Asphalt-Cowboy

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Filmdaten
Deutscher Titel Asphalt-Cowboy
Originaltitel Midnight Cowboy
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1969
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 16 (früher: 18)
Stab
Regie John Schlesinger
Drehbuch Waldo Salt
Produktion Jerome Hellman
Musik John Barry
Kamera Adam Holender
Schnitt Hugh A. Robertson
Besetzung

Asphalt-Cowboy (Originaltitel: Midnight Cowboy) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1969 von Regisseur John Schlesinger mit Dustin Hoffman und Jon Voight in den Hauptrollen. Vorlage war der Roman Midnight Cowboy (deutscher Buchtitel: Mitternachts-Cowboy oder auch Rodeo der Nacht) aus dem Jahr 1965 von James Leo Herlihy.

Handlung[Bearbeiten]

Joe Buck ist 28, lebt in einer Kleinstadt in Texas und arbeitet dort als Tellerwäscher. Eines Tages packt er seinen Koffer, verkleidet sich als Cowboy und kündigt den Job, um im Greyhound-Bus nach New York zu fahren. Dort, glaubt der naive Sonnyboy, könne er als Gigolo („Mietrammler“) Erfolg haben, indem er das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet und gelangweilten New Yorker Ladies gegen Geld seine Dienste anbietet. Der unerfahrene und gutgläubige Texaner verliert in New York jedoch sein Geld, anstatt welches zu verdienen. Anbahnungsversuche mit Frauen scheitern an Missverständnissen. Mit einer landet er zwar im Bett, allerdings geht die Frau davon aus, selbst Geld dafür zu bekommen. Als sie in Tränen ausbricht, gibt er der alternden Prostituierten zwanzig Dollar. In einem Lokal trifft Joe auf den heruntergekommenen, hinkenden Kleinganoven Rizzo (genannt „Ratso“). Dieser behauptet, einen Mann zu kennen, der Joe beim Einstieg ins Sex-Business helfen könne. Joe ist dieser Tipp zwanzig Dollar wert, der vermeintliche Insider stellt sich aber als durchgedrehter religiöser Fanatiker heraus. Unterdessen ist Rizzo mit dem letzten Geld von Joe verschwunden. Joe muss daraufhin sein Hotelzimmer, das er sich jetzt nicht mehr leisten kann, verlassen. In seiner Not versucht er es mit homosexuellen Dienstleistungen, was gleichfalls schon im Ansatz fehlschlägt; ein erster junger Kunde kann nicht bezahlen.

Eines Tages trifft Joe, mittlerweile schon recht abgerissen und von Hunger geplagt, wieder auf Rizzo, aber anstatt ihn zu verprügeln, wie er es vorhatte, nimmt er seine Hilfe an und zieht, da er ja selbst keine Bleibe mehr hat, in dessen kalte, dreckige Behausung in einem abbruchreifen Haus.

In Rückblenden sind immer wieder Joes Erinnerungen an seine Vergangenheit in Texas zu sehen: Er wuchs bei seiner Großmutter Sally auf, die starb, während er beim Militär war. Als Kind wurde er in einem Fluss christlich getauft, er verbindet jedoch mit der Religion keine guten Gefühle. Eine Zeitlang hatte er eine Freundin namens Annie, die auch die verrückte Annie (Crazy Annie) genannt wurde. Eines Tages wurden Annie und er von einer Gruppe junger Männer vergewaltigt, woraufhin Annie „verrückt“ wurde und später in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert werden musste.

Joe und Rizzo erleben in New York einige Großstadtabenteuer, träumen aber davon, sich nach Florida abzusetzen. Joe würde dort sicher mehr Erfolg bei Frauen haben, wie sie glauben, und das warme Klima könnte dem inzwischen schwer erkrankten Rizzo auch Linderung verschaffen. Schließlich nehmen die beiden einen Bus nach Miami. Bei einem Zwischenstopp kauft Joe neue Kleidung und wirft seine Cowboy-Kluft in den Müll. Doch wenige Minuten vor Ankunft am ersehnten Ziel verstirbt Rizzo im Bus.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Der Film ist insbesondere für seine Szene bekannt, in der Rizzo beim Überqueren einer Straße fast von einem Taxi angefahren wird und daraufhin den Taxifahrer anschreit “I’m walking here! I’m walking here!” (übersetzt „Ich gehe hier! Ich gehe hier!“, in der deutschen Synchronisation hört man jedoch „Wenn ich gehe, hast du Pause!“). Vom American Film Institute wurde diese Zeile in einer 2005 veröffentlichten Liste der 100 besten Filmzitate aus US-Filmen auf Platz 27 gewählt. Dustin Hoffman behauptete in Interviews, die Szene wäre eine spontane Improvisation gewesen, auf dem Audio-Kommentar der DVD stellte Produzent Jerome Hellman jedoch klar, dass der Taxifahrer ein von den Produzenten bezahlter Komparse war, die Szene im Drehbuch stand und auch mehrfach geprobt wurde.[1]
  • Das American Film Institute sieht Asphalt-Cowboy in einer 2007 veröffentlichten Liste der 100 besten US-Filme auf Platz 43. 1994 wurde der Film in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.
  • Der Film war bei seiner ersten Kinoauswertung 1969 X-rated. Damit ist Asphalt-Cowboy der erste (und letzte) Film, der die gleiche Altersfreigabe wie ein pornografischer Film hatte und einen Oscar in der Kategorie Bester Film erhielt. 1971 wurde die Altersfreigabe in die neu eingeführte Kategorie R-rated geändert, welche für Minderjährige die Begleitung eines Erwachsenen vorschreibt.
  • Die deutsche Video-Erstausgabe war rund 108 Minuten lang und wurde von der FSK ab 18 Jahren freigegeben; die heutige PAL-DVD ist mit ebenfalls ca. 108 Minuten Lauflänge bereits ab 16 Jahren freigegeben.
  • Berühmt wurde der Song Everybody’s Talkin’ von Harry Nilsson, der im Film mehrfach anklingt.
  • In der Party-Szene spielen unter anderem Viva und Ultra Violet mit, sogenannte „Andy-Warhol-Superstars“.[2] Laut Produzent Jerome Hellman wurden während der Dreharbeiten der psychedelischen Party auch tatsächlich große Mengen Marihuana konsumiert.[1]
  • Jennifer Salt, die die Rolle der Annie spielt, ist die Tochter von Drehbuchautor Waldo Salt, der in dem Film selbst einen kurzen Gastauftritt als Joe Pyne in einer TV-Show hat; zudem ist er die Stimme am Telefon, als Cass in Anwesenheit von Joe telefoniert.[1]
  • Für Jon Voight war der Film der Durchbruch in seiner Schauspielkarriere. Die Rolle wirkte sich für ihn auch auf sein Privatleben aus, da er sich während der Dreharbeiten in die Schauspielerin Jennifer Salt verliebte und mit ihr danach eine Beziehung hatte.[1]
  • Eine deutschsprachige Audiodeskription des Films entstand im Jahr 2001. Sie wurde von Doris Wolters gesprochen und von Arte produziert.[3]

Kritiken[Bearbeiten]

„Regisseur John Schlesinger gelang mit seinem mehrfach Oscar-prämierten Drama eine nachhaltige Kritik am amerikanischen Way of Life und der Gleichgültigkeit der Gesellschaft. Seine Stars Jon Voight und Dustin Hoffman setzten sich in den Hauptrollen ebenfalls Denkmäler und wurden immerhin für Oscars nominiert. Mutig, wie Schlesinger sich seinerzeit sogar an das Thema Homosexualität heranwagte. Der erste Film, der das damals neu eingeführte X-Rating erhielt.“

VideoWoche

„John Schlesinger benutzt diese Bekehrungsgeschichte zur Kritik am amerikanischen “way of life”, an der Gleichgültigkeit der Massengesellschaft. Der im Dialog krasse Film trifft Atmosphäre und Milieu glaubwürdig, in der psychologischen Zeichnung ist er weniger überzeugend.“

Lexikon des Internationalen Films[4]

„Der Film ist im Drehbuch und in der Darstellung nicht frei von Sentimentalitäten, aber das Gefühl der Liebe – im christlichen Sinn – zwischen diesen beiden sozialen Außenseitern wurde ergreifend dargestellt.“

Die Zeit vom 5. September 1969[5]

„Brillanter Film John Schlesingers, der Sozialkritik mit Unterhaltungselementen mischt und trotz innerer Widersprüche aufgeschlossenen Zuschauern ab 18 zu empfehlen ist.“

Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 303/1969

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Bei der Oscarverleihung 1970 gewann der Film in drei Kategorien: Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch. Für vier weitere Preise war der Film nominiert: Dustin Hoffman als Bester Hauptdarsteller, Jon Voight als Bester Hauptdarsteller, Sylvia Miles als Beste Nebendarstellerin und Hugh A. Robertson in der Kategorie Bester Schnitt.
  • Der Film nahm am Wettbewerb der Berlinale 1969 teil und wurde dort zum Publikumsliebling. Er war für einen Goldenen Bären nominiert und gewann einen OCIC Award.
  • Bei der Verleihung des Golden Globe Award gewann Jon Voight 1970 einen Preis als vielversprechendster Nachwuchsdarsteller (“Most Promising Newcomer – Male”). In sechs weiteren Kategorien war der Film nominiert.
  • Der Film gewann 1970 in drei Kategorien einen Laurel Award: Als Bestes Drama, Dustin Hoffman als Bester Hauptdarsteller in einem Drama und Jon Voight als Bester Nachwuchsdarsteller.

Literatur[Bearbeiten]

  • James Leo Herlihy: Mitternachts-Cowboy. Roman (Originaltitel: Midnight Cowboy). Deutsch von Walter Hasenclever. Ungekürzte Ausgabe. Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin und Wien 1979, ISBN 3-548-20019-2
  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Audio-Kommentar der DVD
  2. Warhol Superstar in der englischsprachigen Wikipedia
  3. Asphalt-Cowboy in der Hörfilm Datenbank des Hörfilm e.V.
  4. Asphalt-Cowboy im Lexikon des Internationalen Films
  5. Stanley Kauffmann: NewYork – Amerikas Kino verjüngt sich. In: Die Zeit, 36/1969