Bibliotheca Corviniana

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Titelblatt des Cod. Guelf. 43 Aug 2° (Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel)

Die Bibliotheca Corviniana (kurz Corvina) ist die weltberühmte Büchersammlung des ungarischen Königs Matthias Corvinus (1443–1490). Sie bildete eine der größten und wertvollsten Bibliotheken im Zeitalter der Renaissance und wurde 2005 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Sie ist großteils verloren oder verstreut, die nachgewiesenen Exemplare werden Corvinen genannt.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Blüte der Bibliothek begann mit der Vermählung des Königs Matthias mit der kunstsinnigen Beatrix von Aragón (1476). Matthias Corvinus trug mit großem Aufwand eine Bibliothek zusammen, wofür er in Italien prächtig verzierte Handschriften herstellen ließ. Boten wurden durch Italien, Griechenland und Kleinasien gesandt, die Handschriften klassischer Autoren sowie syrischer und hebräischer Schriftsteller aufkaufen sollten. 33.000 Dukaten standen zur Verfügung. Man schätzt den seinerzeitigen Umfang auf 2.000 Bände, womit die Bibliotheca Corviniana nach der Vatikanbibliothek die zweitgrößte ihrer Zeit war.[1]

Charakteristisch für die Bibliotheca Corviniana sind die meist prachtvollen Illuminierungen der Handschriften mit eingezeichnetem Wappen des Königs, die mit Gold gezierten Ledereinbände und die Samt- und Seideneinbände.

Nachgeschichte[Bearbeiten]

Untergebracht im Palast von Buda, wurde die Bibliothek nach dem Tod des Königs im Jahr 1490 und der Eroberung Budas 1541 in alle Welt zerstreut. Einerseits waren die Nachfolger des Königs Matthias nicht mehr so bibliophil wie er, andererseits erfolgte nach der Eroberung durch die Türken 1541 durch Sultan Suleiman ein drastischer Abbau. Teile wurden im Serail von Konstantinopel aufbewahrt und wurden 1869 und 1877 als Geschenke des Sultans nach Budapest zurückgebracht.

Heutige Corvinen[Bearbeiten]

Es sind bisher 216 Corvinen bekannt.[2]
Die bedeutendste Sammlung hat Ungarn in der Széchényi-Nationalbibliothek Budapest mit 53 Exemplaren,[2] und die Österreichische Nationalbibliothek mit 39 Bänden.[2] Diverse Museen in Italien halten 49 Exemplare,[2] der Gutteil die Biblioteca Estense in Modena. Der Rest des bekannten Bestands ist über Deutschland[3] (8 Stücke Bayerische Staatsbibliothek in München,[4] 9 Stücke Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel,[5] Dresden[6]), Frankreich (7 Stücke),[2] Belgien, England, die Türkei und die USA verstreut.[2]

Ein ungarisches Projekt bemüht sich, entsprechend der Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes (2003), der Fortsetzung des Memory of the World-Programms der UNESCO, um die Retrodigitalisierung von Handschriften und Frühdrucken. Die Wiedervereinigung der Bibliothek als digitale Sammlung würde dieses gesamteuropäische Erbe angemessen dokumentieren.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christian Gastgeber: Auf der Spur der Bibliotheca Corviniana: Peter Lambecks Reisebericht nach Buda aus dem Jahr 1666. In: Biblos. Band 54, 2005, ISSN 0006-2022, S. 43–64.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bibliotheca Corviniana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pal Engel, Ungarische Akademie der Wissenschaften. In: The Realm of St. Stephen, I.B.Tauris Publishers, London, 2002, S. 154. Angabe nach UNESCO: Full list of Registered Heritage, abgerufen 8. Mai 2012
  2. a b c d e f g Angabe nach UNESCO: Full list of Registered Heritage, abgerufen 8. Mai 2012
  3. Renaissance-Bibliothek des Königs Mathias Corvinus, Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
  4. Münchner Corvinen, muenchener-digitalisierungszentrum.de
  5. Wolfenbütteler Corvinen, hab.de
  6. Zwei Corvinen aus der Bibliothek des Königs Matthias Corvinus gelangten im 18. Jahrhundert in die Kurfürstliche Bibliothek zu Dresden. Sie wurden 1945 infolge der Bombardierung des Bibliotheksgebäudes schwerst geschädigt. Dresdner Corvinen (PDF-Datei; 1,65 MB), slub-dresden.de