Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya ar-Razi

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al-Razi

Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya al-Razi, persisch ‏ابوبکر محمد زکریای رازی‎, DMG Abū Bakr Muḥammad-e Zakariyā-ye Rāzī (* um 864 in Ray in der Nähe des heutigen Teheran; † 925 ebenda), war ein bedeutender persischer Arzt, Naturwissenschaftler, Philosoph und Alchemist.

Er ist auch als Al-Razi, Ar-Razi, Ibn Zakaria (Zakariya) oder – latinisiert – als Rhazes oder Rasis bekannt.

Leben und Werke[Bearbeiten]

Buch der Medizin

Bevor er Arzt wurde, beschäftigte er sich mit Musiktheorie. Er leitete ein Krankenhaus in Ray und übernahm später eine entsprechende Stelle in Bagdad.

Anders als Al-Kindî war er Alchemist, Arzt und studierte fleißig Naturphilosophie, während ihn mathematisch-logische Fragen weniger interessierten. Medizin, wahrscheinlich auch Philosophie, hat er bei Raban Al-Tabri gelernt.

Er wurde bekannt als Autor zahlreicher medizinischer Bücher, die sehr lange zum Medizinstudium benutzt wurden. Als einer der ersten konzentrierte er sich auf die psychischen Seiten der Medizin und der Heilung und dachte sich das Verhältnis von Leib und Seele als von der Seele bestimmt. Ein Mediziner sollte seiner Meinung nach auch ein guter „Seelenarzt“ sein.

Außerdem schätzte er das „tausendjährige Wissen der Bücher“ weit mehr als vergleichsweise kurzfristige Schlüsse erfahrungsarmer Logiker und darauf aufbauende Philosophie. Da er sehr viele Experimente machte und fast alle seine Aussagen, vor allem in der Medizin, selbst erprobte, gilt er als großer Empiriker.

Al-Razi beschrieb eine Methode zur Leichenkonservierung, die im Mittelalter auch in Europa bekannt wurde und sich, mit nachträglichen Verbesserungen, bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts halten konnte. Seine Methode beruhte im Wesentlichen auf Entfernung der Eingeweide, Waschen der Körperhöhlen mit Essig und Weingeist sowie Ausfüllen des Leichnams mit aromatischen Pulvern und konservierenden Salzen.[1]

Sein Leben verbrachte er in Ray, wo er geboren wurde und auch starb, und zeitweise in Bagdad. Als Arzt war er sehr gefragt, auf dem Gebiet der Philosophie zwar viel rezipiert aber fast nur abgelehnt worden, weshalb seine Schriften kaum erhalten und nur durch polemische Antworten seiner Konkurrenten vage zu rekonstruieren sind. Sein philosophisches Interesse galt drei Dingen: der Metaphysik, der Erkenntnislehre und der Ethik.

Er predigte zwar ein mehr oder weniger asketisches Leben, lebte es aber selbst zu wenig, so dass ihm dies meist als Kritik vorgeworfen wurde und wofür er sich in seinem Werk „Die philosophische Lebensweise“ kurz vor Ende seines Lebens rechtfertigte. Abgelehnt wurde er von anderen Philosophen, vor allem aber von der islamischen Geistlichkeit. Al-Razi war kein gläubiger Muslim und ein Kritiker der Religion. Er hatte daher viele Feinde unter den konservativen Geistlichen, was dazu führte, dass er seine Position in Bagdad aufgab.

Al-Razi war danach der Direktor des Krankenhauses in Ray; diesen Posten sollte er schließlich wegen seiner theologie- und prophetenkritischen Werke verlieren. Er starb vermutlich 925 (nach anderen Quellen 932[2]) als verarmter Mann in der Wohnung seiner Schwester in Ray.

Philosophie[Bearbeiten]

Fünf Urprinzipien sind nach Al-Razis Metaphysik in der Welt ewig und von Anfang an:

  • Ein Schöpfer(gott), auch „vollkommener Intellekt“ genannt, der Mitleid und Barmherzigkeit hat
  • Die ewige Materie, welche unstrukturiert ist und aus Atomen besteht
  • Die Universalseele, nach Vollkommenheit strebend
  • Die absolute und ewige Zeit (in der geschaffenen Welt aber relative Zeit)
  • Der absolute und ewige Raum (in der geschaffenen Welt aber relativer Raum)

Trotz der Ewigkeit dieser fünf Urprinzipien kennt Al-Razi auch eine Schöpfungsgeschichte, nach welcher die Seele versucht, die Materie zu formen, aber scheitert, da Letztere sich wehrt und erst dank Gottes Eingreifen aus Mitleid und Barmherzigkeit die Welt geschaffen wird. Die Körper bekommen alle Seelenpartikel, jedoch fühlen sie sich nicht wohl und streben durch eine Art System der Wiedergeburt nach oben zur Erlösung, wenn sie ihr Leben aber „schlecht“ leben, steigen sie ab. Sie haben jedoch immer die gleichen Chancen, alle die Erlösung zu erreichen. Hier widerspricht Al-Razi dem Islam und der Lehre des Propheten Mohammed ganz heftig, weshalb er oft als Ketzer verstanden wurde. Denn nach ihm kann also kein Mensch besondere Fähigkeiten erhalten, wie etwa die des Propheten. Dennoch war Al-Razi kein Atheist, da auch in seiner Lehre alles Leben nur mit Gottes Hilfe entsteht und alles Leben zu Gott bzw. in einen gottähnlichen Zustand strebt. Seine Erkenntnislehre schließt Propheten also aus, er geht sogar so weit, sie als Betrüger zu bezeichnen, die das Volk „blenden“, da sie Wunder verwenden um „von der Wahrheit abzulenken“. In seinen ethischen Werken „Die geistige Medizin“ und „Die philosophische Lebensweise“ schreibt er darüber, wie die Seele zur Tugend erzogen werden kann und welche Lebensweise gute Voraussetzungen dafür und schließlich für ein „Aufsteigen“ der Seele liefert. Insgesamt beruht sein ethisches System auf dem Streben nach Erkenntnis, auf gutem Handeln, auf Mitleid mit den anderen, auf sinnvollem Abwägen der weltlichen Genüsse (diese aber in Maßen durchaus genießend), auf Vertrauen an den barmherzigen Gott und darauf, dass durch Wissen alles gelöst werden kann. Auf den Vorwurf, ein asketisches Leben ähnlich dem des Sokrates zu predigen, selbst aber nicht zu leben, antwortete Al-Razi in seiner letzten Schrift „Die philosophische Lebensweise“, dass er die Lebensweise des späten Sokrates bevorzuge und dass ein rein asketisches und zu zurückgezogenes Leben ähnlich dem der Sufisten nicht gut sei, da das einzelne Individuum auch für das Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft verantwortlich sei.

Über den Koran hatte Zakariya ar-Razi eine eindeutige Meinung: "Sie behaupten, dass das offensichtliche Wunder in Form des Korans jedem zugänglich ist. Sie sagen “Wer auch immer dies verneint, sollte etwas vergleichbares reproduzieren”. Tatsächlich könnten wir tausend ähnliche Erzeugnisse reproduzieren, aus dem Werk von Rhetorikern, eloquenten Sprechern und wackeren Poeten, deren Formulierungen treffender und kürzer sind. Sie können ihre Absichten besser mitteilen und auch ihr Reimprosa hat einen besseren Ryhtmus. Bei Gott, was Sie uns erzählen erstaunt uns sehr! Sie sprechen über ein Buch, das alte Mythen aufzählt und zur selben Zeit voller Widersprüchlichkeiten ist und keine wertvollen Informationen oder Erklärungen beinhaltet. Dann sagen Sie “Produziert etwas vergleichbares?” Deutsche Übersetzung Tangsir | Quelle: Jennifer Michael Hecht, “Doubt: A History: The Great Doubters and Their Legacy of Innovation from Socrates and Jesus to Thomas Jefferson and Emily Dickinson”, pg. 227-230

Bedeutung[Bearbeiten]

Europäische mittelalterliche Darstellung Al-Razis aus dem "Receuil des traites de medecine" (1250-1260), Gerhard von Cremona

Al-Razi war ein produktiver Schriftsteller, der sich mit 183 Veröffentlichungen (Bücher oder Textbeiträge) auf den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft und Philosophie hervortat.

Neben Abu Ali al-Hussein Ibn Abdallah Ibn Sina (latinisiert: Avicenna) gilt er als der bedeutendste Arzt vermutlich nicht nur des orientalischen Mittelalters. Unter anderem strukturierte und übersetzte er das riesige Werk Galens und schuf daraus einen Lehrplan für das Studium der Medizin, der über Jahrhunderte Gültigkeit hatte. Darüber hinaus beschreibt er detailliert die Pocken und Masern. Auch andere Erkrankungen wie Appendizitis oder Krämpfe während der Schwangerschaft werden von ihm dokumentiert. Ferner veröffentlicht er ein Verzeichnis der wichtigsten Heilmittel. Seine Werke wurden auch im europäischen Kulturkreis in der medizinischen Lehre verwendet. Ihm soll als Erster die Herstellung von Alkohol durch die Destillation aus Wein gelungen sein.

Der 27. August jeden Jahres ist im Iran offizieller Gedenktag für Mohammad Zakaria Razi.

Werke, Textausgaben, Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Kitāb as-Sīra al-falsafīya (Die philosophische Lebensweise)
  • Kitāb at-Tibb ar-rūhāni (Die geistige Medizin)
  • Kitāb al-Manṣūrī fī al-ṭibb (vor 903, gewidmet Abū Salih Mansūr bin Ishāq)
    • Übersetzung ins Lateinische 1175 durch Gerhard von Cremona: Liber (medicinalis) ad Almansorem / Almansorius, Liber ad Almansorem, Liber nonus; Kapitel 26-58 auch als Pseudo-Aristoteles oder Pseudo-Albertus Magnus: Physiognomia; Buch 2 ebenfalls als Pseudo-Aristoteles: Physiognomia[3]
    • moderne Teilübersetzungen:
      • Pieter de Koning: Traite sur le calcul dans les reins et dans la vessie par Abū Bakr Muḥammad ibn Zakarīyā’ al-Rāzī, Leiden 1896.
      • Pieter de Koning: Trois traites d'anatomie arabes par Muhammad ibn Zakariyya al-Rāzī, ‘Ali ibn al-‘Abbas and ‘Ali ibn Sina, Brill, Leiden 1903 (Nachdruck Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften, Frankfurt 1986, 2-89).

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Muhammad ibn Zakariya al-Razi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Magdalena Hawlik-van de Water: Der schöne Tod. Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis zwischen 1640 und 1740, Freiburg/Wien 1989, S. 203-211 (über "Die Methoden des Einbalsamierens vom Altertum bis zur Neuzeit").
  2. J. J. Lagowski; Chemistry: foundations and applications; ISBN 978-0-02-865722-6
  3. Vgl. Ch. B. Schmitt, D. Knox: Pseudo-Aristoteles Latinus. A guide to latin works falsely attributed to Aristotle before 1500. London 1985.