Annies Kiosk

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Annies Kiosk im Oktober 2007

Annies Kiosk ist ein dänischer Imbissstand, der am Fjordvejen in der Ortschaft Sønderhav (deutsch Süderhaff) unweit von Flensburg in der Aabenraa Kommune liegt. Der Verkaufsstand, eine Sehenswürdigkeit[1] in der deutsch-dänischen Grenzregion, ist überregional bekannt für seine dänischen Hot Dogs, von denen hier täglich rund 1000 Stück verkauft werden.[2] Er gilt als „berühmtester Hotdogstand Süddänemarks“[3] und stand mehrfach im Fokus der Berichterstattung von Fernsehen[4] und überregionaler Presse.[2] Allein bis Mai 2008 interessierten sich mindestens zwölf deutsche Fernsehteams[4] für die „unscheinbare kleine gelbe Bude“ (taz[5]), die im gleichen Jahr im Marco Polo Reiseführer noch als „Insider-Tipp“ gehandelt wurde. Wegen ihrer Popularität verliehen die Einheimischen dem kleinen Ort Sønderhav den Spitznamen Hotdoghav[3] (andere Schreibweisen: Hot-Dog-Hav[5]oder Hotdog Hav[4]).

Lage und Kundschaft[Bearbeiten]

Blick – vom Ufer auf der anderen Straßenseite des Kiosks, seinem ersten Standort – auf die Ochseninseln und die Flensburger Förde

Der Kiosk ist nur wenige Kilometer von der deutsch-dänischen Grenze entfernt und bietet Sitzmöglichkeiten lediglich im Freien, dafür aber mit Blick auf die Ostsee und zwei kleine Inseln, was ihn zu einem bevorzugten sommerlichen Ausflugsziel macht.[6] Die exponierte Lage unmittelbar an der Flensburger Förde nutzen viele Gäste, um mit dem eigenen Boot anzureisen[2] – möglich durch einen nahen Steg, an dem auch die kleine Fähre zur gegenüberliegenden Großen Ochseninsel (dänisch Store Okseø) ablegt. Überdies wird der Kiosk neben Auto- und Radfahrern traditionell insbesondere von Motorradfahrern angefahren,[5] die aus Jütland, Fünen und fast dem gesamten norddeutschen Raum kommen.[7] So zählen im Sommerhalbjahr vor allem jeden Dienstag[8] 200 bis 600 Biker zur Kundschaft; an manchen Sommerabenden reihen sich auf dem Parkplatz sogar bis zu 500 Motorräder gleichzeitig aneinander.[7] Ihnen verdankt der Kiosk eine Stammkundschaft, die als die größte unter allen Wurstständen Dänemarks gilt.[7] Eigens für die Fahrer wurde im August 2006 ein Motorradgottesdienst abgehalten.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Inhaberin und Namensgeberin des Kiosks ist Annie Bøgild, die dort seit 1966[2] – damals noch als 15-jährige Aushilfe[6] – Hot Dogs verkauft. Die Idee, einen Kiosk am Fjordvejen zu betreiben, hatte ihr Vorgänger Reinhardt Petersen bereits im Jahr 1936.[8] Damals versprach sich der Waldarbeiter durch die gerade fertiggestellte Landstraße ein gewinnbringendes Geschäft und eröffnete seinen Wurstwagen (Pølsevogn) in Ufernähe direkt bei der Dampfschiffbrücke.[9] Der Stand war der erste Kiosk in Sønderhav[9] und besaß Verkaufsluken zu zwei Seiten: eine zur Wasserseite für Gäste, die mit dem Fördedampfer anreisten, und eine zur Landseite für Kunden, die über den Landweg kamen. 1945 wechselte der Kiosk schließlich zu seinem heutigen Standort auf die andere Straßenseite, wo ausreichend Raum für Parkplätze vorhanden war.[6] Petersen machte Annie Bøgild im Jahr 1974 zur Miteigentümerin[4] und arbeitete im Betrieb, bis er 1985 starb. Kurz vor seinem Tod übernahm Bøgild 1984 den Betrieb,[4] reduzierte aber später ihre Arbeitszeiten, die sich in ihren Anfangsjahren noch auf bis zu 14 Stunden an sieben Tagen in der Woche beliefen.[8]

Die weit verbreitete Annahme, dass es hier die „besten Hot-Dogs Dänemarks“ gibt,[5] konnte zumindest bei den zweiten Dänischen Hot-Dog-Meisterschaften (DM i hotdog) im August 2010[10] nicht bestätigt werden. Bei den im Kopenhagener Vergnügungspark Tivoli ausgetragenen Meisterschaften, an denen Annie Bøgild erstmals teilnahm, belegte sie unter 13 Teilnehmern[11] aber immerhin einen fünften Platz[12] – hinter dem siegenden Sternekoch Paul Cunningham, dessen Restaurant The Paul im besagten Tivoli liegt.[10] Zuvor hatte die britische Buchmacherfirma Ladbrokes die ungekrönte „Hot-Dog-Königin aus Sønderjylland(JydskeVestkysten) auf Platz vier gesetzt.[13] Bei der Zubereitung der Hot Dogs verzichtet sie größtenteils auf Fertigprodukte und verwendet frische Zutaten vom lokalen Bäcker und Fleischer,[4] wie etwa die rot leuchtenden Røde pølser.[5] Selbst Ketchup und Remoulade bezieht sie aus der näheren Umgebung von einer Salatfabrik in Gråsten.[14] Obgleich sie auf diese Weise etwas weniger pro Stück verdient,[4] vermutet sie hierin das Erfolgsrezept ihres Unternehmens.[8]

Ebenfalls im August 2010 nahm in Abwesenheit der Inhaberin ein bewaffneter Raubüberfall, bei dem ein Mann den Tagesumsatz erbeutete, einen glimpflichen Ausgang. Der flüchtende Räuber wurde drei Stunden später 150 Meter entfernt, im Auto schlafend und mit der Beute von der dänischen Polizei aufgegriffen.[15] Nach 44 Jahren war es der bisher erste Raubüberfall, der in der Zeit Bøgilds beim Kiosk geschah, was sie dazu veranlasste, eine Videokamera aufzustellen.[16]

Die Konkurrenz zu Annies Kiosk die 2014 eröffnete. Die Zeitungen sprachen darauf vom "Würstchen-Krieg".

2014 gesellte sich 50 Meter entfernt ein neuer Imbiss namens Fjordens Perle dazu, betrieben von zwei dänischen, ehemaligen Studenten, die den Bekanntheitsgrad von Annies Kiosk nutzen, um der bereits von Angela Merkel besuchten Hotdog-Bude Konkurrenz zu machen. Die Schlagzeilen vom Flensburger Tageblatt und der Flensborg Avis kündeten vom "Würstchen-Krieg". [17][18]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMartina Scheffler: Wie ein Hotdog-Stand zur Sehenswürdigkeit wurde. In: Die Welt. 19. Oktober 2012, abgerufen am 19. Juli 2014.
  2. a b c d Wo es die besten Hotdogs der Welt gibt. In: Welt Online vom 13. Juni 2001, abgerufen am 3. Mai 2011
  3. a b Dänemark Aktivitäten: Tagestouren. In: Welt Online, abgerufen am 3. Mai 2011
  4. a b c d e f g Niels Ole Krogh, Mikkel Lysgaard: Annie har givet navn til et hav – Hotdog Hav. In: JydskeVestkysten vom 7. Mai 2008, abgerufen am 7. Mai 2011 (dänisch)
  5. a b c d e Hans-Jürgen Fruendt: Annies Würstchenbude. In: taz.de, abgerufen am 3. Mai 2011
  6. a b c  Georg Buhl: In: 360 Grad rund um die Flensburger Förde. Werkstatt Verlag B. Borgwardt, Sörup 2002, ISBN 3-00-008550-5, Anni’s Hot Dog, S. 139.
  7. a b c Jens Nielsen: Sønderhav. In: Fiske Avisen 3/2007, abgerufen am 3. Mai 2011 (dänisch)
  8. a b c d e Annie Bøgild und die Erfolgsgeschichte ihres kleinen Kiosk in Süderhaff. In: Der Nordschleswiger vom 21. Juli 2006, abgerufen am 3. Mai 2011
  9. a b  Hans Frank: Sønderhav - Portræt af en landsbyidyl. 1. Auflage. Sønderhav og omegns mødehus’ legat, Sønderhav 1984, ISBN 87-981628-0-2, S. 71 (dänisch).
  10. a b Torben Plank: DM i Hotdog 2010 er afgjort. In einer Pressemitteilung des Tivoli Virksomheden vom 23. August 2010, abgerufen am 7. Mai 2011 (dänisch)
  11. Ole Troelsø: Børsen inviterer til DM i Hot Dogs. In: Dagbladet Børsen vom 20. August 2010, abgerufen am 3. Mai 2011 (dänisch)
  12. Mikael Justesen: DM i hotdog: Hotdog-Annie blev nummer fem. In: JydskeVestkysten vom 24. August 2010, abgerufen am 3. Mai 2011 (dänisch)
  13. Mette Christine Schulz: Bookmakerne: Annies hotdog bliver nummer fire: In: JydskeVestkysten vom 19. August 2010, abgerufen am 7. Mai 2011 (dänisch)
  14. Knud Barfod: En god pølse og et nips kærlighed: In: Aabenraa Ugeavis vom 18. August 2010, abgerufen am 7. Mai 2011 (dänisch)
  15. Tage Christensen: Røveri i Kollund: Pistolbevæbnet mand røvede Annies Kiosk. In: JydskeVestkysten vom 29. August 2010, abgerufen am 3. Mai 2011 (dänisch)
  16. Tage Christensen: Annie: - Et chok at blive udsat for røveri. In: JydskeVestkysten vom 30. August 2010, abgerufen am 3. Mai 2011 (dänisch)
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrederic Wanders: Annie's Kiosk: Würstchen-Krieg hinter der dänischen Grenze? In: shz.de. 5. Mai 2014, abgerufen am 19. Juli 2014.
  18. Flensborg Avis: Pølsekrig i Sønderhav, vom: 30. April 2014; abgerufen am: 20. Oktober 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Annies Kiosk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.8596666936119.4962081313889Koordinaten: 54° 51′ 35″ N, 9° 29′ 46″ O