Alpnach

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Alpnach
Wappen von Alpnach
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Obwalden (OW)
Bezirk: (Der Kanton Obwalden kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1401i1f3f4
Postleitzahl: 6055
Koordinaten: 663575 / 19913646.9402768.273611464Koordinaten: 46° 56′ 25″ N, 8° 16′ 25″ O; CH1903: 663575 / 199136
Höhe: 464 m ü. M.
Fläche: 56,98 km²
Einwohner: 5736 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 101 Einw. pro km²
Website: www.alpnach.ch
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Alpnach ([ˈɑlpnɑχ])[2] ist eine politische Gemeinde im Schweizer Halbkanton Obwalden. Sie gliedert sich in die Bezirke (Ortsteile) Alpnach Dorf, Schoried und Alpnachstad mit Niderstad.

Das Wappen[Bearbeiten]

Das Emblem – eine rote Lilie in einem weissen Feld auf grünem Dreiberg – erscheint bereits in einem Vogteiverzeichnis der Propstei Luzern vom Jahre 1499. Ebenso findet man das Wappen auf der 4. Tafel der Kapellbrücke Luzern (ca. 1620) für den Dinghof Alpnach. In dieser Zeit hatten sowohl die Landammannfamilie Schönenenbüel als auch die Familie von Atzigen die Lilie in ihr Wappen übernommen.

Die Gemeinde verwendet dieses Wappen seit Anfang des 19.Jahrhunderts. Die Form der Lilie ist heraldisch nicht festgelegt. Man sieht auch Varianten, bei denen sich die Lilienblätter im Bund nicht berühren.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt auf 464 m ü. M. Tiefster Punkt ist der Alpnachersee (434 m ü. M.), höchster Punkt ist das Tomlishorn auf 2'128 m ü. M. Durch Alpnach fliessen die Kleine Schliere und die Grosse Schliere. Von der Gesamtfläche von 56,98 km² sind etwa 2,645 km² Wald und 0,936 km² landwirtschaftlich genutzt.

Vom gesamten Gemeindegebiet sind nur 5,0 % Siedlungsfläche. Einen grossen Teil des Gemeindeareals bedecken mit 54,1 % Anteil Gehölz und Wald. Eine grosse Fläche von 32,1 % wird landwirtschaftlich genutzt – oft als Alpen. Und 8,8 % sind unproduktive Flächen (meist Gebirge und Seen).

Geschichte[Bearbeiten]

Eine römische Besiedlung ist durch den Fund der Überreste eines Gutshofes in der Uechtern, südwestlich des Dorfes nachgewiesen. 1913 bis 1914 wurden dort die Grundmauern von 4 Gebäuden entdeckt, die zu einer römischen Landvilla gehörten. Diese war vom 1. bis ins 3. Jahrhundert bewohnt. Der im erstmals 11. Jahrhundert in einer Abschrift einer Urkund aus dem 9. Jahrhundert erscheinende Ortsname in Alpenacho wird entsprechend auf lat. *(fundum/prædium) Albiniacum/Alpiniacum zurückgeführt.[2]

881 schenkte Donatus Recho den Benediktinermönchen in Luzern seinen Hof in Alpnach.1036 schenkte Graf Ulrich von Lenzburg dem Stift Münster (jetzt Beromünster) seinen Besitz in Alpnach. Weitere Eigentümer waren damals unter anderen die Freiherren von Wolhusen, die Grafen von Habsburg, die Klöster Murbach und das Frauenkloster Engelberg (jetzt Sarnen). Alpnach lag an der wichtigen Verkehrsachse von Luzern über Brünigpass und Grimsel nach Oberitalien.[4][5]

Am 15. November 1315 sind bei der Schlacht am Morgarten zwei Bewohner von Alpnach (Peter im Dorf und Heinrich Wiffli) umgekommen. Am 16. November 1315 wurde in Alpnach der Graf von Strassburg mit 300 Waffengefährten von den Eidgenossen im Nachtlager bei der Ribi überfallen und geschlagen.[6] In einem Zinsrodel von 1372 sind folgende Geschlechts- und Personennamen erwähnt: Johann Durrer, (Jenni Furrer), Rudolf unter der Flue, Klaus Amstein, Heinrich Steinibach, Jenni Lütols, Klaus Häcki, Walter von Reng, Peter Winkelried. Die nachfolgend genannten Kilcher[7] von Alpnach betrieben Fähren auf dem See und hatten das ausschliessliche Recht dazu. Dieses wurde ihnen am 3. März 1424 vor dem Geschworenengericht aufgrund alter Rechte oder Erwerb bestätigt: «Jenni (Johann) Häcki, Heini und Rüdi Winkelried, Welti von Atzigen, Eberhard Suter gegen Erni Hug und die Landleute, welche für sich auch das Fährrecht auf dem See beanspruchen wollten».

Im Ortsteil Alpnachstad wurden in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1802 die helvetischen Truppen von den Unterwaldnern überrascht und geschlagen.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl in der Gemeinde wuchs zwischen 1799 und 1850 stark an, nämlich um 40,2 %. Grund hierfür war ein starker Geburtenüberschuss. Zwischen 1850 und 1860 kam es zur einzigen Abwanderungswelle der Neuzeit, die Einwohnerzahl sank in dieser Zeit um 7,8 %. 1870 und 1880 waren die Bevölkerungszahlen wieder auf der Höhe von 1850. Der Bau der Brünigbahn mit der Eröffnung der Linien Alpnachstad–Brienz und Luzern–Alpnachstad in den Jahren 1888 und 1889 und der Bau der Pilatusbahn 1889 führten zu einem Aufschwung im Tourismus. Wegen der besseren Verkehrsanbindungen entstanden erste Industriebetriebe. Dies führte zu einem anhaltenden Bevölkerungswachstum seit 1890. Nur im Jahrzehnt 1960–1970 gab es eine kurze Phase von Stagnation.

Heute ist die Einwohnerzahl mehr als dreimal höher als 1900, denn sie nahm von 1900 bis 2010 um 213,0 % zu. Grund für den Anstieg waren die Verbesserung des Angebots des Öffentlichen Verkehrs und vor allem der Bau der A8. Dies führte zur Gründung und Ansiedlung zahlreicher Firmen. Die Gemeinde wurde wegen ihrer Nähe zum Obwaldner Hauptort Sarnen und zur Stadt Luzern auch für Pendler attraktiv.

Bevölkerungsentwicklung
1799 1850 1860 1870 1880 1888 1900 1910 1920 1930 1941 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
1157 1622 1495 1639 1664 1901 1779 2091 2057 2552 2714 3022 3211 3277 3556 4215 4932 5568

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Obwaldnerdeutsch wird noch häufig gesprochen. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,7 % Deutsch, 2,25 % Albanisch und 1,78 % Portugiesisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen trotz Durchmischung immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 3'843 Personen waren katholisch (77,92 %). Daneben gab es 8,15 % protestantische und 1,66 % orthodoxe Christen, 4,50 % Muslime und 4,08 % Konfessionslose. 169 Personen (3,43 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis. Bis vor wenigen Jahrzehnten war fast beinahe die gesamte Einwohnerschaft katholisch. Die Entkirchlichung und die starke Zuwanderung aus anderen Gemeinden und dem Ausland hat in Alpnach zu einem raschen Anstieg anderer Bekenntnisgruppen geführt.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Bewohnern waren Ende 2009 4'680 (85,9 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Deutschland), Südeuropa (Italien und Portugal), dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien, Montenegro, Kosovo, Kroatien und Bosnien-Herzegowina) und der Türkei. Bei der Volkszählung 2000 waren 4'247 Personen (86,11 %) Schweizer Bürger; davon besassen 168 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten im Mittleren Alter. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren 26,70 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 15,33 % Senioren (60 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen die Personen zwischen 30 und 44 Jahren.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 421 663 233 629 1366 864 597 159
Anteil 8,54 % 13,44 % 4,72 % 12,75 % 27,70 % 17,52 % 12,10 % 3,22 %

Politik[Bearbeiten]

Alpnach wird von einem Gemeinderat aus sieben Mitgliedern geleitet. Gemeindepräsidentin ist seit 2012 Kathrin Dönni-Eggerschwiler, die zum 31. August 2014 ihren Rücktritt angekündigt hat.[8] Eine Gemeindeversammlungen findet zwei Mal im Jahr statt. Die Alpnacher entsenden seit 2014 neun Vertreter in den Obwaldner Kantonsrat, zuvor waren es wegen dem zuvor niedrigeren Bevölkerungsanteil nur acht Vertreter gewesen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Zahnradbahn Alpnachstad – Pilatus Kulm (Station Ämsigen)

Nebst traditioneller Milchwirtschaft und deren Alpbewirtschaftung (Käseproduktion: Sbrinz, Obwaldner Alpkäse, Parmino, usw.) sind in der Gemeinde Alpnach Dienstleistungs- und Holzbearbeitungsindustrien, verschiedene Baufirmen bzw. Bauteillieferanten, aber auch Hightech-Unternehmen (Mikroelektronik, Software) ansässig. In der Talebene befindet sich der Militärflugplatz Alpnach (ICAO-Code: LSMA), genutzt als Helikopterbasis der Schweizer Luftwaffe. Im Steinbruch Guber werden jährlich 60'000 Tonnen grauer Quarzsandstein abgebaut, von dem etwa ein Drittel, zu Pflastersteinen verarbeitet wird.

In Alpnach gab es (2008) 2'232 Beschäftigte in 317 Betrieben. 9,5 % der Beschäftigten in Alpnach arbeiteten im Bereich Landwirtschaft/Forstwirtschaft/Fischerei, 44,0 % in Industrie und Gewerbe und 46,5 % in Dienstleistungsunternehmen. Die Arbeitslosenquote betrug 2007 1,55 %.

Im Jahr 2000 gab es 1'796 Erwerbstätige in Alpnach. Davon waren 990 (55,12 %) Einheimische und 806 Zupendelnde, wobei die Zupendelnden vorwiegend aus der Region kamen. Im gleichen Jahr waren 2'693 Menschen aus Alpnach erwerbstätig, womit 1'701 Personen in anderen Gemeinden arbeiteten.

Tourismus[Bearbeiten]

Von Alpnachstad am Alpnachersee führt die Pilatusbahn als steilste Zahnradbahn der Welt hoch zum Pilatus (2132 m), einem markanten in das Schweizer Mittelland ragenden Bergrücken der Zentralschweiz. Die Bergstation der Zahnradbahn sowie die beiden Berghotels liegen vollständig auf Alpnacher Gemeindeboden.

Der nahe gelegene Alpnachersee, ein Seitenarm des Vierwaldstättersees, ist geeignet für verschiedene Wassersportarten, insbesondere mit guten Windsurfverhältnissen auch für Anfänger.

Alpnach bietet einen guten Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen und Biketouren in das Schlierental, in das Auengebiet des Wichelsees, des Alpnachersees und der Flussgebiete «Schlieren/Sarner Aa». Weiterhin bieten sich mittelschwere Bergwanderungen im Pilatusgebiet (Esel, Tommlishorn, Mittaggüpfi) an, mit Rastmöglichkeiten in verschiedenen Bergrestaurants und lokalen Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels und Bauernhöfen.

Als markanter Punkt in der Landschaft steht die Pfarrkirche St. Maria Magdalena mit ihrem spitzen, 91 Meter hohen Kirchturm. Daneben befinden sich in den Gemeindeteilen Alpnachstad und Schoried früh datierte Kapellen.

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr

Durch Alpnach verläuft die Zentralbahn-Strecke Luzern–Interlaken mit zwei Stationen im Gemeindegebiet: Alpnach Dorf und Alpnachstad. Von der Station Alpnachstad aus führt die Pilatusbahn auf den gleichnamigen Berg, zudem befindet sich dort eine Schiffanlegestelle der SGV.

Individualverkehr

Durch Alpnach verläuft die Hauptstrasse 4 Schaffhausen–Zürich–Luzern–Brünig–Brienz. Durch einen Steinschlag am Lopper im Herbst 2009 war die Strasse bis 2011 unterbrochen, der Verkehr verlief stattdessen über eine Pontonbrücke. Zudem verfügt Alpnach über eine Anschlussstelle der Autostrasse A8.

Galerie[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alpnach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Andres Kristol/Gabrielle Schmid: Alpnach OW (Obwalden) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 83f.
  3. Otto Camenzind: Alpnach – zur Geschichte und Gegenwart unserer Gemeinde, 1991
  4. Chronik von Alpnach von Pfarrhelfer Anton Küchler in Kerns 1839–1905
  5. Zur Geschichte des Dorfes auf www.alpnach.ch
  6. a b Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 65, Stichwort Alpnach  (Scan der Lexikon-Seite).
  7. Ein «Kilcher» ist ein Bürger oder Angehöriger der Kirchgemeinde und am Grundeigentum beteiligt, siehe Eintrag «2. Chilcher» im Schweizerischen Idiotikon. Neue Kilcher mussten sich einkaufen.
  8. Dönni tritt wegen unmöglicher Zusammenarbeit zurück, Artikel der Neuen Obwaldner Zeitung vom 22. Februar 2014, S. 21