Anholt (Insel)

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Anholt
Landschaft auf Anholt
Landschaft auf Anholt
Gewässer Kattegat
Geographische Lage 56° 42′ 24″ N, 11° 34′ 21″ O56.70666666666711.572548Koordinaten: 56° 42′ 24″ N, 11° 34′ 21″ O
Anholt (Dänemark)
Anholt
Länge 9,5 km
Breite 4,6 km
Fläche 22,37 km²
Höchste Erhebung Sonderbjerg
48 m
Einwohner 154 (1. Januar 2014[1])
6,9 Einw./km²
Hauptort Anholt
Anholt als Teil des früheren Randers Amt
Anholt als Teil des früheren Randers Amt
Anholt Grasland
Anholt Blick auf den Hafen
Anholt Strand Westseite

Anholt [ˈanhɔlʔd] ist eine 22,37 km² große[2] dänische Insel im Kattegat. Auf ihr leben 154 Menschen (1. Januar 2014).[1] Etwa 15 Kilometer südwestlich Anholts wurde bis September 2013 der Offshore-Windpark Anholt errichtet, mit 111 Anlagen und 400 MW Leistung der größte dänische Offshore-Windpark.[3]

Verwaltung[Bearbeiten]

Anholt bildet eine eigene Kirchspielsgemeinde (dän.: Sogn) Anholt Sogn, die bis zur Kommunalreform 1970 zur Harde Djurs Nørre Herred im damaligen Randers Amt gehörte, danach zur Grenaa Kommune im damaligen Århus Amt, die ihrerseits seit der Kommunalreform 2007 ein Teil der Norddjurs Kommune in der Region Midtjylland ist.

Geographie, Geologie und Vegetation[Bearbeiten]

Anholt liegt 50 Kilometer nordöstlich der ostjütischen Stadt Grenå. Der Westteil der Insel ist eine drei Quadratkilometer große Moränenlandschaft; hier liegt auch der gleichnamige Ort. Die Dünen der Insel erreichen im Sønderbjerg (deutsch: „Südberg“) eine Höhe von 48 Metern. Der Nordbjerg ist wie der Sønderbjerg ein Plateau mit einer Höhe von bis zu 39 Metern. Am Vesterstrand („Weststrand“) verbindet das Vesterklit die Anhöhen.

Von Westen und Süden ist die Insel dem Meer und starkem Wind ausgesetzt; dies erklärt die steilen Küsten. Der Osten ist eine flache Strandwallebene. Die Insel ist durch ein flaches Gebiet von Süden nach Osten fast in zwei Teile geteilt. Sie ist die Folge der postglazialen Landhebung, die Anholt besonders stark hob. Auf den Strandwällen findet man kleine, durch Erosion ausgehöhlte eisenhaltige Steine, die im Volksmund als „Zwergentöpfe“ bezeichnet werden. Das bis ins 17. Jahrhundert mit Kiefern bewachsene Eiland beherbergt heute die größte zusammenhängende Flechtenheide in Nordeuropa und wird durch eine auch „Wüste“ genannte Dünen- und Heidelandschaft geprägt. Sie erstreckt sich bis zum Leuchtturm „Anholt Fyr“ an der Ostspitze über zehn Kilometer. Das Gebiet ist spärlich bewachsen mit Strandhafer, Krähenbeeren und Mittlerem Lerchensporn, abgesehen von wenigen waldähnlichen Gebieten.

Der jüngste Teil von Anholt ist – außer der Ostspitze (Totten) – das an der Nordwestküste gelegene Flakket, ein flaches Vorland mit Strandwiesen. Es hat sich in den Jahren nach dem Bau des Hafens gebildet, weil sich hier – bedingt durch die Molen – die Strömungs- und Schutzverhältnisse geändert haben. Das Gebiet ist ein Vogelreservat und steht unter Naturschutz. Die östliche Inselspitze setzt sich unter Wasser als zwölf Kilometer lange Sandbank (Ost-Riff) fort, bedingt durch die Wind- und Strömungsverhältnisse an dieser Stelle.

Im Inneren der Insel liegen die mit Erika, Krähenbeere und Gräsern bewachsenen Heideflächen sowie Grau- und Weißdünen. Im Süden befinden sich viele vom häufigen Westwind blank geschliffene scharfkantige Steine, der so genannten Wüstenlack. Die Flechtenheide ein Lebensraum windunempfindlicher Pflanzen und Tieren. Die Entwicklungsstadien von der Krusten- zur Laubflechte sind hier gut zu beobachten und die Becher-, Lungen- und Rentierflechten sind die Hauptvertreter. Von den 2237 Hektar der Insel stehen 2067 Hektar aufgrund landschaftlicher und wissenschaftlicher Interessen unter Naturschutz.

Geschichte[Bearbeiten]

Es gibt einzelne archäologische Funde aus dem letzten Teil des Altsteinzeit. Weitere Funde zeugen von Bewohnern während der Jungsteinzeit (Grübchenkeramische Kultur). Systematische Untersuchungen über die Vergangenheit Anholts gibt es nicht. Es gibt keine Funde aus der Bronzezeit, jedoch liegen aus der Wikingerzeit einzelne Funde vor.

Laut König Waldemars Grundbuch aus dem Jahre 1231 besaß der König ein Haus oder eine Jagdhütte auf dem Sønderbjerg. Anholt war also Gut der Krone.

1441 kam die Insel unter die Verwaltung von Kalø Lehn unter Leitung von Otto Nielsen Rosenkrands.

1668 wurde Anholt an den Zollverwalter Peder Jensen Grove verkauft; dessen Witwe heiratete 1674 Hans Rostgaard aus Krogerup und seitdem ist die Insel im Eigentum dieser Familie.

Ort[Bearbeiten]

Abgesehen vom Hafen ist die Stadt die einzige Siedlung auf Anholt. Hier finden alle sozialen und kulturellen Aktivitäten statt. Fast alle Häuser sind sehr alt; vieles ist in Fachwerk und oftmals auch aus Strandgut gebaut. Viele der Häuser sind im Laufe der Zeit verlängert worden, wenn neue Generationen in den Familien Platz brauchten.

Die Kirche stammt aus dem Jahre 1819, nachdem die vorherige während der Besetzung der Insel von den Briten zerstört worden war. Fundamentreste zeugen von einem noch älteren Kirchenbau.

Die Schule nördlich des Versammlungshauses wurde 1917 erbaut und 1956 erweitert. Die Kinder werden von der Kindergartenklasse bis zur 9. Klasse in einem Drei-Klassen-System unterrichtet. Das alte Schulgebäude – im Jahre 1843 gebaut – ist seit 1983 der Sitz des Verkehrsvereins von Anholt.

Hafen[Bearbeiten]

Nach mehreren Jahren politischer Verhandlungen und einer Bauzeit von 1899 bis 1902 bekam Anholt einen Fischereihafen, der als Zufluchthafen für die Kattegatfischer und als Heimathafen für die Fischerboote von Anholt diente. Auch die Fähre nach Grenaa legt hier an.

Das Rettungshaus, 1919 erbaut, wird seit 1938 nicht mehr genutzt. Ein Rettungsmotorboot liegt heute ständig an einer der Molen im Hafenbecken. Die erste Rettungsstation auf Anholt wurde 1878 am Leuchtturm errichtet, ist aber seit 1926 nicht mehr in Betrieb. In den letzten 200 Jahren gab es über 200 Schiffbrüche vor Anholt.

Leuchtfeuerwesen[Bearbeiten]

Das Leuchtfeuerwesen begann 1561 mit einem königlichen Auftrag. Am Anfang war das Leuchtfeuer ein sogenanntes Papageienfeuer.

1785 wurde ein 35 Meter hoher Turm gebaut mit einem offenen Feuer, dieser Turm bekam 1805 eine Laterne und wurde 1838 zum Spiegelfeuer umgebaut. 1881 wurde der heutige Leuchtturm errichtet und das Feuer zum Linsenfeuer umgebaut. Der Leuchtturm „Anholt Fyr“ ist heute eine denkmalgeschützte Sehenswürdigkeit. Auf dem Ostebakke in der Mitte der Insel gab es früher ein Leuchtfeuer, das heute verschwunden ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Anholt ist unter Seglern ein beliebtes Ziel, die Insel ist die am weitesten vom Festland entfernte Insel Dänemarks – abgesehen von den Atlantikinseln. Der Hafen ist im Sommer häufig überfüllt. Ebenso ist Anholt bekannt für einen langen, breiten, sauberen und feinen Sandstrand. Im Sommer bevölkern bis zu 6000 Menschen die Insel. Die meisten Touristen kommen aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland. Die Fähre braucht von Grenå aus etwa drei Stunden, wobei die Mitnahme von Fahrzeugen nur für Einheimische erlaubt ist. Die Insel hat einen Fahrradverleih und einen Flugplatz nahe dem einzigen Ort.

Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Der Arbeitsmarkt auf Anholt unterscheidet sich vom Üblichen dadurch, dass die Menschen oft mehrere Jobs ausüben, um eine Vollzeitbeschäftigung zu erreichen. Der Briefträger betreibt zum Beispiel auch die Eisbude. Wenn man vom Tourismus absieht, gibt es auf der Insel dreißig verschiedene Branchen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistikbanken -> Befolkning og valg -> BEF4: Folketal pr. 1. januar fordelt på øer (dänisch)
  2. Danmarks Statistik: Statistical Yearbook 2009 - Geography and climate, Table 3 Area and population. Regions and inhabited islands (englisch; PDF; 39 kB)
  3. Offshore-Windpark Anholt eingeweiht. In: Schiff & Hafen, Heft 10/2013, S. 57

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anholt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien