Breakfast on Pluto

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Filmdaten
Deutscher Titel Breakfast on Pluto
Originaltitel Breakfast on Pluto
Produktionsland Irland und UK
Originalsprache englisch
Erscheinungsjahr 2005
Länge 129 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 14[2]
Stab
Regie Neil Jordan
Drehbuch Neil Jordan und Patrick McCabe (Roman)
Produktion Neil Jordan, Alan Moloney und Stephen Woolley
Musik Anna Jordan
Kamera Declan Quinn
Schnitt Tony Lawson
Besetzung

Breakfast on Pluto ist ein Spielfilm des irischen Regisseurs Neil Jordan aus dem Jahr 2005. Der Independentfilm basiert auf einem Roman von Patrick McCabe und wurde u. a. von den Filmstudios Pathé Pictures International, Bórd Scannán na hÉireann, Number 9 Films Ltd., Parallel Films sowie der Northern Ireland Film and Television Commission produziert. Die deutsche Erstaufführung fand innerhalb der Internationalen Filmfestspiele Berlin im Februar 2006 statt. Der reguläre deutsche Kinostart war am 25. Mai 2006.

Handlung[Bearbeiten]

Irland, im Jahr 1958: Nachdem ihn seine schöne blonde Haushälterin verlassen hat, findet Father Bernard, Gemeindepfarrer im Dorf Tyreelin, nahe der nordirischen Grenze, ein ausgesetztes Baby vor seiner Türschwelle. Der Junge wird der alten Pub-Besitzerin Ma Braden übergeben. Zehn Jahre später erwischt sie den jungen Patrick in den Kleidern seiner Stiefschwester und verflucht lautstark den Tag, an dem sie ihn aufgenommen hat. Patrick, der bis zu diesem Zeitpunkt glaubte, Ma Braden wäre seine Mutter, wird bald schon von der Frage verfolgt, wer seine wirkliche Mutter ist.

Der Identität seiner wahren Mutter kommt Patrick ein Stück näher, als er mit seinen Freunden Irwin, Laurence (einem Mann mit Down-Syndrom) und der jungen Charlie in ihren Rollenspielen als IRA-Rebellen bzw. Killer-Roboter das Dorf unsicher machen. Laurence gutmütiger Vater verrät Patrick drei bedeutende Fakten über seine wirkliche Mutter. Demnach soll es sich bei der Frau, die ihn aussetzte, um Eily Bergin handeln, das damals schönste Mädchen in der Stadt. Laurence will Eily, die sehr dem Filmstar Mitzi Gaynor ähnelte, eines Tages in den Straßen von London wiedergetroffen haben.

Einige Jahre später entdeckt Patrick, der mittlerweile offen Mascara benutzt, in einen an Ma Braden adressierten Brief einen Scheck von Father Bernard. Entschlossen das Geheimnis um seine Eltern zu lösen, konfrontiert er Father Bernard im Beichtstuhl mit seinem Wissen und lässt auch den Namen Eily Bergins anklingen. Das Gespräch endet jedoch jäh damit, dass der Geistliche den Beichtstuhl verlässt, ohne dass Patrick erneut Erkenntnisse über seine Herkunft sammeln konnte. Zum Entsetzen seiner Lehrer trägt der Junge daraufhin einen Aufsatz vor, in dem er detailreich die Geschichte von Father Bernard und dessen unschuldiger Haushälterin erzählt. Autoritäre Maßnahmen in der Schule und zu Hause um der Frevelhaftigkeit des Jungen Herr zu werden, lassen Patrick zu einer grelleren Persönlichkeit namens Kitten (dt.: „Kätzchen“) werden.

Patrick zieht als weibliche, aber dennoch als Mann erkennbare Kitten den Hass im Dorf auf sich, als er gemeinsam mit seinen Freunden Charlie, Irwin und Laurence eine Disco besucht. Die Freunde können aber von einer friedliebenden Motorradgruppe gerettet werden. Unter dem Einfluss von Dope wird die Nacht zu einer Art kosmischen Selbstfindungstrip für Patrick und nachdem er wegen weiteren Vergehen der Schule verwiesen wird, sagt er Ma Braden und dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist, Lebewohl. Er schließt sich einer Band namens Billy Hatchet And The Mohawks an, die sich bei jedem ihrer Auftritte stark geschminkt einem Wild-West-Indianer-Thema annimmt. Kitten verguckt sich bald in den scheinbar heterosexuellen Bandleader Billy, doch sein erster Auftritt als Squaw bringt die Band in Misskredit. Zwar separiert Billy Kitten von der Gruppe, doch bringt er ihn in einem angeblich von seiner Mutter geerbten Wohnwagen an der Küste unter. In dem neuen Heim kocht Kitten für den Bandleader und geht bald in seiner Rolle als Hausfrau und Geliebte von Billy auf, bis er durch Zufall bemerkt, dass Billy mit der IRA sympathisiert und sein Wohnwagen als Waffenversteck dient. Auch Irwin, der mittlerweile mit Charlie liiert ist, hat sich der IRA angeschlossen. Als eine Autobombe detoniert, kommt auf tragische Weise Laurence ums Leben.

Von Laurences Begräbnis mitgenommen, kehrt Kitten zu Billys Trailer zurück, den er einem sorgfältigen „Frühjahrsputz“ unterzieht. Die versteckten Waffen wirft er ins Meer, sehr zum Ärger der bald darauf eintreffenden IRA-Mitglieder. Kitten gelingt es aber durch sein Verhalten und der Freundschaft zum IRA-Mitglied Irwin mit Müh und Not, mit dem Leben davonzukommen. Irwin muss sich währenddessen an einem Vergeltungsfeldzug beteiligen, da die Autobombe, die Laurence tötete, von einer Gruppe stammte, die die IRA in Misskredit bringen wollte. Irwin wird Zeuge, wie sich die IRA blutig rächt.

Kitten kehrt derweil Irland den Rücken, um im London der 1970er Jahre nach seiner mutmaßlichen Mutter Eily Bergin zu fahnden. Die zwei Adressen, auf die er bei seinen Nachforschungen stößt, führen aber ins Leere. Während er orientierungslos durch London irrt, lässt er sich zum Schlafen in ein Märchenschloss nieder, das zu einem Kinderthemenpark gehört. Hier macht Kitten Bekanntschaft mit dem cholerischen John-Joe, ebenfalls Ire, der sich als Womble im Park sein Geld verdient. Schon bald findet sich Kitten ebenfalls in einem Womble-Kostüm wieder. Er macht außerdem durch sein feminines Äußeres die Bekanntschaft mit einem Prostituiertenmörder, kann diesem aber mit Hilfe seines Billig-Parfums entkommen und trifft auf den heruntergekommenen Magier Bertie, der sich bald in Patrick alias Kitten verliebt. Kitten tritt schon bald als Assistentin in Berties zweitklassigen Showprogrammen auf, wo er sich entzweisägen und hypnotisieren lässt. Bei einer menschenunwürdigen Hypnose-Aktion, in der Kitten jedweden Gegenstand als seine Mutter identifiziert, steht Charlie plötzlich im Publikum, schnappt sich Kitten und entreißt ihn dem verstörten Bertie.

Charlie ist zusammen mit Irwin nach London gekommen. Während Irwin noch immer der IRA sehr nahesteht und mysteriöse Pakete weiterleitet, ist Charlie versehentlich von ihrem Freund geschwängert worden und plant, das Kind heimlich abzutreiben. Gemeinsam mit Kitten besucht sie eine Klinik, um es hinter sich zu bringen, doch sie entscheidet sich in letzter Sekunde gegen eine Abtreibung. Als Kittten in einer Londoner Disco mit einem Soldaten tanzt, explodiert eine Bombe und der als Frau verkleidete Mann wird verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Als man dort feststellt, dass sich hinter Kitten ein männliches Wesen versteckt, ruft man die Polizei, da man den „Terror-Transvestiten“ verdächtigt, die Bombe gelegt zu haben. Kitten erfindet während des brutalen Verhörs aus purer Verzweiflung die Existenz einer Terrorzelle. Nach einer Woche lässt die Polizei Kitten laufen, der gar nicht aus seiner sicheren Zelle wegmöchte, da er nicht weiß, wo er hin soll. Kitten landet auf dem Strich, doch der einschüchternde Polizist Wallis, der ihn verhörte, hat Mitleid mit dem sanften Kitten, holt ihn von der Straße und verschafft ihm einen Job bei einer Gruppe von Ex-Prostituierten, die eine legale Peepshow betreiben. Bei seiner Arbeit holt Kitten die Vergangenheit wieder ein und auf einmal steht Father Bernard vor seinem Guckfenster. Er erklärt, dass er Patrick/Kitten immer geliebt, aber niemals gewusst habe, wie er es ihm beibringen sollte. Er führt Kitten zu seiner Mutter Eily, die zwar noch immer nichts von ihrer Schönheit eingebüßt hat, jedoch ein uninteressantes Leben als Hausfrau fristet. Eily hat noch einen Sohn, der ebenfalls Patrick heißt und 13 Jahre alt ist, eine Tochter und ist schwanger. Sie ahnt nichts von Kittens wahrer Identität, der sich in ein Business-Outfit geschmissen hat und unter dem Vorwand, eine Umfrage für die Telefongesellschaft durchzuführen, um Einlass bittet. Von seinen Emotionen überwältigt verlässt Kitten nach dem Kennenlernen hastig seine Mutter und seinen Halbbruder.

Ein Brief von Charlie verkündet Kitten derweil schreckliche Nachrichten - Irwin wurde ermordet. Die Polizei hat Charlie Dope untergejubelt, um Informationen über Irwins Aktivitäten in der IRA zu erpressen, was die Terroristengruppe blutig rächte. Kitten kehrt nach Irland zurück, wo die schwangere Charlie bereits von Father Bernard aufgenommen wurde. Das seltsame Dreiergespann - eine ergrauter Pastor, eine unverheiratete Schwangere und ein Transsexueller - ziehen den Zorn der Bevölkerung auf sich. Eines Nachts wird durch einen Molotowcocktail die Kirche und das Pfarrhaus in Brand gesteckt. Alles brennt bis auf die Grundmauern ab und Father Bernard schickt Charlie und Kitten nach London, wo sie die Geburt des Kindes abwarten sollen. Der Pastor selbst verspricht nachzukommen, sobald das Kind auf der Welt ist.

Nach der Geburt von Charlies Kind geht Kitten mit dem Baby im Kinderwagen spazieren, um auf Charlie zu warten, die im Krankenhaus eine Nachuntersuchung hat. Als Charlie eintrifft, kommt Eily ebenfalls aus den Gebäuden. Eilys Sohn Patrick, der vor dem Haus gewartet hat, hat Kitten kurz zuvor als Telefonlady erkannt und angesprochen; Kitten bemerkt seine Mutter und schickt Patrick zu ihr zurück. Die Wege von Eily mit Sohn und Kitten, Charlie und dem Baby trennen sich.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Breakfast on Pluto basiert auf dem 1998 veröffentlichten, gleichnamigen Roman des irischen Schriftstellers Patrick McCabe. Das Buch wurde von der Kritik gelobt und kam in die engere Wahl für den renommierten Booker Prize. Der Titel basiert auf einem 1970er-Jahre-Song von Don Partridge, einer Ein-Mann-Folkband namens King of the London Buskers. Der Regisseur Neil Jordan nahm sich des Stoffs an, er hatte bereits 1997 McCabes Roman The Butcher Boy erfolgreich verfilmt. Jordan interessierte sich dabei vor allem für die Frage: „Wie überlebt jemand eine aggressive Welt einfach dadurch, dass er er selbst bleibt?“. Jordan hatte das Drehbuch bereits drei bzw. vier Jahre vor Drehbeginn fertiggestellt, trieb das Projekt aber erst voran, als er Parallelen zu seinem eigenen Leben entdeckte. Der Regisseur und Drehbuchautor hatte die 1960er bzw. 1970er Jahre ebenfalls in Dublin und London verbracht und hatte die Londoner Attentate indirekt miterlebt. Dabei ließ er den Stoff in der Tradition der großen irischen Schriftsteller wie Sean O'Casey zwischen Tragödie und Komödie ansiedeln. Wie Jordans Film The Crying Game für den er 1993 den Preis für das beste adaptierte Drehbuch gewann, handelt auch Breakfast on Pluto von den Themen Transvestitismus und Terrorismus. Trotzdem sieht der Regisseur eher Verbindungen zu The Butcher Boy – Der Schlächterbursche, da sie beide eine verzerrte Kindheit durch die irische Mixtur aus sozialen Druck und Wahnsinn aufzeigen. „‚Pluto‘ ist wirklich eher über eine wunderschöne Seele als über Politik und Gewalt.“, so Jordan. Die Dreharbeiten begannen ab September 2004. Gedreht wurde in der irischen Grafschaft Kilkenny und in Großbritannien. Der Film ist in 36 verschiedene Kapitel gegliedert.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Tragikomödie feierte ihre Premiere am 3. September 2005 auf dem US-amerikanischen Telluride Film Festival. Nachdem der Film u. a. auf dem Toronto International Film Festival (10. September), dem New York Film Festival (1. Oktober) und dem Paris Gay and Lesbian Film Festival (23. Oktober) gezeigt wurde, startete Breakfast on Pluto offiziell am 16. Oktober 2005 in drei US-Kinos. Der Film spielte am Eröffnungswochenende 33.279 US-Dollar ein und konnte bis zum 18. Dezember 2005 einen Brutto-Gewinn von nur 171.967 US-Dollar erzielen. Die fünfzehnte Regiearbeit von Regisseur Neil Jordan wurde von den Kritikern vor allem wegen seiner Erzählstruktur und der Schauspielleistung von Hauptdarsteller Cillian Murphy gelobt, die als eine der bestens des Kinojahres 2005 bewertet wurde.

Kritiken[Bearbeiten]

  • „Bezaubernd und hoffnungsvoll.“ (Chicago Sun-Times)
  • „Die Schauspielleistung von Cillian Murphy ... ist grandios.“ (Globe and Mail)
  • „Murphys Tour de Force als ewig optimistischer Patrick verdient sicherlich eine Oscar-Nominierung. Dank Jordans bravourösen Geschichtenerzählen ist ‚Breakfast on Pluto‘ einer der wenigen Filme dieses Jahr, die es wirklich wert sind, sich ihrer zu erinnern.“ (New York Post)
  • „Murphy ist ein Schauspieler, auf den man aufpassen muss. Sogar in Heels.“ (Rolling Stone)
  • „... ambitioniert und unendlich fesselnd.“ (San Francisco Chronicle)
  • „Ein schlaues, handgemachtes Märchen ...“ (Toronto Star)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  • Die spärlich im Film eingesetzte Pianomusik stammt von Neil Jordans Tochter Anna Jordan.
  • Das Dorf „Tyreelin“, in dem die Hauptfigur aufwächst, ist frei erfunden.
  • Für Produzent Stephen Woolley und Regisseur Neil Jordan ist es die dreizehnte Zusammenarbeit an einem Filmprojekt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei der am 16. Januar 2006 stattfinden Verleihung der Golden Globe Awards wurde Cillian Murphy als bester Hauptdarsteller in einer Filmkomödie bzw. Musical nominiert. Bei der Gegenveranstaltung zu den Golden Globes, den Satellite Awards, wurde Murphy in der gleichen Kategorie nominiert, musste sich aber dem US-amerikanischen Schauspieler Terrence Howard (Hustle & Flow) geschlagen geben.

Europäischer Filmpreis 2006[Bearbeiten]

  • nominiert in den Kategorien
    • Bester Film
    • Bester Darsteller (Cillian Murphy)

Golden Globe Awards 2006[Bearbeiten]

  • nominiert in der Kategorie Bester Hauptdarsteller - Komödie/Musical (Cillian Murphy)

Weitere[Bearbeiten]

Ljubljana International Film Festival 2006

  • Publikumspreis

Satellite Awards 2005

  • nominiert in der Kategorie Bester Hauptdarsteller - Komödie/Musical (Cillian Murphy)

Literatur[Bearbeiten]

  • McCabe, Pat: Breakfast on Pluto. New York : HarperFlamingo, 1998. ISBN 0060193409 (engl. Ausgabe)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 72 kB) der FSK, abgerufen am 10. September 2013
  2. Filmdatenbank des BMUKK, abgerufen am 10. September 2013