Adam Tooze

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J. Adam Tooze (* 1967) ist ein britischer Wirtschaftshistoriker.

Tooze studierte am King’s College (Cambridge) Volkswirtschaftslehre und an der FU Berlin. Er wurde 1996 an der London School of Economics and Political Science zum Ph.D. promoviert. In seiner Dissertation, die mit mehreren Wissenschaftspreisen ausgezeichnet wurde, befasste er sich mit der Verbindung zwischen der Entstehung der modernen, nationalen Statistik und der Krise des deutschen Staates zwischen 1900 und 1945. Tooze lehrte seit 1996 Wirtschaftsgeschichte am Jesus College der University of Cambridge. Seit 2009 ist er Professor für moderne deutsche Geschichte an der Yale University.

Er gehört der unabhängigen Historikerkommission an, die vom Bundesministerium der Finanzen am 14. Juli 2009 eingesetzt wurde, um die NS-Verstrickungen des Reichsfinanzministeriums aufzuklären. Einer breiteren deutschen Öffentlichkeit wurde Tooze mit seiner Kritik an dem Buch Hitlers Volksstaat von Götz Aly bekannt.

In einem Essay von 2013: Diesmal ist es wirklich anders. Amerikas »Große Rezession« im Spiegel der Geschichte[1] vergleicht Tooze die europäische Finanzkrise mit den US-Verhältnissen:

In jüngster Zeit erliegt man auf beiden Seiten des Atlantiks zunehmend der Versuchung, eine grundsätzliche historische Auseinander-Entwicklung der Vereinigten Staaten und Europas zu konstatieren. 2003 entwarfen Jürgen Habermas und Jacques Derrida eine prototypische Erzählung der europäischen Andersheit... Zur Verteidigung Amerikas zeichnete Robert Kagan sein skizzenhaftes Porträt Europas als der Weltgegend, die von der Wirklichkeit vergessen worden war. Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise ist eine heilsame Erinnerung daran, wie eng beide Kontinente in Wirklichkeit miteinander verflochten sind, in schlechten wie in guten Zeiten. Denn in allererster Linie handelt es sich um eine atlantische Krise. Kein anderer Teil der Weltwirtschaft ist so stark von ihr betroffen wie Europa und Amerika. Und was die Ursachen des Debakels betrifft, kann auch keine der beiden Seiten ihre Hände in Unschuld waschen. Obwohl aber ihre Ursachen diesseits und jenseits des Atlantiks miteinander verknüpft waren, haben sich im Zuge der Entfaltung der Krise doch unterschiedliche Entwicklungspfade und Krisenerzählungen herausgebildet. Für die Europäer stellt die anhaltende Krise in der Eurozone gerade die Erzählung in Frage, die Habermas und Derrida heraufbeschworen hatten: das Projekt der europäischen Einigung, den Wohlfahrtsstaat, die Erinnerung an die Gewalttaten des Zweiten Weltkriegs, die jüngeren Hinterlassenschaften des Kalten Kriegs sowie Südeuropas Kampf um die Demokratie seit den 1970er Jahren.

Schriften[Bearbeiten]

  • Statistics and the German State 1900–1945: the Making of Modern Economic Knowledge. Cambridge, Cambridge University Press 2001.
  • Wages of Destruction: The Making and Breaking of the Nazi Economy. Penguin, London/New York 2006.
    • deutsch: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. Siedler Verlag, München 2007, 927 Seiten, ISBN 978-3-88680-857-1 (Online-Leseprobe).

Weblinks[Bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten]

  1. Mittelweg 36, April/Mai 2013