Anna selbdritt

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Dieser Artikel behandelt das kunsthistorische Thema.
Zum Gemälde von Leonardo da Vinci siehe Anna selbdritt (Leonardo da Vinci).
Zur Stuckplastik der Stralsunder Nikolaikirche siehe Anna selbdritt (Stralsund).

Anna selbdritt bezeichnet in der christlichen Ikonographie eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Der Bildtyp gehört zu den Andachtsbildern, die sich im späten Mittelalter und besonders häufig und vielgestaltig in Deutschland und den Niederlanden, aber auch in Italien und Spanien herausgebildet haben. Der Ausdruck selbdritt ist ein altes Wort für „als Teil einer Dreiergruppe“ oder auch „zu dritt“.

Anna selbdritt, Glasmalerei, Kölner Werkstatt, 1510–1530, Wilhelm-Hack-Museum
Anna selbdritt (1508) auf dem Altar der Heiligen Sippe in Langenzenn

Ikonographie[Bearbeiten]

Als ältestes bekanntes Bild der Mutter Marias ist die Wandmalerei in der sogenannten „Drei-Mütter-Nische“ aus dem 8. Jahrhundert in der Kirche Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum in Rom erhalten. Dargestellt ist die Gottesmutter mit dem Jesuskind in einer Mandorla, zur Linken Elisabeth mit dem hl. Johannesknaben und zur Rechten die hl. Anna mit ihrer Tochter Maria. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich vermehrt Beispiele bildlicher Anna-selbdritt-Darstellungen finden, wie beispielsweise in der Nikolaikirche von Stralsund, siehe Anna selbdritt (Stralsund). Typisch für diese frühen Bilder ist die im Vergleich zur heiligen Anna verhältnismäßig kleine, mädchenhaft ausgeführte Marienfigur. Ein besonders bekanntes Gemälde ist eine Darstellung Leonardo da Vincis, die zwischen 1500 und 1510 während seines Aufenthaltes in Florenz entstanden ist. Beginnend mit Sigmund Freud war die Anna selbdritt von Leonardo da Vinci wiederholt der Ausgangspunkt psychologischer Betrachtungen.

Insgesamt sind sehr viele Skulpturen, Gemälde und Altarbilder der Anna selbdritt in den Kirchen ganz Europas erhalten. Das Motiv ist ebenfalls auf diversen Münzen und Siegeln zu finden, die Stadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirge trägt eine Anna selbdritt im Wappen. Gelegentlich wurde die Darstellung noch um die hll. Joachim und Josef zu einem größeren Familienbild, der sogenannten Heiligen Sippe erweitert. Mitunter wird auch Emerentia, die Mutter Annas, zur Gestaltung einer Emerentia selbviert hinzugefügt, Beispiele für diesen Bildtyp findet sich etwa im Mindener Dom und im Limburger Dom.

Annenkult[Bearbeiten]

Entstanden ist der Bildtyp einer Anna selbdritt aus dem Annenkult des Mittelalters. Da es aber keine biblischen Quellen gibt über die Existenz der Eltern Marias, Mutter Anna und Vater Joachim, zu denen später noch die Mutter Annas mit Namen Emerantia kam, bezogen sich die Künstler bei vielen Themen des Marienlebens, zu denen auch Anna selbdritt gehört, auf apokryphe Evangelien und auf die populäre Legenda aurea des Jacobus de Voragine.

Im apokryphen Protevangelium des Jakobus wird über einen betagten Tempelpriester mit Namen Joachim berichtet, der nach langer Ehe mit seiner Frau Anna immer noch kinderlos war, und dessen Opfer im Tempel von seinem vorgesetzten Priester aus diesem Grund abgelehnt worden war. Daraufhin erschien sowohl Joachim als auch Anna ein Engel, der ihnen die Geburt einer Tochter, Maria, weissagte. Die Darstellung Marias im Tempel, auch „Tempelgang Mariens“ genannt, wurde ebenfalls zu einem beliebten Thema in der abendländischen Kunst.

Aufschwung erhielt der Annenkult in der Folge der Einführung des Anna-Tages in den römischen Heiligenkalender durch Papst Sixtus IV. und die Einführung des Anna-Festes durch Papst Gregor XIII.

Viele der zahlreichen Bruderschaften vor allem in Deutschland wählten Anna zur Schutzpatronin und stifteten Kapellen und Altäre, auf denen häufig Statuen der Anna selbdritt aufgestellt wurden. Indiz für den in Europa verbreiteten Annenkult ist die große Anzahl der Patrozinien der hl. Anna in West-, Mittel-und Osteuropa. Die große Rolle, die dort die Annenaltäre in der Volksfrömmigkeit spielten, spiegelt sich in der Vielzahl der angebrachten Ex-voto-Tafeln und Bilder wider.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marlies Buchholz: Anna selbdritt. Bilder einer wirkungsmächtigen Heiligen. Langewiesche Nachfolger Köster, Königstein i. Ts. 2005, ISBN 3-7845-2113-4.
  • Johannes H. Emminghaus: Anna Selbdritt. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Band 5, S. 185–190.
  • Sigmund Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (= Schriften zur angewandten Seelenkunde. Bd. 7, ZDB-ID 846752-3). Deuticke, Leipzig u. a. 1910 (Neuauflage. (= Fischer-Taschenbücher 5705). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-25705-0).
  • Meyer Schapiro: Leonardo and Freud: An Art-Historical Study. In: Journal of the History of Ideas. Bd. 17, Nr. 2, 1956, ISSN 0022-5037, S. 147–178.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anna selbdritt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien