Audiodeskription

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das annähernd quadratische Logo zeigt mit kräftigen schwarzen Elementen auf weißem Grund ein stilisiertes, „durchgestrichenes“ Auge. Das Auge besteht aus einem oberen und einem unteren bogenförmigen Balken (den Lidern) und einer Kreisscheibe dazwischen (der Pupille). Die Balken berühren einander in den Augenwinkeln nicht. Mit einem diagonal durch das Auge gelegten weiteren kräftigen Balken ist das Auge „durchgestrichen“, allerdings ist der Balken im Bereich des Augapfels ausgesetzt, so dass das prägnante Augensymbol unverändert erhalten bleibt.
Hörfilm-Symbol für Filme mit Audiodeskription: Das Logo zeigt ein abstrahiertes durchgestrichenes Auge

Audiodeskription, auch als akustische Bildbeschreibung oder seltener als Audiokommentierung bezeichnet, ist ein Verfahren, das blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen soll, visuelle Vorgänge besser wahrnehmen zu können. Dabei wird die Handlung mit einem akustischen Kommentar versehen, um sie für das Publikum erfassbar zu machen.

Bei Filmen und in Fernsehsendungen ergänzt sie die Untertitelung oder Übersetzung in Gebärdensprache für Gehörlose. Weitere Einsatzgebiete sind: Schauspiel und Musiktheater, Touristische Angebote wie Stadtführungen, Naturerlebnispfade und Live-Sportereignisse. Der Begriff wird auch in Museen verwendet, in denen die Besucher durch einen im Vorhinein aufgezeichneten Audiokommentar nähere Informationen zu den gezeigten Exponaten erhalten können.

Hörfilm[Bearbeiten]

„Das Augenpaar eines Mannes. Er sieht nach links, nach rechts, geradeaus. Um sein rechtes Auge schließt sich ein Fadenkreuz. Das Fadenkreuz reißt auf. Die verschwommene Silhouette eines Mannes. Er hält sich die Hände schützend vors Gesicht. Rennende Beine auf nassem Asphalt. Weiße Linien formieren sich zu einem Fingerabdruck. Tatort.“

– Vorspann der Serie Tatort (Fernsehreihe)[1][2]

In Hörfilmen, wie im Vorspann zur ARD-Serie Tatort besteht das Ziel der Beschreibung darin, aus der Fülle von visuellen Informationen eine sinnvolle Auswahl zu treffen, diese sprachlich genau zu fixieren und den Text in die Dialog- oder Gesangpausen einzupassen. Die beschreibenden Texte konzentrieren sich vor allem auf Elemente wie etwa die Schauplätze, das Aussehen der handelnden Personen, Mimik und Gestik. Dabei soll die Atmosphäre einer Szene unbeschadet bleiben, daher müssen die Kommentare möglichst kurz sein. Besondere Beachtung finden spezielle Gestaltungsmittel und -effekte oder Passagen bei denen der Originalton nicht synchronisiert sondern nur untertitelt wurde.

Die Filmbeschreibungen werden von erfahrenen Autorenteams erarbeitet. Diese Teams bestehen aus zwei sehenden Autoren und einem blinden Autor. Die Kosten für die Produktion eines 90-minütigen Hörfilms belaufen sich auf ca. 5000 Euro.[3]

Derartige Filme werden als TV-Ausstrahlung und teilweise in Kinos angeboten, wo sie über Funkkopfhörer empfangen werden können. Daneben sind oft DVDs erhältlich, die neben der Originaltonfassung eine akustische Bildbeschreibung enthalten. So erschienen im Jahr 2010 11 Hörfilme neu, insgesamt sind damit im deutschsprachigen Raum etwa 100 Titel erhältlich.[3]

Hörfilme im Fernsehen[Bearbeiten]

Am 11. Oktober 1993 strahlte das ZDF mit Eine unheilige Liebe in Deutschland erstmals einen Hörfilm aus.[4] Der ORF folgte erst im Jahr 2004 und sendete als ersten Hörfilm eine Folge der Krimiserie Der Alte.[5]

Bis zur Digitalisierung des Fernsehempfangs wurden Hörfilme noch mit Hilfe des Zweikanaltons ausgestrahlt. Dies hatte zur Folge, dass derartige Filme nur mono gesendet werden konnten (z.B. Hörfilmton links, „normaler“ Ton rechts). Dies war eine technisch unbefriedigende Lösung, da viele Zuschauer ihr Fernsehgerät nicht so einstellen konnten, dass nur einer der beiden Tonkanäle zu hören war. Bei manchen Fernsehern fehlte diese Option ganz.

Abgesehen von derlei technischen Schwierigkeiten standen auch andere Probleme der Verbreitung von Hörfilmen im Weg. Etwa der produktionstechnische Aufwand und nicht vorhandene Finanzen der Sender. Auch die Frage wie viele Blinde und Sehbehinderte überhaupt in der Lage sind, Audiodeskriptionen zu empfangen, spielte eine Rolle. Beispielsweise war (und ist) es bei analogen Kabelnetzen von deren Betreibern abhängig, ob mehrere Tonspuren eingespeist werden oder nicht. Auch beim Antennen- und Satellitenfernsehen waren nicht alle Ausstrahlungen einheitlich.

Nach der Digitalisierung findet man die Audiodeskriptionen heute in der Regel auf einer zweiten (eigenen) Stereotonspur. Über die Tonspur 1 wird der Originalfilmton empfangen, auf der Tonspur 2 ist die Mischung aus Originalfilmton und Bildbeschreibung zu hören (auf der Tonspur wird der Ton zum Beispiel in Dolby Digital Codierung übertragen). Bei digitalem Empfang wird die Tonspur am Empfänger (DVB-T, DVB-S oder DVB-C) eingestellt.

Besonders in den letzten Jahren haben die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland und Österreich ihre Bemühungen spürbar verstärkt.

Produktion der Hörfilme (Audiodeskription)[Bearbeiten]

Bezüglich der Produktion gibt es verschiedene Vorgangsweisen, so erstellt der Bayerische Rundfunk Hörfilme selbst, andere Sender vermitteln ihre Aufträge nur an die deutsche Hörfilm gGmbh, ein Tochterunternehmen des deutschen Blindenverbandes. Für den ORF ist die Firma Audio2 im Einsatz.[6]

Im Programm des Schweizer Fernsehens werden monatlich mindestens zwei Filme ausgestrahlt. Diese werden aus Deutschland übernommen, eine eigene Produktion besteht nicht.[7]

Zwar wurde Sat.1 im Jahr 2003 mit einem deutschen Hörfilmpreis bedacht, weil der Sender die Audiodeskription zu La Strada – Das Lied der Straße finanziert hatte,[8] ansonsten strahlt das Privatfernsehen im deutschsprachigen Raum jedoch keine Bildbeschreibungen aus,[3] teils mit der Begründung, dass dies technisch nicht möglich sei.[9]

International ist die Verbreitung von Hörfilmen sehr unterschiedlich ausgeprägt, so versucht die BBC mit Audiodeskriptionen ihr Programm für Behinderte attraktiver zu machen und verfügt dementsprechend mittlerweile über ein großes Angebot an derartig bearbeiteten Serien. Diese Sendungen können seit einiger Zeit von britischen Internetnutzern über den sogenannten „BBC iPlayer“ angesehen werden. Nach eigener Aussage ist die BBC damit der erste Fernsehsender der Welt, der seine Hörfilminhalte im Internet verfügbar macht.[10]

Liste der Sendungen[Bearbeiten]

Unter anderem werden folgende regelmäßige Sendungen deutschsprachiger Sender mit akustischer Bildbeschreibung angeboten:

Live-Audiodeskription im Fernsehen[Bearbeiten]

Diese Art der Bildbeschreibung kann natürlich nicht voraufgezeichnet werden, stattdessen erklären die Sprecher das Geschehen (etwa ein Fußballspiel) für die Zuschauer. Dabei beschränken sie sich nicht immer nur auf die Vorgänge auf dem Rasen, sondern kommentieren mitunter Fernsehbilder aus dem Publikum, was für den Zuschauer einen gewissen Unterhaltungswert haben kann.[11]

Im Jahr 2009 begann der Österreichische Rundfunk damit, Sportübertragungen mit einem "Live-Audiokommentar" zu versehen. Nachdem zunächst nur Bundesliga-Spiele und Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft deskribiert wurden, dehnte der ORF die Berichterstattung auf immer mehr Sportarten aus, sodass mittlerweile ein großer Teil des Sportprogramms von ORF 1 audiokommentiert wird. Der Live-Kommentar fand seither auch abseits von Sportübertragungen Verwendung, etwa bei der Heirat von Prinz William und Catherine Middleton oder bei Berichten aus dem Vatikan (Weihnachts- und Osterfeierlichkeiten).

Am 19. Januar 2013 wurde Wetten, dass..? erstmals mit einem Audiokommentar versehen.[12]

Liste der regelmäßigen Sendungen mit Live-Audiodeskription[Bearbeiten]

Andere Nutzungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Natürlich sind Audiodeskriptionen nicht nur im Fernsehen verwendbar. Sie lassen sich auch an bestimmten Orten nutzen, um etwa in einem Theater nicht nur die Dialoge der Schauspieler zu hören, sondern auch ihr Handeln auf der Bühne verfolgen zu können. Derartige Projekte werden meist mittels schwacher UKW-Sender umgesetzt. Diese sind nur in einem kleinen Radius zu empfangen und können mittels handelsüblicher Radiogeräte gehört werden.[13] Auch für Sportveranstaltungen gibt es derartige Sender, deren Programm teilweise über Live-Stream im Internet gehört werden kann.[14]

Besonders hier verwischen die Grenzen zwischen speziell für Blinde produziertem und „gewöhnlichem“ Fußballradio wie 90elf. Auch die Bundesligakonferenz im ARD-Hörfunk ist prinzipiell vergleichbar. Die Situation für den Hörer ist dieselbe: Er kann ein Fußballspiel nicht sehen, weshalb die Kommentatoren die Szenen besonders genau beschreiben.

Im Jahr 2011 zeigte der österreichische Modekonzern Palmers einen Werbespot, der u.a. mit dem Mittel der Audiodeskription arbeitete.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ulla Fix: Hörfilm – Bildkompensation durch Sprache. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-503-07932-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Audiodeskription – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sophie Diesselhorst: Wer nicht sehen kann, muss hören. In: Cicero. Cicero.de, 18. März 2009, abgerufen am 22. März 2013.
  2. Hörbeispiel: Tatort-Vorspann – auf der Website des Bayerischen Rundfunks
  3. a b c Anne Bohlmann: Zum neunten Mal prämiert der Deutsche Hörfilmpreis blindengerechte Filme: Bilder zum Hören. In: berliner-zeitung.de. Berliner Zeitung, 15. März 2011, abgerufen am 8. Mai 2013.
  4. Wenn aus Bildern Worte werden … – 20 Jahre Hörfilm in Deutschland. In: hoerfilmev.de. Hörfilm E.V., abgerufen am 23. März 2013.
  5. "Auftrag für einen Mord" als erster Hörfilm des ORF. In: Pressemitteilung. ORF, 19. Februar 2004, abgerufen am 5. Juni 2014.
  6. Angaben auf der Audio2-Website, abgerufen am 17. März 2013.
  7. Hörfilme – SF 1-Homepage
  8. Ein Abend der leisen Töne. In: welt.de. die Welt, 22. Mai 2003, abgerufen am 7. Mai 2013.
  9. Fußball auf ATV mit Barrieren: Blinde und sehbehinderte Menschen müssen auf ÖFB-Website ausweichen. In: blindenverband.at. Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich, 5. November 2012, abgerufen am 7. Mai 2013.
  10. BBC iPlayer audio description is now available, BBC Internet blog.
  11. Marc Carnal: Meine EM-Helden, fm4.orf.at, 24. Juni 2012
  12. Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich: „Wetten dass..?“ ab Samstag barrierefrei, Pressemeldung, 15. Januar 2013
  13. Theater4all, oe1.orf.at, abgerufen am 17. März 2013
  14. Bundesliga on Ear, ein Angebot in österreichischen Fußballstadien
  15. Video ohne Audiodeskription, Video mit Audiodeskription