Boris Wiktorowitsch Sawinkow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Boris Wiktorowitsch Sawinkow

Boris Wiktorowitsch Sawinkow (russisch Борис Викторович Савинков, wiss. Transliteration Boris Viktorovič Savinkov; * 19. Januarjul./ 31. Januar 1879greg. in Charkow in der Ukraine; † 7. Mai 1925 in Moskau), war ein russischer Politiker, Terrorist und Autor. Als Sozialrevolutionär war er zunächst ein Gegner des zaristischen Staatswesens und wurde nach der Oktoberrevolution ein überzeugter Feind des Sowjetsystems. Als eines der maßgeblichen Mitglieder des bewaffneten Arms der Sozialrevolutionären Partei, der zunächst von Grigori Gerschuni und später von Jewno Asef geleitet wurde, war er an einer Vielzahl von Attentaten auf politische Gegner beteiligt.

Leben[Bearbeiten]

Nachdem er sich in jungen Jahren der sozialrevolutionären Bewegung angeschlossen hatte, deren Anhänger das zu dieser Zeit in Russland herrschende Zarenregime zum Teil mit Gewalt stürzen wollten, wurde Sawinkow durch seine Beteiligung an der Ermordung des russischen Innenministers Wjatscheslaw von Plehwe im Jahre 1904 sowie an dem durch Iwan Kaljajew verübten Mordanschlag auf den Großfürsten Sergei Romanow im Jahre 1905 bekannt. Für diese Taten wurde er 1906 verhaftet und daraufhin zum Tode verurteilt. Ihm gelang jedoch die Flucht aus einem Gefängnis in Odessa, wo er bis zur Vollstreckung der Strafe einsitzen sollte. Der Todesstrafe entronnen, begab er sich ins Ausland und kehrte erst nach der Februarrevolution und der Abdankung des Zaren nach Russland zurück. Dort kam er im April 1917 an und wurde stellvertretender Kriegsminister in der Regierung Kerenskis. Er wurde jedoch bald sowohl aus der Regierung als auch aus der Sozialrevolutionären Partei ausgeschlossen, da er den unter General Kornilow im September 1917 verübten Versuch eines militärischen Umsturzes begrüßt hatte. Dennoch blieb er weiter in Russland und agierte dort nach der Oktoberrevolution und der Machtübernahme durch die Bolschewiki als Konterrevolutionär.

Als Anführer einer „Gesellschaft zur Verteidigung des Mutterlands und der Freiheit“ genannten Gruppe organisierte Sawinkow während des russischen Bürgerkriegs verschiedene bewaffnete Erhebungen gegen die Bolschewiki; so unter anderem in Jaroslawl, Rybinsk und Murmansk. Diese Aufstände konnten jedoch bald von der Roten Armee niedergeschlagen werden, so dass sich Sawinkow ins Exil nach Frankreich begeben musste.

In Frankreich bekleidete Sawinkow diverse Posten in Vereinigungen russischer Emigranten. Zudem war er in Paris als diplomatischer Repräsentant des Admirals Koltschak, einem Führer der Weißen im russischen Bürgerkrieg, tätig. Anlässlich des Polnisch-Sowjetischen Krieges von 1919 bis 1921 begab er sich nach Polen. Dort gründete er eine politische Organisation, deren Ziel es war, sowjetische Kriegsgefangene gegen die Bolschewiki einzustimmen. Tatsächlich gelang die Aufstellung mehrerer aus vormaligen Kriegsgefangenen gebildenten Einheiten, die sich auf Seiten der Polen am Kampf beteiligten.

Sawinkow war zusammen mit dem abtrünnigen britischen Geheimagenten Sidney Reilly an einigen Verschwörungen gegen die Bolschewiki beteiligt. Dabei wurde er in einigen Fällen vom britischen Geheimdienst SIS unterstützt. Den Bolschewiki blieben diese Aktivitäten Sawinkows nicht verborgen. Der sowjetische Geheimdienst OGPU unternahm daher Anstrengungen ihn unschädlich zu machen. Im August 1924 gelang es sowjetischen Agenten, Sawinkow unter Vorspiegelung der Möglichkeit eines konspirativen Treffens mit angeblichen antisowjetischen Verschwörern nach Russland zu locken. Dort wurde er unverzüglich verhaftet und in ein Gefängnis nach Moskau gebracht. Am 7. Mai 1925 stürzte Sawinkow aus einem Fenster im fünften Stock des Lubjanka-Gefängnisses in den Tod. Während er nach offizieller Darstellung Selbstmord beging, soll er nach anderen Quellen auf Geheiß Felix Dserschinskis ermordet worden sein.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Sawinkow hat als Autor mehrere Romane verfasst, von denen der autobiographische Roman Das Fahle Pferd der bekannteste ist. Das Werk gibt Einblicke in die Gemütsverfassung eines Terroristen und dessen Beweggründe für die verübten Gewalttaten. Im Jahre 2004 wurde dieser Roman von Karen Schachnasarow unter dem Titel Der Reiter Namens Tod verfilmt. Am meisten verbreitet dürfte die von ihm unter dem Titel Erinnerungen eines Terroristen veröffentlichte Beschreibung seiner Verbrechen sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Boris Savinkov: Erinnerungen eines Terroristen. Aus dem Russischen übersetzt von Arkadi Maslow. Revidiert und ergänzt von Barbara Conrad. Mit einem Vor- und Nachbericht von Hans Magnus Enzensberger, Nördlingen (Franz Greno) 1985.
  • David Stafford: Churchill & Secret Service; London 2001; S. 132–147.
  • Richard B. Spence: Boris Savinkov, Renegade on the Left; Columbia University Press, New York 1991.