Artois

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Artois (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lage der ehemaligen Grafschaft in Frankreich
Wappen der Grafschaft Artois: Goldene Lilien auf blauem Grund, davor ein roter Turnierkragen mit drei goldenen Burgen auf jeder der drei Lätze
Historische Karte der Grafschaft Artois von 1645
Landschaft im Artois in der Nähe von Delettes
Kirche Saint-Sauveur in Ham-en-Artois

Artois (niederländisch Artesië; deutsch auch Artesien) ist eine historische Provinz im Norden Frankreichs. Artois liegt im Inneren des Département Pas-de-Calais, dessen westlicher Teil das frühere Boulonnais bildete. Die Fläche der Provinz beträgt in etwa 4000 Quadratkilometer bei einer Bevölkerung von etwa einer Million Einwohnern. Artois liegt am westlichen Ende eines Kohlefeldes, das sich nach Osten hin durch das Département Nord und das zentrale Belgien erstreckt.

Die wichtigsten Städte der Provinz sind Arras, Saint-Omer, Lens und Béthune.

Das Artois war ursprünglich eine karolingische Grafschaft, zu der die Grafen Odalrich Ende 8. Jahrhunderts und Ecfrid Ende 9. Jahrhunderts bezeugt sind. Im Jahr 898 wurde das Artois von Graf Balduin II. in die Grafschaft Flandern integriert. 1180 gliederte Philipp von Elsass, Graf von Flandern, das Artois als Mitgift für seine Nichte Isabelle von Hennegau anlässlich ihrer Heirat mit dem französischen König Philipp August aus. 1190 starb Isabelle und Philipp behielt das Artois, gab es aber 1200 mit dem Frieden von Péronne wieder heraus. Mit dem Vertrag von Guînes 1212 wurden Saint-Omer, Aire-sur-la-Lys und Guînes abgetreten und im Gegenzug die entführte Gräfin Johanna I. und ihr Ehemann Ferdinand freigelassen. Nach der Niederlage der Schlacht von Bouvines 1214 und mit dem Vertrag von Melun 1226 ging das gesamte Artois an die französische Krone. 1237 wurde das Land dann für Robert I., einen Enkel Philipps und Isabelles zur französischen Grafschaft erhoben. 1384 geriet es unter die Herrschaft der Herzöge von Burgund. In das französische Besitztum ging es erst mit dem Pyrenäenfrieden von 1659 wieder ein.

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts profitierte die Gegend von einem industriellen Aufschwung, der auf die reichen Kohlevorkommen zurückzuführen war. Während des Ersten Weltkrieges verlief die Frontlinie zwischen deutschen und alliierten Truppen durch die Provinz und führte zur völligen Zerstörung von Infrastruktur und Landschaft. Noch heute findet man zwischen La Bassée und Arras Dutzende von Soldatenfriedhöfen und Denkmälern, allerdings kaum noch Stellungsreste.[1] Am beeindruckendsten sind dabei die Höhen von Vimy (Kanadisches Denkmal)[2] und Loretto (französischer Friedhof und Ossuarium).

Durch den Einbruch der Kohlenachfrage seit etwa 1960 leidet die Gegend wie andere unter industriellem Niedergang (siehe Industrialisierung Frankreichs#Bergbau).

Zur Provinz Artesien siehe auch Artesischer Brunnen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.wegedererinnerung-nordfrankreich.com
  2. Vimy - Historisches kanadisches Nationaldenkmal

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artois – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien