AS-11 Kilter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
AS-11 Kilter

H-58U AS-11 Kilter 2008 G1.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Heimische Bezeichnung: Ch-58
NATO-Bezeichnung: AS-11 Kilter
Herkunftsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion / RusslandRussland Russland
Hersteller: КТРВ (Taktische Lenkflugkörper Korporation) / GosMKB Raduga
Entwicklung: 1972
Indienststellung: 1982
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Länge: 4,80 m
Durchmesser: 380 mm
Gefechtsgewicht: 640 kg
Spannweite: 1.450 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 3,0–3,5
Reichweite: 80–120 km
Ausstattung
Lenkung: INS
Zielortung: passiver Radarsuchkopf
Gefechtskopf: 149 kg-Splittergefechtskopf mit Brandwirkung
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
Waffenplattformen: Flugzeuge
Listen zum Thema

Die AS-11 Kilter ist eine Luft-Boden-Rakete aus sowjetischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von bodengebundenen Radaranlagen. Im GRAU-Index der russischen Streitkräfte lautet ihre Bezeichnung Ch-58.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Ch-58 wurde als Nachfolgemodell, der mit einem Flüssigtreibstoff-Triebwerk ausgestatteten Ch-28 entwickelt. Ziel war es, eine Anti-Radar-Lenkwaffe zu entwickeln, welche mit einem Feststoff-Raketentriebwerk eine Reichweite von rund 100 km erreicht. Die Entwicklung begann 1972 im Konstruktionsbüro Raduga in Moskau. Als primäre Einsatzplattformen sollten die Mikojan-Gurewitsch MiG-25BM und die Suchoi Su-24 zum Einsatz kommen.[1] Die ersten Flugversuche wurden 1977 mit einer modifizierten Antonow An-12 durchgeführt. Schliesslich wurde die Ch-58 im Jahre 1982 bei den sowjetischen Luftstreitkräften eingeführt. Erstmals wurde die Ch-58 im Jahr 1989 der Öffentlichkeit präsentiert. Die AS-11 ist das russische Pendant zur amerikanischen AGM-88 HARM.

Technik[Bearbeiten]

Die Ch-58 kommt bei der Niederhaltung der feindlichen Luftabwehr (engl. SEAD) zum Einsatz. Ihr Suchkopf schaltete auf die Frequenz des gegnerischen Radars auf und nutzt diese, um die Radarstellung zu treffen. Dazu verwendete die Ch-58 den PRGS-58-Suchkopf. Dieser verfügt über austauschbare Module welche u.a. auf die Frequenzbänder der Flugabwehrraketen Nike Hercules, Bloodhound, Hawk und Patriot abgestimmt sind.[2]

Die Oberfläche des stromlinienförmigen Rumpfes der Ch-58 besteht aus einer hitzebeständigen Titan-Legierung. Diese Legierung ist bis 400–500 °C hitzebeständig.[3] An der Lenkwaffenspitze ist eine zusätzliche Wärmedämmschicht aufgebracht. Am Flugkörper sind vier Steuer- und Stabilisierungsflächen angebracht. Die Ch-15 wird von einem hochenergetischen Dualpuls-Feststoff-Raketentriebwerk der Firma OKB Sojus angetrieben. Dieses entwickelt nach dem Start während 3,6 Sekunden einen Schub von 58,8 kN. Während des Marschfluges liegt die Schubkraft bei 9,8 kN.[4]

Zum Erfassen der Radarstrahlung muss das Einsatzflugzeug mit einem speziellen Radarempfänger ausgerüstet sein. Bei der MiG-25 ist dies das im Flugzeug integrierte System Jaguar. Bei der Su-24 kommen die extern mitgeführten Gondeln L-086A Fantasmagoria-A und L-086B Fantasmagoria-B zum Einsatz.[3] Bei der Su-17 und Su-22 kommt die extern mitgeführte Gondel Metel zum Einsatz.[4] Der Radarempfänger analysiert die Radarstrahlung und ermittelt die Kursdaten für die Ch-58 Lenkwaffen. Sind genügend Zieldaten vorhanden werden diese an das SAU-58-Navigationssystem der Lenkwaffe weitergegeben. Danach kann die Lenkwaffe aus einem Höhenbereich von 200–20.000 m sowie einem Geschwindigkeitsbereich von Mach 0,47–2,35 gestartet werden.[1] Aus einer Starthöhe von 200 m hat sie eine Einsatzreichweite von 40 km. Bei einem Start aus einer Höhe von 10.000 m liegt dieser Wert bei 100 km.[4]

Nach dem Abwurf folgte eine kurze antriebslose Phase. Erst in sicherem Abstand zum Flugzeug zündet das Raketentriebwerk. Nach dem Start beschreibt die Flugbahn der Rakete eine semi-ballistische Kurve. Die Ch-58 fliegt mit Hilfe des Suchkopfes und des Autopiloten auf die Radaranlage zu. Stellt während dieser Zeit die Radaranlage den Sendebetrieb ein, so behält die Ch-58 den eingeschlagenen Kurs bei und fliegt mit Hilfe der Trägheitsnavigationsplattform zum Ziel.[5] Sollte die Radaranlage den Sendebetrieb wieder aufnehmen, so schaltet der passive Radarsuchkopf sofort wieder darauf auf. Ab der Ausführung Ch-58U kann auch ein sogenannter lock-on after launch durchgeführt werden.[2] In diesem Fall wird die Ch-58 in ein Gebiet gestartet, ohne dass eine Zielposition bekannt ist. Im Zielgebiet angekommen sucht die Lenkwaffe mit dem passiven Suchkopf nach Zielen. Wird die Radarstrahlung von einem Radargerät erfasst, so erfolgt ein Angriff auf diese Anlage. Wird kein Ziel erfasst, so explodiert die Lenkwaffe nach einer bestimmten Flugzeit mittels Selbstzerstörung. Der Gefechtskopf wird mittels des ROV-20-Laser-Näherungszünders zur Detonation gebracht. Im optimalen Fall erfolgt diese rund 5 m über der Radaranlage. Die Treffererwartung liegt gemäss Hersteller bei rund 80 % und der Streukreisradius (CEP) beträgt 10–20 m. Der Splittergefechtskopf mit Brandwirkung wiegt 149 kg und hat einen Sprengstoffanteil von 58,5 kg.[6]

Varianten[Bearbeiten]

  • Ch-58: 1. Serienversion. Reichweite 80–120 km.
  • Ch-58U: 2. Serienversion mit neuem Motor, verbessertem PRGS-58M-Suchkopf und lock-on-after-launch. Reichweite 120–160 km.
  • Ch-58E: Version mit verbesserter Elektronik und Breitbandsuchkopf (1,2–11 GHz). Reichweite 80–245 km.
  • Ch-58USchKE: Version mit faltbaren Tragflächen für den Einsatz in Waffenschächten, vorgestellt 2012. Reichweite 80–245 km.
  • Ch-58A: Prototyp mit aktivem Radarsuchkopf im Ku-Band, Reichweite 120–180 km.

Trägerflugzeuge[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Das Luft-Boden Lenkwaffensystem AS-11 Kilter DTIG – Defense Threat Informations Group, August 1999
  2. a b Michal Fiszer: Crimson SEAD. Journal of Electronic Defense (JED), Januar 2003.
  3. a b airwar.ru, Zugriff: 16. Mai 2014
  4. a b c rbase.new-factoria.ru, Zugriff: 16. Mai 2014
  5. Horizon House, Journal of Electronic Defense Staff Horizon House: International Electronic Countermeasures Handbook, 2004 Edition, S. 149
  6. ausairpower.net, Zugriff: 16. Mai 2014