Ayérou

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Landgemeinde Ayérou
Landgemeinde Ayérou (Niger)
Landgemeinde Ayérou
Landgemeinde Ayérou
Koordinaten 14° 44′ N, 0° 55′ O14.7308333333330.91694444444444Koordinaten: 14° 44′ N, 0° 55′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Ayérou
Höhe 230 m
Einwohner 32.958 (2010)
Politik
Bürgermeister Zakaria Moussa (2012)

Ayérou (amtliche Schreibweise;[1] auch Ayorou) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Ayérou in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Grundschule in Ayérou

Die Gemeinde liegt am östlichen Ufer des Flusses Niger in der Sahelzone. Hier mündet der Béli in den Niger. Ayérou grenzt im Norden an den Nachbarstaat Mali. Die Nachbargemeinden in Niger sind Inatès im Osten, Anzourou im Südosten, Dessa im Süden, Bankilaré im Südwesten und Gorouol im Westen. Das Gemeindegebiet ist in 15 administrative Dörfer (darunter Doulsou), drei traditionelle Dörfer, 62 Weiler, 20 Lager und 20 Wasserstellen gegliedert.[2] Der Hauptort der Landgemeinde ist Ayérou, bestehend aus den administrativen Dörfern Ayorou Goungou, Ayourou Goungou Koré und Ayorou Haoussa.[3]

Die Altstadt liegt auf einer gleichnamigen Insel im Niger, die der Gemeinde ihren Namen gab. Am Flussabschnitt bei Ayérou leben Flusspferde und zumindest 33 verschiedene Wasservögel-Arten, darunter Höckerglanzgänse, Witwenpfeifgänse und Kronenkraniche.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem der Herrscher des Songhaireiches Sonni Ali 1492 gestorben war, rebellierte dessen ehemaliger Heerführer Askiya Muhammad gegen Sonni Alis Sohn und Nachfolger Sonni Baru und besiegte ihn 1493 in einer Schlacht. Sonni Baru flüchtete nach Ayérou und errichtete dort einen eigenen kleinen Staat, der 1500 nach ständigen Angriffen besiegt und in das Songhaireich eingegliedert wurde.[5]

Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth besuchte die Siedlung, für die er die Schreibweisen Ayōru und Airu verwendete, im Jahr 1854. Er beschrieb sie als beschauliches Dorf, dessen großteils hochgewachsene Einwohner sich der Landwirtschaft widmeten.[6] 1899 gelangte das Gebiet von Ayérou als Teil des neu geschaffenen Kreises Sinder (cercle de Sinder) unter französische Militärverwaltung. 1905 wurde Ayérou dem neuen Militärterritorium Niger (Territoire militaire du Niger) angeschlossen.[7]

1964 gliederte eine Verwaltungsreform Niger in sieben Departements, die Vorgänger der späteren Regionen, und 32 Arrondissements, die Vorgänger der späteren Departements. Ayérou wurde dem neugeschaffenen Arrondissement Tillabéri zugeschlagen, erhielt jedoch den Status eines Verwaltungspostens (poste administratif) im Gebiet des Arrondissements. Verwaltungsposten waren besondere Gebietseinheiten eine Ebene unterhalb von Arrondissements, die als eine Art Vorstufe zu einer späteren Umwandlung in ein eigenes Arrondissement galten.[8] 1998 wurden die bisherigen Arrondissements Nigers in Departements umgewandelt.[9] Das Dorf Daya im Gemeindegebiet von Ayérou war von der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 betroffen: 707 Einwohner wurden als Katastrophenopfer eingestuft.[10] Der Verwaltungsposten von Ayérou wurde 2011 aus dem Departement Tillabéri herausgelöst und zum Departement Ayérou erhoben.[11] In der Gemeinde wurde im Mai 2012 infolge des Konflikts in Nordmali das Flüchtlingslager Tabareybarey eingerichtet. Es beherbergte im Oktober 2013 etwa 9000 Menschen, vor allem Tuareg, Fulbe und Songhai aus den malischen Gemeinden Ansongo und Ouattagouna.[12]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Ayérou 24.901 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 32.958 Einwohner berechnet.[13]

52 % der Bevölkerung von Ayérou wurden 2011 in einer Studie der französischen Nichtregierungsorganisation ACTED als arm oder sehr arm eingestuft. Mehr als 72 % der Einwohner hatten Zugang zu Latrinen in der näheren Umgebung, ein im Vergleich mit anderen Gemeinden im Norden der Region Tillabéri hoher Wert.[14]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Markt in Ayérou

Sonntag ist Markttag in Ayérou. Der Markt erstreckt sich dann über weite Teile der Stadt, vom Flussufer bis zur Hauptstraße.[15] Die Gemeinde liegt in einer Zone, in der Agropastoralismus vorherrscht.[16] Durch Ayérou verläuft die Nationalstraße 1, die entlang des Niger flussaufwärts bis zur Staatsgrenze mit Mali und flussabwärts Richtung der Hauptstadt Niamey führt. Der Fluss selbst ist mit Pirogen schiffbar.[17]

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ayérou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Nigrischen Statistik: Annuaires Statistique, Edition 2008 (PDF-Datei; 1,2 MB), abgerufen am 2. März 2010.
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  3. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF-Datei; 106 kB).
  4. Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 121.
  5. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 69.
  6.  Heinrich Barth: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika. Fünfter Band, Justus Perthes, Gotha 1858, S. 263–264.
  7. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 234–235.
  8. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 275.
  9. Historique de la décentralisation. ANIYA. Réseau des collectivités nigériennes et françaises, archiviert vom Original am 6. April 2012, abgerufen am 28. Januar 2014 (französisch).
  10. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  11.  Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2014).
  12. Tabareybarey Refugee Camp. UNHCR, Oktober 2013, abgerufen am 8. November 2014 (PDF-Datei, englisch).
  13. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF-Datei; 3,0 MB), S. 56.
  14. Départements de Tillabéri, Ouallam et Filingué, Region of Tillabéri. Evaluation of the Humanitarian Situation. Agence d'aide à la coopération technique et au développement (ACTED), Paris 2011 (Online-Version; PDF-Datei; 317 kB).
  15. Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 120.
  16. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. Save the Children UK, London 2009 (Online-Version; PDF; 2,6 MB), S. 8.
  17. Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 119.
  18. Jean-Claude Peyronnet: La solidarité internationale à l’échelle des territoires: état des lieux et perspectives. Annexe 5: Document de travail de l’ambassade de France au Niger sur les coopérations décentralisées dans ce pays. Senat der Französischen Republik, 13. November 2012, abgerufen am 5. Juli 2013 (französisch).