Askania-Nowa

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Dieser Artikel beschreibt die Siedlung Askania-Nowa. Für das gleichnamige Naturschutzgebiet, siehe Askania-Nowa (Naturschutzgebiet).
Askania-Nowa
(Асканія-Нова)
Wappen fehlt
Askania-Nowa (Ukraine)
Askania-Nowa
Askania-Nowa
Basisdaten
Oblast: Oblast Cherson
Rajon: Rajon Tschaplynka
Höhe: keine Angabe
Fläche: 10 km²
Einwohner: 3.137 (2013)
Bevölkerungsdichte: 314 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 75230
Vorwahl: +380 5538
Geographische Lage: 46° 27′ N, 33° 52′ O46.4533.866666666667Koordinaten: 46° 27′ 0″ N, 33° 52′ 0″ O
KOATUU: 6525455300
Verwaltungsgliederung: 1 Siedlung städtischen Typs
Bürgermeister: Wadym Polischtschuk
Adresse: вул. Червоноармійська 28
75230 смт. Асканія-Нова
Statistische Informationen
Askania-Nowa (Oblast Cherson)
Askania-Nowa
Askania-Nowa
i1

Askania-Nowa (ukrainisch Асканія-Нова; russisch Аскания-Нова) ist eine Siedlung städtischen Typs im Süden der südukrainischen Oblast Cherson mit 3.100 Einwohnern (2013).[1]

Sie liegt im Zentrum des Naturschutzgebiets Askania-Nowa. Im Ort befinden sich ein akklimatisierter Zoo, ein Botanischer Garten und das ukrainische Forschungsinstitut für Steppenviehzucht.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Askania Nowa liegt im Rajon Tschaplynka im Süden der Oblast Cherson 145 km östlich der Oblasthauptstadt Cherson und 31 km östlich vom Rajonzentrum Tschaplynka.

Die nächsten Eisenbahnstationen befinden sich im 72 km entfernten Kalantschak und im 76 km entfernten Nowoolexijiwka.

Geschichte[Bearbeiten]

2-hrivni 100-Jahre Gedenkmünze (1998)

1828 wurde durch Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen (russisch: Anhalt-Ketenski) ein Gut mit Namen Askania-Nowa als Kolonie des Herzogtums Anhalt-Köthen gegründet. Im Herbst 1826 bekundete dieser in einem Brief an den russischen Geschäftsträger in Leipzig Interesse, in Russland eine Kolonie für Schafzucht einzurichten; für die Erweiterung der eigenen Zucht bei Nienburg (Saale) fehlte es in Anhalt an Weidefläche. Da der russische Staat sich damals um die Einfuhr veredelter Schafsrassen aus Deutschland bemühte, genehmigte er im Herbst 1827 einer Delegation, in der Südukraine nach geeignetem Terrain zu suchen. Die Wahl fiel auf Steppe 71, einem Gebiet von 50.000 Desjatinen (ca. 550 km²), wobei die Köthener wegen der kargen Bodenpunkte 48.000 Desjatinen geschenkt bekamen. Weiterhin erhielten sie noch ca. 6.000 Desjatinen am Schwarzen Meer. Die Übertragung des Landes erfolgte am 3. März durch einen Ukas des Zaren. Der Name Askania-Nowa bezieht sich auf das anhaltische Herzogsgeschlecht der Askanier.

Am 11. August 1828 verließen 25 Personen mit 2.286 Schafen, zwei Stieren, acht Kühen und acht Pferden die anhaltische Heimat – bis auf 35 Schafe kamen alle in Askania-Nowa an. Die Schafställe wurden nach Bandhauers klassizistischem Nienburger Modell erstellt. Bis 1829 wurde der neue Betrieb auf 5.300 erweitert, 1830 zählte man bereits über 8.000 Schafe. 1835 wurde die nahe Siedlung Tschapli, die 1822 erstmals urkundlich erwähnt worden war, übereinstimmend zum Namen des Guts in Askania-Nowa umbenannt. In den ersten zehn Jahren war die Kolonie steuerfrei, dennoch musste sie aufgrund von Misswirtschaft wiederholt durch das Herzogtum finanziell unterstützt werden. Nach dem Tod Herzog Heinrichs, des letzten Regenten von Anhalt-Köthen, ging Askania-Nowa in den Besitz des Herzogs von Anhalt-Dessau über. Dieser verkaufte das unrentable Unternehmen mit 30.000 Schafen am 6. Oktober 1856 für etwa 1,5 Mio. Goldmark an den deutsch-russischen adligen Gutsbesitzer Friedrich Fein.

Seine Nachkommen errichteten 1874 einen Zoo und 1887 einen Botanischen Garten. 1896 erwarb sein Urenkel Friedrich von Falz-Fein eine Herde wilder Elenantilopen, um sie zu domestizieren. Diese Herde existiert heute noch und wird von berittenen Hirten betreut.

Ende des 19. Jahrhunderts ließ Friedrich von Falz-Fein mehrere Fangexpeditionen nach wilden Przewalski-Pferden im Bereich der Wüste Gobi durchführen. 1899 kamen die ersten fünf Fohlen nach Askania-Nowa. 1901 wurden 52 weitere gefangen, von denen allerdings nur 28 die Fang- und Reisestrapazen überlebten. Sie wurden an den deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck in Hamburg verkauft. Auf Askania-Nowa wurden auch Pferde für das russische Militär gezüchtet.

Am 23. April 1914 wurde das Gut Askania-Nowa vom russischen Zaren besucht. Damals verfügte es allein über etwa eine halbe Million Schafe. Während der Oktoberrevolution wurde der Hof stark verwüstet; die Familie Falz-Fein musste nach Deutschland fliehen. Lediglich die alte Mutter Friedrich von Falz-Feins verblieb auf dem Gut zurück und wurde von Rotarmisten erschossen. 1921 wurde das Territorium des Landguts Askania-Nowa zum Naturschutzgebiet erklärt, womit es das älteste in der heutigen Ukraine ist. Seit 1938 hat der Ort Askania-Nowa den Status einer Siedlung städtischen Typs. 1940 wurde der Freilandpark auf dem Territorium des ehemaligen Landguts wieder eingerichtet. Durch den Krieg gingen viele Tiere sowie alle wissenschaftlichen Unterlagen verloren. Seit 1956 ist das Naturschutzgebiet um die Siedlung Askania-Nowa der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften unterstellt und trägt den Namen Ukrainisch-Wissenschaftliches Iwanow-Institut. Das Naturschutzgebiet ist seit 1984 in das Internationale System der Naturschutzgebiete der UNESCO eingetragen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

1959 1970 1979 1989 2001 2013
3.815 3.625 4.437 4.560 3.437 3.137

Quelle: 1959-1989 [2]; 2001-2013 [1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Административно-териториальные преобразования в Крыму. 1783 – 1998 гг./ Справочник. – Симферополь: Таврия-плюс, 1999.
  • Барановская Л.В., Бугаев В.А., Чернявская Н.Н. Аскания-Нова// История городов и сел Украинской ССР в двадцати шести томах. Херсонская область.– К.: Институт истории АН УССР– Глав. ред. УСЭ, 1983.
  • Chronik von Askania Nova in der Zeit des anhaltischen Besitzes // Аскания-Нова в исторических планах и рисунках 1828 – 1856 гг./ Сост. Х.Шван. – СПб.–Магдебург–Кетен, 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen auf World Gazetteer
  2. Demographie ukrainischer Städte auf pop-stat.mashke.org