Bernd Senf

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Bernd Willfried[1] Senf (* 1944 in Bad Elster) ist ein deutscher emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre. Von 1973 bis 2009 lehrte er an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Bernd Senf studierte 1963-1967 Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. Von 1967–1972 war er wissenschaftlicher Assistent an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft am Institut für Finanzwissenschaft der Technischen Universität Berlin. 1972 promovierte er an der Freien Universität Berlin. Im Jahr darauf wurde er Dozent und später Professor an der 1971 gegründeten Berliner Fachhochschule für Wirtschaft (FHW), die 2009, dem Jahr von Senfs Ausscheiden, in die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) integriert wurde.

Positionen[Bearbeiten]

Senf und Wilhelm Reich[Bearbeiten]

Schon der (Unter-)Titel seiner Dissertation deutet darauf hin, dass Senf die Psychoanalyse für eine wichtige Ergänzung einer – damals von ihm weitgehend von Marx übernommenen – umfassenden Gesellschaftstheorie hielt. Er befasste sich deswegen vornehmlich mit den Lehren Wilhelm Reichs, der in den Jahren um 1930 der wichtigste Freudomarxist war und „1968“ wiederentdeckt worden ist. Senf war damals einer der wenigen, die die Entwicklung von Wilhelm Reich – nachdem Reich 1933 aus der KPD und 1934 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden war – zu der vom Mainstream weit entfernten Orgonforschung ernst nahmen. Senf publizierte dazu affirmativ 1976 in den von Bernd A. Laska herausgegebenen Wilhelm-Reich-Blättern, der Zeitschrift einer informellen Studiengruppe, [2] verteidigte aber auch den frühen, marxistischen Reich (bzw. Marx selbst als Ökonomen) gegen Laskas Vorschlag, die Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells für eine reichianische Ökonomie in Betracht zu ziehen. Senf forderte, dass das vorgeschlagene Projekt zu einer reichianischen Ökonomie „in dieser metaphysischen, unmaterialistischen Konzeption gestrichen werden muss.“[3] Gut ein Jahrzehnt später begann Senf, die ökonomische Theorie Gesells zu studieren und hochzuschätzen. — Nach der Kontroverse mit Laska gründete Senf 1979 in Berlin eine „Wilhelm-Reich-Initiative“ sowie deren ab 1980 in Jahrbuchform erscheinende Zeitschrift emotion und hielt seitdem in jedem Semester in den Räumen der „Hochschule für Wirtschaft und Recht“ eine Vorlesungsreihe über das Werk von Wilhelm Reich. [4]

Krise des Wirtschaftssystems[Bearbeiten]

Senf kritisiert das Zinssystem, das nach seiner Meinung nach für ein exponentielles Geldmengenwachstum sorgen würde. Niemand würde hinterfragen, ob dies auf Dauer möglich sei. Die Gesamtheit aller Unternehmen stünden unter Wachstumszwang, um die Schuld und den Zins zu bedienen. In der Konsequenz würde dies bedeuten, die Verschuldung wäre ebenfalls exponentiell, wodurch die Zinslasten anstiegen, die vom „Sozialprodukt aufgebracht“ werden müssten, was solange gut ginge, wie das Sozialprodukt mit der Rate des Kreditzinses anwachsen würde.[5]

Des Weiteren sei die Geldschöpfung aufgrund des Geldschöpfungsmultiplikators problematisch, da hier keine Einlagen zugrunde lägen. Des Weiteren gehöre diese in Öffentliche Hand, wie dies auch Joseph Huber und James Robertson sähen. Die Zentralbank solle öffentlich aber unabhängig von der Regierung sein, dieses Konzept nennt er ‚Monetative‘, die als vierte Säule neben Exekutive, Legislative und Judikative im Sinne der Gewaltenteilung geschaffen werden solle.[5]

Anlässlich der Finanzkrise ab 2007 würden nur Symptome kuriert, was eventuell in eine Hyperinflation führe. Alternativen sähe er anlässlich seiner Zinskritik in Silvio Gesells Ideen von umlaufgesichertem Geld.[5]

Unter Bezugnahme auf die post-autistische Ökonomie weist er darauf hin, dass häufig jede Kritik am Finanz- und Bankensystem tabuisiert werde und die Argumentation der Kritiker des Finanzsystems vorschnell verurteilt würden. Dadurch würden Berührungsängste erzeugt und eine aus seiner Sicht dringend notwendige öffentliche Diskussion des Finanzsystems unterbunden.[6]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Bernd Senf (PDF; 185 kB), veröff. August 2008, S. 27
  2. Vgl. etwa seine Artikel Orgonenergie - energetische Basis der Akupunktur sowie Erfahrungen mit der Bestrahlung durch den Orgon-Akkumulator.
  3. Echo auf die Vorschläge für Studienprojekte
  4. Vgl. Veranstaltungsreihe mit Bernd Senf (PDF; 78 kB)
  5. a b c Wenn man absäuft, braucht man Rettungsboote, Tagesspiegel vom 10. Februar 2009
  6. Denunzieren statt Argumentieren - Die irrationale Abwehr der Zinskritik (2008) (PDF; 129 kB)