Belagerung von Tsingtau

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Belagerung von Tsingtau
Teil von: Erster Weltkrieg, Erster Weltkrieg an Kolonialschauplätzen

Karte von Tsingtau 1912
Datum 31. Oktober 19147. November 1914
Ort Tsingtau (heute Qingdao)
Ausgang Japanisch-britischer Sieg
Konfliktparteien

Deutsches Reich

Österreich-Ungarn

Japan

Großbritannien
Befehlshaber

Alfred Meyer-Waldeck
Sadakichi Kato, Mitsuomi Kamio
Truppenstärke
4.000 Japan 50.000
Großbritannien 1.500
Verluste
200 1.400
Das japanische Schlachtschiff Suwō war bei der Schlacht um Tsingtau das Flaggschiff der japanischen Expeditionsflotte.
Das japanische Schlachtschiff Suwō war bei der Schlacht um Tsingtau das Flaggschiff der japanischen Expeditionsflotte.
Deutsche Truppen auf dem Weg zu den äußeren Verteidigungsstellungen
Deutsche Truppen auf dem Weg zu den äußeren Verteidigungsstellungen
Das japanische Flugzeugmutterschiff Wakamiya, von dem aus die weltweit ersten schiffsgestützten Luftangriffe gegen deutsche Stellungen in Tsingtau geflogen wurden.
Das japanische Flugzeugmutterschiff Wakamiya, von dem aus die weltweit ersten schiffsgestützten Luftangriffe gegen deutsche Stellungen in Tsingtau geflogen wurden.
Zerstörtes deutsches Geschütz in der Bismarck-Festung
Zerstörtes deutsches Geschütz in der Bismarck-Festung

Die Belagerung von Tsingtau fand im Ersten Weltkrieg statt. Der vom Deutschen Reich kontrollierte Hafen im chinesischen Tsingtau (nach der heute üblichen Transkription: Qingdao) wurde von vereinigten japanischen und britischen Einheiten zwischen dem 31. Oktober und dem 7. November 1914 belagert. Die Belagerung endete mit einem japanisch-britischen Sieg.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Hintergrund

Im späten 19. Jahrhundert versuchte das Deutsche Kaiserreich, ebenso wie andere europäische Großmächte auch, seinen Einfluss in der Welt durch imperialistische Expansion zu erweitern. In China mischte sich das Kaiserreich in lokale Angelegenheiten ein. Nach der Ermordung zweier deutsche Missionare in China 1897 zwang man die Chinesen, das Gebiet Kiautschou auf der Shandong-Halbinsel ab 1898 für 99 Jahre an das Deutsche Kaiserreich zu verpachten. Die Deutschen begannen daraufhin ihren Einfluss auf die restliche Provinz Shandong auszuweiten und bauten den Hafen von Tsingtau (heute Qingdao). Der Hafen wurde zum Hauptstützpunkt des Ostasiengeschwaders der Kaiserlichen Marine, welches vorrangig zum Schutz der deutschen Gebiete im Pazifischen Ozean diente.

Die Briten betrachteten die deutsche Präsenz in China als eine Bedrohung der britischen Interessen und pachteten daraufhin Weihaiwei, welches ebenfalls in der Provinz Shandong lag, während Russland und Frankreich Pachtgebiete in Port Arthur (heute Lüshunkou) und Kwangtschouwan in Besitz nahmen. Zudem begannen die Briten damit, enge Beziehungen zu Japan zu knüpfen.

Japan erwarb wie das Deutsche Kaisserreich zu dieser Zeit ebenfalls Kolonialbesitz, auch auf dem asiatischen Festland. Die Annäherung von Japan und Großbritannien mündete am 30. Januar 1902 in der Unterzeichnung der Anglo-Japanischen Allianz. Japan sah darin einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Weltmacht. Durch den Sieg im Russisch-Japanischen Krieg 1905 gewann Japan gegenüber den europäischen Großmächten enorm an Prestige. Die Allianz wurde weiter gestärkt und blieb bis zum Ersten Weltkrieg bestehen.

Im August 1914 begann der erste Weltkrieg. Schnell bat Großbritannien um eine Unterstützung durch Japan. Die japanische Regierung unter Premierminister Ōkuma Shigenobu sah in dem Erstarken der Militärkräfte und deren Einfluss auf die Politik eine noch größere Bedrohung. Die Regierung glaubte, durch die Allianz auch die Kontrolle über das eigene Militär aufrecht halten zu können. Die japanische Marine, deren Struktur jener der Royal Navy ähnelte und das Japanische Heer verlangten immer stärker nach einer Expansion des Japanischen Kaiserreichs.

Die japanische Regierung entschied sich, den Briten im Krieg beizustehen. Am 15. August stellte Japan dem Deutschen Kaiserreich ein Ultimatum, nach dem alle deutschen Kriegsschiffe aus chinesischen und japanischen Gewässern abzuziehen seien und Tsingtau an die Japaner zu übergeben sei. Tags darauf erhielt Generalmajor Mitsuomi Kamio, Befehlshabender Offizier der 18. Japanischen Infanteriedivision, den Auftrag die Invasion von Tsingtau vorzubereiten. Nach Ablauf des Ultimatums am 23. August erklärte Japan dem Deutschen Reich den Krieg.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ostasiengeschwader unter Maximilian von Spee den Hafen von Tsingtau verlassen, um die deutsche Kolonie Pagan in den Marianeninseln anzulaufen. Von dort aus fuhr das Geschwader, mit Ausnahme des Kreuzers SMS Emden, Richtung Indischer Ozean und dann an die Westküste Südamerikas. Dort zerstörte das Geschwader zunächst beim Seegefecht bei Coronel ein wenige bedeutsames britisches Marinegeschwader. Wenig später wurde es beim Seegefecht bei den Falklandinseln vernichtend geschlagen.

[Bearbeiten] Aufstellung

Die Kaiserliche Japanische Marine entsandte am 27. August zunächst einige Schiffe unter Vizeadmiral Sadakichi Katō auf dem Schlachtschiff Suwō zur Blockade des unter deutscher Kontrolle stehenden Kiautschou. Während des Manövers von Tsingtau schlossen sich den Japanern das britische Schlachtschiff HMS Triumph und der Zerstörer HMS Usk an. Die britischen Schiffe wurden ohne große Probleme in das zweite Geschwader integriert. Das japanische Geschwader bestand aus überwiegend veralteten, aber auch einigen moderneren Schiffen, darunter die Schlachtschiffe Kawachi und Settsu, der Schlachtkreuzer Kongō und das Flugzeugmutterschiff Wakamiya, dessen Flugzeuge die weltweit ersten waren, die erfolgreich von einem Schiff aus Land- und Seeziele angriffen. Diese Flugzeuge wurden auch zu den ersten, welche nachts einen Bombenangriff flogen.

Japanische Truppen nähern sich der Küste bei Tsingtau
Japanische Truppen nähern sich der Küste bei Tsingtau

Die 18. Japanische Infanteriedivision bildete mit 23.000 Mann die Stoßgruppe bei den ersten Landungsoperationen. Sie wurde dabei von 142 Artilleriegeschützen unterstützt. Die Landung begann am 2. September bei Lungkow, wo sich zu diesem Zeitpunkt ein Überschwemmungsgebiet befand, und später, am 18. September, in der Bucht von Laoshan, 30 km östlich von Tsingtau.

Die britische Regierung und auch andere Großmächte waren über die möglichen Absichten Japans in der Region besorgt und beschlossen, ein symbolisches britisches Kontingent aus Tientsin zu entsenden. Die 1.500 Mann starke Truppe wurde von Brigadegeneral Nathaniel Walter Barnardiston kommandiert. Es bestand aus 1.000 Soldaten des 1. Bataillons der South Wales Borderers, zu denen später 500 Soldaten der 36th Sikhs stießen.

Die Deutschen reagierten auf diese Bedrohung mit der Konzentration aller vorhandenen asiatischen Hilfstruppen in der Stadt. Kaiser Wilhelm II. erklärte die Verteidigung von Tsingtau zur obersten Priorität.

Die deutsche Garnison unter Gouverneur Alfred Meyer-Waldeck bestand aus 765 Marinesoldaten des III. Seebataillons sowie ungefähr 3.400 weiteren Marineangehörigen und Soldaten (darunter chinesische sowie österreich-ungarische Kräfte). Man verfügte zudem über ein kleines Kontingent an Schiffen, wie den österreich-ungarischen Kreuzer SMS Kaiserin Elisabeth, dessen Besatzung in zwei Hälften aufgeteilt wurde. Eine hielt das Schiff besetzt, die andere wurde den Landtruppen zugeteilt. Außerdem befanden sich in Tsingtau zwei Flugzeuge - zwei Rumpler Tauben -, die mit einem der letzten Schiffe vor der Seeblockade den Hafen erreicht hatten, und von denen eines von Gunther Plüschow geflogen wurde.

[Bearbeiten] Der Angriff

Als die Japaner anmarschierten, zog Meyer-Waldeck seine Truppen von den äußeren zwei Verteidigungsringen zurück und konzentrierte sie auf der innersten Verteidigungslinie. Am 31. Oktober begannen die Japaner mit der Bombardierung der Festungsanlagen und hoben mehrere parallele Linien von Schützengräben aus, so wie sie es neun Jahre zuvor auch bei der Belagerung von Port Arthur getan hatten. Die Japaner setzten sehr große landgestützte 11-Zoll-Haubitzen ein und feuerten zusätzlich mit ihrer Schiffsartillerie. Die Bombardierung dauerte sieben Tage an.

In der Nacht zum 6. November griff die japanische Infanterie die dritte Verteidigungslinie an und trieb die Verteidiger aus ihr heraus. Am nächsten Morgen ergaben sich die deutschen Truppen gemeinsam mit ihren österreich-ungarischen Alliierten. Einen Tag zuvor entkam Günter Plüschow mit der Etrich Taube als einziger Deutscher aus Tsingtau. Er hatte tagelang Aufklärungsflüge unternommen, vereinzelt Bomben abgeworfen und angeblich sogar eines der japanischen Farman-Flugzeuge abgeschossen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Charles B. Burdick: The Japanese Siege of Tsingtao (1976)
  • Cyril Fallsm: The Great War, (1960). S. 98-99.
  • Edwin P. Hoyt: The Fall of Tsingtao (1975)
  • John Keegan: The First World War, (1998). S. 206.

[Bearbeiten] Weblinks

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