Bénédictine

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Alexandre Legrand, Gründer des Palais Bénédictine

Bénédictine ist ein Kräuterlikör, der ähnlich wie Chartreuse auf eine alte Klosterrezeptur zurückgeht. Die Marke gehört seit 1993 zu Bacardi.

Geschichte[Bearbeiten]

Palais Bénédictine in Fécamp

Mehrere Arzneien wurden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von den Mönchen der Benediktinerabtei Fécamp hergestellt, bis ihre Rezepturen 1792 in den Wirren der Französischen Revolution beim Verkauf des Klosters als Bien national verloren gingen. Erst 1863 entdeckte der Unternehmer Alexandre Legrand[1] sie zufällig auf einem alten Manuskript der Klosterbibliothek, die er zum Teil besaß, und hatte die Idee, einen Kräuterlikör zu schaffen. Mit Hilfe eines Apothekers entwickelte er eine Rezeptur aus 27 Kräutern und Gewürzen. Dann vermarktete er den Likör unter dem Namen Bénédictine.[2][3] Zehn Jahre später, 1873, wurden bereits 150.000 Flaschen pro Jahr abgefüllt. Im Juni 1876 gründete Le Grand das Unternehmen Bénédictine SA. 1882 entwarf der Architekt Camille Albert eine Produktionsstätte für den Likör, das Palais Bénédictine, eine Mischung aus Palast und Museum, typisch für den Eklektizismus. Der Palast wurde 1888 eingeweiht, vier Jahre später durch ein Feuer zerstört und wenig später in seiner heutigen Form wieder errichtet. Das Gebäude dient noch heute als Produktionsstätte für den Bénédictine und als Kunstmuseum. Seit 1993 gehört das Unternehmen zu Bacardi Ltd.

Herstellung[Bearbeiten]

Bénédictine

Der kräftige, aromatisch-süße Kräuterlikör besteht aus 27 Kräuter- und Gewürzauszügen (u. a. Kardamom, Vanille, Koriander), Zucker und Honig und hat einen Volumenalkoholgehalt von 40 %. Er wird in Torten, Konfekt und Mixgetränken verwendet.

Bei der Herstellung werden zunächst fünf Kräutermischungen angesetzt. Vier Mischungen werden dann destilliert, während die fünfte Mischung (zumeist Früchte und Fruchtschalen) in Alkohol eingelegt wird, um einen Extrakt zu gewinnen. Die daraus gewonnenen fünf Basisspirituosen werden getrennt voneinander in Steingutgefäßen gelagert und danach gemischt und abgefüllt.

B & B[Bearbeiten]

B & B

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kreierte ein Barmann des berühmten Club 21 in New York einen Drink, der aus Bénédictine und Cognac („Brandy“) gemischt wurde – der B & B war geboren. Das Rezept wurde von Bénédictine aufgegriffen und fortan als B & B vermarktet. B & B ist ebenfalls ein Likör, aber durch den enthaltenen Cognac trockener als der Original-Bénédictine. Er wird vor allem für den US-amerikanischen Markt produziert und ist in Europa ausschließlich in Fécamp erhältlich.

Bekannte Bénédictine-Trinker[Bearbeiten]

Zu den bekanntesten Bénédictine-Liebhabern gehörte die Wiener Femme fatale Alma Mahler-Werfel, die den Likör neben Champagner täglich genoss. Johannes Trentini erwähnte in seinen Erinnerungen, wie sie anlässlich des Todes seines Vaters Albert von Trentini sogar eine Flasche als Trostgeschenk für den Sohn mitbrachte, was Johannes Trentini allerdings geschmacklos fand.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Später ließ er seinen Namen als Alexandre Le Grand, wie Alexander den Großen schreiben.
  2. Nach Alain Le Grand, letztem Familienbesitzer in der FR3-Normandie-Fernsehsendung Le palais bénédictine de Fécamp.
  3. Nach Jean-Pierre lantaz, Bénédictine d'un alambic à cinq continents, éditions Bertout 1991.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stéphane Nappez: Le palais Bénédictine. Monument de l'art et de l'industrie. Fécamp, Seine-Maritime. Éditions PTC, Rouen 2005, ISBN 2-350-38007-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bénédictine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien