Bodenschutz

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Bodengefährdung durch eine unzulässig entsorgte ausgelaufene Autobatterie

Bodenschutz zielt nach § 1 BBodSchG darauf, „nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wiederherzustellen“. Die zu schützenden Bodenfunktionen werden im § 2 BBodSchG beschrieben. Maßnahmen zum Schutz der Böden im Allgemeinen und der Böden mit hoher Funktionserfüllung im Besonderen sind

  • die Verhinderung der Nutzung des Bodens als Bau-, lager- oder Verkehrsfläche oder die Lenkung solcher Nutzungen auf Böden mit geringer Funktionserfüllung.
  • die Verminderung der physikalischen Belastungen des Bodens durch schonendes Be- und Überfahren im Rahmen der forst- oder landwirtschaftlichen Nutzung (Verdichtungsgefahr).
  • die Verminderung der stofflichen Belastungen durch reduzierte oder gestaffelte Düngung und Minderung der Immissionen.
  • der Erhalt der Humusgehalte im Boden.
  • der Schutz vor Erosion durch Wasser oder Wind.

Rechtliche Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Der Bodenschutz hat in Deutschland im Jahre 1999 im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) und in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) eine einheitliche Grundlage erhalten.[1][2] Sie wird erweitert durch Bodenschutzgesetze der Länder sowie vorrangige Rechtsvorschriften, wie das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen, das Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts und das Bundesnaturschutzgesetz. Vorrang hat auch das Düngemittel- und Pflanzenschutzrecht, das Bundes-Immissionsschutzrecht oder das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht. Die Europäische Kommission hat 2006 den Entwurf einer Bodenrahmenrichtlinie vorgelegt, die den Mitgliedsstaaten unter anderem die Ausweisung von Risikogebieten vorgeben würde.

Der Anwendungsbereich der BBodSchV betrifft vornehmlich die Vorgehensweise bei der Untersuchung und Bewertung von Altlastflächen, mögliche Altlastflächen und Sanierungsmaßnahmen. Außerdem regelt sie die Gefahrenabwehr durch Dekontaminations- und Sicherungsmaßnahmen, Vorsorgemaßnahmen und Prüf- und Messmaßnahmen.

Die Belastungen und Beeinträchtigungen des Bodens betreffen chemische Verunreinigungen (z. B. durch Pestizide, Schwermetalle), physikalische Veränderungen (z. B. Bodenverdichtung, Bodenerosion) und Bodenverbrauch durch Überbau (z. B. Straßenbau, Siedlungsbau) oder Abtransport.

Schutzgebiete im Sinne des Bodenschutzes sind:

  • Bodenschutzgebiete
  • Bodenplanungsgebiete
  • Bodenbelastungsgebiete
  • Bodengefährdungsgebiete

Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Die Land- und Forstwirtschaft hat Interesse am Boden, da sie außer in der Hydrokultur, z. B. beim Tomatenanbau, auf den Boden als Nährstoffspeicher und Wasserlieferant angewiesen ist. Je nach Bodenart ist die sinnvolle Bodennutzung unterschiedlich. Während die Landwirtschaft hohe Anforderungen an den Boden stellt, ist die Bodengüte in der Forstwirtschaft und der Grünlandwirtschaft von geringerer Bedeutung.

Die Ökologische Landwirtschaft und die konventionelle Landwirtschaft betreiben den Ackerbau mit unterschiedlichen Anbaumethoden, Düngereinsatz und Pflanzenschutzmitteln. Die vom Landwirt gewählte Kombination bestimmt die Qualität des Bodens (Humus) erheblich, weil die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Bodenlebewesen (Edaphon) davon beeinflusst wird. Über die Symbiose von z. B. Pilz und Pflanze (Mykorrhiza) profitiert die Land- und Forstwirtschaft davon wiederum.

Boden als High-Tech-Standort[Bearbeiten]

Böden wurden in den letzten Jahrzehnten mit einem enormen Technik- und Energieaufwand zur Produktion immer größerer Mengen an Biomasse gebracht. Dabei wurden die Belastungskapazitäten teilweise deutlich überschritten. Was Wenigen bekannt ist: Nicht nur der Flächenbedarf und die Ansprüche an die Qualität der Böden sind bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung am höchsten. Sondern auch der Substanzverlust (z. B. durch Erosion) und der Qualitätsverlust (z. B. durch Verdichtung, Humusabbau) der Böden sind in Relation zu anderen Bodennutzungsformen am höchsten (Lingner/Borg 2000).

Die Böden in Deutschland zeigen zunehmend Verdichtungsschäden und werden erosionsanfälliger. 1994 wies der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem „Jahresgutachten zur Gefährdung der Böden“[3] auf die Symptome der Bodendegradation, wie Hochwasser, Bodenerosion, Bodenverdichtung, Verringerung der Grund- und Oberflächen- Gewässerqualität, Minderung der Bodenfruchtbarkeit und in der Folge Abnahme der Pflanzengesundheit und Anstieg des Mineraldünger - und Pflanzenschutzmittel -Aufwandes, hin. Die International Soil Conservation Organisation (Internationale Gesellschaft für Bodenschutz, ISCO)[4] bekräftigte die Warnungen auf ihrer Jahrestagung in Bonn 1996[5] und auf ihren folgenden Jahrestreffen. Diese Gremien fordern wiederholt ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Der zurzeit stattfindende Boom im Bereich der Bioenergie verschärft die Problematik noch, da zusätzlich zur Flächenkonkurrenz mit einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion, die einseitige Zunahme des Anbaus von Energiepflanzen wie Mais, Raps und auch Weizen den prekären Humushaushalt und die Gesundheit der Böden ebenfalls massiv verschlechtert.

Schritte in Richtung Bodenschutz[Bearbeiten]

16 Prozent der Böden in den alten EU-Ländern sind bedroht. In den neuen Ländern der EU, wie Tschechien, Ungarn oder Polen sind es sogar 35 Prozent. Auf europäischer Ebene wurde dem Bodenschutz erstmals 2001 durch das 6. EU-Umweltaktionsprogramm eine zentrale Bedeutung zugesprochen. Die Europäische Kommission hat dann die ersten Schritte hin zu einer europaweiten Bodenschutzstrategie in Angriff genommen. Nach mehreren Verzögerungen wurde diese am 22. September 2006 in Brüssel vorgestellt. Ihr soll die Ausarbeitung einer Rahmenrichtlinie, deren Vorschlag ebenfalls vorgestellt wurde, folgen.

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

In der Forstwirtschaft wird der Boden über die Wahl der angepflanzten Baumarten beeinflusst. Der Nadelwald, Laubwald und Mischwald ist niemals nur eine Baumfarm, sondern immer eine Pflanzengesellschaft (z. B. Eichen-Hainbuchen-Wälder) und noch genauer ein Ökosystem, womit der Lebensraum Boden mit eingeschlossen ist. In der Forstwirtschaft ist Bodenschutz durch die maschinellen Holzernte zu einem gesellschaft-politisches Thema geworden. Die mit Last bis zu 16 t schweren Forwarder hinterlassen, insbesondere bei feuchter Witterung, tiefe Spuren im Waldboden. Um diesem Problem gerecht zu werden, werden momentan unterschiedliche Konzepte, von der Bereifung bis hin zu strukturellen Änderungen diskutiert.[6]

Gefahrstoffe, Altlasten[Bearbeiten]

Der Boden kann sowohl durch seine Nutzung (z. B. durch die Einbringung von Pestiziden in der Landwirtschaft) als auch durch ungewollte Stoffaustritte oder gezielte Versickerungen geschädigt werden. Bei einem Unfall kann beispielsweise Kraftstoff auslaufen und im Boden versickern. In Abhängigkeit von der Menge und dem in den Boden eingetretenen Stoff kann ein Bodenaustausch notwendig sein, um z. B. eine Grundwassergefährdung zu verhindern.

Die ökologische Landwirtschaft versucht über den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel diese Probleme im Agrarbereich zu umgehen. Die stattdessen angewandten alternativen Methoden zur Schädlingsbekämpfung, wie der Einsatz von Nützlingen oder thermischen Verfahren (zum Beispiel: Dämpfen (Bodendesinfektion) zur Bodenentseuchung) sollen negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit ausschließen.

In vielen industriell genutzten Flächen ist es im Laufe der Zeit zu gewollten oder ungewollten Versickerungen von Stoffen gekommen, die sog. Altlasten. In Abhängigkeit von der Belastung (Konzentration und/oder Stoff) und der Gefährdung von Schutzgütern können umfangreiche Bodensanierungsmaßnahmen notwendig werden.

Bergbau[Bearbeiten]

Auch der Bergbau hat sich mit dem Bodenschutz zu befassen, insofern es um den Tagebau und um den Abraum auf Halden geht. Vielfach müssen auch erst Altablagerungen und Altstandorte ermittelt werden, weil sie schon viele Jahrhunderte alt sein können.

Da der Bergbau, speziell im Tagebau, sehr viel Fläche benötigt, ist im Bundesberggesetz (BBergG) geregelt, dass nach dem Abbau eine Renaturierung erfolgen muss. Dazu gehört nicht nur eine möglichst vollständige Verfüllung des Tagebaurestlochs, sondern auch das Auftragen des zuvor abgetragenen Bodens und die kontrollierte Normalisierung des Grundwasserspiegels. Vielfach werden auch Gesteine an die Oberfläche verfrachtet, die unter Sauerstoffzufuhr zerfallen und große Säure-, Sulfat- und Eisenmengen freisetzen. Dadurch kann der Boden über Jahrzehnte extrem versauern und auch nach Jahrhunderten ist dies noch feststellbar.

Boden als Archiv[Bearbeiten]

Die Bedeutung von Böden als landschaftsgeschichtliche Urkunde ist ebenso ein wichtiger Grund für den Schutz und Erhalt bestimmter Bodenformen/Bodenrelikte. An ihnen können durch vergleichende Untersuchungen mögliche Auswirkungen der Bodennutzung durch den Menschen auf die Bodenentwicklung erkannt und rekonstruiert werden. Dabei unterscheidet man:

Naturgeschichtliche Urkunden[Bearbeiten]

Böden treten als Archive der Naturgeschichte besonders hervor, wenn

  • sie sich in seltenen Ausgangsgesteinen entwickelten, beispielsweise in vulkanischen, tertiären oder kreidezeitlichen Gesteinen.
  • ihre Entwicklung in repräsentativer Weise typisch verlief.
  • an ihrer Entstehung außergewöhnliche Prozesse beteiligt waren wie bei Quell- und Sinterkalken.
  • prägnante Merkmale einer reliktischen (heute nicht mehr ablaufenden) Bodenentwicklung gut zu erkennen sind wie bei Tschernosemen.

Allgemeine geologische Aufschlüsse, herausgewitterte Vulkankegel und vergleichbare Objekte, in denen keine relevante Bodenentwicklung stattgefunden hat, können als Geotope unter Schutz gestellt werden.

Kulturgeschichtliche Urkunden[Bearbeiten]

Böden treten als Archive der Kulturgeschichte besonders hervor, wenn der Aufbau des Bodenprofils durch historische Agrarkulturtechniken geprägt ist wie bei Plaggeneschen und Wölbäckern oder sie Zeugnis spezieller Bewirtschaftungsformen wie Wässerwiesen, alte Weinbergslagen und Wacholderheiden sind.

Von den Archivböden nach BBodSchg zu trennen sind die Bodendenkmale. Bei ihnen geht es nicht um besondere Formen der Bodenentwicklung, sondern um den Erhalt bzw. die Bewahrung von Lebensspuren des Menschen oder der Tier- und Pflanzenwelt im Boden. Beispiele dafür sind Gebiete mit Siedlungsresten, alte Gräberfelder, Schlachtfelder (Teutoburg), Hohlwege, die Fundstellen von Versteinerungen und Fossilien. Den Übergang vom Bodendenkmal zum Denkmal allgemein bilden die teils mit Resten von Aufbauten vorliegenden militärischen Relikte wie Landwehrgräben, Limesreste oder ehemalige Siedlungen.

Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz regeln vorab Art. 32c (Belastungen durch Deponien und andere Abfälle) sowie Art. 33 (Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit) des Umweltschutz-Gesetzes (USG) sowie zugehörige Verordnungen den Bodenschutz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodenqualitätszielkonzept Niedersachsen Teil 1: Bodenerosion und Bodenversiegelung Hrsg.: Niedersächsisches Landesamt für Ökologie 2003. 52 Seiten, 19 Abbildungen, 16 Tabellen, Heft 2003/23 aus "Nachhaltiges Niedersachsen"
  • Schutzwürdige und schutzbedürftige Böden in Niedersachsen Hrsg.: Niedersächsisches Landesamt für Ökologie; Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung 2003. 41 Seiten, 2 Abbildungen, 11 Tabellen, 7 Karten, Heft 2003/25 aus "Nachhaltiges Niedersachsen"
  • Hans-Peter Blume (Hrsg.) (32004): Handbuch des Bodenschutzes - Bodenökologie und -belastung; vorbeugende und abwehrende Schutzmaßnahmen. Landsberg/Lech, ISBN 3-609-65853-3
  • St. Lingner, E. Borg: Präventiver Bodenschutz. Problemdimensionen und normative Grundlagen. Graue Reihe Nr. 23, Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaft-lich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler, 2000
  • RBS (Robert Bosch Stiftung, Hg.): Schwäbisch Haller Agrarkolloquium zur Bodennutzung, den Bodenfunktionen und der Bodenfruchtbarkeit. Denkschrift für eine umweltfreundliche Bodennutzung in der Landwirtschaft. Gerlingen 1994
  • Yeong Heui Lee: „Nachhaltiger Bodenschutz – international, europäisch und national". Universitätsverlag der TU Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-7983-1995-2
  • Yeong Heui Lee, Walter Bückmann: Neue Hoffnungen für den Bodenschutz. Umwelt- und Planungsrecht 25(10), S. 370-380 (2005), ISSN 0721-7390
  • Walter Bückmann: Der zweite Entwurf einer europäischen Bodenrahmenrichtlinie. Umwelt- und Planungsrecht 26(10), S. 365-374 (2006), ISSN 0721-7390
  • Franz-Joseph Peine, Wolfgang Spyra, Reinhard F. Hüttl: Vorschläge zur Aktivierung des flächenhaften Bodenschutzes. Umwelt- und Planungsrecht 26(10), S. 375-382 (2006), ISSN 0721-7390

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiversity: Institut für Bodenkunde – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBodschV - Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
  2. BBodschG - Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten
  3.  Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.): Welt im Wandel: die Gefährdung der Böden. Jahresgutachten 1994. Economica-Verlag, Bonn 1994.
  4. Webseite der International Soil Conservation Organization (ISCO). (Englisch)
  5. Conclusions & Recommendations from ISCO 9. Jahrestagung der ISCO in Bonn, 26.-30. August 1996. Schlussfolgerungen und Empfehlungen (pdf, Englisch; 1,2 MB)
  6. Bodenschutz lockt Forstunternehmer IHB, veröffentlicht am 26. März 2010