Agostino Casaroli

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Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli zwischen Bundespräsident Karl Carstens und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher beim ersten Besuch Papst Johannes Pauls II. in Deutschland 1980 in Bonn
Wappen von Agostino Kardinal Casaroli

Agostino Kardinal Casaroli (* 24. November 1914 in Castel San Giovanni, Provinz Piacenza, Italien; † 9. Juni 1998 in Rom) war Kardinalstaatssekretär der römisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Am 27. Mai 1937 empfing Casaroli das Sakrament der Priesterweihe. 1939 wurde er am Päpstlichen Athenaeum Lateranense zum Dr. iur. can. promoviert. Ab 1940 arbeitete er im vatikanischen Staatssekretariat zunächst im archivarischen Dienst. Am 4. Januar 1945 verlieh ihm Papst Pius XII. den Ehrentitel Überzähliger Geheimkämmerer Seiner Heiligkeit[1] (Monsignore). 1950 wechselte Casaroli in den diplomatischen Dienst des Staatssekretariates, wo er für Lateinamerika zuständig war. Pius XII. verlieh ihm am 22. Dezember 1954 den Titel Hausprälat Seiner Heiligkeit.[2]

Im März 1961 ernannte ihn Johannes XXIII. zum Untersekretär der „Heiligen Kongregation für die außerordentlichen Angelegenheiten der Kirche“ (ab 1968: „Rat für die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche“), deren Sekretär und damit eine Art Außenminister des Heiligen Stuhls er am 4. Juli 1967 wurde. Ebenfalls am 4. Juli 1967 wurde er zum Titularerzbischof von Cartagine ernannt. Am 16. Juli 1967 spendete ihm Papst Paul VI. die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Bischof Augusto Gianfranceschi, sowie Jacques-Paul Martin, Titularerzbischof von Neapolis in Palaestina.

Johannes Paul II. ernannte ihn am 28. April 1979 zum Pro-Staatssekretär (Staatssekretär ohne Kardinalsrang) und nahm ihn am 30. Juni als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi XII Apostoli in das Kardinalskollegium auf. Bereits am nächsten Tag, dem 1. Juli, wurde er zum Kardinalstaatssekretär ernannt.

Am 25. Mai 1985 wurde er Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina.

Mit Erreichen der Altersgrenze trat Casaroli am 1. Dezember 1990 von allen seinen Ämtern zurück. 1993 wurde er Kardinalsubdekan. Fünf Jahre später starb Kardinal Casaroli mit 83 Jahren in Rom.

Agostino Casaroli gilt als Architekt der vatikanischen Ostpolitik unter Johannes XXIII. und Paul VI. Er war als Diplomat in der Lage, diffizile Abkommen mit antiklerikalen oder sogar atheistischen Regierungen auszuhandeln, etwa in Jugoslawien und Ungarn. Allerdings erntete er herbe Kritik für diese Verträge, die von den unterdrückten Katholiken der Ostblockländer als unnötige Kompromissbereitschaft gegenüber einer die Kirche verfolgenden Regierung ausgelegt wurden - so etwa das Abkommen mit Ungarn (1964), das zur Bischofsweihe von längst bekannten Geheimagenten der Kommunistischen Partei geführt hat. Von den fünf Bischofsweihen nach 1964 waren drei Kandidaten bereits als Agenten tätig und ein weiterer befand sich im Stadium der Kandidatur.[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Cerny-Werner: Vatikanische Ostpolitik und die DDR. Göttingen 2011, ISBN 9783899718751.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Annuario Pontificio per l’anno 1953, Città del Vaticano 1953, S. 1131.
  2. Annuario Pontificio per l’anno 1964, Città del Vaticano 1964, S. 1134.
  3. Vgl. Krisztián Ungváry: The Kádár Regime and the Roman Catholic Hierarchy. Hungarianquarterly.com. Abgerufen am 21. August 2010.
  4. a b Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Sebastiano Kardinal Baggio Kardinalsubdekan
1993–1998
Joseph Kardinal Ratzinger
Paolo Kardinal Marella Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina
1985–1998
Roger Kardinal Etchegaray
Jean-Marie Kardinal Villot Kardinalstaatssekretär
1979–1990
Angelo Kardinal Sodano
Giuseppe Kardinal Caprio Präfekt der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls
1981–1989
Rosalio Kardinal Lara SDB