Burg Neuscharfeneck

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Burg Neuscharfeneck
Neuscharfeneck.jpg
Entstehungszeit: um 1232
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Flemlingen
Geographische Lage 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ O49.2527222222228.0218194444444500Koordinaten: 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ O
Höhe: 500 m ü. NN
Burg Neuscharfeneck (Rheinland-Pfalz)
Burg Neuscharfeneck
Wappen von Neuscharfeneck
Torturm von außen
Torturm vom Innenhof
Blick vom Torturm in Richtung Pallas
Blick von der Schildmauer in Richtung Pallas, 1970er Jahre
Rekonstruktionsversuch
Modell der Burg: Rekonstruktion durch Erwin Merz 2012

Die Burg Neuscharfeneck ist eine Burgruine im Pfälzerwald. Sie liegt im Flemlinger Wald östlich von Ramberg (Pfalz) und Dernbach (Pfalz).[1] Die Burg Neuscharfeneck ist als Denkmalzone der Ortsgemeinde Flemlingen der Verbandsgemeinde Edenkoben gelistet.

Lage[Bearbeiten]

Die Ruine der Höhenburg befindet sich im östlichen Teil des Pfälzerwaldes. Sie liegt in etwa 500 Metern Höhe auf dem westlichen Ausläufer des Kalkofen-Berges. Sie steht inmitten von Wald und ist nur über Waldwege zu erreichen.

Blick von der Neuscharfeneck nach Süden

Geschichte[Bearbeiten]

Die Annahme, die Anlage sei um 1232 durch Johann von Scharfeneck vermutlich als Vorwerk für die heute völlig zerstörte Burg Alt-Scharfeneck errichtet worden, stammt aus einer gefälschten Urkunde aus dem 16. Jahrhundert. Die Scharfeneck-Metz gehörten einer Seitenlinie der älteren ausgestorbenen Scharfenecker an, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg Alt-Scharfeneck am Eingang des Hainbachtals bei Frankweiler erbaut hatten. Nach dem Aussterben der Hauptlinie um 1250 erbten die Ritter von Scharfeneck-Metz auch die Burg Alt-Scharfeneck. Bereits im späten Mittelalter war Neu-Scharfeneck der Hauptsitz der Familie, während Alt-Scharfeneck zerfiel. Nachfolgender Besitzer von Neuscharfeneck war Heinrich III. von Scharfeneck und seine Frau Lukardis von Kellenbach, er legte den Beinamen Metz ab. Er stiftete Dernbach eine neue gotische Kirche.[2] Das Wappen der von Scharfeneck: „In Rot ein hersehender, gekrönter, silberner Löwe“.[3]

Die Herren von Scharfeneck stammten aus der Reichsministerialität im Umfeld des Trifels. Nach dem Ende der Stauferherrschaft konnten sie ihre unabhängige Stellung nicht mehr halten und lehnten sich an die Kurpfalz der mächtigsten Territorialherren im Pfälzer Raum an, der Pfalzgrafen bei Rhein. 1363 erhielt der Kurfürst das Öffnungsrecht an der Burg. Die Scharfenecker trugen ihm im selben Jahr ihre Burg als Lehen an und erhielten sie als Mannlehen zurück. Aus ehemaligen Reichsvasallen wurden Dienst- und Lehensleute der Kurfürsten von der Pfalz. Im 14. Jahrhundert verschlechterte sich die finanzielle Lage der Scharfenecker zusehends, woraufhin sie Teile ihrer Burg an die Ritter von Kirrweiler und an das Bistum Speyer verpfändeten. Sie traten auch häufig in kurpfälzischen Kriegs- oder Verwaltungsdienst ein. 1416 starb mit Friedrich von Scharfeneck der letzte des Geschlechtes Scharfeneck-Metz und die Burg fiel an die Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz.

Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche ließ die Burg großräumig ausbauen. Unter seiner Herrschaft entstanden die Vorburg, die Schildmauer und der große Wohnbau, der das kleine Ritterhaus auf dem Burgfelsen ablöste. Diese erste Wohnanlage wurde abgerissen. 1469 stiftete er seinem Sohn Ludwig (1463–1524) (aus der Verbindung mit der Augsburgerin Clara Dett) die Herrschaft Scharfeneck, mit der Burg Neu-Scharfeneck als Zentrum.

Ludwig war von 1477 bis 1523 "Herr von Scharfeneck". 1488 erhielt er Stadt und Burg Löwenstein im Landkreis Heilbronn. Er nannte sich fortan Graf von Löwenstein, Herr von Scharfeneck und war Begründer des späteren Fürstenhauses Löwenstein-Wertheim.

In der Regierungszeit seines Sohns und Nachfolgers Graf Friedrich I. von Löwenstein (1502–1541) wurde im Jahr 1525 die Burg im Pfälzischen Bauernkrieg vom Nußdorfer Bauernhaufen niedergebrannt. Der Haufen konnte die Burg ohne größere Probleme einnehmen, da es der Burghauptmann versäumt hatte, die Burg mit Schießpulver zu versehen. Nach dem Bauernkrieg wurde die Burg in Fronarbeit als Schlossanlage wieder aufgebaut.[4]

In den Händen der Löwenstein-Scharfeneck verblieb die Burg bis zu ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Sie wurde um 1629 oder aber 1633 von den Schweden „mit Pulver in die Luft geschickt“ und ist seitdem Ruine. 1828 gelangte sie durch die Teilung der Haingeraiden in den Besitz der Gemeinde Flemlingen.

In heutiger Zeit kümmert sich der 1971 gegründete „Scharfeneck-Verein e.V“ um die Erhaltung der Burg. In der Zeit bis 2004 investierte der Verein über 250.000,- Euro in die Burg.[5] Am 27.Oktober 2013 besuchte Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg die Stammburg seiner Vorfahren, wurde dort vom Scharfeneck-Verein offiziell empfangen und durch die Anlage geführt.

Anlage[Bearbeiten]

Die erste Burganlage des 13. Jahrhunderts war wesentlich kleiner als die heutige Ruine. Von der hochstaufischen Burg sind nur geringe Reste erhalten.

Die gesamte Anlage misst ca. 150 × 60 Meter. Ihre von ca. 1212 bis 1232 erbaute, in den Jahren 1470 und 1530 erweiterte Schildmauer ist mit 58 Metern Länge[6] und 12 Metern Stärke die mächtigste der Pfalz. Innerhalb der Schildmauer befinden sich nur relativ wenige begehbare Gänge, Kammern und Kasematten. Sie diente daher - abgesehen von der nicht mehr erhaltenen abschließenden Plattform - hauptsächlich der passiven Deckung der dahinter befindlichen Burg.[7] Der ursprüngliche Zugang erfolgte über eine Zugbrücke durch die Schildmauer in die Burg.

Im Burggarten wurden seltene Kräuter wie Weiß Bülsen, Ingräu und Kloster Hysop angepflanzt.

Es gibt noch einen teilweise erhaltenen Torbau mit Flankierungsturm. Vier im 13. Jahrhundert aus dem Felsen gemeißelte Wasserbecken wurden als Zisternen mit Regenwasser und ab dem 16. Jahrhundert aus der zwei km entfernten Roßbergquelle über Ton- und Deichelleitungen versorgt.

Die 30 m lange Oberburg auf dem zentralen Felsen war der 1212 bis 1232 erste errichtete Wohnbau und ist leider nicht erhalten, wohl aber eine unzugängliche in den Fels gehauene Kammer und Treppen und der Brunnenbau.

Der neuere Wohnbau (Palas) mit doppeltem Abortschacht wurde um 1470 erbaut und um 1530 schloßartig umgestaltet. Der Abortschacht hat eine lichte Weite von 0,75 - 2,75m und stellt eine Weiterentwicklung der hochmittelalterlichen Aborte dar, die lediglich als unten offener Erker ausgeführt waren.[8] Der während des Verfalls eingestürzte Giebel des Palas wurde 1978/79 wieder aufgebaut. Vom Wohnbau gibt es einen Durchgang zu den Kammern in der Schildmauer. Darunter liegt ein Keller welcher 1891 frei gelegt und zugänglich gemacht wurde.

Weiter zu sehen sind auch Reste von Küche und Schmiede.

Zu Ehren ihrer in den Weltkriegen gefallenen Mitglieder errichtete die Sektion Landau des Deutschen Alpenvereins ein Denkmal in den gegenüberliegenden Felsen des Burggrabens in Form eines Edelweiß gehauen.

Sagen[Bearbeiten]

Laut einiger Sagen war der Ritter Einaug von Scharfeneck ein böser Schlossherr. Die Bauern des Dernbachtales mussten ihm den Zehnt geben, ihm Frondienste leisten und Zins zahlen. Er überfiel und tötete auch einige vorbeiziehende Kaufleute und Geistliche. Wer in seinem Wald Holz holte, wurde mit Kerkerhaft bei Wasser und Brot bestraft. Wer heiraten wollte, musste die erste Nacht in seiner Burg in getrennten Zimmern verbringen, manch Jungfrau soll er dabei entehrt haben. Außerdem begehrte er die Gemahlin seines Nachbarn, des Ritters von Ramberg auf der Ramburg. Alle Versuche des Einaug, sie zu überreden, ihren Mann zu verlassen und ihn als Gemahl zu nehmen, scheiterten. Er versprach daher seinem Knecht eine hohe Belohnung, wenn er seinen Rivalen ermorden wolle. Der Knecht kletterte nachts unbemerkt auf die Mauern der Ramburg. Als der Ritter von Ramberg sich in früher Morgenstunde über den Hof in Richtung der Kapelle begab, schoss ihm der Knecht einen vermeintlich tödlichen Pfeil durch die Brust und konnte unerkannt entkommen.

Doch der Ritter von Ramberg überlebte und genas schnell. Der Einaug nannte seinen Knecht einen Stümper, gab ihm aber eine zweite Chance. Gemeinsam ritten sie zur Ramburg und besuchten den Ritter von Ramberg unter dem Vorwand, dass sie sich um ihn sorgen und sich seiner guten Genesung sichergehen wollten. Der Ramberger ahnte den Betrug nicht und freute sich über den Besuch. Zusammen zechten sie bis in die Nacht hinein.

Der Ramberger lud seine Gäste ein über Nacht zu bleiben. Bevor sie ihre Zimmer bezogen, merkte sich der Knecht das Zimmer des Rambergers. In der Nacht suchte er dieses auf, um den Ritter mit seinem Dolch zu töten. Das Zimmer war aber leer, der Ramberger war kurz austreten gegangen. Der Knecht vermutete sich im falschen Zimmer und wählte die nächste Tür. Hier schlief jedoch sein eigener Herr. Erst als er ihn erstochen hatte bemerkte er seinen Fehler. Vom Ramberger auf frischer Tat ertappt, wurde der Knecht wegen Mordes erhängt.

Wegen seiner Freveltaten kam Einaug in die Hölle. Als verwunschener Geist soll er auf der Burg Scharfeneck fortan 700 Jahre weiterhin sein Unwesen treiben. Von Zeit zu Zeit soll er in dunklen Nächten auf dem Schlossberg und im nahe liegenden Ort Dernbach auftauchen und vergrault alle die einem unehrlichen Beruf nachgehen.[9][10]

Eines Tages folgte der Geist des Einaug einem Pottaschesieder von Dernbach durch den Wald bis zu dessen Hütte. Der Pottaschesieder sah in ihm nur einen blassen und erbärmlichen Mann, er bat ihn in seine Hütten und war gastfreundlich. Der Geist des Einaug bat den Pottaschsieder ihn von seiner 700-jährigen Verwünschung zu befreien. Der Pottaschsieder stimmte zu. Der Geist des Einaug gab ihm eine goldene Rose, mit dieser müsse er in die Burg Scharfeneck gehen und im letzten Gemach eine schwarze Kiste damit öffnen, dann sei er erlöst von seiner Verwünschung. Bei der Burg sah der Pottaschesieder ein großes Tor, wie er es zuvor noch nie auf der Burg gesehen habe. Er durchschritt es, so wie viele Räume, in denen Rüstungen an den Wänden hingen oder in einem anderen eine feine Gesellschaft am reich gedeckten Tisch saß. Im letzten Raum entdeckte er die Kiste, doch darauf saß ein großes und dunkles Untier. Gerade als er die Rose in das Schloß stecken wollte, riss das Untier sein Maul auf. Der Pottaschesieder bekam es mit der Angst zu tun, ließ die Rose fallen und rannte davon. Wenn die 700 Jahre noch nicht vorüber sind, geht der Einaug immer noch als Geist umher.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz: Topographische Karte Annweiler am Trifels, 4. Auflage 1999, ISBN 3-89637-288-2
  2. Rolf Übel: Pfälzisches Burgen-Lexikon III I-N, S. 755-771, Kaiserslautern 2005, ISBN 3-927754-51-X
  3. Bernhard Peter: Photos schöner alter Wappen Nr. 290, Kreuzwertheim (Mainfranken)
  4. Günter Stein: Burgen und Schlösser in der Pfalz, Frankfurt 1976, ISBN 3-426-04405-6
  5. Homepage des Scharfeneck-Verein e.V.
  6. Arndt Hartung: Pfälzer Burgenbrevier,Landau 1985, ISBN 3-9801043-0-3
  7. Otto Piper: Burgenkunde, Weltbild: Augsburg 1996, S. 276.
  8. Otto Piper: Burgenkunde, Weltbild: Augsburg 1996, S. 490f.
  9. Die Rheinpfalz - Südwestdeutsche Zeitung - 16. Juni 2007
  10. Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. S. 387–396, Edenkoben 2000, ISBN 3-9804668-3-3.
  11. Tatjana Stegmann: Der Einaug von Scharfeneck in Oma Nagers Pfälzer Sagen - Von Teufeln, Gespenstern und bösen Rittern, RHEINPFALZ-Verlag, 2008, ISBN 978-3-937752-06-8

Literatur[Bearbeiten]

  •  Marco Bollheimer (Hrsg.): Felsenburgen im Burgenparadies Wasgau - Nordvogesen. 43 Burgbeschreibungen, 471 Farbfotos…. 3., erweiterte Auflage. Verlag M. Bollheimer, Karlsruhe 2011, ISBN 978-3-9814506-0-6, S. 28-31.
  •  Rolf Übel, Klaus Beck: Burg Neuscharfeneck. Uff dem Mantell undt in der Salstuben, mit Bastian auf der Burg anno 1578. 1. Auflage. 2009, ISBN 978-3929893199.
  • Alexander Thon (Hrsg.): „… wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg“. Burgen in der Südpfalz. 2., verbesserte Aufl. Regensburg 2005, S. 122-127. ISBN 3-7954-1570-5
  • Walter Herrmann: Auf Rotem Fels, S. 150-155, Leinfelden-Echterdingen 2004, ISBN 3-7650-8286-4
  • Rolf Übel: Burg Neuscharfeneck bei Dernbach, Kreis Südliche Weinstraße. Verlag für Burgenkunde und Pfalzforschung, Landau 1998 ISBN 3-929893-04-5
  • Jochen Goetze: Burgen in der Pfalz, S. 46-50, Heidelberg 1991, ISBN 3-921524-94-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Neuscharfeneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien