Antigonos II. Gonatas

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Dieser Artikel behandelt den makedonischen König. Zum griechischen General und Politiker siehe Stylianos Gonatas.

Antigonos II. Gonatas (griech. Αντίγονος Γονατᾶς; * um 319 v. Chr.; † 239 v. Chr.) war ein König von Makedonien aus der Dynastie der Antigoniden. Er war ein Sohn des Demetrios Poliorketes und der Phila. Seine Großväter waren die Diadochen Antigonos Monophthalmos und Antipater.

Sein Beiname Gonatas, dessen Bedeutung unbekannt ist, wurde ursprünglich von seinem vermuteten Geburtsort Gonnoi in Thessalien abgeleitet. Moderne Philologen vermuten, dass er eher „x-beinig“ bedeuten könnte.

Leben[Bearbeiten]

Erste Jahre[Bearbeiten]

Antigonos wurde während des fünften Diadochenkrieges von seinem Vater zum Strategen von Griechenland ernannt, wo er nach der Abreise des Vaters nach Asien 287 v. Chr. seither die Interessen der Antigoniden vertrat. Seit dem Tod des Vaters 283 v. Chr. in Gefangenschaft[1] führte er auch dessen Königstitel. Sein Herrschaftsraum war allerdings verschwindend gering, Makedonien und der größte Teil Griechenlands wurden von Pyrrhos und Lysimachos kontrolliert. Antigonos verfügte lediglich in Demetrias, Megara und Korinth sowie in einigen Städten an der Küste Kleinasiens, wie zum Beispiel Ephesos, über eigene Positionen. Im Jahr 281 v. Chr. veränderte sich seine Lage entscheidend, als nacheinander Lysimachos im Kampf fiel, Seleukos ermordet wurde und Pyrrhos zu einem längeren Feldzug nach Italien aufbrach.

Antigonos versuchte nun, Makedonien zu gewinnen, wurde aber von Ptolemaios Keraunos sowohl auf See als auch zu Land geschlagen. Darauf setzte er nach Kleinasien über, wo er sich mit Nikomedes I. von Bithynien gegen Antiochos I. verbündete. Begünstigt durch Revolten in Syrien konnten die Verbündeten den Seleukidenherrscher 278 v. Chr. zu einem Frieden nötigen, indem Antigonos alle seine Städte in Kleinasien aufgab und im Gegenzug von Antiochos als König von Makedonien anerkannt wurde. Um den Frieden zu besiegeln heiratete Antigonos Phila, die Schwester des Antiochos.

König von Makedonien[Bearbeiten]

Zur selben Zeit, in der Antigonos in Asien aktiv war, brach über Makedonien und Griechenland der Ansturm der Kelten (später Galater genannt) herein, der das Land verwüstete und in Anarchie versetzte. Antigonos nutzte die Situation, setzte 277 v. Chr. mit einem Heer über den Hellespont nach Europa über und schlug die Kelten in der Nähe von Lysimacheia vernichtend.[2] Dadurch wurde für ihn der Weg nach Makedonien frei, wo seit dem Tod von Sosthenes der Thron verwaist war (sog. "Makedonische Anarchie"). Aufgrund seines hohen Prestiges nach seinem Sieg über die Kelten wurde Antigonos von den Makedonen umgehend als neuer König anerkannt. Er befriedete das Land, indem er die Kelten in seinen Sold nahm oder sie zu seinem Verbündeten Nikomedes nach Asien schickte. Thrakien hingegen musste er aufgeben, da sich dort das keltische Königreich von Tylis etablierte. 276 v. Chr. beendete er zudem die Tyrannei des Apollodoris in Kassandreia.

Seine Herrschaft wurde allerdings 274 v. Chr. ernsthaft gefährdet, als Pyrrhos aus Italien zurückkehrte und im Handstreich Aigai eroberte. In zwei Schlachten musste Antigonos eine Niederlage hinnehmen. Als sich Pyrrhos gegen die Peloponnes wandte, verfolgte ihn Antigonos mit seiner Flotte. Er verbündete sich mit Sparta und riegelte den Isthmos ab. Nachdem Pyrrhos bei einem Angriff auf Sparta scheiterte, stellte Antigonos ihn 272 v. Chr. vor den Mauern von Argos, vermied dabei allerdings eine offene Feldschlacht. Pyrrhos entschloss sich daher, die Stadt anzugreifen, wo er im Kampf in den Straßen getötet wurde. Pyrrhos' Tod hatte Antigonos von seinem größten Gegner in Europa befreit. Makedonien brachte er schnell wieder unter seine Kontrolle und in den folgenden Jahren festigte er seine Herrschaft in Griechenland, indem er ihm getreue Tyrannen in den Städten förderte und sich mit dem aitolischen Bund zusammenschloss.

Chremonideischer Krieg[Bearbeiten]

Durch den Machtzuwachs avancierte Antigonos aber für den ptolemäischen König von Ägypten, Ptolemaios II., zu einem gefährlichen Rivalen um die Vorherrschaft im Ägäisraum. Ptolemaios rief deshalb die griechischen Städte zu einem Krieg gegen ihn auf. Die wichtigsten Mächte waren dabei Athen und Sparta, die sich 267 v. Chr. durch die Vermittlung des Chremonides miteinander verbündeten. Antigonos besetzte den größten Teil Attikas und nahm die Belagerung von Athen auf. Ptolemaios entsandte eine Flotte unter dem Admiral Patroklos, die den saronischen Golf abriegelte, während zugleich Alexandros II. von Epirus Thessalien besetzte und so Antigonos von Griechenland abschnitt. Dadurch musste er den Verlust Korinths durch Verrat hinnehmen und zugleich im Norden Makedoniens einen erneuten Einfall der Kelten abwehren.

Im Jahr 265 v. Chr. ging er in die Offensive, siegte bei Kos über eine überlegene ptolemäische Flotte und landete mit einem Heer auf dem Isthmos, wo er die heranziehenden Spartiaten besiegte und dabei deren König Areus I. tötete.[3] Nur Korinth konnte sich ihm widersetzen, dafür siegte 263 v. Chr. sein Halbbruder Demetrios der Schöne bei Derdia über Alexandros II. von Epirus. Diese Erfolge brachten die entscheidende Wende im Krieg. Im Jahr 262 v. Chr. ergab sich ihm Athen: Der Piräus, der Munychia und der Museion wurden mit makedonischen Besatzungen versehen, die langen Mauern zerstört. Nach acht Jahren hatte sich Antigonos dazu bereitgefunden, die Besatzung aus dem Museion abzuziehen, Athen aber hörte endgültig auf als selbstständige politische Macht zu existieren.

Makedonien hingegen wurde durch Antigonos mit dem Ausgang des Krieges wieder zu seiner größten Ausdehnung, die es in den Zeiten Philipps II. innehatte, zurückgeführt. In Erinnerung an den entscheidenden Seesieg bei Kos ließ Antigonos auf Delos eine Schiffshalle (Neorion) bauen, in der er sein Admiralsschiff, Isthmia, das er dem Apollon geweiht hatte, unterbringen ließ.[4]

Syrische Kriege[Bearbeiten]

Während der so genannten syrischen Kriege der Ptolemäer gegen die Seleukiden war Antigonos ein natürlicher Verbündeter der Letzteren. Seitdem sich 261 v. Chr. mit Pergamon eine mit Ägypten sympathisierende unabhängige Macht an der kleinasiatischen Küste etabliert hatte, drohte Makedonien von den Seleukiden abgeschnitten zu werden. Beide Mächte fühlten sich durch die wachsende ptolemäisch-ägyptische Dominanz bedroht. Antigonos und Antiochos II. koalierten mit der unabhängigen Seemacht Rhodos, mit dem Ziel die Vormachtstellung Ägyptens im östlichen Mittelmeerraum zu brechen. Ein erneuter Einfall des ptolemäischen Verbündeten, Alexandros II. von Epirus, konnte 255 v. Chr. abgewehrt werden. 253 v. Chr. unterstützte er seinen Halbbruder, Demetrios den Schönen, bei der Machtübernahme in Kyrene, wodurch er nun Ptolemaios II. unmittelbar bedrohte. Im Gegenzug aber brachte Ptolemaios die Aitolier gegen Antigonos auf, welche die Thermophylen besetzten. Noch schwerer wog der Abfall des Statthalters von Korinth, Alexandros, wodurch die makedonische Herrschaft auf dem Peloponnes zusammenbrach. 249 v. Chr. ging durch den Mord an Demetrios dem Schönen auch Kyrene wieder verloren.

Im dritten syrischen Krieg (auch Laodikekrieg genannt) aber vernichtete Ptolemaios III. nahezu das gesamte Seleukidenreich. Antigonos' bei Kos gewonnene Vormachtstellung in der Ägäis wurde ernsthaft gefährdet, nachdem die Küstenstädte Thrakiens durch Ptolemaios besetzt wurden. Bei dem Versuch einer Gegenoffensive musste Antigonos jedoch 245 v. Chr. eine vernichtende Niederlage in der Seeschlacht von Andros hinnehmen. Dieser Rückschlag begünstigte den jungen achaiischen Bund, der sich nun unter seinem Strategen Aratos auf dem Peloponnes ungehindert ausbreiten konnte. Erfolgreich verlief für Antigonos hingegen die Rückeroberung von Korinth, nachdem dort noch im selben Jahr Alexandros gestorben war, angeblich durch Gift. Antigonos verheiratete dessen Witwe mit seinem Sohn, wobei die Burg Akrokorinth umgehend wieder mit einer makedonischen Besatzung versehen wurde. Aber schon im Jahr 243 v. Chr. verlor Antigonos erneut mit Korinth sowie Megara die zwei wichtigsten Stützen der Antigoniden in Griechenland an den Bund. So konnten sich in der Folge auch die Arkadier von der makedonischen Oberhoheit befreien und einen eigenen Bund gründen. Um seinen Einfluss auf dem Peloponnes zu erhalten verbündete sich Antigonos mit den Aitoliern, die 241 v. Chr. noch einmal bis nach Pellene vorstießen, dort aber von den Achaiern geschlagen wurden. Zur selben Zeit gelangte mit dem Sturz König Agis IV. in Sparta eine makedonisch gesinnte Regierung an die Macht, die das Bündnis Spartas mit den Achaiern beendete.

Ende des Jahres 241 v. Chr. konnte ein allgemeiner Frieden ausgehandelt werden, der den Achaiern alle Eroberungen anerkannte und Makedoniens Einfluss auf dem Peloponnes, besonders in Argos, wahrte.

Tod[Bearbeiten]

Zwei Jahre danach starb Antigonos in seinem 80. Lebensjahr, dem 44. Jahr seiner Regierung. Antigonos brachte die Vormachtstellung Makedoniens im althellenischen Raum nach einer Zeit des Zerfalls wieder zur Geltung. Die Zuneigung seiner Untertanen gewann er durch seine Redlichkeit und die Pflege der Künste. Er sammelte um sich hervorragende Philosophen, Dichter und Historiker. Zu dem Begründer der stoischen Philosophie, Zenon von Kition, unterhielt Antigonos einen regen Schriftverkehr, konnte ihn aber nicht zu einem Besuch seines Hofes in Demetrias bewegen. Dafür gewann er dessen Schüler, Perseios, der ab 276 v. Chr. seine Söhne erzog, sowie die Philosophen Aratos von Soloi und Philonides von Theben für seinen Hof. Antigonos’ Bestreben, den Stoizismus im Staatsleben zu verwirklichen, hatte ihm zu einer nachhaltigen Anerkennung in der Gelehrtenwelt verholfen. Bekannt ist dabei der ihm von Claudius Aelianus zugeschriebene Ausspruch von dem Königtum als „ehrenvolle Knechtschaft“ (ἔνδοξος δουλεία, endoxos douleia), bei dem nach unterschiedlichen Deutungen der Sklavendienst des Herrschers gegenüber den Gesetzen, oder seine Verpflichtungen und persönlichen Opfer gegenüber seinen Untertanen zu verstehen ist.[5] Dieser Ausspruch wurde unter anderem von Seneca rezipiert und fand im aufgeklärten Absolutismus seinen Widerhall im „premier serviteur de l’État“ Friedrichs II. von Preußen.[6]

Der Dichter Theokritos verglich in seinem Lobgedicht an Ptolemaios (Idyll XVII), Antigonos mit Diomedes während er ihm zugleich Ptolemaios II. als Achilleus gegenübergestellte. Der Dichter Alexandros Aitolos wurde 276 v. Chr. dem ptolemäischen Hof in Alexandria in das makedonische Pella abgeworben.

Gemäß einer zu den Edikten des Ashoka gehörenden Inschrift in Shahbaz Garhi (im heutigen Pakistan), hatte Antigonos eine Gesandtschaft des indischen Großkönigs empfangen, die ihn zum Buddhismus bekehrt habe.

Aus seiner Ehe mit Phila hatte Antigonos einen Sohn, Demetrios II., der ihm als König nachfolgte. Aus der Verbindung mit der Athenerin Demo hatte er den unehelichen Sohn Halkyoneus.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • E. L. Brown, Antigonos Surnamed Gonatas, in: Walter Burkert et al.(Hrsg.), Artouros: Hellenic studies presented to Bernard M. W. Knox on the Occasion of his 65th Birthday. De Gruyter, Berlin 1979, ISBN 3-11-007798-1, S. 299-307.
  • Kostas Buraselis: Das hellenistische Makedonien und die Ägäis. Forschungen zur Politik des Kassandros und der drei ersten Antigoniden (Antigonos Monophthalmos, Demetrios Poliorketes und Antigonos Gonatas) im Ägäischen Meer und in Westkleinasien München 1982, ISBN 3-406-07673-4.
  • Janice J. Gabbert: Antigonus II Gonatas: A Political Biography, Routledge, London/New York 1997, ISBN 0-415-01899-4.
  • Hermann Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus. Beck, München 1975. ISBN 3-406-00733-3. S. 139–164.
  • Hans Volkmann: ΕΝΔΟΞΟΣ ΔΟΥΛΕΙΑ als ehrenvoller Knechtdienst gegenüber dem Gesetz, In: Philologus, Bd. 100 (1956), S. 52–61.
  • Hans Volkmann: Die Basileia als ἔνδοξον δουλενα. Ein Beitrag zur Wortgeschichte der Duleia, In: Historia: Zeitschrift für Alte Geschichte, Bd. 16 (1967), S. 155–161.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Gehrke: Geschichte des Hellenismus. Oldenbourg Verlag, München 1990, S. 42.
  2. Hans-Joachim Gehrke: Geschichte des Hellenismus. Oldenbourg Verlag, München 1990, S. 44.
  3. Der genaue Zeitpunkt der Seeschlacht von Kos ist unbekannt. Sie fand zwischen 263 und 256 v. Chr. statt. Droysen und Bengtson rechnen sie zum chremonideischen Krieg, den sie entschieden habe.
  4. Pausanias 1.29.1, das Schiff hatte mehr als neun Ruderreihen. Vermutlich wurde der Neorion von Delos bereits von Demetrios Poliorketes nach dessen Sieg bei Salamis 306 v. Chr. in Auftrag gegeben, aber erst von Antigonos Gonatas fertiggestellt. (Philippe Bruneau: Recherches sur les cultes de Délos à l’époque hellénitique et à l’époque impériale; Paris, 1970)
  5. Claudius Aelianus, Varia Historia 2, 20.
  6. Seneca, De Clementia 1, 8, 1.


Vorgänger Amt Nachfolger
Demetrios I. Poliorketes König in Griechenland und Asien
283–277 v. Chr.
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Sosthenes König von Makedonien
277–239 v. Chr.
Demetrios II. Aitolikos