Aidán von Ferns

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Aidán von Ferns in einer von Harry Clarke im Jahr 1919 erstellten Glasmalerei in Wexford, die ihn als blassen Asketen mit einem Modell seiner Kirche in Ferns zeigt.[1]

Aidán von Ferns (* vermutlich vor 550 in Templeport, County Cavan; † 627 vermutlich in Ferns, County Wexford)[2] ist der Begründer des Klosters in Ferns und gilt als der erste Bischof des Bistums Ferns. In den ab 1200 entstandenen Hagiographien wird er unter dem Namen Máedóg verehrt, einer Namensform, die sich von Aidán bzw. Áedh ableitet, indem der verehrende Präfix mo (übersetzt: „mein“) vorangestellt und das Diminutiv óg als Suffix hinzugefügt wird, der die Jugendlichkeit des Namensträgers betont.[3] Er gilt als der Patron seiner Diözese und von Ferns.[4] Sein Gedenktag ist der 31. Januar.[5]

Schriftliche Zeugnisse[Bearbeiten]

Zu den Annalen, die Aidáns Tod erwähnen, gehören auch neben den Annalen der vier Meister auch die Annalen von Ulster,[6] die Annalen von Tigernach[7] und das Chronicon Scotorum.[8] Durch eine Verwechslung mit Máedóg von Clonmore entstanden in den Annalen von Tigernach und dem Chronicon Scotorum jedoch auch Einträge, die auf ein zu spätes Todesjahr verweisen.[9] Sowohl die Martyrologie von Tallaght als auch die Martyriologie des Oengus, die beide zwischen 828 und 833 entstanden,[10] nennen Aidán für den 31. Januar.[11][5] Die Martyrologie des Oengus besitzt umfangreiche Glossen, die bei Aidán Auskunft zu seiner noblen Herkunft geben und ihn als einen Schüler Davids von Menevia ausweisen.[12]

Ruinen der mittelalterlichen Kathedrale und des Augustinerklosters in Ferns, in der die nicht erhaltene Erstfassung der Hagiographie zu Aidán entstand.

Die früheste erhaltene Hagiographie zu Aidán entstand um 1200, bei der es sich wohl um eine Übersetzung ins Lateinische von einer ursprünglichen irischen Fassung handelt, die jedoch nicht mehr erhalten ist. Zur Entstehungszeit der irischen Originalfassung gibt es unterschiedliche Vermutungen. Einige gehen davon aus, dass diese im 11. Jahrhundert während der Regierungszeit des damaligen Königs von Leinster Máel na mBó entstand (1042–1072).[13] Ó Riain erkennt im Text jedoch einige augustinische Bezüge und datiert deswegen diesen in die Mitte oder die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts.[14] Die Motivation für den Text lag wohl in dem Interesse, die Bedeutung von Ferns im Vergleich zu den Rivalen in Clonmore (heute in County Carlow) zu betonen.[15] Zu diesem Effekt trug auch bei, dass eine der Máedóg von Clonmore zugeordneten Erzählungen in die Hagiografie für Aidán mit aufgenommen wurde.[16] Der früheste erhaltene Text entstand vermutlich in Monmouth oder Brecon in Wales im Rahmen einer Sammlung walisischer Heiliger und wird in der British Library verwahrt.[17]

Von dieser Vita leiteten sich weitere Texte ab. Erhalten sind u.a. ein aus dem 13. Jahrhundert stammender Text in Brüssel,[18] eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Handschrift in der Primate Marsh's Library,[19] ein sehr ähnlicher, ebenfalls aus der gleichen Zeit stammender Text beim Trinity College[20] und zwei um 1350 und 1400 entstandene Handschriften in Oxford.[21]

Leben[Bearbeiten]

Aidán gehörte als Sohn von Setna dem Clan der Uí Meic Uais an, einer der herrschenden Familien des Königreichs Oriel.[22] Seine Mutter Eithne entstammte dem Clan der Uí Amalgai, die im heute zum County Mayo gehörenden Gebiet beheimatet waren.[23] Geboren wurde er in Port Island in der Gemeinde Templeport, County Cavan. Wie damals bei herrschenden Familien üblich, wuchs er wahrscheinlich bei Pflegeeltern auf und kam dann bereits in jungen Jahren nach Menevia im südlichen Wales, das damals unter der Kontrolle des aus der Gegend von Waterford stammenden Clans der Déisi war.[24] Hier war Aidán einer unter vielen Iren, die sich dort ausbilden ließen. Zahlreiche Vitae nehmen darauf Bezug wie etwa die von Finian von Clonard oder Brendan von Clonfert.[25] Vermutlich schloss Aidán seine Ausbildung mit der Priesterweihe in Menevia ab.[26]

Danach kehrte Aidán nach Irland zurück, offenbar zuerst in der Nähe des heutigen Ardamine im Norden des County Wexford. Dort und in zahlreichen weiteren Plätzen im Südwesten Irlands werden Kirchengründungen ihm zugeschrieben. Ebenso in seiner Heimat in Drumlane und in Rossinver, County Leitrim. Seine wichtigste Gründung sollte jedoch die von Ferns sein. Die Vitae betonen die enge Verbindung zwischen Aidán und Brandubh, dem damaligen König von Leinster, aber das lässt sich möglicherweise auch auf den Versuch der Autoren zurückführen, Aidáns Rang zu erhöhen.[27] Die Verbindung wird aber auch als Zeichen des sich zu seiner Zeit entwickelnden Gebens und Nehmens zwischen dem Herrscher und dem Klostergründer gesehen, bei der Herrscher das Land gibt und dafür erwartet, dass sein Seelenheil gerettet wird.[28]

Es ist davon auszugehen, dass Aidán die klösterliche Gemeinschaft in Ferns ähnlich führte, wie es bei David üblich war, die sich den Grundsatz des ora et labora zu eigen machte, die auch schwere Feldarbeit einschloss. Die Vitae berichten davon, wie er Gerste aussät, Weizen mahlt und Obstgärten anlegt. Auch die Viehhaltung mit Rindern und Schafen wird erwähnt.[27]

Der Sterbeort von Aidán ist umstritten, sowohl Ferns als auch Rossinver nehmen das jeweils für sich in Anspruch, aber Ferns wird für wahrscheinlicher erachtet. Seine Grabstätte ist unbekannt.[29]

Verehrung[Bearbeiten]

Glasmalerei in der Sankt-Aidan-Kathedrale von Enniscorthy nach einem 1849 angefertigten Entwurf von A. W. N. Pugin, der von Hardman Glass Workshop ausgeführt wurde.[30]

Die Verehrung Aidáns begann sicherlich in Ferns unmittelbar nach seinem Tod. Seine Bedeutung stieg aber erst mit der Verbreitung seiner Vitae ab dem 12. Jahrhundert.[31] Neben dem 31. Januar sind an einigen Stätten auch andere Tage der Verehrung üblich. So wird seiner an St. Edan's well in Clongeen am 15. Mai gedacht, in Kilnahue wird Maodhóg's day am 15. August gefeiert, eine Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert nennt den 3. Januar in Rossinver als Gedenktag (wobei dies auch ein Schreibfehler sein könnte), und in Wales wird Aidán auch am 28. Februar verehrt. Der Gedenktag Aidáns wird auch in einer in Rheinau entstandenen Hagiographie zu Fintan erwähnt.[32] Aidán wird auch in Hagiographien für andere Heilige erwähnt. So erwähnt Rhigyfarchs um 1090 entstandene Vita von David auch Aidán als Schüler.[33] Eine Kurzfassung des Lebenslaufs erschien auch in der Nova Legenda Anglie von John of Tynemouth.[34]

Sowohl die noch in Ferns befindliche Kathedrale der Diözese Cashel und Ossory der Church of Ireland als auch die nach Enniscorthy verlagerte Kathedrale des römisch-katholischen Bistum Ferns sind Aidán gewidmet. Weitere ihm gewidmete Kirchen in County Wexford sind in Ardamine, Clone, Clongeen, Coolhull und Kilnahue.[35] In Halwyn, Cornwall, wurde ihm zu Ehren 1313 eine Kapelle errichtet, die nicht mehr erhalten ist.[36] In Pembrokeshire gibt es ebenfalls einige Madoc geweihte Kirchen, bei denen allerdings nicht klar ist, ob die sich auf Aidán beziehen oder einen walisischen Heiligen gleichen Namens, der dann nach Cornwall und möglicherweise in die Bretagne weiterzog.[37]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Richard Sharpe: Medieval Irish Saints' Lives: An Introduction to Vitae Sanctorum Hiberniae. Clarendon Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-821582-7.
  •  James F. Kenney: The sources for the Early History of Ireland: Ecclesiastical. 2. Auflage. Four Courts Press, Dublin 1997, ISBN 1-85182-115-5.
  •  Edward Culleton: Celtic and Early Christian Wexford. Four Courts Press, Dublin 1999, ISBN 1-85182-515-0, S. 102–107.
  •  Nicholas Orme: The Saints of Cornwall. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-820765-4, S. 171–172.
  •  Pádraig Ó Riain: A Dictionary of Irish Saints. Four Courts Press, Dublin 2011, ISBN 978-1-84682-318-3, S. 432–436.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint Aidán – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1.  Lucy Costigan, Michael Cullen: Strangest Genius: The Stained Glass of Harry Clarke. The History Press Ireland, Dublin 2010, ISBN 978-1-84588-971-5, S. 245–248.
  2. Culleton, S. 103, 106; das Sterbejahr wird belegt durch den Eintrag M624.3 in den Annalen der vier Meister; die Jahresangabe wurde nach dem Tabellenwerk von Daniel P. Mc Carthy korrigiert.
  3. Culleton, S. 103.
  4. Sharpe, S. 223.
  5. a b  Whitley Stokes (Hrsg.): The Martyrology of Oengus the Culdee. Henry Bradshaw Society, London 1905, S. 39.
  6. Eintrag U625.3
  7. Eintrag T626.8
  8. CS625.
  9. Culleton, S. 106, der hier auf das Jahr 656 verweist. Die Einträge sind jedoch offenbar T660.7 und CS660.
  10.  Pádraig Ó Riain: Feastdays of the Saints: A History of Irish Martyrologies. Société des Bollandistes, Brüssel 2006, ISBN 2-87365-018-4, S. 1.
  11.  J.B.L. Tolhurst (Hrsg.): Henry Bradshaw Society, London 1927, S. 13.
  12.  Whitley Stokes (Hrsg.): The Martyrology of Oengus the Culdee. Henry Bradshaw Society, London 1905, S. 55.
  13. Culleton, S. 102, mit Bezug auf  C. Doherty: The Irish hagiographer: resources, aims, results. In: T. Dunne (Hrsg.): The writer as witness: literature as historical evidence. Cork 1987, S. 10–22. Ebenso geht Sharpe, S. 395, von einer Entstehung im 11. oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts aus.
  14. Ó Riain, S. 433. Die Gründung des Augustinerklosters in Ferns erfolgte um 1158:  Aubrey Gwynn, R. Neville Hadcock: Medieval Religious Houses in Ireland. Longman, London 1970, ISBN 0-582-11229-X, S. 175.
  15. Culleton, S. 102.
  16. Ó Riain, S. 433.
  17. Sharpe, S. 223: MS Cotton Vespasian A. XIV; Ó Riain, S. 432; Sharpe vermutet die Entstehung in Monmouth, Ó Riain in Brecon.
  18. Kenney, S. 449, Culleton, S. 102: Bibliothèque Royale 2324-40, folia 168–218v.
  19. Codex Armachanus, irreführend auch Codex Kilkenniensis genannt, siehe Sharpe, S. 94–106; Kenney, S. 305–306, 449: MS Z3.1.5, folia 51v–56v.
  20. Sharpe, S. 106–108: Trinity College MS 175.
  21. Kenney, S. 449; Sharpe, S. 247–273 (zur Datierung: S. 254); Culleton, S. 102: Bodleian Library, Rawlinson B 485, folia 154v-157v mit Lücken und die davon abgeleitete Fassung B 505, folia 180v–184 ohne Lücken.
  22. Culleton, S. 103. Die ausführliche Genealogie über neun Generationen der männlichen Linie findet sich bereits in der Martyrologie des Oengus.
  23. Culleton, S. 103, der hierzu auf das Corpus genealogiarum sanctorum Hiberniae verweist.
  24. Culleton, S. 103.
  25.  John Ryan: Irish Monasticism: Origins and Early Development. Talbot Press, Dublin 1931, S. 113–114..
  26. Culleton, S. 103.
  27. a b Culleton, S. 103–105.
  28.  Lisa M. Bitel: Isle of the saints: Monastic Settlement and Christian Community in Early Ireland. Cork University Press, Cork 1990, ISBN 1-85918-017-5, S. 158–159..
  29. Culleton, S. 106.
  30.  Stanley A. Shepherd: The Stained Glass of A. W. N. Pugin. Spire Books, Reading 2009, ISBN 978-1-904965-20-6, S. 385.
  31. Culleton, S. 105.
  32. Ó Riain, S. 435. Siehe auch Orme, S. 172, der auf eine Tradition des Gedenktags für Aidán am 31. Januar hinweist.
  33.  G. H. Doble, D. Simon Evans (Hrsg.): Lives of the Welsh Saints. 2. Auflage. University of Wales Press, Cardiff 1984, ISBN 0-7083-0870-8, S. 170.
  34. Orme, S. 172.
  35. Culleton, S. 106.
  36. Orme, S. 172.
  37.  G. H. Doble, D. Simon Evans (Hrsg.): Lives of the Welsh Saints. 2. Auflage. University of Wales Press, Cardiff 1984, ISBN 0-7083-0870-8, S. 174.