Sergei Alexandrowitsch Romanow

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Sergei Alexandrowitsch Romanow

Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow, russisch Сергей Александрович (* 29. Apriljul./ 11. Mai 1857greg. in Sankt Petersburg; † 4. Februarjul./ 17. Februar 1905greg. in Moskau) war ein Mitglied aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp.

Leben[Bearbeiten]

Sergei war das siebte Kind des russischen Zaren Alexander II. (1818–1881) und dessen erster Gattin Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt (1824–1880), Tochter von Großherzog Ludwig II. von Hessen-Darmstadt und Prinzessin Wilhelmine Luise von Baden. Er war auch der jüngere Bruder des späteren Zaren Alexander III. sowie von Maria Alexandrowna Romanowa, der späteren Herzogin von Sachsen-Coburg und Gotha.

Sergei lernte auf den vielen Familientreffen Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt, Tochter von Großherzog Ludwig IV. und Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, kennen und lieben. Gegen alle Widerstände, besonders von Seiten ihrer Großmutter, der britischen Königin Victoria, setzte Elisabeth die Liebesheirat durch. Das Paar heiratete am 3. Junijul./ 15. Juni 1884greg. in Sankt Petersburg, auf ihrer Hochzeit lernte Elisabeths jüngere Schwester Alix den russischen Thronfolger Nikolaus Alexandrowitsch kennen. Die Ehe blieb kinderlos, wohl auch weil Sergei homosexuell war.

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt mit seinen Schwestern und Schwagern (von links) am 8. Oktober 1903: Zarin Alexandra Feodorowna und Zar Nikolaus ll. von Russland; Prinzessin Irene und Prinz Heinrich von Preußen; Großfürstin Jelisawjeta Fjodorowna und Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow; Prinzessin Viktoria und Prinz Ludwig Alexander von Battenberg

Als seine Schwägerin Großfürstin Alexandra, Ehefrau seines Bruders Pawel, bei der Geburt ihres zweiten Kindes starb, nahmen er und seine Frau die Kinder Maria Pawlowna (1890–1958) und Dmitri Pawlowitsch (1891–1942) solange in Pflege, bis Pawel sie wieder zu sich nahm. 1902 kamen sie erneut zu ihnen in Pflege, als Pawel aufgrund seiner Hochzeit mit Olga Palei exiliert wurde.

Sergei nahm am Russisch-Türkischen Krieg (1877–1878) teil und wurde zum Oberst der russischen Armee befördert. 1887 wurde er zum Generalmajor erhoben und erhielt den Oberbefehl der Leibgarde des Zaren im Preobraschenski-Regiment. 1891 ernannte ihn der Zar zum General-Adjutanten der Suite und zum Generalgouverneur von Moskau. Drei Jahre später wurde er Mitglied des Staatsrates und unterstützte die polizeigeführten Gewerkschaften des Oberst Sergei Wassiljewitsch Subatow.

1896 organisierte Sergei die Krönungsfeierlichkeiten von Nikolaus II. Als bei einer Massenpanik über 1300 Menschen starben, stellte eine von Nikolaus initiierte Untersuchung ihn als Hauptverantwortlichen fest. Da die Familie den Zaren jedoch davon überzeugte, dass eine öffentliche Anklage eines ihrer Mitglieder die Autorität der Monarchie untergraben würde, wurde von einer Bestrafung abgesehen. Stattdessen wurde der Oberpolizeimeister Alexander Alexandrowitsch Wlassowski zum Sündenbock gemacht.[1]

Anfang 1905 verübte Iwan Kaljajew, ein Terrorist der sozialrevolutionären Bewegung, ein Attentat auf den Großfürsten. Im Moskauer Kreml, nahe dem Nikolaus-Tor, explodierte eine Bombe, die den Großfürsten Sergei Alexandrowitsch sofort tötete. Nach dem tödlichen Attentat auf ihren Mann galt Jelisaweta Fjodorowna als eine der reichsten Großfürstinnen Russlands. Jelisaweta Fjodorowna, die ihren Mann sehr geliebt hatte, suchte Kaljajew im Gefängnis auf, verzieh ihm und reichte sogar beim Zaren ein Gesuch um die Begnadigung des Mörders ein, der allerdings dennoch hingerichtet wurde. Sie gründete das Kloster Martha-Maria, Kloster der Barmherzigkeit, Gemeinschaft der Schwestern der Liebe und Barmherzigkeit. Es bildete einen Wendepunkt in ihrem Leben. Sie gab ihren gesamten Besitz auf, teilte ihn auf die Krone, an Maria und Dmitri, ihre hessischen Verwandten und zu wohltätigen Zwecken auf. Sogar den Ehering gab sie fort und trat ins Kloster ein.

Sonstiges[Bearbeiten]

Sergei House in Jerusalem
  • Das 1889 erbaute Sergei Imperial Hospice im russischen Viertel in Jerusalem (heute Sergei House) ist nach dem Großfürsten Sergei benannt, der seit 1882 Gründungspräsident der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft war. Das Hospiz war ein luxuriöses Gästehaus für Reiche und vornehme russische Pilger, die das Heilige Land besuchten und bestand aus 25 kostbar ausgestatteten Zimmern.
  • Die Ermordung des Großfürsten Sergei wurde von Albert Camus in dem Stück Die Gerechten (Erstaufführung 1949) verarbeitet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sergei Alexandrowitsch Romanow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://books.google.de/books?id=ZTue8eTezq0C&pg=PA132&lpg=PA132&dq=nikolaus+II+katastrophe+bei+kr%C3%B6nungsfeierlichkeiten&source=bl&ots=qM_O_QxFt4&sig=DkSpSozBWk6Av4Pe8WDnRw1wClE&hl=de&ei=ZB5UTKK4JeeiOPrUwZ4O&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CBUQ6AEwAA#v=onepage&q=nikolaus%20II%20katastrophe%20bei%20kr%C3%B6nungsfeierlichkeiten&f=false