L’Aquila

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Dieser Artikel behandelt die Hauptstadt der Region Abruzzen, Italien. Zum Kardinal der katholischen Kirche siehe Pietro de L’Aquila.
L’Aquila
Wappen
L’Aquila (Italien)
L’Aquila
Staat: Italien
Region: Abruzzen
Provinz: L’Aquila (AQ)
Koordinaten: 42° 21′ N, 13° 24′ O42.34888888888913.398055555556714Koordinaten: 42° 20′ 56″ N, 13° 23′ 53″ O
Höhe: 714 m s.l.m.
Fläche: 466 km²
Einwohner: 70.967 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 152 Einw./km²
Stadtviertel Aragno, Arischia, Assergi, Bazzano, Camarda, Coppito, Filetto, Paganica, Pescomaggiore, Pianola, Roio, San Gregorio, Sant'Elia, San Vittorino, Sassa, Tempera
Angrenzende Gemeinden Antrodoco (RI), Barete, Barisciano, Borgorose (RI), Cagnano Amiterno, Campotosto, Capitignano, Crognaleto (TE), Fano Adriano (TE), Fossa, Isola del Gran Sasso d'Italia (TE), Lucoli, Magliano de' Marsi, Ocre, Pietracamela (TE), Pizzoli, Rocca di Cambio, Rocca di Mezzo, Santo Stefano di Sessanio, Scoppito, Tornimparte
Postleitzahl: 67100
Vorwahl: 0862
ISTAT-Nummer: 066049
Volksbezeichnung: Aquilani
Schutzpatron: San Massimo, Sant'Equizio, San Pietro Celestino, San Bernardino da Siena
Website: L’Aquila

L’Aquila [ˈlaːkwila] (ital. der Adler) ist die Hauptstadt der Region Abruzzen und der Provinz L’Aquila in Italien. L’Aquila zählt (Stand 31. Dezember 2013) 70.967 Einwohner. Sie liegt 118 km nordöstlich von Rom und 106 km westlich von Pescara.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf L’Aquila (Dezember 2008)
Lage der Stadt L’Aquila in der gleichnamigen Provinz

L’Aquila liegt auf rund 700 Metern im weiten Tal des Aterno. Es wird von allen Seiten von den Bergen der Abruzzen beherrscht, darunter im Osten dem Gran Sasso d’Italia, dem höchsten Berg des italienischen Festlands außerhalb der Alpen. Das Gemeindegebiet hat eine sehr große Ausdehnung, zu dem neben der Kernstadt zahlreiche Dörfer und Weiler im Tal des Aterno und im Altopiano delle Rocche gehören. Ein großer Teil des Gemeindegebiets gehört zum Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga, dessen Sitz im Teilort Assergi liegt.

Die Nachbarorte sind Antrodoco (RI), Barete, Barisciano, Borgorose (RI), Cagnano Amiterno, Campotosto, Capitignano, Crognaleto (TE), Fano Adriano (TE), Fossa, Isola del Gran Sasso d'Italia (TE), Lucoli, Magliano de’ Marsi, Ocre, Pietracamela (TE), Pizzoli, Rocca di Cambio, Rocca di Mezzo, Santo Stefano di Sessanio, Scoppito, Tornimparte.

Verkehr[Bearbeiten]

L’Aquila hat über die Autobahn A24 (Strada dei Parchi) eine gute Verbindung nach Rom und nach Teramo und die Adriaküste. Außerdem ist es Kreuzungspunkt der Staatsstraßen SS 5Via Tiburtina-Valeria und der SS17 Via dell’Appennino Abruzzese e Appulo Sannitico nach Apulien.

L’Aquila liegt an der Bahnstrecke TerniSulmona.

Geologie[Bearbeiten]

Ein beschädigtes modernes Wohnhaus

Der Apenninbereich in Italien wird von zwei Plattengrenzen durchlaufen. L’Aquila wurde deshalb häufig von Erdbeben heimgesucht. Das erste überlieferte Beben fand am 3. Dezember 1315 statt. Am 2. Februar 1703 forderte ein Beben 2.400 Opfer. Das schwerste Erdbeben forderte am 31. Juli 1786 über 6.000 Tote und zerstörte die Stadt völlig. Auch am 13. Januar 1915 und am 24. Juni 1958 war die Stadt von Erdbeben betroffen. Am 6. April 2009 wurden Teile der Altstadt von L’Aquila durch ein schweres Erdbeben beschädigt oder zerstört. Vor allem entlang der Via XX. Settembre waren schwere Schäden zu verzeichnen. Am stärksten waren die Dörfer im östlichen Gemeindegebiet betroffen[2], wie der Ortsteil Onna. 308 Menschen starben, nach Schätzungen wurden rund 17.000 Menschen obdachlos.[3]

Lebensart, Kultur vor dem Erdbeben 2009[Bearbeiten]

Die Stadt hat in den letzten Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt (begründet 1458) beherbergt sie ein pulsierendes, dynamisches und kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig finden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Es findet ein täglicher Markt statt.

Die zahlreichen „Piazze“, alle durch Brunnen, Kirchen oder Palazzi geschmückt, die Modeboutiquen und netten Restaurants machen L’Aquila zu einer einladenden Stadt mit dem Charme des (von den Touristen) Unentdeckten. Man kann unter breiten Arkaden in den vielen eleganten Cafés und Cappuccinobars die italienische Lebensart genießen. Es gibt zahlreiche Lokale. In den wärmeren Monaten spielt sich das Leben vor allem draußen ab. Man spürt die Lebensfreude und die in sich selbst verwurzelte Identität der Stadt.

Wegen seines kulturellen Eigenlebens bezeichnete der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein L’Aquila als das „Salzburg der Abruzzen“.

Geschichte[Bearbeiten]

L’Aquila ist eine der wenigen großen mittelalterlichen Stadtgründungen. 1230 entstand es nach dem Willen Kaiser Friedrichs II. als Aquila an der Stelle von – nach der Überlieferung – 99 Dörfern. Er wollte durch die Anlage der Stadt den Einfluss des Königreiches Neapel im Norden sichern. Zu diesem Zweck wurden 99 Bezirke der Provinz in der Stadt repräsentiert. 1254 wurde seine Konstruktion unter Friedrichs Sohn Konrad IV. fertiggestellt.

Seither hat die Zahl 99 für die Aquilaner eine besondere Bedeutung. Die Uhr am Rathausturm schlägt 99-mal und in der „Fontana delle 99 cannelle“ (Brunnen der 99 Röhren) sprudelt das Wasser aus 93 Masken und 6 einfachen Röhren.

Seine Stadtmauer war 1316 vollständig errichtet. Bald eine der wichtigsten Städte des Königreichs Neapel, wurde dem Rat der Stadt unter Karl II. ein Kämmerer beigestellt.

Im 15. Jahrhundert hatte es etwa 8.000 Einwohner und war die wichtigste Festung im Königreich Neapel. Es wurde ein Zentrum der Renaissance. 1528 wurde die Stadt von Kaiser Karl V. für die spanische Krone erobert. Die Stadt rebellierte gegen die Fremdherrschaft. Zur Aufrechterhaltung ihrer Macht und als Schutz gegen die unzufriedenen Aquilaner erbauten die Spanier eine kräftige Trutzburg. Heute ist die Festung, die die Jahrhunderte sehr gut überstanden hat, Sitz des Nationalmuseums der Abruzzen und dient als Kulisse für Konzerte.

Nach dem Erdbeben von 1786 wurde die Stadt teilweise im Stil des Barock neu aufgebaut.

Nach der Vereinigung mit dem Königreich Italien 1861 wurden die Abruzzen von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt und wurden zum Auswanderergebiet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein wirtschaftlicher Aufschwung in Gang.

Am 6. April 2009 zerstörte ein Erdbeben große Teile der Stadt. Es gab 308 Todesopfer, 33.672 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, von diesen müssen weiterhin 22.807 Menschen in staatlichen Wohnprojekten leben. 2014 sind große Teile der Innenstadt gesperrt, da mit dem wirklichen Aufbau noch nicht begonnen wurde, einige Cafés und die Universität sind wieder geöffnet; die Stadt ist vom normalen Alltag noch Jahre entfernt.

Der damalige langjährige Premierminister Silvio Berlusconi versprach den Erdbebenopfern von L'Aquila umgehend Hilfe. Es gibt Indizien, dass die Mafia die Behörden infiltriert hat und Hilfsgelder bei ihr versickern.[4]

Name[Bearbeiten]

Die Stadt bekam bei ihrer Gründung den Namen Aquila (Adler), der sich vermutlich von der alten Bezeichnung des Ortes Accula oder Acquillo (kleiner Bach, wasserreicher Ort) herleitet, aber auch auf den Reichsadler anspielt, was im Stadtwappen zum Ausdruck kommt. 1861 wurde sie in Aquila degli Abruzzi umbenannt. Seit 1939 trägt sie den Namen L’Aquila.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 33.569 39.072 43.829 48.204 51.160 54.633 60.131 66.813 68.503

Quelle: ISTAT

Sport[Bearbeiten]

Der örtliche Fußballverein L’Aquila Calcio ist in der Saison 2010/11 in der vierthöchsten Spielklasse, der Lega Pro Seconda Divisione, aktiv.

Im Jahre 2010 war die Stadt zum 9. Mal Zielort einer Etappe des Giro d’Italia.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Stadtzentrum findet der Kunstinteressierte an allen Ecken kleine Sehenswürdigkeiten: Kirchen und Fresken aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock, charmante Innenhöfe, Arkaden, „Palazzi Nobiliari“ (Adligenpalazzi) und Herrenhäuser (Palazzo Centi, Palazzo Dragonetti, das Renaissance-Herrenhaus von Messer Jacopo di Notar Nanni, die Villa von Buccio di Ranallo, Palazzo Alfieri und anderes).

Der Ort hat im Zentrum sehr viel mittelalterliche Bausubstanz sowie Gebäude aus der frühen Neuzeit aufzuweisen, wie etwa die monumentale Grabeskirche des heiligen Bernhardin von Siena mit einer Fassade von 1525.

Die Bernhardinbasilika und zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten wurden beim Erdbeben vom 6. April 2009 schwer beschädigt. Noch am Tag des Erdbebens versprach der Präsident des Monte dei Paschi di Siena, Giuseppe Mussari, in der RAI-Sendung Porta a Porta, die Restaurierung zu finanzieren.[6]

Unterhalb der Altstadt liegt das Grab von Papst Coelestin V. in der Kirche Santa Maria di Collemaggio vor den Toren der Stadt, wo er vor der Wahl zum Papst eine Einsiedelei gegründet hatte und in der er inthronisiert wurde. Die Basilika wurde 1287 begonnen und besitzt eine weiß-rosa gemusterte bemerkenswerte romanisch-gotische Fassade mit dem für die Abruzzen typischen horizontalen Schema.

Das Kastell Forte Spagnolo aus der Zeit Karls V. diente einst als Zwingburg gegen das aufständische L’Aquila, heute beherbergt es das Nationalmuseum der Abruzzen mit antiker und sakraler Kunst sowie einem Mammut-Skelett.

Die an einem der talseitigen alten Stadttore befindliche Fontana delle 99 Cannelle (Brunnen der 99 Röhren) geht auf das Jahr 1272 zurück. Die Röhren (93 davon mit Masken versehen) symbolisieren die Kastelle, aus deren Zusammenführung die Stadt L’Aquila entstanden ist. Der Brunnen wurde nach schweren Beschädigungen durch das Erdbeben von 2009 restauriert und am 16. Dezember 2010 als erstes Monument der Stadt wieder der Öffentlichkeit übergeben.[7]

Etwa 9 km von der Stadt entfernt befinden sich die Ruinen der Stadt der Sabiner Amiternum, die 293 v. Chr. von den Römern erobert wurde. Die am besten erhaltenen Baudenkmäler sind das Amphitheater und das Theater.

Im zu L’Aquila gehörenden Ort Bazzano liegt die Kirche Santa Giusta. Sie wurde bereits im 9. Jahrhundert gegründet. Im heutigen Bau befinden sich antike und mittelalterliche Spolien. Die Fassade stammt aus dem Jahr 1238. Sie zeigt die typisch abruzzesische Eckverstärkung. Später gab es diverse Veränderungen. Das Fenster über dem Portal erhielt erst im Barock seine heutige Fassung.


Die Grabstätte des Lateiners, Juristen und Wegbereiters der LGBT-Menschenrechte Karl Heinrich Ulrichs in L'Aquila ist zu einem international beachteten Anziehungspunkt für Touristen geworden. Von der Stadtverwaltung wurde der Platz vor der Burg nach diesem von Juni 1883 bis zu seinem Tod im Juli 1895 in der Stadt seine Wahlheimat findenden Pionier der schwulen Bürgerrechtsbewegung benannt.[8]

Politik[Bearbeiten]

Massimo Cialente (Mitte-links-Bündnis) wurde am 27./28. Mai 2007 zum Bürgermeister gewählt. Das Mitte-links-Bündnis stellt auch mit 24 von 40 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.

Am 23. April 2009 gab Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt, den G8-Gipfel nach L’Aquila zu verlegen; das Kabinett wolle damit laut Berlusconi ein „positives Zeichen“ für die Erdbebenregion setzen.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. La Repubblica 6. April 2009
  3. Spiegel Online, Zugriff am 21. April 2009
  4. spiegel.de 25. Juli 2011: Viel Geld für wenig Wiederaufbau
  5. 11. Etappe 2010
  6. Bericht über die Schäden von Südtirol Online
  7. La Repubblica 17. Dezember 2010, Zugriff am 17. Dezember 2010
  8. Volkmar Sigusch: Karl Heinrich Ulrichs, Der erste Schwule der Weltgeschichte. Männerschwarm, 2000, ISBN 978-3861491057

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: L’Aquila – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien