Basilica dell’Osservanza

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Fassade der Basilica dell’Osservanza in Siena
Die Basilica dell’Osservanza mit altem Eingangsbereich von Süden gesehen
Die Basilica dell’Osservanza abends von Siena aus gesehen

Die Basilica dell’Osservanza ist eine Basilika in Siena.

Lage[Bearbeiten]

Die Basilika liegt auf dem Hügel Colle della Capriola im Seneser Stadtteil Scacciapensieri. Sie ist die einzige der vier senesischen Basiliken, die außerhalb der Stadtmauern von Siena liegt, zudem ist sie die kleinste von ihnen. Sie wird als wichtigste Kirche außerhalb der Stadtmauern von Siena betrachtet.[1]. Zu der Basilika gehören zudem die Bibliothek, die drei Kreuzgänge, der Konvent, die Krypta, die Loggia dei Pandolfi, die Sakristei, das Oratorio di San Bernardino und das Refektorium sowie seit 1920 das Museum Aurelio Castelli.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Initiative von Pier Paolo d’Ugolino Ugurgieri entstand 1474 das Projekt zum Bau der Basilika. Der Bau wurde von 1476 bis 1490 im Stile der Renaissance begonnen.[2] Die Bauherrschaft wird Francesco di Giorgio und/oder Giacomo Cozzarelli[3] zugeschrieben. Durch den Seneser Herrscher Pandolfo Petrucci wurde die Basilika von 1495 bis 1496 um die Krypta, den Konvent und das Familiengrab der Petrucci erweitert. Durch die Belagerung Sienas durch Florenz 1554/55 wurde die Basilika stark beschädigt und in der Epoche des Barock wieder aufgebaut. Von 1683 bis 1704 fanden architektonische Umbaumaßnahmen statt. Der Campanile wurde 1719 errichtet. Das Erdbeben von 1798 richtete weitere Schäden an. Von 1922 bis 1932 wurde sie restauriert. Am 23. Januar 1944 wurde sie bei einem Bombenangriff der Streitkräfte der Vereinigten Staaten bis auf Ausnahme der Fassade und einigen Seitenmauern fast vollständig zerstört, später (1945 bis 1949) unter Verwendung der nicht zerstörten Steine aber fast originalgetreu wieder aufgebaut. Sie ist namensgebend für den unbekannten Künstler Meister der Osservanza, der hier in einigen Kapellen wirkte. Kirche und Konvent werden von den Frati minori geleitet. Vor dem Bau der Basilika gab es schon einen kleineren Konvent, in dem Bernhardin von Siena als Eremit 1444 gewohnt hatte, bevor er nach L’Aquila aufbrach und dort verstarb. Daher ist heute im Konvent eine Nachbildung der Cella di San Bernardino (Zelle des hl. Bernhardin) zu finden.

Innenraum[Bearbeiten]

Die Innenseite der Fassade wurde von Andrea Della Robbia gestaltet und zeigt die heiligen San Bonaventura und San Lodovico in Form von Marmor-Medaillen. Zudem steuerte er zwei Marmorstatuen vor dem Hauptaltar hinzu (L’Annunciazione: Angelo annunciante (links) / Vergine annunziata (rechts), beide aus dem 15. Jahrhundert, wahrscheinlich um 1485 entstanden). Im Innenraum befindet sich zudem das Fresko Madonna con Bambino in trono tra san Giovanni Battista e san Girolamo von Pietro di Francesco Orioli. Das Hauptschiff enthält auf beiden Seiten jeweils vier Kapellen, die hier entgegen dem Uhrzeigersinn von rechts beginnend aufgeführt sind mit ihren jeweiligen Werken (Auswahl).[4]

  • Cappella 1 (Cappella di Sant’Antonio di Padova): Crocifissione e Santi von Bartolomeo Neroni, Il Riccio genannt, abgetrenntes Fresko aus dem Jahr 1548.
  • Cappella 2 (Cappella dell’Addolorata): Pietà con cinque Santi von Giovanni di Paolo.
  • Cappella 3 (Cappella dell’Ecce Homo): Madonna in trono col Bambino fra i Santi Girolamo e Bernardino, um 1460, Triptychon von Sano di Pietro, Santa Elisabetta d’Ungheria von Girolamo di Benvenuto (zugeschrieben, Ende des 15. Jahrhunderts entstanden) und San Bernardino da Siena von Pietro di Giovanni d’Ambrogio (1444 entstanden).
  • Cappella 4 (Cappella dell’Ascensione): Madonna in trono col Bambino fra i Santi Ambrogio e Girolamo, um 1436, Triptychon des Meister der Osservanza
  • Cappella 5 (Cappella del Natale): Quattro santi: San Giovanni Battista, San Francesco, San Pietro, San Giovanni evangelista von Andrea di Bartolo, 1413
  • Cappella 6 (Cappella dell’Epifania): Crocifissione con i Santi (auch Pala dei Pieri genannt) von Bartolomeo Neroni, Il Riccio genannt
  • Cappella 7 (Cappella dell’Assunzione): Incoronazione di Maria Vergine con i Santi von Andrea Della Robbia, 1475, im Zweiten Weltkrieg zerstört und später restauriert
  • Cappella 8 (Cappella dell’Immacolata): L’Angelico di Siena von Sano di Pietro

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Basilica dell’Osservanza von Siena (San Francesco) aus gesehen
Detail der Rückseite mit Campanile, Kuppel und altem Eingangsbereich
Die Basilica dell’Osservanza vom Palazzo Salimbeni aus gesehen

Die Bibliothek der Basilika enthält ca. 28.000 Bücher aus den Jahren 1400 bis 1900.[5] Das erste Inventar entstand 1876 durch Aurelio Castelli. Die Bibliothek besitzt insgesamt fünf Inkunabeln aus dem 15. Jahrhundert, darunter das Werk Sermones del Evangelio aeterno des San Bernardino aus dem Jahr 1489.[6]

Kreuzgänge[Bearbeiten]

Der erste Kreuzgang (ital.: Chiostro) ist der älteste und befindet sich unterhalb der Loggia di Pandolfo. Der Chiostro Centrale entstand von 1683 bis 1694 und enthält eine Zisterne aus dem Jahr 1722. Der dritte Kreuzgang ist der Chiostro dell’Infermeria aus dem 16. Jahrhundert (auch Chiostro cinquecentesco genannt).[7]

Krypta und Familiengrab der Petrucci[Bearbeiten]

  • Die Krypta befindet sich unter dem Hauptschiff und enthält die Gräber von Giacomo Cozzarelli (Architekt der Sakristei und Seneser Künstler, der auch im Palazzo Ducale in Urbino arbeitete), Guidoccio Cozzarelli, Francesco di Giorgio, Pietro di Francesco Orioli und Bernardino Perfetti.[8]
  • Das Sepolcreto dei Petrucci befindet sich unter der Sakristei und enthält unter anderem die Gräber von Pandolfo Petrucci und Celia Petrucci.

Oratorio di San Bernardino[Bearbeiten]

Oratorium im Konvent mit der Nachbildung der Zelle des Bernardino (Cella di San Bernardino). Enthält eine Büste des hl. Bernardino, die dem Vecchietta zugeschrieben wird.[9]

Refektorium[Bearbeiten]

Das Refektorium entstand von 1696 bis 1704. Es enthält das Leinwandgemälde L’ultima cena von Francesco Franci, einem Priester aus Siena, der das Gemälde um 1710 erstellte.[10]

Sakristei[Bearbeiten]

Die Sakristei wurde von Giacomo Cozzarelli gestaltet und enthält das Wappen der Petrucci.[11] Zudem befindet sich das Werk Compianto sul Cristo morto vor Ort, eine Skulpturengruppe aus Terrakotta.[12]

Museo Aurelio Castelli[Bearbeiten]

Das Museum wurde 1920 eröffnet und nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg danach wiedereröffnet. Es enthält unter anderem Werke von Antonio Federighi (Lapide sepolcrale di Niccolò Piccolomini, 1476), Girolamo di Benvenuto (Giudizio universale) und Francesco d’Antonio (Reliquiario di San Bernardino, 1462)[13] sowie ein Manuskript von Albertus Magnus (De Animalibus).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basilica dell’Osservanza in Siena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Piero Torriti: Tutta Siena. Contrada per Contrada. S. 399
  2. Vannini S. 78
  3. vgl. TCI S. 578
  4. Vannini S. 33–43, 79
  5. Sangalgano.org, abgerufen am 10. Februar 2013 (ital.)
  6. Vannini S. 67
  7. Vannini S. 57 ff.
  8. Webseite der Basilica zu den Grabstätten, abgerufen am 24. Februar 2013 (ital.)
  9. Vannini S. 44 f.
  10. Vannini S. 56 f.
  11. Vannini S. 45 ff.
  12. Fondazione Zeri zum Werk Compianto sul Cristo morto (mit Abb. in s/w), abgerufen am 24. Februar 2013 (ital.)
  13. Sienaonline.it zum Museo Aurelio Castelli, abgerufen am 25. Februar 2013 (ital.)

43.332182811.3393003Koordinaten: 43° 19′ 56″ N, 11° 20′ 21″ O