Geldtheorie

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Geldtheorie ist eine Disziplin der Volkswirtschaftslehre, in der Wesen und Funktionen, Wert sowie Wirkungen des Geldes untersucht werden. Teilgebiete der Geldtheorie sind unter anderem die Theorie der Geldnachfrage, die Theorie des Geldangebotes (siehe Geldschöpfung), die Erklärung des geldpolitischen Transmissionsmechanismus, die Inflationstheorie, die Zinstheorie und die Theorie der Geldpolitik.

Moderne Geldtheorie[Bearbeiten]

Definition von Geld[Bearbeiten]

Als Geld bezeichnet man alles, was als Zahlungsmittel in einer Volkswirtschaft akzeptiert wird. Heutzutage dienen vor allem Banknoten und Münzen (Bargeld) und Guthaben auf Bankkonten (Buchgeld) als Zahlungsmittel. Banknoten und Münzen werden beim täglichen Einkauf insbesondere für kleinere Beträge verwendet. Guthaben auf Bankkonten können durch Überweisung, Lastschrift, Scheck oder mittels Kreditkarte übertragen werden; dies wird als bargeldloser Zahlungsverkehr bezeichnet. Ein wichtiges Merkmal des heutigen Geldes ist, dass es keinen realen Stoffwert besitzt. Die Akzeptanz von heutigem Bargeld und Bankguthaben im Geschäftsverkehr basiert sowohl auf dem Vertrauen darauf, dass das Geld auch in Zukunft als Zahlungsmittel akzeptiert werden wird, als auch auf staatlichem Zwang („gesetzliches Zahlungsmittel«).

Funktionen von Geld[Bearbeiten]

Geld erfüllt drei Funktionen im Wirtschaftsalltag.[1] Erstens dient es als Tauschmittel. Ohne Geld wäre es viel schwieriger, Tauschgeschäfte abzuschließen. Ein Bäcker der Fleisch haben möchte, müsste einen Schlachter finden, der zum gleichen Zeitpunkt eine entsprechende Menge an Brot haben möchte, damit ein Tauschgeschäft zustande kommt.[2] Ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel bewirkt, dass schneller Tauschpartner gefunden werden und damit die Kosten für die Suche nach einem Tauschpartner reduziert werden. Außerdem sind die meisten Menschen über den Wert des täglich verwendeten Geldes besser informiert als über andere von Dritten angebotene Produkte, so dass es nicht notwendig ist, vor dem Tausch den Wert der Gegenleistung mühsam zu ermitteln.

Zweitens ist Geld ein Wertaufbewahrungsmittel. Für die Aufbewahrung des gesamten Vermögens stehen in modernen Volkswirtschaften zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, und zwar sowohl in physischer Form (wertvolle Güter, zum Beispiel Gold, oder reales Anlagevermögen, zum Beispiel Maschinen) als auch in finanzieller Form (Bargeld und Bankguthaben, Rentenpapiere, Aktien, Investmentzertifikate, Ansprüche gegenüber Versicherungen oder Ansprüche aus Pensionsrückstellungen usw.).

Drittens können die in Geldeinheiten ausgedrückte Werte verschiedener Güter und Dienstleistungen gut miteinander verglichen werden. Bei vier Gütern, von denen eines als Geld verwendet wird, gibt es genau drei Geldpreise. Ohne Geld als allgemeinem Wertmaßstab (Recheneinheit) gäbe es insgesamt 6 Preisverhältnisse (Preis von Gut 1 in Einheiten der Güter 2, 3 und 4; Preis von Gut 2 in Einheiten der Güter 3 und 4; Preis von Gut 3 in Einheiten von Gut 4). Ohne Geld ist die Situation also viel unübersichtlicher, so dass es schwieriger ist, ökonomische Entscheidungen zu fällen.

Eine vierte Funktion wird in der Literatur nicht beschrieben, ist aber immanent. Geld entsteht, indem Geschäftsbanken oder Nichtbanken Schulden machen. Für diese Schulden müssen sie Zinsen zahlen. Um dies zu können, müssen sie Geld nachfragen. Geld hat also eine Antriebsfunktion.

Die Funktionen des Geldes begründen die Nachfrage nach Geld. Die Nachfrage nach Geld als Tauschmittel hängt vor allem von der Höhe des beabsichtigten Tauschvolumens und der Höhe der Zinsen ab, auf die man verzichtet, wenn man statt zinsbringender Vermögenswerte Geld hält (bei hohen Zinsen ist es vorteilhaft, durchschnittlich weniger Geld und mehr zinsbringende Vermögenswerte zu halten und im Gegenzug dazu bei niedrigen Zinsen öfter Wertpapiere zu verkaufen, um Geld für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen zu erhalten). Die Nachfrage nach Geld als Wertaufbewahrungsmittel hängt vor allem von der Höhe des gesamten Vermögens, von der Höhe der Verzinsung alternativer Vermögenswerte und von dem Risiko ab, das der Besitz von Geld in Form von Geldentwertung im Vergleich zum Risiko anderer Vermögenswerte mit sich bringt. Wenn das offizielle Zahlungsmittel eines Landes die Geldfunktionen aufgrund schneller Geldentwertung (Inflation) nicht mehr erfüllt, wird es immer weniger nachgefragt und reale Güter oder ausländische Währung übernehmen die Geldfunktionen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Währungssubstitution.

Entstehung von Geld[Bearbeiten]

Um die Entstehung modernen Geldes zu verstehen, müssen zwei Arten von Geld unterschieden werden, nämlich Zentralbankgeld und Giralgeld. Bargeld und Guthaben (Einlagen) von Geschäftsbanken bei der Zentralbank stellen Zentralbankgeld dar. Zentralbankgeld erlangen die Banken, indem sie sich bei der Zentralbank refinanzieren. Sie erhalten von der Zentralbank beispielsweise einen Kredit gegen Hinterlegung von Wertpapieren gegen Zinsen.

Kreditgewährung im Gleichschritt:
Bilanzbild durch Hans Gestrich (1936)

Die Einlagen der Nichtbanken (private Haushalte, Unternehmen und Staat) bei den Geschäftsbanken sind Buchgeld. Buchgeld entsteht auch, wenn eine Bank einem Haushalt einen Kredit gewährt und den Kreditbetrag auf dem Bankkonto des jeweiligen Kunden gutschreibt. Die Fähigkeit einer Geschäftsbank zur Kreditvergabe hängt vom Bestand an Zentralbankgeld (auf der Aktivseite) dieser Geschäftsbank ab.[3] Auf der Passivseite wird seit den Eigenkapitalanforderungen aus den Basel-Bestimmungen (ab 1988)[4] die Kreditvergabemöglichkeit, je nach Risikohöhe, limitiert.

Verfügt ein Kunde über die Kreditsumme durch Überweisung an eine andere Bank oder durch Barabhebung, so kann diese Geschäftsbank entsprechend weniger Kredit vergeben (solange aus Kreditvergaben anderer Geschäftsbanken Gelder nicht wieder zurückfließen - Kreditgewährung im Gleichschritt).[5]

Hauptartikel: Giralgeldschöpfung

Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflationsrate[Bearbeiten]

Unter Inflation versteht man den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Durch den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus verliert das Geld an Wert. Die prozentuale Veränderungsrate des Preisniveaus heißt Inflationsrate. Es ist empirisch gut belegt, dass auf mittlere und lange Frist eine hohe positive Korrelation zwischen der Wachstumsrate der Geldmenge und der Inflationsrate besteht.[6] Sehr hohe Inflationsraten, so genannte Hyperinflationen (wie beispielsweise die der Finanzierung des Ersten Weltkrieges folgende Deutsche Inflation 1914 bis 1923), wurden immer durch eine starke Ausweitung der Geldmenge (in Relation zu stagnierender oder sinkender Gütermenge) und üblicherweise Währungssubstitution hervorgerufen. Bei vergleichsweise niedrigen Inflationsraten (unter 10 Prozent pro Jahr) ist hingegen umstritten, inwieweit die mit der Inflation einhergehende Geldmengenausweitung Ursache oder Folge der Inflation ist.

Geschichte der Geldtheorie[Bearbeiten]

Die Geschichte der Geldtheorie ist eng mit der Geschichte der Makroökonomie und der Geschichte des Geldes verzahnt. Die Entwicklung der Geldtheorie kann in folgende Phasen untergliedert werden: Vormoderne Geldtheorie, Klassische Geldtheorie, Keynesianische Geldtheorie, Neoklassische Synthese, Monetarismus, Neuklassische Geldtheorie und Neukeynesianische Geldtheorie.

Vormoderne Geldtheorie[Bearbeiten]

Obwohl bei Platon keine ausgearbeitete Geldtheorie nachzuweisen ist, lassen seine geldpolitischen Richtlinien - z. B. seine Abneigung gegen den Gebrauch von Gold und Silber, oder seine Idee einer heimischen Währung, die im Ausland wertlos wäre - erkennen, dass er davon ausging, dass der Wert des Geldes von seiner stofflichen Substanz unabhängig sei. Aristoteles hingegen vertrat genau die entgegengesetzte Theorie.[7] Joseph A. Schumpeter spricht im ersten Fall von "Chartal-Theorie", im anderen Fall von Metallismus oder der "metallistischen Theorie" des Geldes.[8]

Im Mittelalter war das Geld zentrale Frage für die Finanzierung, insbesondere der militärisch bedingten Ausgaben der Territorialherren, die oft durch Geldabwertung bzw. Münzverschlechterung bestritten wurde. Die von Thomas von Aquin bzw. Tholomeus von Lucca vertretene Meinung, das Geld sei Besitz des Herrschers und könne in seinem Wert frei von ihm festgesetzt werden, wandelte sich dahingehend, dass es vielmehr der Allgemeinheit gehöre und der Geldwert somit von den Ständen zu bestimmen sei. Diese Sichtweise wurde am akzentuiertesten von Nikolaus von Oresme in seinem um 1358 verfassten Tractatus de mutatione monetarum vorgebracht. Gabriel Biel übernahm Oresmes Argumente und passte sie den damals herrschenden Verhältnissen an, wobei er nicht ganz so rigoros auf der Geldwertstabilität beharrte wie Oresme.

Klassische Geldtheorie[Bearbeiten]

Die Phase der klassischen Geldtheorie währte von etwa 1800 bis 1936. Das wesentliche Merkmal der klassischen Geldtheorie war die Annahme, dass der güterwirtschaftliche (reale) und der geldwirtschaftliche (monetäre) Sektor der Volkswirtschaft voneinander unabhängig waren (Klassische Dichotomie von realem und monetärem Sektor). Geld hatte nach Auffassung der Klassiker lediglich die Aufgabe, den Tausch von Gütern und Dienstleistungen zu vereinfachen (Tauschmittelfunktion des Geldes). Folglich bestand die Geldpolitik damals auch im Wesentlichen darin, Banknoten auszugeben und die Umtauschbarkeit der Banknoten in Gold (oder Silber) zu gewährleisten. Die klassische Quantitätstheorie war ein Resultat dieser Sichtweise. Sie besagt, dass sich eine Veränderung der umlaufenden Geldmenge direkt proportional auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau auswirkt, während das reale gesamtwirtschaftliche Einkommen (der um Preisveränderungen bereinigte Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen) vollkommen unabhängig von Höhe und Veränderung der umlaufenden Geldmenge ist.[9] Karl Marx leistete zur Geldtheorie durch seine Wertformanalyse in Das Kapital einen bis ins 20. Jahrhundert hinein vielrezipierten Beitrag.

Keynesianische Geldtheorie[Bearbeiten]

Die Veröffentlichung der Allgemeinen Theorie von John Maynard Keynes stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Geldtheorie dar.[10] Mit der Allgemeinen Theorie unternahm Keynes u.a. den Versuch, die in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in bis dahin unvorstellbarem Ausmaß zu beobachtende Arbeitslosigkeit zu erklären. Während es in der Theorie der Klassiker keine (unfreiwillige) Arbeitslosigkeit gab, zeigte Keynes, dass es unter bestimmten Voraussetzungen auch in einer Marktwirtschaft zu gravierender und anhaltender Arbeitslosigkeit kommen kann. Er baute seine Argumentation auf einer simultanen Analyse realer (Einkommen und Beschäftigung) und monetärer (Geldmenge und Zinsen) Variablen auf und verließ damit den Rahmen der klassischen Dichotomie von realem und monetärem Sektor. Man sprach von einer wissenschaftlichen Revolution.

Die von Keynes vorgenommene Analyse war im Wesentlichen verbaler Natur. In der Folgezeit wurde sie formalisiert und erweitert. John Richard Hicks überführte die Keynessche Argumentation in ein mathematisches Mehrgleichungssystem, das unter der Bezeichnung IS-LM-Modell für einige Jahrzehnte die Makroökonomie stark beeinflusste.[11] Ein Bestandteil des IS-LM-Modells ist die Keynessche Geldnachfragetheorie (Liquiditätspräferenztheorie). Sie stellt insofern eine Erweiterung der klassischen Sichtweise dar, als nun auch eine zweite Funktion des Geldes, nämlich die Wertaufbewahrungsfunktion, berücksichtigt wurde. Die Formalisierung bildete die Grundlage für die keynesianisch orientierte Geld- und Fiskalpolitik der 1950er und 1960er Jahre. Es bestand die Vorstellung, dass der Staat durch eine Feinsteuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage anhaltend positive Effekte auf die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Beschäftigung erzielen könne. Diese Feinsteuerung hatte jedoch nicht die erhofften Wirkungen. Ein wesentliches Problem bestand darin, dass die Folgen für die Inflationsrate im Rahmen der keynesianischen Geldtheorie nicht hinreichend berücksichtigt wurden.

Die Keynesianische Revolution blieb nicht ohne Gegenrevolutionen. Die drei bedeutenden Gegenrevolutionen waren der Monetarismus, die Neuklassische Makroökonomik und die Real-Business-Cycle-Theorie.

Monetarismus[Bearbeiten]

Der Monetarismus, zu dessen bedeutendsten Vertretern Karl Brunner, Milton Friedman und Allan Meltzer zählen, sieht in der Geldmenge die Hauptursache für konjunkturelle Schwankungen. Konjunkturelle Schwankungen seien weitgehend vermeidbar, wenn die Zentralbank auf eine gleichmäßige Geldmengenausweitung in Höhe der durchschnittlichen langfristigen Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts hinwirkt (Geldmengen-Regel nach Friedman).[12]

Neuklassische Geldtheorie[Bearbeiten]

Die Neuklassiker, deren bedeutendste Vertreter Robert E. Lucas, Thomas Sargent und Neil Wallace sind, erweiterten die geldtheoretische Analyse vor allem um das Konzept der Rationalen Erwartungen. Bei rationaler Erwartungsbildung fließen alle verfügbaren Informationen in die Erwartungsbildung ein. Dies hat zur Folge, dass systematische wirtschaftspolitische Maßnahmen vorhergesehen werden und keine Wirkungen auf die reale gesamtwirtschaftliche Entwicklung haben. Systematische Geldpolitik, die in vorhersehbarer Weise auf gesamtwirtschaftliche Schwankungen reagiert, hat im Modellrahmen der Neuklassiker keine realwirtschaftlichen Wirkungen (Politik-Ineffektivität[13]), sondern beeinflusst lediglich die Inflationsrate. Realwirtschaftliche Effekte kann die Geldpolitik demnach nur durch überraschend ausdehnende (expansive) oder einschränkende (restriktive) Maßnahmen erzielen.

Auf Robert Lucas geht auch die Forderung nach einer einzelwirtschaftlichen Fundierung gesamtwirtschaftlicher ökonomischer Modelle zurück (Mikrofundierung der Makroökonomik). Die Zusammenhänge zwischen gesamtwirtschaftlichen Variablen ändern sich, wenn sich das wirtschaftspolitische Umfeld ändert, d.h. auch wenn sich die Geldpolitik ändert. Daher können in der Vergangenheit beobachtete Regelmäßigkeiten nicht ohne weiteres als Grundlage für die Simulation der Effekte geldpolitischer Maßnahmen dienen (Lucas-Kritik). Vielmehr seien die Effekte geldpolitischer (und anderer wirtschaftspolitischer) Maßnahmen aus Modellen abzuleiten, die das Verhalten der einzelnen Marktteilnehmer unter Berücksichtigung des jeweiligen Umfeldes abbilden. Solche Modelle bilden gleichsam das Labor des Makroökonomen; denn schließlich kann die Makroökonomik nur in seltenen Ausnahmefällen Experimente durchführen, um die Wirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu studieren.[14]

Die Neuklassiker haben die Geldtheorie vor allem in methodischer Hinsicht weiterentwickelt. Rationale Erwartungen und mikroökonomische Fundierung sind heute fester Bestandteil der Geldtheorie. Die inhaltlichen Aussagen über die Wirksamkeit der Geldpolitik ließen sich jedoch nicht aufrechterhalten, insbesondere weil die tatsächlichen Märkte nicht so flexibel und vollkommen sind, wie es in der Neuklassik unterstellt wurde.

Neukeynesianische Geldtheorie[Bearbeiten]

Die Neukeynesianische Geldtheorie verbindet die methodischen Fortschritte der Neuklassik (und insbesondere auch der Real-Business-Cycle-Theorie) mit der Analyse der in der Realität zu beobachtenden Unvollkommenheiten auf diversen Märkten. Man spricht daher auch von einer Neuen Neoklassischen Synthese.[15] Für die Geldtheorie bedeutsame Marktunvollkommenheiten sind insbesondere langsame Preisanpassung (rigide Preise), unvollkommener Wettbewerb auf Gütermärkten und asymmetrische Information auf Finanzmärkten. Diese Unvollkommenheiten haben einen großen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung:[16]

  • Unvollkommenheiten führen im Allgemeinen dazu, dass das Marktergebnis nicht effizient ist. Dies bedeutet, dass es Raum für wohlfahrtssteigernde wirtschaftspolitische Maßnahmen gibt und dass die Geldpolitik nicht wirkungslos ist.
  • Unvollkommenheiten verändern die Effekte ökonomischer Schocks auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Preisrigidität führt zum Beispiel dazu, dass monetäre Schocks realwirtschaftliche Konsequenzen haben und die klassische Dichotomie von monetärem und realem Sektor nicht gegeben ist.
  • Unvollkommenheiten können eine Quelle zusätzlicher Schocks sein. Asymmetrische Information und die damit verbundenen Probleme wirken sich zum Beispiel auf das realwirtschaftliche Gleichgewicht aus.

Die Neukeynesianische Geldtheorie bildet in methodischer Hinsicht die Grundlage für die moderne kurz- bis mittelfristige geldtheoretische Analyse. Sie hat auch die praktische Geldpolitik vieler Zentralbanken nachhaltig beeinflusst. Insbesondere liefert sie eine Erklärung des geldpolitischen Transmissionsprozesses, d.h. der Übertragung geldpolitischer Maßnahmen auf die Gesamtwirtschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Menger: On the origin of money. In: Economic Journal. 2, 1892, S. 239–255.
  2. Dieses Beispiel geht auf Adam Smith zurück. Adam Smith: An inquiry into the nature and the causes of the wealth of nations. 1776 (deutsch: Erich W. Streissler (Hrsg.): Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker. Mohr Siebeck, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2655-7, S. 105).
  3. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. 1. Auflage. Jena 1944, S. 115:
    „Die Neigung der Banken hängt von ihrem Liquidätsstatus ab, der nicht durch die Menge der bei ihnen vorhandenen Guthaben, also von der Gestalt der Passivseite, sondern von dem Vorhandensein von Bargeld und gegebenenfalls in Bargeld zu verwandelnden Aktiven, also von der Gestalt der Aktivseite bestimmt wird.“
  4. Tina Püthe: Mittelständische Unternehmen und Genossenschaftsbanken. (Hrsg. Wolfgang Berens) Frankfurt 2009. (online) S. 25.
  5. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. 1. Auflage. Jena 1944, S. 114–115:
    „Wenn durch Zahlungsvorgänge Depositen von der A-Bank auf die B-Bank übergehen, so wird damit Kreditkapazität des gesamten Banksystems nicht verringert, wohl aber die der A-Bank, die liquide Aktiva veräußern muß und deren Liquidität sich entsprechend mindert. Darum ist es für die einzelne Bank durchaus sinnvoll, um Depositen zu werben und möglichst viele Depositen behalten zu wollen. Zwar wird das Kreditvolumen nicht durch den Depositenbestand bestimmt, wohl aber hängt der A n t e i l der einzelnen Bank von ihrem Anteil am Depositenvolumen ab. Schwindet dieser Anteil dahin, so ist die einzelne Bank mit Illiquidität und schließlicher Liquidierung bedroht.“
  6. George T. McCandless, Warren E. Weber: Some monetary facts. In: Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review. 19(3), 1995, S. 2–11.
  7. Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): Geschichte der ökonomischen Analyse. Erster Teilband. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1965, S. 95f.
  8. Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): Geschichte der ökonomischen Analyse. Erster Teilband. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1965, S. 104.
  9. Die klassische Quantitätstheorie wurde zunächst von David Hume (1711–1776) beschrieben. Später wurde sie in John Stewart Mill: Principles of political economy. J.W. Parker, London 1848, und in Irving Fisher: The purchasing power of money. Macmillan, New York 1911, dargestellt. Zur Geschichte und kritischen Bewertung der Quantitätstheorie siehe David Laidler: The quantity theory is always and everywhere controversial: Why? In: Economic Record. 77, 1991, S. 199–225.
  10. John Maynard Keynes: The general theory of employment, interest and money. Macmillan, London 1936. (Deutsche Übersetzung: Jürgen Kromphardt, Stephanie Schneider (Hrsg.): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. 10. Auflage. Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-12096-5.)
  11. John R. Hicks: Mr. Keynes and the classics: A suggested interpretation. In: Econometrica. 5, 1937, S. 147–159.
  12. Duden Wirtschaft von A bis Z. Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013, Stichwort Monetarismus
  13. Thomas Sargent, Neil Wallace: Rational expectations, the optimal monetary instrument, and the optimal money supply rule. In: Journal of Political Economy. 83, 1975, S. 241–254.
  14. Robert E. Lucas: Methods and problems in business cycle theory. In: Journal of Money, Credit, and Banking. 12(4), 1980, S. 696–715.
  15. Marvin Goodfriend: Monetary policy in the New Neoclassical Synthesis: A primer. In: Federal Reserve Bank of Richmond Economic Quarterly. 90(3), 2004, S. 21–45.
  16. Olivier Blanchard: What do we know about macroeconmics that Fisher and Wicksell did not? In: Quarterly Journal of Economics. 115, 2000, S. 1375–1409.

Literatur[Bearbeiten]

Einführende Lehrbücher[Bearbeiten]

Lehrbücher für Fortgeschrittene[Bearbeiten]

  • Jordi Galí: Monetary policy, inflation, and the business cycle. An introduction to the New Keynesian Framework. Princeton University Press, Princeton 2008, ISBN 978-0-691-13316-4.
  • Carl E. Walsh: Monetary theory and policy. 2. Auflage. MIT Press, Cambridge/ London 2003, ISBN 0-262-23231-6.
  • Michael Woodford: Interest and prices: Foundations of a theory of monetary policy. Princeton University Press, Princeton/ Oxford 2003, ISBN 0-691-01049-8.

Sammelwerke[Bearbeiten]

Sonstige Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]