Amphipolis

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Dieser Artikel behandelt die antike thrakische Stadt. Zur gleichnamigen Stadt in Syrien siehe Thapsakos.
Lage von Amphipolis in Griechenland
Lageplan von Amphipolis
Löwe von Amphipolis an der Via Egnatia / Westufer des Strymonas

Amphipolis (griechisch Ἀμφίπολις) war eine antike griechische Polis, die durchgehend bis in die Spätantike als städtische Ansiedlung existierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Attische Zeit[Bearbeiten]

Amphipolis wurde von Athen im Jahr 437 v. Chr. an Stelle der Siedlung Ennea Hodoi (griechisch Ἐννέα ὁδοί = Neun Wege) von dem Feldherrn Hagnon gegründet und war in der Folgezeit ein wichtiger Stützpunkt für Athen in Thrakien, um die Gold- und Silber-Bergwerke in der Thasitischen Peraia zu übernehmen und zu kontrollieren. Ihr Hafen an der Mündung des Strymon (ursprünglich Aioneios) hieß nach einer alten thrakischen Siedlung Eion.

Bereits im Jahr 464 v. Chr. hatte Athen erfolglos versucht, in diesem Gebiet Fuß zu fassen, war aber vom Stamm der Edonen in der Schlacht von Dabreskos zurückgeschlagen worden.

Amphipolis erlangte während des Peloponnesischen Kriegs Bedeutung, unter anderem wegen der Beschaffung von Holz für den Schiffbau, Einnahmen aus den Bergwerken der Umgebung, Zöllen sowie der strategischen Position.[1] Die Stadt ergab sich 424 v. Chr. kampflos dem Spartaner Brasidas,[2] wobei der athenische Stratege Thukydides, der spätere Historiker, zu spät eintraf, um die Stadt noch für Athen zu retten; er musste daraufhin ins Exil gehen. Im Jahr 422 v. Chr. griff der athenische General Kleon Brasidas bei Amphipolis an. In der Schlacht, in der Sparta Sieger blieb, kamen beide Generäle ums Leben. Kurz darauf wurde der Nikiasfrieden geschlossen. Die Einwohner bestatteten den Spartaner innerhalb der Mauern. Sie betrachteten ihn als den zweiten Gründer ihrer Stadt und verehrten ihn mit Spielen und kultischen Feiern als Heros.

Makedonische Zeit[Bearbeiten]

Im Jahr 356 v. Chr. wurde Amphipolis von Philipp II. von Makedonien erobert. Da die Athener an ihren Ansprüchen auf die Stadt festhielten, spielte der Konflikt um Amphipolis in den Folgejahren (bis 338) eine wichtige Rolle für die Entwicklung der makedonisch-athenischen Beziehungen.

In der Zeit der Diadochenkriege nahm Kassander 316 v. Chr. Alexander IV. Aigos, den minderjährigen Sohn und legitimen Thronfolger Alexander des Großen, mit dessen Mutter Roxane, der ersten Ehefrau Alexander des Großen, in Amphipolis unter Hausarrest und ließ beide dort 310/309 v. Chr., durch den Befehlshaber Glaukias ermorden, womit das makedonische Herrschergeschlecht der Argeaden endete.[3]

Im Dritten Makedonisch-Römischen Krieg standen sich der römische Feldherr Lucius Aemilius Paullus und der Makedonische König Perseus in der Schlacht bei Pydna gegenüber. Nach dieser verlorenen Schlacht durch die Makedonen, flüchtete sich Perseus mit seinem Golde nach Amphipolis, Aemilius Paullus nahm die Stadt ein und setzte ihn in Gefangenschaft, damit endete das Makedonische Königreich. Im Jahre 167 v. Chr verhandelte die Senatskommision in Amphipolis über die Aufteilung der Gebiete und die Stadt wurde zum Protektorat Roms erklärt.[4]

Römische Zeit und Untergang[Bearbeiten]

Amphipolis wird auch in der Apostelgeschichte im Neuen Testament als Reisestation des Apostel Paulus und seines Mitarbeiters Silas erwähnt (Apg 17,1 EU). Nach einer Blütezeit in der Spätantike, in der es zahlreiche Kirchenneubauten, aber auch bereits einen Bevölkerungsrückgang gab, kam es im frühen Mittelalter zu einem allmählichen Rückbau der Stadt in den unruhigen Zeiten der Invasion der Slawen. Zunächst wurde die untere Stadt aufgegeben und die Bewohner zogen sich in den Bereich um die Akropolis zurück, später führte der Rückgang der Bevölkerung zu einem kompletten Verlust der städtischen Strukturen. Letztmals wird im späten achten Jahrhundert ein Bischof von Amphipolis erwähnt.

Berühmte Einwohner der Stadt[Bearbeiten]

Ein berühmter aus Amphipolis stammender kynischer Redner und Sophist war Zoilos von Amphipolis.

Ausgrabungen ab den 50er Jahren[Bearbeiten]

In einer nordöstlich von Amphipolis gelegenen Nekropole (Lage) wurden erstmals 1956 intensivierte Ausgrabungen vorgenommen.[5]

Seit 2012 wird eine ungewöhnlich große Einzelgrabanlage mit einem Umfang von rund 500 m ausgegraben, die vermutlich aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. stammt. Im Sommer 2014 wurde ein aufwändig gestalteter Eingangsbereich freigelegt, er besteht aus der Abfolge: Versiegelungs-Mauer, einem von zwei Sphingen behüteten Durchgang, einem erdgefülltem Vorraum, einer zweiten Versiegelungs-Mauer und im Anschluss einem Tor mit zwei Karyatiden.[6] Der Fußboden hinter den Karyatiden und vor dem Marmortor, das den Eingang zur nächsten Kammer bildet, ist mit einem kunstvollen Mosaik geschmückt.[7] Das Bildfeld zeigt den Raub der Persephone. Der von zwei Schimmeln gezogene Wagen des Hades wird von Hermes als Brautführer angeführt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amphipolis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Donald Kagan: The Outbreak of the Peloponnesian War. Cornell University Press, Ithaca/New York 1969, ISBN 0-8014-9556-3, S. 186f.
  2. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg 4, 106.
  3. Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus, zweiter Teil, Geschichte der Diadochen, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Tübingen, Enßlin Druck Reutlingen, 1952, S. 257 u. 258.
  4. Cassius Dio, Buch 20, Verlag Artemis & Winkler, ISBN 978-3-538-03124-1, S. 433–437.
  5. C. Koukouli-Chrysanthaki: Excavating Classical Amphipolis, in M. Stamatopoulou, M. Yeroulanou: Excavating Classical Culture, BAR International Series 1031, 2002, online, PDF (1,9 MB), abgerufen am 9. September 2014.
  6. Griechisches Ministerium für Kultur und Sport Übersicht Amphipolis, abgerufen 8. September 2014.
  7. Griechisches Ministerium für Kultur und Sport [1]. abgerufen 13. Oktober 2014.
  8. Griechisches Ministerium für Kultur und Sport [2]. abgerufen 16. Oktober 2014.

40.8223.85Koordinaten: 40° 49′ 12″ N, 23° 51′ 0″ O