Arthur Friedenreich

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Arthur Friedenreich

Arthur Friedenreich im brasilianischen Nationaltrikot

Spielerinformationen
Geburtstag 18. Juli 1892
Geburtsort São PauloBrasilien
Sterbedatum 6. September 1969
Sterbeort São PauloBrasilien
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1909 SC Germânia
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1909–1910
1910–1911
1911–1912
1912–1913
1913–1916
1916–1917
1917–1918
1918–1930
1930–1933
1933–1934
1934–1935
1935
SC Germânia
CA Ypiranga
SC Germânia
AA Mackenzie College
CA Ypiranga
CA Paulistano
CA Ypiranga
CA Paulistano
São Paulo FC
Atlético Mineiro
São Paulo FC
CR Flamengo
Nationalmannschaft
1914–1930 Brasilien 17 (8)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Arthur Friedenreich, auch Artur Friedenreich geschrieben, (* 18. Juli 1892 in São Paulo; † 6. September 1969 ebenda) war ein brasilianischer Fußballspieler und gilt als einer der besten Fußballspieler aller Zeiten.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Beginn der Karriere[Bearbeiten]

Arthur Friedenreich wuchs im Stadtteil Luz von São Paulo auf. Sein Vater, Oscar Friedenreich, war ein Kaufmann, der als Sohn eines deutschen Emigranten aus Dahme im südbrasilianischen Blumenau geboren wurde,[1] seine Mutter Matilde war eine schwarze Wäscherin. Zum Fußball fand er als Zehnjähriger durch den Sportunterricht am Mackenzie College, einer privaten Oberschule in São Paulo.

Seine väterliche Abstammung ebnete Arthur Friedenreich den Zugang zum Fußballspiel, das auch in Brasilien anfangs ein Sport der Oberschicht war. Als Deutschbrasilianer konnte er 1909 seinem Stammverein in São Paulo beitreten, dem SC Germânia, einem Klub für deutschstämmige Spieler, gegründet vom Hamburger Hans Nobiling und 1942, nach der Kriegserklärung Brasiliens an Deutschland, in Esporte Clube Pinheiros umbenannt. Dort wurde er von Hermann Friese gefördert, einem der bedeutendsten Sportler in Brasilien zu seiner Zeit.

Seine mütterliche Abstammung bewirkte andererseits, dass Arthur Friedenreich als Nicht-Weißer unter dem in Brasilien zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschenden Rassismus zu leiden hatte. So wurden Fouls an nicht-weißen Spielern von manchen Schiedsrichtern nicht gepfiffen. Seine Gegenspieler wussten natürlich, dass unfaire Angriffe oft ungestraft blieben.[2] Man sagt, dass Friedenreich seine legendären Körpertäuschungen entwickelte, um es seinen weißen Gegenspielern schwer zu machen, ihn durch Foulspiel zu stoppen. Um wie ein Weißer zu erscheinen, glättete er, wie andere afrobrasilianische Spieler auch, seine krausen Haare, manchmal spielte er gar mit Haarnetz.[3] Trotz dieser Widrigkeiten wurde Arthur Friedenreich im Volk zu einem Nationalhelden und gilt als erster brasilianischer Fußballstar.

Friedenreich war einer der Spieler, die am 21. Juli 1914 in Rio de Janeiro das erste Spiel für die Nationalmannschaft Brasiliens bestritten. Gegner war der englische Club Exeter City FC, Brasilien gewann 2:0. Friedenreich verlor in dem ruppigen Spiel zwei Zähne.[4]

Im Jahre 1925 war Friedenreich der Star der triumphalen Europareise von Athletico Paulistano, der ersten einer brasilianischen Mannschaft. Die französische Presse kürte ihn zum Roi des Rois du Football („König der Könige des Fußballs“).[5] Die Brasilianer nannten ihn Pé de Ouro („Goldfuß“) und die Uruguayer ehrten ihn nach dem Finale des Campeonato Sudamericano 1919 als El Tigre („der Tiger“),[6] eine Bezeichnung, die immer noch verwendet wird.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Nur dank der väterlichen Herkunft wurde Arthur Friedenreich, obwohl er als Nicht-Weißer galt, 1914 in die brasilianische Fußballnationalmannschaft aufgenommen. Erst ab 1918 konnten auch schwarze Brasilianer Nationalspieler werden. 1916 nahm er am erstmals ausgetragenen Wettbewerb Campeonato Sudamericano teil, drei Jahre darauf, 1919, gewann er diesen mit der brasilianischen Nationalmannschaft, ebenso 1922. Beim Campeonato Sudamericano 1921 in Argentinien blieben Friedenreich und alle anderen nicht-weißen Nationalspieler außen vor. Epitácio Lindolfo da Silva Pessoa, der damalige Präsident Brasiliens, hatte die Confederação Brasileira de Desportos gedrängt, sie aus dem Kader zu entfernen, aus Sorge, dass durch das Auftreten nicht-weißer Spieler „Brasilien als unterentwickeltes Land betrachtet und sein Ruf beschädigt werden könnte“.[7] Brasilien wurde infolgedessen nur Zweiter – und der Ausschluss der Nicht-Weißen nach Protesten wieder aufgehoben.

An der ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930 durfte Friedenreich nicht teilnehmen, da Spieler aus São Paulo aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Ligaverbänden Associação Paulista de Esportes Atléticos (APEA) und Liga de Amadores de Futebol (LAF) gesperrt waren. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 war er als 42-Jähriger zu alt. Er bestritt insgesamt 17 offizielle A-Länderspiele für Brasilien, in denen er acht Tore schoss, sowie sechs inoffizielle Spiele, zumeist gegen Vereinsmannschaften, in denen er zwei Tore schoss.[8][9][10]

Friedenreich war vom 8. bis zum 18. Juli 1916 mit drei bis sechs Spielen Rekordnationalspieler Brasiliens, ebenso (zeitweise zusammen mit drei bzw. vier anderen Spielern) vom 17. Dezember 1925 bis zum 31. Januar 1942 mit 15 bis 17 Spielen.

Vereine[Bearbeiten]

Arthur Friedenreich spielte ab 1909 in etlichen, vor allem in São Paulo angesiedelten Fußballvereinen. Die Staatsmeisterschaft von São Paulo gewann er mit Athletico Paulistano 1918, 1919, 1921, 1926, 1927 und 1929 und mit São Paulo da Florensta 1931 – eine gesamtbrasilianische Liga wurde erst 1971 eingeführt.

Tore[Bearbeiten]

Laut FIFA[11] schoss Friedenreich während seiner Laufbahn 1.329 Tore (49 mehr als Pelé), damit gilt er als der Spieler, der die meisten Tore in seiner Karriere geschossen hat; außerdem war er der erste, der die 1000er-Marke überschreiten konnte.[12]

Insgesamt wurde Friedenreich neunmal Torschützenkönig der Staatsmeisterschaft von São Paulo. Zu den Meisterschaftstoren kommen weitere Treffer für die Nationalmannschaft und für die Auswahl São Paulos, sowie solche in den damals populären Turnieren wie der Taça Competência, dem Pokalturnier von São Paulo, und dem Torneio Rio-São Paulo.

Torschützenkönig der Liga Paulista wurde Friedenreich für folgende Vereine in den Jahren:

1912 AA Mackenzie College 12 Tore
1914 Club Athletico Paulistano 12 Tore
1917 CA Ypiranga 15 Tore
1918 Club Athletico Paulistano 25 Tore
1919 Club Athletico Paulistano 26 Tore
1921 Club Athletico Paulistano 33 Tore
1927 Club Athletico Paulistano 13 Tore
1928 Club Athletico Paulistano 29 Tore
1929 Club Athletico Paulistano 16 Tore

Aufgrund der Streitigkeiten zwischen Amateur- und Profivereinen und der dadurch bedingten zeitweiligen Spaltung der Liga Paulista in die Liga Paulista de Futebol (LPF, Profis) und die Liga der Associação Paulista de Esportes Atléticos (APEA, Amateure) musste sich Friedenreich den Titel des Torschützenkönigs viermal mit folgenden Spielern teilen:

1914 Neco (SC Corinthians Paulista), 12 Tore
1927 Araken (Santos FC), 31 Tore
1928 Heitor (Palestra Italia, heute Sociedade Esportiva Palmeiras), 16 Tore
1929 Feitiço (Santos FC), 12 Tore

Friedenreich gilt als Entdecker des Effetschusses im Fußball. Er soll als erster bewusst diese Technik angewendet haben, um den Ball in einer Weise zu schießen, die ihm einen Drall verleiht, der dessen Bahn beeinflusst. Aufgrund der so entstehenden Luftzirkulationen fliegt der Ball zielgerichtet auf einer schiefen, bogenförmigen Bahn und wird so vom Gegner schlechter erreichbar bzw. einschätzbar.

Karriereende[Bearbeiten]

26 Jahre nach dem Beginn seiner Karriere bestritt Friedenreich im Alter von 43 Jahren am 21. Juli 1935 sein letztes Spiel als Vereinsspieler.[13] Danach arbeitete er zunächst als Trainer, später als Werbevertreter einer Brauerei, bis er 1963 an der Parkinson-Krankheit, dann auch an Gedächtnisverlust erkrankte, sich völlig zurückzog und verarmt verstarb.

Prêmio Arthur Friedenreich (Arthur-Friedenreich-Preis)[Bearbeiten]

Der Arthur-Friedenreich-Preis wurde zwischen 1969 und 1975 an herausragende brasilianische Fußballspieler vergeben. Im Jahr 2008 wurde dieser Preis wiederbelebt. Mit ihm sollen alljährlich die Spieler geehrt werden, die in allen Pflichtspielen im Rahmen der ersten Staatsligen, der nationalen Ligen Série A, B, C und D , dem Pokalwettbewerb, der Copa Libertadores und der Copa Sul-Americana insgesamt die meisten Tore erzielen.[14] Bisherige Gewinner des Friedenreich-Preises sind:

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Curi: Friedenreich - Das vergessene Fußballgenie. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009. ISBN 978-3-89533-646-1.
  • Alexandre da Costa: O tigre do futebol. Uma viagem nos tempos de Arthur Friedenreich. Dorea Books and Art, São Paulo 1999. ISBN 85-72341-71-4.
  • Orlando Duarte, Severino Filho: Fried versus Pelé. Makron, São Paulo 2000. ISBN 85-346-0988-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 13.
  2. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 54.
  3. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 36 und S. 83.
  4. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 74.
  5. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 50.
  6. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 76.
  7. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 77.
  8. Alle Spiele Brasiliens zwischen 1914 und 1922 (engl./port.)
  9. Alle Spiele Brasiliens zwischen 1923 und 1932 (engl./port.)
  10. Alle Spiele Brasiliens zwischen 1934 und 1938 (engl./port.)
  11. http://www.fifa.com/classicfootball/clubs/club=28153/detail.html
  12. Alexandre da Costa bezweifelt in einem Buch O Tigre do Futebol diese Zahl. http://www.denografix.de/crisbrasil/SPORT/friedenreich2.htm
  13. Martin Curi: Friedenreich. Göttingen 2009. S. 93.
  14. "Maior artilheiro do país em 2008, Keirrison conquista Prêmio Friedenreich", GloboEsporte, 8. Dezember 1908
  15. Arthur Friedenreich Preis 2014 an Magno Alves

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arthur Friedenreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien