Anna Leonowens

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Robert Harris (1849–1919): Portrait of Anna H. Leonowens (Ausschnitt) Öl auf Leinwand, 76,2 × 60 cm. Confederation Centre Art Gallery, Charlottetown

Anna Harriette Edwards Leonowens (* 5. November 1831 in Indien, nach anderen Angaben im Jahre 1834; † 19. Januar 1915 in Montreal, Kanada) war eine englische Lehrerin und Schriftstellerin.

Anna Leonowens wurde berühmt durch ihre Bücher und Erzählungen über ihren fünfjährigen Aufenthalt von 1862 bis 1867 in Siam (heute Thailand), wohin sie gerufen wurde, um die etwa fünfzig Kinder des Königs von Siam, König Mongkut (Rama IV.), in westlicher Bildung zu unterrichten. Ihre Geschichte wurde 1944 in einer Biografie zusammengefasst und infolge als Broadway-Musical aufgeführt und mehrmals verfilmt.

Biografie[Bearbeiten]

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Die historische Anna Harriette Edwards wurde 1831 in Indien als Tochter des aus Middlesex stammenden Tischlers Thomas Edwards und Mary Anne Glassock, Tochter eines Kanoniers, geboren. Ihr Vater wurde von der Infanterie in Bombay rekrutiert und starb drei Monate vor ihrer Geburt. Annas verwitwete Mutter heiratete einen aus Irland stammenden Unteroffizier der britischen Kolonialarmee in Indien (d.h. der Armee der British East India Company), der während des Sepoy-Aufstands mit dem Viktoria-Kreuz ausgezeichnet wurde. Im Alter von etwa sechs Jahren wurden Anna und ihre Schwester Eliza zurück nach England geschickt (womöglich zu Verwandten), um dort unterrichtet zu werden. Sie kehrten im Alter von 14 und 15 Jahren nach Indien zurück. Als ihr frustrierter und ständig betrunkener Stiefvater versuchte, sie (wie ihre Schwester) mit einem wohlhabenden und doppelt so alten Kaufmann zu verheiraten, lief Anna von zu Hause weg und flüchtete zu Reverend Percy Padger und seiner Ehefrau. Mit ihnen zusammen durchreiste sie den Nahen Osten. Mit einem Gefühl von „Unabhängigkeit und Toleranz“ trotzte sie ihrem Stiefvater und brannte mit dem Sekretär, Thomas Leon Owens, im Alter von 17 Jahren durch.

In ihrer Ehe gebar Anna insgesamt vier Kinder, von denen nur zwei überlebten, Louis und Avis. Ihr Sohn sollte sie später nach Siam begleiten und eine Figur in ihren Tagebüchern und Verfilmungen spielen. Anders als von ihr erzählt habe Thomas Schwierigkeiten gehabt, einen Job zu halten, wodurch sie gezwungen waren, oft umzuziehen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt ließ Thomas seinen Namen Leon Owens in Leonowens ändern. Er starb um 1859 an einem Schlaganfall. Anna reiste mit ihren Kindern nach Singapur und baute dort mit Hilfe von Freunden eine kleine Schule für Kinder von Offizieren auf. Sie schickte ihre Tochter Avis auf eine englische Schule. Zu dieser Zeit erhielt sie die Einladung des Königs von Siam, seine Kinder und den Thronfolger in der englischen Sprache zu unterrichten.

Während ihres Aufenthalts in Bangkok unterrichtete sie die Kinder des Königs in der englischen Sprache. Nach ihrem fünfjährigen Aufenthalt in Siam reiste Anna Leonowens in die USA, wo sie ihre Bücher schrieb. Schließlich zog sie mit ihrer Tochter nach Kanada, während ihr Sohn weiterhin in Siam blieb. Er gründete später eine Handelsgesellschaft, die noch heute existiert. Anna lebte unter anderem in Halifax und gründete in Nova Scotia die Victoria School of Art, die heute als Nova Scotia College of Art and Design bekannt ist.

Leonowens liegt auf dem Friedhof Mont-Royal in Montreal begraben. Sie ist die Großtante von Boris Karloff.

Internationale Bekanntheit[Bearbeiten]

Leonowens verfasste nach ihrer Rückkehr aus Siam selbst Artikel über ihr Leben und Arbeiten am Königshof und schrieb 1870 ihre erfolgreichen Memoiren, The English Governess at the Siamese Court, denen 1873 die Erzählung Romance of the Harem folgte. Leonowens Kritiker bemängelten historische Ungenauigkeiten und eine betont feministisch-kritische Betrachtung des Lebens am siamesischen Hofe. Historische Tatsachen widerlegen heute viele ihrer Aussagen, und Historiker sind heute der Meinung, die Lehrerin habe ihre eigenen Fähigkeiten übertrieben und den König als Narren diffamiert, obwohl sie in Wirklichkeit kaum mit ihm in Berührung kam.

International bekannt wurde Leonowens Geschichte allerdings erst 1944 durch die romanhafte Biographie[1] Der König und ich (Originaltitel: Anna and the King of Siam) von der amerikanischen Schriftstellerin Margaret Landon, die sich mit dem Leben von Leonowens befasst hatte. Auf diesem Buch und den Schriften Leonowens basieren neben dem Broadway-Musical The King and I (1951, mit Gertrude Lawrence und Yul Brynner) insgesamt vier Verfilmungen:

Allesamt beschreiben die Kinderlehrerin in der Position einer Erzieherin und Gouvernante mit einer einflussreichen Beziehung zu dem damaligen König.

Kontroversen[Bearbeiten]

Noch heute protestiert die thailändische Regierung gegen den Mythos Leonowens, was unter anderem auch der Grund war, dass der Film Anna und der König in Malaysia und nicht in Thailand gedreht wurde. Anders als in den drei vorhergegangenen Verfilmungen bemühten sich die Produzenten in vielfältiger Weise, den Anforderungen der thailändischen Regierung gerecht zu werden. Dennoch wurde dem Film das gleiche Schicksal zuteil wie dem Musical The King and I aus dem Jahre 1956. In Thailand darf er nicht aufgeführt werden. Dies würde den mit hohen Freiheitsstrafen bedrohten Straftatbestand der Majestätsbeleidigung erfüllen.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Diese Biographie stammt aus den Untersuchungen von Dr. W. S. Bristowe und wurde verfasst von William Warren. Bis heute werden unterschiedliche Details der Biographie veröffentlicht, welche teilweise den Angaben von Anna Leonowens und Dr. W. S. Bristowe entstammen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]