Deborah Kerr

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Deborah Kerr (1973)

Deborah Kerr [ˈdebrə kɑː], CBE (* 30. September 1921 in Helensburgh, Schottland; † 16. Oktober 2007 in Suffolk, England; gebürtig Deborah Jane Kerr-Trimmer) war eine britische Schauspielerin. Vor allem während der 1950er Jahre zählte sie zu den erfolgreichsten Darstellerinnen in Hollywood.

Leben[Bearbeiten]

Deborah Jane Kerr wurde als Tochter eines Offiziers geboren. Sie verlor ihren Vater mit 14 Jahren und übersiedelte danach mit ihrer Mutter in die Nähe von Bristol, wo sie bis 1936 die Internatsschule Northumberland House besuchte und anschließend die von ihrer Tante Phyllis Smale geleitete Hicks-Smale-Schauspielschule. Erste schauspielerische Erfahrungen sammelte sie bei Liebhaberaufführungen. Zudem las sie für die BBC Kindergeschichten im Radio vor. 1937 zog sie nach London und besuchte die Ballettschule des Sadler’s Wells-Theaters, wo sie 1938 erstmals als Tänzerin auftrat. Nach ersten kleineren Rollen in Shakespeare-Aufführungen des Freilichttheaters im Regent’s Park wurde sie 1940 Ensemblemitglied des Oxford Playhouse. Im selben Jahr bekam sie eine kleine Rolle in der George-Bernard-Shaw-Verfilmung Major Barbara von Gabriel Pascal. Während des Zweiten Weltkriegs trat sie in Frankreich, Belgien und Holland auch an Fronttheatern für die alliierten Truppen auf. Dabei lernte sie ihren ersten Ehemann kennen, den Jagdflieger Anthony Bartley. Die Ehe, aus der zwei Töchter (Melanie Jane und Francesca Ann) hervorgingen, wurde 1959 nach 14 Jahren geschieden.

1947 gelang ihr mit der Rolle einer unerfahrenen Nonne in Die schwarze Narzisse (Black Narcissus) der Durchbruch als Schauspielerin, woraufhin sie einen Vertrag bei MGM erhielt. Ihr Hollywood-Debüt gab sie anschließend neben Clark Gable in dem Film Der Windhund und die Lady (The Hucksters). Aufgrund ihrer vornehmen Erscheinung wurde sie vom Studio als legitime Nachfolgerin von Greer Garson gehandelt und hauptsächlich als Tee trinkende Dame eingesetzt. In der Romanze If Winter Comes spielte sie daher auch an der Seite von Walter Pidgeon, dem langjährigen Partner von Garson. Eine Ausnahme bildete ihr Auftritt als alkoholkranke Ehefrau von Spencer Tracy in Edward, mein Sohn (Edward, My Son), der ihr 1950 die erste von sechs Oscar-Nominierungen einbrachte.

Oft war sie an der Seite von Stewart Granger zu sehen, mit dem sie u. a. 1950 in dem Abenteuerfilm König Salomons Diamanten (King Salomon’s Mines) auf Expedition in den Dschungel ging. An der Seite von Robert Taylor verkörperte sie 1951 die junge Christin Lygia in Mervyn LeRoys Monumentalfilm Quo Vadis. Der Film, von MGM in Italien gedreht, war ursprünglich mit Gregory Peck und Elizabeth Taylor in den Hauptrollen begonnen worden.

1953 spielte Deborah Kerr eine kleine Nebenrolle in dem Historienfilm Die Thronfolgerin neben Jean Simmons, die seit ihrem Mitwirken in Die schwarze Narzisse ebenfalls zum Star in Hollywood aufgestiegen war. Im selben Jahr gelang Kerr ein erfolgreicher Imagewechsel: Nachdem Joan Crawford sich aufgrund von Unstimmigkeiten über Drehbuch sowie Kostümauswahl aus Fred Zinnemanns Verdammt in alle Ewigkeit (From Here to Eternity) zurückgezogen hatte, übernahm Deborah Kerr die Rolle der Karen Holmes, einer leidenschaftlichen Offiziersgattin und Ehebrecherin, an der Seite von Burt Lancaster. Kerrs britisch-unterkühlte und zugleich unter der Oberfläche brodelnde Aura kontrastierte dabei mit der machohaften Art von Lancaster.

Robert Mitchum, mit dem die Schauspielerin zusammen drei Filme drehte, wie beispielsweise Der Seemann und die Nonne (Heaven Knows, Mr. Allison, 1956), bezeichnete die Chemie zwischen ihnen als derart gut, dass man ihre gemeinsamen Szenen an getrennten Orten hätte drehen können und das zusammengeschnittene Ergebnis dennoch eine perfekte Übereinstimmung ergeben hätte.

1956 übernahm Kerr als Anna Leonowens die weibliche Hauptrolle an der Seite von Yul Brynner in der Musical-Verfilmung Der König und ich (The King and I). Eine ihrer (aufgrund zahlreicher Wiederholungen im Fernsehen) bekanntesten Rollen spielte sie ein Jahr später neben Cary Grant in Die große Liebe meines Lebens (An Affair to Remember), einem Remake des Films Ruhelose Liebe (Love Affair), in dem Irene Dunne und Charles Boyer 1939 die Hauptrollen gespielt hatten. Als ihre größte Herausforderung bezeichnete Kerr ihre Rolle als unterdrückte junge Frau in der Terence Rattigan-Verfilmung Getrennt von Tisch und Bett (Separate Tables) aus dem Jahr 1958. Ihr Filmpartner David Niven gewann für seine Rolle einen Oscar. In der James Bond-Parodie Casino Royale (1967) spielte sie erneut neben Niven und einer Reihe von Weltstars die mörderische Ehefrau des britischen Geheimdienstchefs „M“ (John Huston).

Elia Kazans Das Arrangement (The Arrangement) war 1969 ihr letzter Hollywoodfilm. Danach wirkte sie bis 1985 in britischen Film- und Fernsehproduktionen mit, darunter die Neuverfilmung des Billy-Wilder-Klassikers Zeugin der Anklage (Witness for the Prosecution, 1957), und trat regelmäßig am Broadway und am Londoner West End auf.

Kerr lebte zuletzt mit ihrem zweiten Ehemann, dem Schriftsteller Peter Viertel, den sie 1960 geheiratet hatte, in Klosters in der Schweiz. Obwohl sie an Parkinson erkrankt war, nahm sie den ihr 1994 verliehenen Ehrenoscar in Hollywood persönlich entgegen. 1998 wurde ihr der Commander of the Most Excellent Order of The British Empire verliehen.

Im August 2004 wurde ihr im Ruhestand lebender Bruder, der Journalist Edward „Teddy“ Kerr, in West Heath, Birmingham, totgeschlagen.

Deborah Kerr starb 2007 im Alter von 86 Jahren an den Folgen ihrer Parkinson-Erkrankung in Suffolk, England.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar
  • 1950: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Edward, mein Sohn
  • 1954: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Verdammt in alle Ewigkeit
  • 1957: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Der König und ich
  • 1958: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Der Seemann und die Nonne
  • 1959: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Getrennt von Tisch und Bett
  • 1961: nominiert als Beste Hauptdarstellerin für Der endlose Horizont
  • 1994: Ehrenoscar für das Lebenswerk
British Film Academy Award
  • 1956: nominiert als Beste britische Darstellerin für Das Ende einer Affäre
  • 1958: nominiert als Beste britische Darstellerin für Anders als die anderen
  • 1962: nominiert als Beste britische Darstellerin für Der endlose Horizont
  • 1965: nominiert als Beste britische Darstellerin für Das Haus im Kreidegarten
Golden Globe Award
Weitere

Emmy

  • 1985: nominiert als Beste Nebendarstellerin in einem Mehrteiler oder Special für Des Lebens bittere Süße

Golden Apple Award

  • 1956: Golden Apple als kooperativste Schauspielerin

New York Film Critics Circle Award

  • 1947: Beste Hauptdarstellerin für Die schwarze Narzisse und I See a Dark Stranger
  • 1957: Beste Hauptdarstellerin für Der Seemann und die Nonne
  • 1960: Beste Hauptdarstellerin für Der endlose Horizont

Photoplay Award

Deutsche Synchronstimmen von Deborah Kerr[Bearbeiten]

  • Marianne Kehlau: Bonjour Tristesse, Schloss des Schreckens, Donner in Fernost, Auch Helden können weinen, Die große Liebe meines Lebens, Französische Betten, Das Haus im Kreidegarten, 3 x nach Mexiko, Zeugin der Anklage
  • Eva Katharina Schulz: Die Nacht des Leguan, Die Krone des Lebens, Die den Hals riskieren
  • Eleonore Noelle: Der König und ich, Vor Hausfreunden wird gewarnt, Das Ende einer Affäre
  • Erika Georgi: Major Barbara
  • Marion Degler: Der Gouverneur von Pennsylvanien, Der Seemann und die Nonne
  • Gerda Maria Terno: Die schwarze Narzisse
  • Edith Schneider: Quo vadis?, Du und keine andere, Die Thronfolgerin
  • Tilly Lauenstein: Anders als die anderen, Die schwarze 13
  • Gudrun Genest: Getrennt von Tisch und Bett
  • Dagmar Altrichter: Die Pille war an allem schuld, Des Lebens bittere Süße

Literatur[Bearbeiten]

  • James Robert Parish: Hollywood's great love teams. Arlington House Publishers, New Rochelle, New York 1974, ISBN 978-0-87000-245-8.
  • Eric Braun: Deborah Kerr. Allen, London 1977, St. Martin’s Press, New York 1978, ISBN 0-312-18895-1.
  • Bruce Babington: British stars and stardom: from Alma Taylor to Sean Connery. Manchester University Press, Manchester, New York 2001, ISBN 978-0-7190-5841-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deborah Kerr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien