Abba Kovner

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Kovner vorne rechts bei der Einsatzbesprechung mit Hagana-Angehörigen des Kibbuz Jad Mordechai während des israelischen Unabhängigkeitskrieges, 17. Mai 1948

Abba Kovner (auch Abba Kowner; * 14. März 1918 in Sewastopol; † 25. September 1987 im Kibbuz En haChoresch, Israel)[1] war ein hebräischer Ex-Terrorist, Schriftsteller, Widerstandskämpfer und Partisanenführer.

Leben[Bearbeiten]

Jüdische Widerstandskämpfer nach der sowjetischen Einnahme Wilnas (Juli 1944), in der Mitte Kovner
Kovner während des Eichmann-Prozesses 1961

Kovner wuchs in Wilna auf und war als Jugendlicher Mitglied in der Jugendbewegung Haschomer Hazair. Sein Plan, nach Palästina auszuwandern, wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vereitelt. Während der deutschen Besetzung von Wilna blieb Kovner in der Stadt, zunächst unter dem Schutz von Nonnen aus einem Kloster und später im Ghetto. Als einer der Leiter des jüdischen Widerstands im Ghetto Wilna beteiligte sich Kovner am bewaffneten Aufstand und veröffentlichte ein Manifest, worin er die Juden aufforderte, sich „nicht wie Schafe zur Schlachtbank“ führen zu lassen. In den Wäldern rund um Wilna bekämpfte er als Kommandeur der Fareinikte Partisaner Organisatzije die deutschen Besatzer.

Später gehörte Kovner zu den Gründern der Untergrundbewegung Bricha und beteiligte sich an der Fluchthilfe für Hunderttausende von Menschen aus Osteuropa in nach Palästina. In den letzten Kriegsmonaten gründete er die Terrororganisation Nakam (Rache). Für einen Racheplan an den Nazis für die im Holocaust ermordeten Juden fuhr er 1945 nach Palästina, um dort Giftstoffe und Geld zu beschaffen. Er wurde aber bei seiner versuchten Rückkehr nach Europa vom britischen Geheimdienst abgefangen und vier Monate in einem Gefängnis in Ägypten festgehalten. Als Teil der von Kovner geplanten Aktionen wurde daraufhin von seinem Stellvertreter in der Nakam, Pascha Reichman (Jitzchak Avidov), ein Giftanschlag auf kriegsgefangene SS-Angehörige im Internierungslager in Nürnberg-Langwasser zur Ausführung gebracht, bei dem 2000 Insassen zwar erkrankten, aber überlebten. Die Nakam-Kommandos wurden danach aufgelöst.

Während seiner Haft in Ägypten schrieb Abba Kovner u. a. das Gedicht Ad lo or („Bis es kein Licht mehr gibt“, 1947).

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er Mitglied des Kibbuz En haChoresch und kämpfte seit Beginn des israelischen Unabhängigkeitskrieges als Offizier in der Giv'ati-Brigade. In den folgenden Jahren veröffentlichte er weitere Gedichtbände sowie eine Prosa-Trilogie mit Erinnerungen an die Giv'ati-Brigade. 1948 wird sein Sohn Michael in Hadera geboren. [2]

Abba Kovners Grab im Kibbuz En haChoresch

1970 wurde er mit dem Israel-Preis ausgezeichnet. Er starb 1987 am zweiten Tag des jüdischen Neujahrsfestes und wurde in seinem Kibbuz En haChoresch (Scharonebene zwischen Netanya und Hadera) begraben. Der israelische Politiker Meir Vilner war sein Cousin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Encyclopaedia Judaica, Bd. 10, S. 1229–1230.
  • Rich Cohen, Nachtmarsch, Verlag Fischer, 1999, ISBN 3-596-15240-2
  • Dina Porat, The Fall of a Sparrow. The Life and Times of Abba Kovner, translated and edited by Elizabeth Yuval, Stanford University Press, Stanford 2010, ISBN 978-0-8047-6248-9
  • Tom Segev: Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung. Rowohlt, Reinbek 1995, zuerst hebräisch 1991. ISBN=3-498-06244-1, S. 192–208
  • Jim G. Tobias, Peter Zinke: Nakam. Jüdische Rache an NS-Tätern. 1. Auflage. Konkret Literaturverlag, Hamburg 1995, ISBN 3-89458-194-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abba Kovner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachruf in The New York Times Abgerufen am 1. Dezember 2010
  2. Webseite von Michael Kovner
  3. Rezension bei popmatters