Aarmassiv

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Geologische Skizze der Alpen mit dem Aar-/Gotthardmassiv

Das Aarmassiv ist das grösste Zentralmassiv (die geologische Formation eines kristallinen Grundgebirges) der Schweizer Alpen. Es gehört zu den Westalpen

Geologie[Bearbeiten]

Das Aarmassiv gehört neben dem Gotthardmassiv, dem Aiguilles Rouges-/Arpille-Massiv und dem Mont Blanc-Massiv zu den vier Zentralmassiven der Schweizer Alpen. Es wird geologisch als Zentralmassiv bezeichnet, weil es zwar als kristallines Grundgebirge gestaucht, aber nicht in den Bau der Helvetischen Decke einbezogen worden ist und deshalb als autochthon gilt.

Es handelt sich um ortsansässiges Gestein, also im Rahmen der Alpenbildung kaum verschobenes Gestein (Massiv), im Wesentlichen um Gneis und Granit, auch Schiefer und Amphibolit. Diese entstanden in der Erdkruste viele Kilometer unter dem Meeresboden. Der Granit ist vor etwa 280 Millionen Jahren eingedrungen (Zentraler Aaregranit). Sowohl die kristallinen Gesteine als auch die aufliegenden Sedimente des Mesozoikums gehören zur Region des sogenannten Helvetikums, das - anders als die meisten anderen Teile der Alpen - bereits lange vor der Schließung der Tethys Teil des europäischen Kontinents und seiner Schelfmeere war und in etwa den damaligen Südrand des europäischen Kontinents bildete. Im Tertiär fand eine Hebung und Abtragung der aufliegenden Sedimente statt. Zum Teil kam es zu einer Überschiebung der kristallinen Masse nach Norden über Reste der Sedimente, so an der Jungfrau und südlich des Eigers.

Das Aarmassiv gliedert sich in langgestreckte Zonen, die auf der Ost-West-Achse verlaufen. Von Nord nach Süd sind es der Lauterbrunner- und Innertkirchner-Kristallin, der Altkristallin nördlich des Aaregranits, der Zentrale Aaregranit (grösster Granitkörper der Schweiz mit 500 km² im Raum Grimsel-Göscheneralp-Reusstal, der vor 300 Millionen Jahren eingedrungen ist) und die südliche Gneiszone (hoher Anteil von Augengneis).

Geographie[Bearbeiten]

Das Aarmassiv erstreckt sich geologisch in West-Ost-Richtung nördlich des alpinen Längstals von etwa Leukerbad bis zum Tödi. Im Bereich von Tödi und Cavistrau bis etwa nach Brigels hin bildet das Aarmassiv nur noch den Sockel der Berge, deren Gipfel aus Sedimenten bestehen. Weiter nördlich und östlich ist das Aarmassiv überhaupt nur noch in extrem tief eingeschnittenen Tälern aufgeschlossen, so am Limmerensee und zwischen Gigerwald und Vättis (Vättner Fenster). Südwestlich von Leukerbad und Leuk taucht das Aarmassiv unter die penninischen Decken der Walliser Alpen ab.

Es steht unterirdisch in Verbindung mit den Massiven des Mont Blanc und der Aiguilles Rouges, die bereits westlich von Sitten auf der Südseite des Grand Chavalard wieder zum Vorschein kommen.

Bedeutende Gipfel[Bearbeiten]

Bietschhorn, Aletschhorn, Jungfrau, Mönch, Finsteraarhorn, Schreckhorn, Dammastock, Bristen, Oberalpstock.

Literatur[Bearbeiten]

  • Toni P. Labhart: Geologie der Schweiz. Ott Verlag, Thun 1992, ISBN 3-7225-6298-8.
  • Albert Heim: Die Geologie der Hochalpen zwischen Reuss und Rhein. Bern 1891.