Bartensleben (Adelsgeschlecht)

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Wappen der von Bartensleben

Die Familie von Bartensleben war ein deutsches Adelsgeschlecht, das ab dem 13. Jahrhundert bis 1742 die Gegend um die Wolfsburg mit dem Gebiet des Vorsfelder Werders und dem Flecken Vorsfelde beherrschte. Sie lässt sich bis ins 12. Jahrhundert nachweisen und stammt von der Wasserburg Bartensleben im Dorf Bartensleben. Das Geschlecht erlosch 1742 im Mannesstamm durch den Tod des letzten männlichen Vertreters.

Herkunft[Bearbeiten]

Als namensgebender Ort und Stammsitz des Geschlechtes dürfte die östlich von Helmstedt im Landkreis Börde gelegene, frühere Wasserburg Bartensleben in Groß-Bartensleben in Frage kommen. Erste Erwähnung mit Herrmann von Bartensleben, Sohn des Ludolph von Peine, im Jahre 1188 in einer Schenkungsurkunde des Grafen von Woldenberg, Herrmannus Miles dictus de Bartensleve filius Lundolfi. 1212 wird ein Dominus Herbertus de Bardesleve als Zeuge in einer Urkunde des Grafen von Dannenberg genannt.[1] Im heutigen Wolfsburger Raum traten die von Bartensleben erstmals 1288 durch Günther von Bartensleben auf, der in Vorsfelde urkundlich als Burgmann genannt wird.

Aufstieg und Herrschaft[Bearbeiten]

Günther von Bartensleben (1558–1597) als Steinrelief in der Vorsfelder St.-Petrus-Kirche

Als Ministeriale und somit dem niederen Adel zugehörig, erhielt die Familie ab dem 13. Jahrhundert von verschiedenen Landesherren Lehen zur Verwaltung und kam so in den Stand der ritterbürtigen Oberschicht. 1389 erhielten die Brüder Werner, Busso und Günzel von Bartensleben vom Braunschweiger Herzog Friedrich den Flecken Vorsfelde samt dem Vorsfelder Werder als Lehen. Ihr Herrschaftsgebiet lag in einem Dreiländereck zwischen den Gebieten des Markgrafen von Brandenburg, dem Braunschweiger Herzog und dem Erzbischof von Magdeburg. Durch geschickte Hingabe an diese Lehnsherren und Neutralität im Kriegsfall schufen sie sich einen kompakten Machtbereich rund um die Wolfsburg. Ihr gehörte auch unter Pfandbesitz die Burg Calvörde in Calvörde.

Das Geschlecht mit mindestens noch einem Familienzweig, der Rothehofer Linie, prägte die Region über Jahrhunderte. Neben dem Stammsitz auf der von ihnen um 1300 errichteten Wolfsburg saßen sie auf der (heutigen nicht mehr lokalisierbaren) Burg Altes Haus in Vorsfelde, der Burg Neuhaus und der wüst gefallenen Turmhügelburg Rothehof im heutigen Wolfsburger Stadtwald. Die Rothehofer Linie betrieb dort wahrscheinlich auch einen Wirtschaftshof (Vorwerk), den Rothehof. Er wird 1304 als „adelicher freier landtagsfähiger Hof“ urkundlich erwähnt. Bereits 1463 verkaufte der Ritter Huner von Bartensleben den Hof seinen Vettern auf der Wolfsburg. 1532 war die Rothehofer Linie, die auch auf Burg Neuhaus saß, erloschen.

Bedeutende Vertreter[Bearbeiten]

Nur wenige Mitglieder derer von Bartensleben traten hervor, viele waren mit der Verwaltung ihrer weitläufigen Lehnsbesitzungen zu sehr beschäftigt. Zunächst kam den Brüdern Burchard, Günzel, Günther und Werner eine gewisse Bedeutung zu, da sie um 1300 mit dem Bau der Wolfsburg begannen.

Der bedeutendste Vertreter jedoch war Hans von Bartensleben (1512–1583), genannt Hans der Reiche. Er begann mit dem Umbau der Wolfsburg von der Burg zum Schloss, trat während der Reformation für Glaubenstoleranz ein und stiftete sein Vermögen den Armen.

Erwähnenswert sind auch sein Vetter Jacob von Bartensleben sowie dessen Söhne Günzel und Günther, die sein Werk als Schlossbauherren fortsetzten. Günther (1558–1597) und seine Ehefrau Sophie von Veltheim (1574–1613) ließen den Südflügel des Schlosses mit dem Ritterhaus errichten. Vom Ehepaar gibt es ein kunstvolles Steinrelief in der Vorsfelder St. Petrus Kirche.

Reformationszeit[Bearbeiten]

Die von Bartensleben taten sich, wenn auch spät, durch ihre Glaubenstoleranz hervor. Im Jahr des Augsburger Religionsfriedens 1555, 38 Jahre nach Reformationsbeginn durch Luthers Thesen-Verkündigung von 1517, schlossen die Familienmitglieder einen „Toleranzvertrag“. Er sicherte den Anhängern der alten, katholischen und der neuen, evangelischen Konfession die ungehinderte Religionsausübung zu. Er galt auch für das Gesinde und die Untertanen. Laut Vertrag wurden Kirchennutzung und Kirchenvermögen geteilt. Als letzter der von Bartensleben trat Hans der Reiche 1580 zum protestantischen Glauben über.

Erlöschen des Geschlechts[Bearbeiten]

Der letzte männliche Vertreter derer von Bartensleben, Gebhard Werner, (1675–1742)

Mit dem Tod von Schatzrat Gebhard Werner von Bartensleben 1742 erlosch das Geschlecht der von Bartensleben im Mannesstamme. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes hatte sich das Herzogtum ab 1739 im Geheimen auf eine schnelle Übernahme des Lehens vorbereitet. Es ließ sich von Spionen, darunter auch Ärzte, über Gebhard Werner's Gesundheitszustand berichten. Ende 1741 begab sich Gebhard Werner von Bartensleben in die damalige Residenzstadt des Kurfürstentums Hannover nach Hannover, um sich durch vertrauenswürdige Ärzte kurieren zu lassen. Er quartierte sich in der London-Schenke ein, wo er am 6. Januar 1742 verstarb.

Mit seiner Ehefrau Elisabeth von Bodenhausen hatte er sieben Kinder. Die drei Söhne starben als Heranwachsende innerhalb von zwei Jahren an den Pocken, die Töchter bis auf eine ebenso. Alleinerbin war die Tochter Anna Adelheid Catharina. Durch ihre Ehe mit dem preußischen Generalleutnant Adolf Friedrich von der Schulenburg (1685–1741) gingen die Bartenslebischen Güter und vor allem die Wolfsburg 1746/47 auf die bedeutende adlige Familie der von der Schulenburg über. Das bartenslebische Lehen über den Vorsfelder Werder erlitt nach 353 Jahren den Heimfall an den Herzog von Braunschweig und Wolfenbüttel als Landesherren, der daraus das Amt Vorsfelde bildete. Der Ehemann der bartenslebischen Erbtochter war allerdings schon vor dem Erbeintritt 1741 gefallen. Aus den 15 gemeinsamen Kindern entwickelte sich der Wolfsburger Familienzweig der von der Schulenburg.

Wappen[Bearbeiten]

Das Familienwappen stellt einen über zwei Getreidegarben springenden Wolf dar. Es lässt sich bis 1188 zurückverfolgen, als die Familie noch als niedere Ministeriale im Dorf Bartensleben saßen. Später benannten sie die von ihnen erbaute Burg, das Schloss Wolfsburg, nach ihrem Wappentier. Nach der Wolfsburg wurde wiederum die 1938 hier entstandene Großstadt Wolfsburg benannt, die jedoch im Dritten Reich Stadt des KdF-Wagens hieß; lange befand sich das Stadtwappen mit dem Wolf auf jedem Volkswagen-Steuerrad. Gleiche oder sehr ähnliche Wappen führten die (vermutlich stammesverwandten) Familien der Herren von Wolfenbüttel und Grafen von Peine. Auch die Herren von der Asseburg, von Apenburg und von Berwinkel (oder Bärwinkel) sowie die von Winterfeld, deren Abstammung ebenfalls - teilweise urkundlich erwiesen - auf die von Wolfenbüttel und Peine zurückgeführt wird, gehören dieser Wappen- und vermutlich auch Stammesgemeinschaft an.

Begräbnisstätten[Bearbeiten]

Familiengruft der Vorsfelder St.-Petrus-Kirche zwischen 1658 und 1695

Die Herren von Bartensleben nutzten seit dem 14. Jahrhundert als Grablege eine Kapelle im Kloster Mariental bei Helmstedt, unweit ihres Herkunftsortes Bartensleben. Später bestatteten sie ihre Familienangehörigen in der Kirche St. Marien im heutigen Alt-Wolfsburg unmittelbar neben der Wolfsburg. Heute stehen in der Gruft neun Särge aus der Zeit zwischen 1689 und 1742, darunter auch der des letzten männlichen Vertreters, Gebhard Werner von Bartensleben. Die Ruhestätte beherbergt auch noch 13 weitere Särge Schulenburger Familienmitglieder, spätere Schlossherren. Die Vorsfelder St.-Petrus-Kirche wurde 1475 Patronatskirche der von Bartensleben. Im Boden des Kirchenschiffs sind im 16. Jahrhundert acht ihrer Angehörigen bestattet worden, darunter auch Hans der Reiche. Nach dem Bau einer Familiengruft ruhen dort 14 ihrer im 17. Jahrhundert verstorbenen Familienmitglieder (darunter drei Kinder) in prunkvoll verzierten Holz-Särgen. Viele verstarben an den Pocken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Schlelein: Unter dem Bartenslebischen Joche. – Zur Lage der Bevölkerung in Vorsfelde und den Werder-Dörfern in den elenden Zeiten des 17. Jahrhunderts. Wolfsburg 2002.
  • Ingrid Eichstädt: Die Geschichte des Raumes Gifhorn-Wolfsburg. Gifhorn 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bartensleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Gustav von Winterfeld: Geschichte des Geschlechts von Winterfeld. Band 1, Selbstverlag, Damerow 1858, OCLC 833415725, S. 356.