Schwarze Krähenbeere

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Schwarze Krähenbeere
Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum)

Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum)

Systematik
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie: Ericoideae
Gattung: Krähenbeeren (Empetrum)
Art: Schwarze Krähenbeere
Wissenschaftlicher Name
Empetrum nigrum
L.

Die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) ist ein immergrüner Zwergstrauch mit essbaren schwarzen Beeren. Standort der Krähenbeere sind Sandheiden, Moorheiden, Hochmoorränder. Diese Art ist in den Alpen sehr selten, sie wird dort von der Zwittrigen Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) vertreten. Die Art ist zirkumpolar verbreitet. Der Name leitet sich durch die Verdauungsverbreitung durch Krähen ab.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Krähenbeere mit reifer Frucht
Bei guten Bedingungen wächst die Krähenbeere flächendeckend
Krähenbeerbestand in einem Moor
Braundünen auf Spiekeroog. Auf den mittlerweile versauerten Böden überzieht die Krähenbeere in großen dunkelgrünen Teppichen die Nordhänge der Dünen.

Die Schwarze Krähenbeere ist ein niederliegender, immergrüner, Teppich bildender Zwergstauch und Wurzelkriecher, der bis zu 50 cm hoch wird. Die einzelnen Sträucher können über 80 Jahre alt werden. Die nadelartig rinnigen Blätter werden bis 6 mm lang und 2 mm breit und sind am Blattrand umgerollt, so dass die auf der Blattunterseite befindlichen Spaltöffnungen nur durch einen schmalen Spalt mit der Außenluft in Verbindung stehen. Was wohl eher eine Anpassung an die Mineralsalzarmut des Bodens darstellt als eine Anpassung an die Trockenheit. Die Pflanze bildet eine Mykorrhiza vom Ericaceen-Typ aus.

Die Blüten sind vorwiegend zweihäusige nektarreiche „Scheibenblumen“. Die Farbe der eher unscheinbaren Blüten ist bei den männlichen blassrosa und bei den weiblichen purpurfarben. Diese werden schon im Spätsommer für das nächste Jahr angelegt. Bestäuber sind Bienen und Schwebfliegen; auch Windbestäubung ist möglich. Die Blütezeit ist Mai bis Juni. Bis Mitte Juli wachsen dann zahlreiche schwarze, beerenartige Steinfrüchte heran. Diese unterliegen der Verdauungsverbreitung beispielsweise durch Krähen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Schwarze Krähenbeere ist in ihrer Verbreitung auf die Nordhalbkugel beschränkt. Dort ist sie zirkumpolar verbreitet und bevorzugt torfig-sandige Böden in ausgesprochen luftfeuchtem und wintermildem Klima. In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Nord- über Mitteleuropa südwärts bis zu den Pyrenäen, dem mittleren Teil des Apennins und bis Bulgarien. In den Alpen kommt die Schwarze Krähenbeere bis in Höhen von 2.800 m im Berner Oberland vor. In den Nordalpen bis liegt die Höhengrenze bei 2.200 m.

In Deutschland kommt die Art in den Mittelgebirgen Rhön, Eifel, Harz Thüringer Wald und im Bayerischen Wald vor. An der Norddeutschen Küste besiedelt Dünen an den Küsten von Nord- und Ostsee. Im Tiefland findet man die Art zerstreut und oft bestandsbildend an trockeneren Stellen in Hochmooren. Vereinzelt ist die Art im Harz, im Thüringer Wald, im Fichtelgebirge und anderen Randgebirgen des Böhmischen Beckens sowie im Schwarzwald anzutreffen.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Früchte schmecken säuerlich bitter und wirken aufgrund ihres Gehaltes an Andromedotoxin leicht berauschend und Schwindel erregend.

Die Früchte sind roh und gekocht essbar. Die in Nordeuropa vorkommenden Formen mit größeren und aromatisch schmeckenden Beeren werden insbesondere nach Frost in größeren Mengen verzehrt. Die Sami lassen sie in Milch einfrieren als Vorrat für den Winter, die Eskimos essen sie als Delikatesse vermischt mit breiartig zerschlagener Dorschleber, in Island bewahrt man sie in saurer Milch auf oder trinkt den Fruchtsaft und auf Grönland verzehrt man sie mit Seehundspeck vermengt. In Norwegen bereitet man Wein daraus.

In der Volksmedizin wurden Beeren wegen ihres hohen Gehaltes an Vitamin C gegen Skorbut und dank ihres Gerbstoffgehaltes gegen Durchfall verwendet.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die ganze Pflanze ist wenig giftig; in den skandinavischen Ländern und in Nordrussland gelten die Früchte roh und verarbeitet als genießbar.

Hauptwirkstoffe sind: Ursolsäure, Rutin, Quercetin, Isoquercetin und Ellagsäure; auch Andromedotoxin kommt in der Pflanze vor.

Vermutlich sind bei den örtlichen Rassen starke Schwankungen der Inhaltsstoffe festzustellen. Bienenhonig von Empetrum-Arten kann im Extremfall Gastroenteritis und kardiale Komplikationen hervorrufen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 2. erweiterte Auflage. Band 2: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Dilleniidae): Hypericaceae bis Primulaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1993, ISBN 3-8001-3323-7.
  • Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2007, ISBN 978-3-933203-53-3 (Nachdruck von 1992).
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  •  Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarze Krähenbeere – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien