumes weist bereits deutlich auf die 9. Sinfonie, in welcher Mahler sich anschickt, die Tonalität aufzugeben und ins transzendente der Musik überzutreten.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Brief an den Verlag Peters vom 23. Juli 1904. Zitiert nach: Herta Blaukopf: Gustav Mahler. Briefe. 2. Auflage. Zsolnay, Wien 1996, S. 316, ISBN 3-552-04810-3

[Bearbeiten] Literatur

  • Renate Ulm (Hrsg.): Gustav Mahlers Symphonien. Entstehung – Deutung – Wirkung. 4. Auflage. Bärenreiter, Kassel 2007, ISBN 978-3-7618-1820-6.
  • Ferdinand Pfohl, Knud Martner (Hrsg.): Gustav Mahler: Eindrücke und Erinnerungen aus den Hamburger Jahren. Verlag der Musikalienhandlung Karl Dieter Wagner, Hamburg 1973, ISBN 3-921029-15-5, S. 72-75.
  • Gerd Indorf: Mahlers Sinfonien. Rombach, Freiburg i. Br./Berlin/Wien 2010, ISBN 978-3-7930-9622-1.

[Bearbeiten] Weblinks

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