Kanton Obwalden

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Kanton Obwalden
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: OW
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Sarnen
Beitritt zum Bund: 1291
Fläche: 491 km²
Website: www.ow.ch
Bevölkerung
Einwohner: 36'507[1] (31. Dezember 2013)
Dichte: 74 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,6 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 1,1 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

46.858.23Koordinaten: 47° N, 8° O; CH1903: 660356 / 189066 Obwalden (schweizerdeutsch Obwaldä, bis 2007 amtlich Unterwalden ob dem Wald; französisch Obwald, italienisch Obvaldo, rätoromanisch Sursilvania) ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweiz. Zusammen mit dem Kanton Nidwalden bildete er Unterwalden, einen der drei Urkantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291. Der Hauptort ist Sarnen.

Geographie[Bearbeiten]

Obwalden grenzt an den Vierwaldstättersee und hat fünf grössere Seen: Sarnersee, Lungerersee, Melchsee, Tannensee und Wichelsee. Höchste Erhebung des Kantons ist der Titlis mit 3'238 m ü. M., der zu den Urner Alpen gehört. Die grössten Teile des Kantons gehören aber zu den Unterwaldner Voralpen, einem Teil der Zentralschweizer Voralpen. Der tiefste Punkt liegt mit 434 m ü. M. am Vierwaldstättersee.

Obwalden ist neben Nidwalden der einzige Binnenkanton der Schweiz, der ganz von Binnenkantonen umgeben ist. Die Nachbarkantone von Obwalden sind Bern, Luzern, Nidwalden und Uri. Die Obwaldner Gemeinde Engelberg ist vom Hauptteil des Kantons durch Nidwalden getrennt und ist damit eine Exklave.

Mittelpunkt der Schweiz[Bearbeiten]

Obwalden liegt im Herzen der Schweiz. Das Bundesamt für Landestopographie hat den Mittelpunkt der Schweiz bei der Koordinate 660158 / 18364046.8012101944448.2266921944444 ermittelt. Dieser Punkt liegt bei der Älggi-Alp, die sich oberhalb des Kleinen Melchtals auf Sachsler Gemeindeboden befindet. Jedes Jahr wird dort der Schweizer des Jahres auf einem Stein, der den Mittelpunkt der Schweiz symbolisiert, mit einer Inschrift verewigt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten]

Obwalden liegt vollumfänglich im deutschsprachigen Teil der Schweiz. Amtssprache ist demnach Deutsch. Die Umgangssprache der Obwaldner ist die Mundart Obwaldnertyytsch (Obwaldnerdeutsch). Sie gehört zur Gruppe der höchstalemannischen Dialekte.

Merkmale und Besonderheiten[Bearbeiten]

Typisch für den Obwaldner Dialekt ist die Diphthongierung von mhd. langem û zu ui (mhd. hûs – obw. Huis – nhd. «Haus»; ebenso: Muis – «Maus», Puir – «Bauer»). Daneben werden die Vokale auch entrundet: scheen für «schön», Feen für «Föhn», Fyyr für «Feuer».

Im alten Kantonsteil (das heisst Obwalden ohne Engelberg) unterscheidet man zwei Lautgebiete. Das Obere Sarner Tal mit Lungern, Giswil, dem Schwendi (Sarnen), Sachseln, Wilen und das Untere Sarner Tal mit Sarnen, Alpnach, Kerns. Nachfolgend ein paar Beispiele zur Lautung:

Hochdeutsch Unteres Sarner Tal Oberes Sarner Tal
Auto Aito Oito
Baum Baim Boim
Du Dui Dui
Frau Fraiw Froiw
Hemd Hämmli Hemmli (auch Kerns)
Haus Huis Huis
schauen luägä liogä
schön scheen scheen

Neben diesen Merkmalen der Aussprache gibt es verschiedenste Besonderheiten im Obwaldner Wortschatz, wie zum Beispiel Fazäneetli, Fazäneezli für «Taschentuch» oder Tschidel, Tschidälä für «Schädel», die jedoch teilweise auch in anderen Innerschweizer Dialekten vorkommen. Eine Auflistung von Obwaldner Wörtern (inkl. Lungerer und Engelberger Eigenheiten) findet sich im Obwaldner Mundart-Wörterbuch aus dem Jahre 2000, zusammengetragen vom ehemaligen Kernser Pfarrer Karl Imfeld.[4]

Wandel seit Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Das fast rundum von Bergen begrenzte Gebiet der Obwaldner Mundart deckt sich mit dem alten Kantonsteil von Obwalden. Bis zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945) behielt die Mundart ihre Eigenheiten. Für den Kenner waren damals noch Eigenheiten auszumachen, die den Sprecher soger einem bestimmten Gemeindegebiet zuordnen liessen. Nach 1950 dehnte sich die Sarner ä-,ai-/uä-Lautung immer mehr auf die Dörfer der Nachbargebiete aus (äng, Frai, Buäb statt «eng», «Froi», «Biob»). Die Bautätigkeit seit den 1960er Jahren vermehrte das Wohnungsangebot, Zuzüge von auswärts nahmen stark zu und halten unvermindert an.[4]

Um die Jahrtausendwende sprach etwa die Hälfte der Einwohner unverkennbar Obwaldner Mundart. Bei einem weiteren Teil ist sie von einem allgemeinen Schweizerdeutsch mehr oder weniger eingefärbt. Etwa ein Drittel der Einwohner dürfte zum Ortsdialekt keine Beziehung mehr haben.[4] Vor allem im unteren Kantonsteil ist der Einfluss des Luzerner Dialekts stark spürbar.

Lungerer Mundart[Bearbeiten]

Innerhalb des alten Kantonsteils weist die Lungerer Mundart zwischen Kaiserstuhl und dem Brünigpass Eigenheiten in der Lautung und in der Konjugation der Verben und oft auch Besonderheiten in der Wortbedeutung auf. So ist in der Lungerer Mundart eine eigene Form des Verbs in der ersten Person Plural Präsens anzutreffen (miär häi – «wir haben», aber syy häind – «sie haben»), wogegen das übrige Sarner Tal den Einheitsplural kennt (miär, iär, syy händ). Ältere Sprecher in Lungern verwenden auch noch eine eigene Form des Perfekts, indem sie dem Partizip die Endung -es anhängen, z. B.miär häi ggässes neben miär häi ggässä. Besonders bei älteren Sprechern ist in Lungern noch eine typische Sprechmelodie zu beobachten.[4]

Typische Lungerer Wörter: Frouw für «Frau» oder frewwä für «freuen».

Engelberger Mundart[Bearbeiten]

Das Hochtal von Engelberg kam erst 1815 zum Kanton Obwalden. Sein Lokaldialekt ist wohl die melodiöseste alemannische Mundart. Ältere Engelberger sprechen auffallend langsam und mit einer ausgeprägten Satz- und Wortmelodie. Der Engelberger Dialekt unterscheidet sich in der Lautung stark von demjenigen des Sarner Tales.[4]

Typische Engelberger Wörter: Döi für «Du» oder Chruiz für «Kreuz».

Politik[Bearbeiten]

Im Unterschied zur alten Bundesverfassung, in der Obwalden als Halbkanton aufgezählt wurde, wird Obwalden in der Bundesverfassung vom 18. April 1999 als selbständiger Kanton aufgeführt. Es gilt der Grundsatz der rechtlichen Gleichstellung der Kantone. Allerdings existieren zwei Einschränkungen des Gleichheitsprinzips: Den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Nidwalden kommt bei der Vertretung im Ständerat sowie bei der Ermittlung des Ständemehrs beim obligatorischen Referendum nur das halbe Gewicht zu.

Verfassung[Bearbeiten]

Die Verfassung des Kantons Obwalden (bis 2007: «Verfassung des Kantons Unterwalden ob dem Wald») wurde 1968 erlassen und seither mehrfach geändert.[5]

Direktdemokratische Volksrechte[Bearbeiten]

Erlass und Änderung der Verfassung sowie rechtsgültig zustande gekommene Volksbegehren betreffend Gesetzeserlasse und Finanzbeschlüsse des Kantonsrates, sofern der Kantonsrat dem Begehren nicht zustimmt, unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum).

Die übrigen Gesetzeserlasse und -änderungen sowie Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 1'000'000 Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 200'000 Franken unterliegen der Volksabstimmung, wenn es von 100 Stimmberechtigten oder einem Drittel der Mitglieder des Kantonsrats verlangt wird (fakultatives Referendum).

Die Stimmberechtigten können selbst die Gesamt- oder eine Teilrevision der Kantonsverfassung sowie den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes oder eines Finanzbeschlusses vorschlagen, wenn 500 Stimmberechtigte einen dahingehenden Vorschlag («Volksbegehren») unterstützen (Volksinitiative).

Das Stimmrecht für Frauen wurde in Obwalden am 24. September 1972 eingeführt. Das fakultative Gesetzesreferendum wurde 1998 eingeführt, als die traditionelle Landsgemeinde (jährliche Versammlung der Aktivbürgerschaft und Abstimmung über die Gesetze durch Handerhebung) abgeschafft wurde; bis damals unterstanden alle Gesetze dem obligatorischen Referendum.

Legislative[Bearbeiten]

Der Obwaldner Kantonsrat hat 55 Mitglieder, wobei jede Gemeinde mit mindestens 4 Personen vertreten ist. Die Mitglieder des Kantonsrates werden vom Volk gemäss dem Proporzwahlverfahren fest auf vier Jahre gewählt. Bis einschliesslich der Amtsperiode 2010–2014 entsendete Sarnen 15 Mitglieder, Kerns 9, Alpnach 8, Sachseln 7, Giswil 6, Engelberg 6 und Lungern 4 in den Kantonsrat. Ab der Amtsperiode 2014–2018 entsenden wegen der Entwicklung der Einwohnerzahlen neu Alpnach 9 und Giswil 5 Vertreter in den Kantonsrat. Nachfolgend die Sitzverteilung von 2010[6] und die ab Ende Juni 2014 aufgrund der Wahlen vom 9. März 2014.[7]

Partei Sitze 2014 Sitze 2010 Sitzverteilung 2010
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 19 20
Sitzverteilung des Kantonsrats 2010
Schweizerische Volkspartei (SVP) 13 11
FDP.Die Liberalen (FDP) 10 10
Christlichsoziale Partei Obwalden (CSP OW) 7 8
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 6 6

Die 2014 ebenfalls angetretene Juso gewann keinen Sitz.

Exekutive[Bearbeiten]

Der Regierungsrat des Kantons Obwalden umfasst fünf Mitglieder und wird vom Volk auf vier Jahre im Majorzwahlverfahren gewählt. Der Präsident des Regierungsrats wird Landammann, der Vizepräsident Landstatthalter genannt. Diese beiden Ämter werden jährlich vom Kantonsrat neu vergeben. Bei der Gesamterneuerungswahl am 9. März 2014 wurde anstelle der nicht mehr angetretenen Esther Gasser Pfulg die FDP-Politikerin Maya Büchi-Kaiser in den Regierungsrat gewählt. Die vier wiederangetretenen Regierungsräte wurden bestätigt.

Regierungsrat Partei Departement, Amtszeit
Niklaus Bleiker, Landstatthalter CVP Volkswirtschaftsdepartement
Maya Büchi-Kaiser FDP Sicherheits- und Justizdepartement
Franz Enderli CSP OW Bildungs- und Kulturdepartement
Paul Federer FDP Bau- und Raumentwicklungsdepartement
Hans Wallimann, Landammann CVP Finanzdepartement

Judikative[Bearbeiten]

Die Zivil- und Strafgerichtsbarkeit wird in erster kantonaler Instanz vom Kantonsgericht, in zweiter kantonaler Instanz vom Obergericht ausgeübt. In den meisten zivilrechtlichen Angelegenheiten geht dem Verfahren vor Gericht ein Schlichtungsversuch vor der kantonalen Schlichtungsbehörde voran.

Die Gerichtsbarkeit bei verwaltungsrechtlichen Streitigkeiten wird durch das Verwaltungsgericht ausgeübt.

Vertretung auf nationaler Ebene[Bearbeiten]

Obwalden entsendet einen Vertreter in den Ständerat (Hans Hess, FDP) und aufgrund seiner Einwohnerzahl auch nur einen Vertreter in den Nationalrat (Karl Vogler, CSP).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Am schweizerischen Volkseinkommen hat Obwalden einen Anteil von 0,3 Prozent, seine Finanzkraft liegt bei nur etwa 40 Prozent des schweizerischen Durchschnitts. Unter den mittelgrossen Firmen sind einige international tätig:

  • in Sarnen die Sika Sarnafil AG (Kunststoffe), die Leister Process Technologies (Elektrogeräte und Hightech-Medizin) und die Nahrin AG (Nahrungsmittelspezialitäten)
  • in Sachseln die Maxon Motor AG (ehemals Interelectric AG) (Sachseln) mit Kleinstmotoren, der Müesli-Hersteller Bio-familia AG (gegründet 1954 durch die Familie Hipp) und die Elfo AG (Elektroforming)
  • die Enz Technik AG in Giswil (Kanaltechnik) und die Wiko AG in Kerns (Leiterplattenherstellung)

Das Kantonsspital Obwalden in Sarnen mit 440 Mitarbeitern stellt die erweiterte medizinische Grundversorgung von Obwalden sicher.

Die Landwirtschaft ist von Familienbetrieben geprägt, von denen sich manche auch dem Tourismus geöffnet haben. Eine grosse Tradition haben Fleischproduktion und Käsereien, sowie die Holzwirtschaft. Die zentrale Lage ist allerdings nur innerschweizerisch günstig.

2005 hatten 86 Prozent der Abstimmenden in Obwalden eine Änderung des Steuergesetzes angenommen, der zufolge Einkommen über 300'000 Franken und Vermögen über 5 Millionen Franken einer degressiven Besteuerung unterliegen sollten, um ergiebige Steuerzahler anzuziehen. Dies sorgte schweizweit für heftige Diskussionen um Steuerwettbewerb und Steuergerechtigkeit. 2007 erklärte das Bundesgericht die degressiven Steuertarife für verfassungswidrig, da sie dem Grundsatz der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit widersprächen. Die Obwaldner Regierung akzeptierte das Urteil und änderte die entsprechenden Gesetze. Per 2008 führte Obwalden eine «Flat Rate Tax» ein, eine Volksabstimmung am 16. Dezember 2007 brachte eine Zustimmung von 91 Prozent.

Tourismus[Bearbeiten]

Obwalden ist touristisch erschlossen. Neben den Skigebieten Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt, Brunni und Mörlialp sind die Bergbahnen Pilatusbahn und Lungern-Schönbüel weitere touristische Ziele. Zur Übernachtung gibt es zahlreiche Hotels, Gästezimmer, Ferienwohnungen und Gruppenunterkünfte sowie drei Campingplätze am Sarnersee und je einen am Alpnachersee und Lungerersee. Es existiert ein breites Freizeitangebot, das neben den Wintersportarten und den typischen Bergsportarten auch Gleitschirmfliegen, Canyoning und verschiedene Wassersportarten umfasst.

Bildung[Bearbeiten]

Die Schulpflicht in Obwalden beträgt zehn Jahre und beginnt mit dem Eintritt in das obligatorische Kindergartenjahr im Alter von rund sechs Jahren. Die anschliessende Primarschule dauert in der Regel sechs Jahre (erste bis sechste Klasse). Danach erfolgt der Übertritt in die drei Jahre dauernde Oberstufe (Sekundarstufe I), die in Obwalden je nach Gemeinde als integrative Orientierungsschule (IOS) oder als kooperative Orientierungsschule (KOS) geführt wird.

Die Kantonsschule Obwalden ist ein Langzeitgymnasium, der Eintritt erfolgt gewöhnlich nach der 6. Klasse der Primarschule, die Schulzeit beträgt sechs Jahre. Zusätzlich ist ein Eintritt in die dritte Klasse möglich, was einem Kurzzeitgymnasium entspricht. Die Ausbildung endet mit der Matura.

Der Kanton Obwalden verfügt über keine Hochschule, er ist jedoch im Rahmen des Fachhochschul-Konkordats zusammen mit den anderen fünf Zentralschweizer Kantonen an der Hochschule Luzern beteiligt. Diese bietet den Absolventen der Berufsmaturitätsschule verschiedene Studienrichtungen an.

Für die Volksbildung sorgen Kurse des Berufs- und Weiterbildungszentrums, des Freizeitzentrums Obwalden, sowie verschiedener Vereine und Verbände wie beispielsweise die IG Alter Obwalden, die Pro Senectute Obwalden, mehrere örtliche Familientreffs, der Landfrauenverband Obwalden und mehrere Weiterbildungshäuser. Weiterhin steht in jeder Gemeinde eine Gemeindebibliothek bzw. im Hauptort Sarnen die Kantonsbibliothek Obwalden zur Verfügung.

Daneben existieren mehrere Privatschulen und spezielle Schulen, wie beispielsweise die Sportmittelschule Engelberg, die Höhere Fachschule Medizintechnik in Sarnen und die Pflegeschule ZIGG (Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe) in Alpnach. Die Stiftung Rütimattli betreibt in Sachseln und Sarnen Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, geistig, mehrfach oder psychisch behindert sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Zusammen mit dem Kanton Nidwalden bildet Obwalden den Urkanton Unterwalden. Unterwalden gehörte zusammen mit Schwyz und Uri zu den drei Waldstätten, die im Jahre 1291 den Ewigen Bund schlossen und damit den Grundstein für die heutige Schweiz legten.

Obwalden war bis zur Ankunft der Alemannen um das Jahr 700 von Kelten und Römern besiedelt. Vom Landfriedensbündnis 1291 bis etwa 1330 regelte es wichtige Angelegenheiten zusammen mit Nidwalden auf gemeinsamen Landsgemeinden, war aber politisch eigenständig. Im 14. Jahrhundert begründete Obwalden eine eigene Landesherrschaft. Um diese Macht darzustellen wurde 1418 in Sarnen ein erstes Rathaus gebaut. Auf der Suche nach Absatzmärkten für Vieh und Käse beteiligte Obwalden sich 1403 an der «ennetbirgischen Politik» Uris und half bei der Eroberung der Leventina mit. Hundert Jahre später wurde der Solddienst für fremde Kriegsherren wirtschaftlich bedeutend. Die wohlhabenden ehemaligen Söldner bestimmten als Inhaber der höheren Ämter für Jahrhunderte die Landespolitik.

Mit den Franzosenkriegen und der Helvetik (1798–1803) verlor Obwalden zwar vorübergehend seine Eigenständigkeit, die Bevölkerung erlangte aber erstmals politische Grundrechte. 1815 schlossen sich das Kloster und die Talgemeinde Engelberg Obwalden an und bilden seither eine zwischen den Kantonen Bern, Uri und Nidwalden gelegene Exklave.

In den wirtschaftlich schwierigen Jahren von 1850 bis 1914 wanderten rund 400'000 Schweizerinnen und Schweizer aus. Allein in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wanderten mehr als 1000 Personen aus dem Kanton Obwalden nach Übersee aus, was ungefähr sieben Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach.[8] Über 90 Prozent der aus Obwalden stammenden Auswanderer wählten Nordamerika als Auswanderungsziel, vornehmlich den mittleren Westen und die Pazifikküste.[9] Um die 1920er Jahre gab es Auswanderungen nach Österreich.

Historische Verkehrssituation[Bearbeiten]

Die Qualität der Verkehrsverbindungen nach Obwalden war bis Anfang des 19. Jahrhunderts mangelhaft. So war um 1800 die Anreise von Luzern nach Sarnen nur über den See nach Alpnachstad oder zu Fuss von Hergiswil über den Renggpass möglich. Erst 1820 wurde zwischen Alpnach und Sarnen eine Karrenstrasse erbaut. Der Brünigpass wurde erst zwischen 1857 und 1860 vom Saumweg zu einer mit Fuhrwerken befahrbaren Strasse ausgebaut. Zeitgleich wurde auch die Strasse von Hergiswil um den Lopper nach Alpnachstad angelegt. Aber erst 1876 war die Brünigstrasse zwischen Luzern und Brienz wirklich ohne Einschränkungen befahrbar, als zwischen Alpnachstad und Kägiswil die Strasse verlegt und ausgebaut wurde.

Zusammen mit der Einführung von einer Kursschiffverbindung zwischen Luzern und Stansstad wurde 1858 ein Pferdepostkurs zwischen Alpnach über Sarnen nach Lungern eingeführt. Am 30. Juni 1861 wurde die Postwagenverbindung über den Brünig nach Brienz verlängert, was einen intensiven Reiseverkehr auslöste. Um diese Zeit begann man in Obwalden den Tourismus zu fördern.

Nach der Konzessionserteilung 1880 für eine Brünigbahn wurde diese 1886 der Bahngesellschaft Jura–Bern–Luzern übertragen, welche sogleich mit dem Bau begann. Nach nicht einmal eineinhalb Jahren konnte am 13. Juni 1888 die Strecke Meiringen–Sarnen eingeweiht werden. Am nächsten Tag wurde auf der Strecke Meiringen–Alpnachstad der fahrplanmässige Verkehr aufgenommen. Im folgenden Jahr war auch der Loppertunnel fertig gestellt und die Strecke konnte von Alpnachstad nach Luzern verlängert werden.

Schon im Mittelalter führte die Sommerroute des Schwabenwegs (als Teil des Jakobswegs) durch Obwalden. Auf dem Weg von dem Kloster Einsiedeln nach Santiago de Compostela ging dieser von Stans her kommend durch Kerns, Sachseln, Giswil, Lungern und weiter über den Brünigpass Richtung Brienz. Mit Ausbildung des Wallfahrtsorts Flüeli-Ranft wurde dieser in den Verlauf des Weges eingebunden.

Gemeinden[Bearbeiten]

Nachfolgend aufgelistet sind alle sieben Gemeinden per 31. Dezember 2013:

Ort Einwohner
Sarnen 10'084
Kerns 5943
Alpnach 5811
Sachseln 5007
Engelberg 4020
Giswil 3555
Lungern 2087

Der Kanton Obwalden kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr.: 0600.

Trivia[Bearbeiten]

Der Kanton Obwalden wird in der Zentralschweizer Jugendsprache mitunter auch Upwood genannt.[10][11][12] Eine andere scherzhafte Bezeichnung ist Tschifiland, abgeleitet vom älteren Übernamen Tschifeler für Obwaldner.[13] Das Lied Oh mis liebs Obwaldnerländli von Rosalie Küchler-Ming wird auch als «inoffizielle Kantonshymne» bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Imfeld: Volksbräuche und Volkskultur in Obwalden. Brunner Verlag, Kriens 2006, ISBN 978-3-03727-016-5.
  • Karl Imfeld: Obwaldner Mundart-Wörterbuch. Brunner Verlag, edition magma, Kriens 2000, ISBN 3-905198-55-X.
  • Angelo Garovi: Obwaldner Geschichte. Staatsarchiv des Kantons Obwalden, Sarnen 2000, ISBN 3-9520429-1-9.
  • Niklaus von Flüe: Obwalden zur Zeit der Helvetik 1798–1803. Obwaldner Geschichtsblätter, Heft 7, 1961.
  • Niklaus von Flüe: Die Mediationszeit in Obwalden 1803–1813. Obwaldner Geschichtsblätter, Heft 10, 1968.
  • Niklaus von Flüe: Restaurationszeit in Obwalden. Die Beziehungen Obwaldens zum Bund und die Entwicklung des Kantons von 1814 bis 1848. Obwaldner Geschichtsblätter, Heft 22, 1998.
  • Niklaus von Flüe: Obwalden 1848–1888. Die Einordnung in den Bundesstaat. Obwaldner Geschichtsblätter, Heft 25, 2004.
  • Niklaus von Flüe: Obwalden im 18. Jahrhundert. Obwaldner Geschichtsblätter, Heft 26, 2009.
  • Edwin Huwyler: Die Bauernhäuser der Kantone Obwalden und Nidwalden. Schweizerische Ges. für Volkskunde, Basel 1993, ISBN 3-908122-43-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kanton Obwalden – Quellen und Volltexte
 Commons: Kanton Obwalden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Obwalden – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. a b c d e Karl Imfeld, Obwaldner Mundart-Wörterbuch. Brunner Verlag, edition magma, Kriens 2000, ISBN 3-905198-55-X
  5. Verfassung des Kantons Obwalden (PDF; 144 kB), abgerufen am 5. November 2012
  6. Kantonsratsportrait
  7. Kantonsrat OW: SVP legt leicht zu auf Kosten von CVP und CSP, Meldung des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) vom 9. März 2014
  8. Alle anders – alle gleich, Ausländer- und Integrationspolitik des Kantons Obwalden, Bericht der Arbeitsgruppe, 24. April 2001 (PDF), abgerufen am 5. Oktober 2012
  9. Romano Cuonz: Auf der Suche nach einem bessern Leben – Obwaldner Auswanderung nach Kalifornien. In: Einst in Obwalden, Fotografien erzählen Geschichten, Brunner Verlag, Luzern 1999.
  10. Upwood Connection Jugendvereinigung, die unter anderem Partys in Obwalden organisierte (letzte Aktualisierung von 2007), abgerufen am 21. Februar 2013
  11. Big Band Upwood Juniors der Musikschule Sarnen, abgerufen am 25. Oktober 2012
  12. Schweizer Kanton Obwalden Artikel auf swiss.de, abgerufen am 25. Oktober 2012
  13. Vgl. die Ausführungen des Staatsarchivs Nidwalden über die Übernamen Tschifeler und Reissäckler (PDF; 111 kB)