Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller

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Der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, gegründet 1928, war ein der KPD nahestehender Schriftstellerverband in der Weimarer Republik.

Die Mitglieder des Bundes bestanden aus zwei Gruppen. Einerseits waren es „bürgerliche“ Schriftsteller, die sich innerhalb der KPD engagierten und offen für neue experimentelle Literaturformen waren. Andererseits gab es echte Proletarier, wie Hans Marchwitza, Willi Bredel und Kurt Held, die über die Arbeiterkorrespondenzbewegung der KPD zum Schreiben gekommen waren und jetzt nach Publikationsmöglichkeiten suchten.

Die Machtkämpfe zwischen beiden Gruppen bestimmten die Entwicklung des Bundes. Die bürgerlichen Schriftsteller warfen den Proletariern die mangelnde Qualität ihrer Produkte vor; die Arbeiterschriftsteller behaupteten, Bürgerliche könnten überhaupt keine proletarische Literatur verfassen.

1931 griff Georg Lukács in die Diskussionen des BPRS ein. Er lehnte dabei die Formexperimente der bürgerlichen Autoren ebenso ab wie die Werke der proletarischen Autoren, die ihn sprachlich und formal allzu penetrant an den Stil kommunistischer Schulungsunterlagen erinnerten. Beiden Gruppen stellte er die bürgerliche Literatur des 19. Jahrhunderts als Vorbild gegenüber.
Lukács wurde damit zu einem der ersten theoretischen Begründer des sozialistischen Realismus, doch wurde seine Position erst in der Zeit des Exils verbindlich.

Die letzte Ausgabe der Linkskurve, der Mitgliederzeitung des BPRS, erschien im Januar 1933. Nach der Machtergreifung bestand der Bund noch einige Zeit weiter, so in Prag, Paris, Wien und in der Schweiz.[1]

Mitglieder[Bearbeiten]

Aktiv im Bund war zudem die Bibliothekarin Hertha Block, die im SA-Gefängnis Papestraße eingekerkert wurde. Zum Gedenken an Block wurde die 2012 eröffnete Hertha-Block-Promenade in Berlin nach ihr benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. In: Lexikon sozialistischer deutscher Schriftsteller. Leipzig 1964, S. 130–135 mit Bibliografie, S. 135.
  • Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland. Eine Auswahl von Dokumenten. 2. durchges. u. erw. Aufl. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1967
  • Literatur der Arbeiterklasse. Aufsätze über die Herausbildung der deutschen sozialistischen Literatur (1918–1933). Bd. 1. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1971
  • Aktionen – Bekenntnisse – Perspektiven, Berichte und Dokumente vom Kampf um die Freiheit des literarischen Schaffens in der Weimarer Republik, hrsg. von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, Sektion Dichtkunst und Sprachpflege, bearbeitet von Alfred Klein, Berlin und Weimar (Aufbau) 1966.
  • Helga Gallas: Marxistische Literaturtheorie – Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, Neuwied (Luchterhand) 1971. ISBN 3-472-61019-0
  • Alfred Klein: Im Auftrag ihrer Klasse. Weg und Leistung der deutschen Arbeiterschriftsteller 1918–1933, Berlin und Weimar (Aufbau) 1972.
  • Der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) 1929–1933. (=Sozialistische Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft) Heft 11/12, Tübingen 1972.
  • Arbeiterdichtung. Analysen – Bekenntnisse – Dokumentationen, hrsg. von der Österr. Gesellschaft für Kulturpolitik, Wuppertal (Hammer) 1973. ISBN 3-87294-041-4
  • Günter Heintz (Hrsg.): Texte der proletarisch-revolutionären Literatur Deutschlands 1919–1933, Stuttgart (Reclam) 1974. ISBN 3-15-009707-X
  • Wolfgang Rothe (Hrsg.): Die deutsche Literatur in der Weimarer Republik, Stuttgart (Reclam) 1974.
  • Walter Fähnders: Proletarisch-revolutionäre Literatur der Weimarer Republik, Stuttgart (Metzler) 1977.
  • Sammlung proletarisch-revolutionärer Erzählungen. Hrsg. Walter Fähnders, Helga Karrenbrock u. Martin Rector. Darmstadt, Neuwied (Luchterhand) 1973.
  • Christoph M. Hein, Der „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands“, Biographie eines kulturpolitischen Experiments in der Weimarer Republik, Münster 1990.
  • Rüdiger Safranski/Walter Fähnders: Proletarisch-revolutionäre Literatur. In: Literatur der Weimarer Republik 1918–1933. Hrsg. Bernd Weyergraf. München 1995, S. 174–231.
  • Walter Fähnders: Zur Erforschung proletarischer Literaturtraditionen. Am Beispiel eines Lexikons. In: Literaturtheorie und Geschichte. Zur Diskussion materialistischer Literaturwissenschaft. Hrsg. Rüdiger Scholz u. Klaus-Michael Bogdal. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996, S. 254–266

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes R. Becher: Bericht über die Tätigkeit während meiner Reise vom 5. Juli bis 27. September 1933. In: Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland, S. 570 ff.

Weblinks[Bearbeiten]