Femme fatale

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Dieser Artikel behandelt den Frauentypus. Für weitere Bedeutungen siehe Femme Fatale (Begriffsklärung).
Postkarte von Mata Hari

Die Femme fatale [fam faˈtal] (frz. für „verhängnisvolle Frau“) ist ein besonders attraktiver und verführerischer Frauentypus, der – mit magisch-dämonischen Zügen ausgestattet – Männer erotisch an sich bindet, sie aber auch manipuliert, ihre Moral untergräbt und sie meist auch auf „fatale“ Weise ins Unglück stürzt. Gleichzeitig verspricht sie dem verführten Mann ein Höchstmaß an Liebeserfüllung, was ihr oft einen äußerst ambivalenten Charakter verleiht.

Dieser Typus wird in Anlehnung an ein Gedicht von John Keats[1] auch als La Belle Dame sans Merci oder, in Verwandtschaft zur Vampirmythologie, als Vamp bezeichnet.[2]

Die femme fatale in Mythologie, Kunst und Literatur[Bearbeiten]

Lilith, Gemälde von John Collier (1892)

„Im Mythos und in der Literatur hat es den Typus der femme fatale immer gegeben, denn Mythos und Literatur sind nur die dichterische Widerspiegelung des wirklichen Lebens; im wirklichen Leben aber hat es an mehr oder minder vollkommenen Exemplaren herrschsüchtiger und grausamer Frauen nie gefehlt.“

Mario Praz[3]

Das Motiv der dämonischen Verführerin durchzieht die gesamte Literatur seit der altbabylonischen Zeit:

  • Biblische Beispiele sind Eva, Potiphars Weib und Delila.
  • In der Epik der klassischen Antike erscheinen u. a. Pandora, Helena, Circe und die Sirenen.
  • Im Mittelalter entstanden die Lieder von der Nixe Melusine, von Meliur, von Armida und das Motiv der Mahrtenehe zwischen einem Sterblichen und einem verführerischen, aber Albdruck verursachenden überirdischen weiblichen Wesen.
  • Vamps der Literatur der frühen Neuzeit sind:
  1. Semiramis, Agrippina, Sophonisbe (bei Calderón)
  2. „Jüdin von Toledo“ (bei Lope de Vega)
  3. "Dark Lady" aus Shakespeares Sonetten
  4. Countess Isabella (bei John Marston)
  5. Celinde (bei Andreas Gryphius)
  6. Beispiele des 18. Jahrhunderts:
  7. Marwood und die Gräfin Orsina (beide bei Lessing)
  8. Madame Reymer (bei Diderot)
  9. Danae und Lais (bei Wieland)
  10. Matilda (in Matthew LewisThe Monk).
  11. Die Verführerin Adelheid (Götz von Berlichingen) und Die Braut von Korinth wurden von Goethe erdacht.
  12. Die Comtesse Blainville (bei Ludwig Tieck)
  13. Die Totenbraut von Friedrich Laun

Die Femme fatale ist auch ein Motiv diverser Volkssagen. Bekanntes Beispiel dafür ist das von Heinrich Heine geschriebene Gedicht über die Loreley. Weitere Beispiele sind von Kleist das Fräulein Kunigunde (Das Käthchen von Heilbronn), von Friedrich de la Motte-Fouqué die Nixe Undine, von Eichendorff die Gräfin Romana und die Gräfin Diana, von E. T. A. Hoffmann Der Elementargeist, von Émile Zola die Kokotte Nana und von Oscar Wilde die tanzende Tochter der Herodias in Salome.

Das bekannteste Bühnenwerk mit einer Femme fatale ist die Oper Carmen von Georges Bizet; sie greift ein Werk von Prosper Mérimée auf.

Alma Mahler-Werfel 1900, vielfältig künstlerisch verewigte Femme fatale des frühen 20. Jahrhunderts

In Gerhart Hauptmanns Dramen treten eine ganze Reihe von Vamps auf. Eines der bekanntesten Beispiele schuf Frank Wedekind mit der Kindfrau Lulu, dem Prototyp des modernen Vamps (Erdgeist; Die Büchse der Pandora). Beide Männer waren neben Oskar Kokoschka, Walter Gropius und Gustav Mahler zeitweise Gefährten von Alma Mahler-Werfel.

Beispiele des frühen 20. Jahrhunderts sind die „Künstlerin“ Rosa Fröhlich (in Heinrich Manns Professor Unrat), Alpha (in Robert Musils Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer), Temple Drake (in William Faulkners Die Freistatt) und die Bergkönigin (in Hugo von Hofmannsthals Das Bergwerk zu Falun).

Die Femme fatale im Film[Bearbeiten]

Stummfilmzeit[Bearbeiten]

Im Film erscheint der Typus der Femme fatale seit der Stummfilmzeit. Schauspielerinnen, die solche Charaktere wiederholt verkörpert haben, sind in den USA z. B. Theda Bara, Alla Nazimova und Gloria Swanson (1899-1983), und in Deutschland Fern Andra und Pola Negri. Ein charakteristisches deutsches Filmbeispiel ist Robert Wienes Film Genuine aus dem Jahr 1920, in dem die Femme fatale buchstäblich das Blut der Männer, die ihr erotisch verfallen, trinkt und so auf einprägsame Weise die Etymologie des Worts „Vamp“ erläutert.

1940er Jahre[Bearbeiten]

Die Femme fatale ist die zentrale Frauenfigur des amerikanischen Film noir der 1940er Jahre.

Kennzeichen der Femme fatale sind

  • Inkonsistenz von Erscheinung und Wesen
  • übererotisierte weibliche Attraktivität
  • Intelligenz und Gefühlskälte
  • manipulative Fähigkeiten
  • Machtstreben
  • selbstbestimmte Sexualität
  • destruktive Norm- und Gesetzesüberschreitung

Die Grenzen zwischen den Stereotypen „Femme fatale“ und „Good Bad Girl“ sind fließend.

Beispiele[Bearbeiten]

Die Femme fatale in den Neuen Medien[Bearbeiten]

In Neuen Medien, etwa in Videospielen, taucht die Figur der Femme fatale ebenfalls auf. Als Beispiel sei die Spiele-Serie Max Payne genannt, in der ein Ex-Polizist namens Max Payne auf der Suche nach Rache und Gerechtigkeit, getrieben durch die Liebe zu Mona Sax, sich durch die Mafiabanden von New York schießt, um am Ende doch zu scheitern.

Die US-amerikanische Sängerin Britney Spears veröffentlichte am 25. März 2011 ihr siebtes Album unter dem Titel Femme Fatale.

"Femme fatale" wird außerdem im gleichnamigen Song der Band The Velvet Underground thematisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Stein (Hrsg.): Femme fatale, Vamp, Blaustrumpf. Sexualität und Herrschaft (= Kulturfiguren und Sozialcharaktere des neunzehnten und 20. Jahrhunderts. Bd. 3 = Fischer 5037). Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-596-25037-4.
  • Mario Praz: La Belle Dame sans Merci. In: Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel. Die schwarze Romantik (= dtv 4375). 4. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag 1994, ISBN 3-423-04375-X, S. 167–250.
  • Elisabeth Frenzel: Die dämonische Verführerin. In: Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 301). 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1999, ISBN 3-520-30105-9, S. 774–788.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. La Belle Dame Sans Merci (Text)
  2. Vgl.: Mario Praz, 1994.
  3. Mario Praz, 1994, S. 167