Toilette

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Dieser Artikel behandelt die sanitäre Einrichtung; weitere Bedeutungen sind unter Toilette (Begriffsklärung) und Latrine (Begriffsklärung) aufgeführt.
Verkehrsschild an Bundesautobahnen in Deutschland
Historischer Toiletten-Wegweiser
Das Logo der Welttoilettenorganisation

Die Toilette /to̯aˈlɛtə/ (von frz. toile ,Tuch’), auch Klosett (von engl. Closet, im Deutschen kurz Klo), Abort, Latrine, Null-Null (von 00) oder WC (von engl. water closet ,Wasserklosett’) ist eine sanitäre Vorrichtung zur Aufnahme von Körperausscheidungen (insbesondere Kot und Urin). Daneben wird der Raum, in dem sich eine solche Vorrichtung befindet, ebenfalls Toilette genannt. Eine Toilette dient einer umfassenderen Nutzung als das lediglich zur Abführung von Urin errichtete Urinal.

2001 wurde die Welttoilettenorganisation gegründet, welche die weltweite Verbesserung der hygienischen Verhältnisse an oder in Toiletten zum Ziel hat. Von ihr stammt auch der Welttoilettentag.

Begriff[Bearbeiten]

So genannter Donnerbalken mit Soldaten des Ersten Weltkriegs

Der Begriff Toilette leitet sich vom französischen toile, toilette ab, dem Tuch bzw. kleinem Tuch, mit dem man sich für seine Notdurft von der Umgebung abschirmte. Andere – zumeist scherzhafte und/oder veraltete/veraltende – Bezeichnungen für diesen (kleinen) Raum sind der Lokus (von lat. locus necessitatis „Ort der Notdurft“), die Latrine (lat. lavare „sich baden/waschen“), das Privé (franz. privé „vertraulich, privat“), die Retirade (lat.-ital.-franz. „Ort des Rückzugs“), der Abtritt (eine Variante des Austretens), der Abort oder auch das stille Örtchen. Vulgärbezeichnungen sind Scheißhaus (mittelhochdeutsch schîzhûs war hingegen noch nicht anstößig), Schlotte – eigentlich ein Hohlraum in wasserlöslichem Gestein – oder besonders im Militärjargon Donnerbalken. Dialektale Begriffe sind in Österreich und Bayern auch Häusl, in der Schweiz Hüüsli, verbreitet im Südwesten des deutschen Sprachgebiets sodann AB (verhüllend für Abort oder Abtritt). Früher übliche verschleiernde Begriffe waren ferner Heimlichkeit oder heimliches Gemach sowie Dansker oder auch Kamerun.

Alle diese Bezeichnungen zeigen das hohe Schamgefühl gegenüber einem der intimsten menschlichen Themen sowie dem Wunsch nach dem Alleinsein während der Benutzunge einer Toilette und sind damit Euphemismen, die sich aus Dingen der Umgebung der Toilette ableiten lassen; keines meint in seinem Ursprung die Schüssel selbst.

Hinweisschilder an Toiletten tragen oft die Aufschrift 00 oder 0. Das ergab sich, weil in Hotels im 19. Jahrhundert die Toilettenräume üblicherweise in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses lagen. Da dort meist die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die Toilettenräume die Zimmernummer 0 oder auch zweistellig 00.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike öffentliche latrinae in Ostia Antica
Militärische Mannschaftstoilette im Kastell Housesteads am römischen Hadrianswall; im Hintergrund ist der Spülwasserbehälter zu sehen
Von mehreren Haushalten genutzte Latrine in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba
Schultoilette aus Portz um 1900 im Volkskunde- und Freilichtmuseum Roscheider Hof

Die Existenz von Latrinen war vormals für verschiedene Handwerke wichtig, weil Urin Ammoniak enthält und zum Textilien färben, Gerben[1][2] und Lederfärben[3] sowie zum Wäsche waschen[4] verwendet wurde. Das Sprichwort »Pecunia non olet« (Geld stinkt nicht) hat seinen Ursprung in einer römischen Latrinensteuer.

Gut ausgebaute Abortanlagen gab es bereits um 2800 v. Chr. in Mesopotamien. In den Städten des Altertums mündeten die Abflüsse in die großen Abwasserkanäle, die sogenannten Kloaken. Die bekannteste war die Cloaca Maxima in Rom. Die Römer besaßen auch WCs, Latrinen, bei denen die Fäkalien hygienischer durch fließendes Wasser entfernt wurden, insbesondere in öffentlichen Anlagen, Häusern der Reichen und in villae rusticae (Landhäusern von Großgrundbesitzern).[5] Diese Technologie ging mit dem Ende des Römischen Reiches verloren.

Im Mittelalter gab es in isoliert stehenden Gebäuden, etwa Burgen oder Klöstern, Toiletten in Form von Nischen und Erkern (Aborterker), die oft einfach ins Freie führten. Im städtischen Bereich wurden Toiletten in der Regel als Sickergruben angelegt. In großzügigen Schloss- und Palaisbauten des 17. und 18. Jahrhunderts war die Beseitigung der Abwässer und Fäkalien noch ungelöst. Die unzureichende Ausstattung hatte zur Folge, dass für die Notdurft ohne Hemmungen Korridore, Flure, Raumecken, Eingänge und Durchfahrten sowie Höfe, Gärten und Parkanlagen benutzt wurden und ein penetranter Geruch die Schlösser durchzog. Die Abwässer wurden in Gräben, Gewässer oder Kanäle geleitet (→ Necessarium) oder sie versickerten einfach im Boden. Die Anlage von Sammelrohren wurde zwar angestrebt, aber kaum durchgeführt. Die Hauswasserversorgung erfolgte meist durch hauseigene Pumpen, Schöpf- und Ziehbrunnen, mit der Gefahr der Verseuchung durch ungeklärte Abwässer. Schlafgemächer und Kabinette waren mit tragbaren Leibstühlen oder kleinen Lavoirs ausgestattet.

Die Toilette König Wilhelm III. von England mit samtbespanntem Sitz, Hampton Court, London

Im Jahr 1596 erfand Sir John Harington das Wasserklosett, seine Erfindung geriet aber wieder in Vergessenheit. 1775 erhielt der englische Erfinder Alexander Cummings das Patent für seine Ausführung eines Wasserklosetts. 1777 erhielt Samuel Prosser ein Patent für ein 'plunger closet'. Ein Jahr später entwickelte Joseph Bramah einen Toilettentyp, der häufig auf Schiffen und Booten eingebaut wurde.[6] Gazeneuve et Companie erfand in Paris zu Beginn des 19. Jahrhunderts den geruchlosen beweglichen Abtritt, der viel zu einem verbesserten Wohnwert beitrug. Er verbreitete sich rasch und beschäftigte unter anderem den Münchner Architekten Leo von Klenze, der diese technische Innovation 1822 im neu erbauten Palais Leuchtenberg installierte.

Wo in Deutschland die erste Toilette mit Wasserspülung installiert wurde ist strittig. Bekannt ist, dass im Schloss Ehrenburg in Coburg 1860 eine installiert wurde. Sie wurde damals für Queen Victoria, die dort häufig zu Gast war, eigens aus England importiert. Älter ist das WC im Schloss Bad Homburg. Die Ehefrau von Landgraf Friedrich Josef VI., Elisabeth, eine Tochter des englischen Königs Georg III., ließ bereits 1820 eine Toilette mit Wasserspülung bauen. Diese ist nicht mehr erhalten, da sie späteren Renovierungen zum Opfer gefallen ist. Der Entwickler des WC ist der englische Klempner George Jennings (1810–1882), er stellte es auf der Great Exhibition im Jahre 1851 im Hyde Park in London aus. Besonders für das Mittelalter und die frühe Neuzeit sind Latrinen wichtige archäologische Quellen, da außer den Exkrementen auch andere Abfälle in die Gruben gelangten und die Erhaltungsbedingungen für organisches Material wegen des Sauerstoffmangels und dadurch fehlender Oxidations- und Gärprozesse dort meist gut sind.

Ein städtisches „Klo-Museum“ (Museum für historische Sanitärobjekte) existiert in Gmunden (Oberösterreich)[7] und in Graz ein „Kleines Sanitärmuseum“[8], ein privates Klo-Museum in Wiesbaden.[9]

Typen[Bearbeiten]

Porzellanstandardbecken[Bearbeiten]

Typische Tiefspültoilette amerikanischer Bauart mit Druckspüler. Im Sumpf die Wasserstrahlöffnung in den Siphon

Am weitesten verbreitet ist WC aus Porzellan mit Toilettenspülung und Kanalisation. Hierbei gibt es drei Hauptbauarten:

Tiefspüler[Bearbeiten]

Sitzklo, bei dem die Ausscheidungen in das Wasser eines Siphons fallen, der sich unter dem Gesäß des Benutzers befindet. Dadurch ist die Geruchsentwicklung gering, weil das Wasser den Kontakt der Exkremente mit der Raumluft verhindert. Ein Nachteil gegenüber dem Flachspüler ist jedoch, dass das Wasser oft an das Gesäß hochspritzt. Diese Form ist zum Beispiel in Nordamerika, Frankreich und England sowie zunehmend in Österreich und Deutschland üblich.

Eine Abwandlung dieses Spülsystems ist das Kaskaden-WC (auch Cascade-Spüler genannt), der Ablauf zum Siphon ist hierbei ganz hinten (wandseitig), das Hochspritzen des Wassers wird durch eine Keramikzunge verhindert.[10][11][12]

Der Spülvorgang unterscheidet sich bei europäischen und nordamerikanischen Toiletten: während in Europa das beim Spülen einlaufende Wasser die Exkremente wegtransportiert, wird in Nordamerika in den oft mehrfach mäandernden Siphon ein Teil des Spülwassers als Wasserstrahl eingeleitet[13].

Die Funktion ist die einer Strahlpumpe, das Wasser dient als Treibmedium, zum Spülende dem eines Saugheber. Der Inhalt der Schüssel wird somit durch Sog entleert und dann wieder aufgefüllt. Ein häufiges Problem bei Tiefspüler-WCs sind durch Ablagerungen verengte Abflussrohre. Die Folge ist, dass das WC-Becken durch das Spülwasser schneller gefüllt wird, als es sich durch den Abfluss entleert. Die Exkremente schwimmen oben, und nur das Wasser aus dem tieferliegenden Teil des Siphons läuft langsam ab. Der Wasserstand in amerikanischen Tiefspülern ist zudem deutlich höher als in europäischen.

Flachspüler[Bearbeiten]

WC-Flachspülbecken mit nicht wassersparendem Spülsystem, stehend

Sitzklo, bei dem sich unter dem Gesäß des Benutzers eine Art Stufe befindet, auf die die Ausscheidungen fallen. Die Ausscheidungen verschwinden erst beim Spülen über das Siphon in das Abwassersystem. So besteht die Möglichkeit, eine Stuhlprobe zu nehmen, wie es in Krankenhäusern und bei Ärzten sinnvoll ist. Der größte Nachteil dieser Bauart ist die starke Geruchsentwicklung, weswegen öffentliche und private Toiletten seit den Neunzigern auf Tiefspüler umgerüstet wurden und werden. Der Ablauf zum Siphon ist beim Flachspüler vorne (zur Raummitte).

Hocktoilette[Bearbeiten]

Hockklo an einer französischen Autobahntankstelle

Bei einer Hocktoilette (manchmal auch Stehtoilette genannt) sitzt der Benutzer auf keiner Schüssel, sondern befindet sich in Hocke. Die Toilette kann dabei ein einfaches Loch oder eine Rinne im Boden sein, inzwischen gibt es aber auch größere, beckenähnliche Konstruktionen. Hocktoiletten sind in Asien, Südeuropa und islamischen Ländern verbreitet. Da kein Kontakt entsteht, werden sie oftmals als besonders hygienisch angesehen. Für Unerfahrene ist die Benutzung durchaus schwierig. Umgekehrt kann auch die Benutzung eines Sitzklos ein Problem für Menschen darstellen, die daran nicht gewöhnt sind und den Kontakt zwischen Gesäß und Klobrille als unhygienisch empfinden. Bemerkenswert ist bei der Hockstellung, dass der Enddarm nicht abgeknickt wird, anders als bei Sitztoiletten.

Bauarten in Verkehrsmitteln[Bearbeiten]

Reisetoilette, ca. 1850, Schloss Eutin

Offene Bauart[Bearbeiten]

Bei der „offenen Bauart“ spricht man auch von einer Fallrohrtoilette, bei der die Entleerung direkt nach außen erfolgt. Bei der Eisenbahn war dies früher das am weitesten verbreitete System. Den Vorteilen der einfachen Bauart, der ständigen Verfügbarkeit und der nicht notwendigen Entleerung stehen Verschmutzungs- und Umweltprobleme gegenüber.

Geschlossene Bauart[Bearbeiten]

Toiletten mit geschlossener Bauart haben einen Abwassertank, der normalerweise alle ein bis zwei Tage ins Abwasser entleert wird. Die geschlossenen Bauarten (mit oder ohne Behandlung der Abwässer) werden heute überwiegend per Unterdruck entleert; dies ermöglicht es, beim Spülen Wasser zu sparen.

Vakuumtoiletten
Vakuumtoiletten werden in Flugzeugen, auf Schiffen, modernen Zügen sowie in der bemannten Raumfahrt eingesetzt. Toiletten im Weltraum sind wegen der fehlenden Schwerkraft nach einem staubsaugerähnlichen Prinzip konstruiert. Die Öffnung ist nur ca. handtellergroß, und die Benutzung muss trainiert werden.
Chemische Behandlung der Abwässer
Vorteil von Chemietoiletten ist, dass das Abwasser weniger oft entsorgt werden muss; Nachteil sind die umweltschädlichen Chemikalien.
Biologische Behandlung der Abwässer
Dabei wandeln Mikroorganismen das Abwasser so um, dass der Wasseranteil wieder als Brauchwasser verwendet werden kann. Biologische Toiletten ermöglichen lange Entleerungszyklen. Nachteil ist, dass das System „umkippen“ kann, wenn beispielsweise die WC-Muschel mit den falschen Chemikalien gereinigt wird.

Weitere Toilettenformen[Bearbeiten]

Alternativ werden zunehmend auch Vakuumtoiletten dort eingebaut, wo eine Stoffstromseparation notwendig ist (wie in der radiologischen Abteilung von Krankenhäusern) oder wo eine ökologische Abwasserbehandlung mit Anaerobverfahren vorgesehen ist. Teilweise werden auch sonstige Toiletten mit der Möglichkeit einer Urinseparation erprobt.

Recht[Bearbeiten]

Nutzungshinweise in einem öffentlichen automatischen WC

Die Pflicht zur Errichtung von Toiletten kann sich aus verschiedenen Rechtsnormen ergeben. In Deutschland regeln die Bauordnungen der Länder den Bau von Toiletten, die in der Regel über Wasserspülung verfügen müssen. Teilweise sind auch Toiletten für Rollstuhlfahrer, also barrierefreie WCs, vorzusehen. Barrierefreiheit ist Gegenstand der VDI 6008 Blatt 2 und einiger DIN-Normen. Dabei werden nicht nur Abmessungen geregelt. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass Arbeitnehmern für Männer und Frauen getrennte Toilettenräume bereitgestellt oder eine getrennte Nutzung ermöglicht werden muss. Weitere Vorschriften finden sich im Gaststättenrecht. Für kleine Gaststätten schreiben nicht mehr alle Bundesländer getrennte Toiletten vor. Der Bedarf an Sanitärobjekten sowie die Ausstattung der Sanitärräume sind Gegenstand anerkannter Regeln der Technik, insbesondere der Richtlinienreihe VDI 6000. Diese Richtlinienreihe besteht aus den einzelnen Richtlinien

  • VDI 6000 Blatt 1: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Wohnungen (2008-02)
  • VDI/BV-BS 6000 Blatt 1.1: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Grundlagen und Systeme; Vorgefertigte Sanitär-Bauelemente (Fertigsanitärräume, Installationssysteme) (2012-02)
  • VDI 6000 Blatt 2: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Arbeitsstätten und Arbeitsplätze (2007-11)
  • VDI 6000 Blatt 3: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Versammlungsstätten und Versammlungsräume (2011-06)
  • VDI 6000 Blatt 4: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Hotelzimmer (2006-11)
  • VDI 6000 Blatt 5: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Seniorenwohnungen, Seniorenheime, Seniorenpflegeheime (2004-11)
  • VDI 6000 Blatt 6: Ausstattung von und mit Sanitärräumen; Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen (2006-11)

Anforderungen zu öffentlichen Toiletten sind in der Richtlinie VDI 3818 "Öffentliche Sanitärräume" enthalten.

Bedarfsermittlung[Bearbeiten]

Grundlegend für die Planung von Sanitäranlagen ist die Bedarfsermittlung. Der Bedarf an Sanitärobjekten (WCs, Urinale, Waschbecken usw.) wird auf der Grundlage von Annahmen darüber ermittelt, wie viele Menschen gleichzeitig als Nutzer infrage kommen. Die Bedarfsermittlung im Bereich von Wohnungen ist trivial. In allen anderen Bereichen ist zu prüfen, welche Gleichzeitigkeiten anzusetzen sind. So ist z. B. bei Versammlungsstätten bei Theateraufführungen von einer deutlich höheren Gleichzeitigkeit (feste Pausenzeiten) auszugehen als bei einer Messe. Für die verschiedenen Fälle liefert VDI 6000 Vorgaben.

Abmessungen, Ausstattung, Randbedingungen[Bearbeiten]

Zur Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit und des Zugangs sind bestimmte Abmessungen (Verkehrs- und Bewegungsflächen, Kabinenmaße) einzuhalten. Zur Sicherstellung des Zugangs zur Rettung hilfloser Personen wird beispielsweise empfohlen, Kabinentüren möglichst nach außen öffnen zu lassen; wo dies nicht möglich ist, muss eine größere Kabinentiefe vorgesehen werden. Die Höhe des WC-Sitzes z. B. ist entscheidend im Fall von barrierefreien Anlagen, aber auch in Kindertagesstätten und Schulen. Die je nach Umfeld als üblich zu betrachtenden Ausstattungen werden in den Richtlinien der Reihe VDI 6000 tabellarisch vorgegeben. Im öffentlichen Raum besteht vielfach die Anforderung nach Vorkehrungen gegen Vandalismus. Bedingt durch den demografischen Wandel steigt nicht nur im öffentlichen Bereich, sondern auch im Wohnumfeld der Bedarf an barrierefreien Sanitäreinrichtungen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Es gibt weltweit etwa 2,5 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Toiletten haben.[14]

Wasserverbrauch[Bearbeiten]

Ein WC-Siphon, zugesetzt mit tonartigen Schlämmen (vor Allem Urin-Stein): zu wenig Spülung wegen Wasser-Sparens.

Veraltete Spülkästen, meist überkopf montiert, verbrauchen für einen Spülvorgang 9–12 Liter und der Spülvorgang kann nicht unterbrochen werden. Aufgrund verbesserter Wasserführung im Toilettenelement genügen heutzutage dafür sechs Liter, mittels Spartasten kann die Wasserspülung unterbrochen werden oder nur mit drei Litern gespült werden. Hugo Feurich[15] entwickelte ein WC, das zwei Liter für einen „großen“ Spülvorgang benötigt.[16][17]

In vielen europäischen Ländern, auch in Japan, haben sich heute Toiletten durchgesetzt, bei denen wahlweise mit viel oder mit wenig Wasser gespült werden kann („Spül-Stopp-Wasserspartechnik“, „Zwei-Mengen-Spülsystem“). In anderen Ländern, wie den USA, wo die Hersteller eher mit generell wassersparenden Toiletten experimentieren, sind Toilettenspülungen mit Wahlschalter noch kaum im Handel.

Geschlechtspezifisches[Bearbeiten]

Eine Trennung nach Geschlechtern ist für öffentliche Toiletten so typisch, dass ein Piktogramm, das einen Mann und eine Frau durch einen Strich getrennt zeigt, meist als Hinweis auf eine öffentliche Toilette interpretiert wird, obwohl das Piktogramm selbst keine Toilette zeigt. In einer sogenannten Unisex-Toilette ist keine Trennung nach Geschlecht vorgesehen. Hier wird meist aus Platzspargründen für Mann und Frau nur eine Räumlichkeit mit Toiletten zur Verfügung gestellt (für die Fahrgäste eines Zuges oder in einem mobilen WC, Kennzeichnung als unisexuell meist mit 00 oder WC). Gelegentlich findet man neben dem Klosett ein Bidet, in dem man den After und die Genitalien waschen kann. In öffentlichen Herrentoiletten sind Urinale oder Pinkelrinnen zum Urinieren üblich. In privaten Haushalten sind sie jedoch selten anzutreffen. In japanischen Frauentoiletten findet sich häufig ein Otohime, das ist ein kleiner Lautsprecher, der die Körpergeräusche übertönen soll. Italienische Toiletten verfügen hingegen meistens über ein Gebläse, das die Gerüche beseitigt. In öffentlichen Frauentoiletten in den Vereinigten Staaten ist in der Zelle gelegentlich ein zusammenfaltbarer Kindersitz an die Wand montiert, auf dem Kleinkinder mit einem Gurt gesichert abgesetzt werden können, während die Mutter die Toilette benutzt.

Regionales[Bearbeiten]

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Humorvolle Interpretation zum Thema Abfalltrennung in einer Berliner Restauranttoilette.
Typische Toilette in Japan mit Bedienelementen

In Industrieländern findet man häufig am Beckenrand von Toiletten sogenannte Duftspüler, die Toilettensteine enthalten. Sie sollen durch Abgabe von Düften unangenehme Gerüche überlagern und teilweise auch die Hygiene erhöhen.

Sitztoiletten sind in arabischen Ländern stets mit einem Wasserschlauch zur persönlichen Hygiene und oberflächlichen Reinigung der Toilette sowie einem Abfalleimer ausgestattet. Das Benetzen der Umgebung mit Wasser lockt dann wegen des entstehenden feuchtwarmen Klimas oft Ungeziefer (Schaben) an. Der Abfalleimer dient dazu, gebrauchtes Toilettenpapier aufzunehmen, das nicht in die Toilette heruntergespült wird, da das Abwassersystem dieser Länder nicht dafür ausgelegt ist und folglich verstopfen würde.

In Teilen des Nahen Ostens ist die Benutzung der Toilette in einer Moschee Männern vorbehalten. Auch in Restaurants, auch solchen mit sogenanntem Familienabteil, fehlen oft Damentoiletten. 2006 öffnete im Basarviertel der nordirakischen Stadt Arbil eine erste öffentliche Damentoilette.

An öffentlichen Toiletten wird oft eine Bezahlung für die Benutzung verlangt, da Wassergebühren und Reinigungskosten zu decken sind. So wird in Gaststätten an belebten Orten eine WC-Gebühr für Nicht-Gäste ausgeschrieben. Eine Nette Toilette ist eine in Deutschland von Händlern und Gastronomen kostenlos zur öffentlichen Nutzung bereitgestellte Toilette. Dafür erhalten diese eine Aufwandsentschädigung der örtlichen Stadtverwaltung, und diese spart im Gegenzug die Kosten für eigene öffentliche Toiletten ein.

Ausgestaltungen[Bearbeiten]

Mobile Toilettenkabine, wie sie auf Baustellen und bei Großveranstaltungen eingesetzt wird

Toiletten sind Orte des Individualismus, weil der Nutzer allein auf der „Schüssel“ hockt und dennoch indirekt mit der (nachfolgenden) Öffentlichkeit in Kontakt steht. In häufig frequentierten Toiletten, wie bei Bahnhöfen, Gaststätten oder Universitätsgebäuden der Fall, werden Klosprüche an die Kabinen-Innenwände geschrieben. Daraus abgeleitet sind Latrinenparolen oder Scheißhausparolen Gerüchte, die ursprünglich bei Gesprächen auf Toiletten entstehen. Das Wort stammt aus der Soldatensprache, da sich an der dortigen Sickergrube oder auch Latrine alle Mannschaftsgrade zur gemeinsamen Entleerung trafen. Heute werden die Begriffe umgangssprachlich auch außerhalb des Militärs benutzt für nicht ernst zu nehmende oder zu pessimistische Aussagen.

In deutschen Toiletten finden sich öfters auch Gags oder Gimmicks. So sind auf kostenpflichtigen Autobahntoiletten Karikaturen über den Pissoirs oder es sind Monitore installiert. Eine Erlebniskneipe in Berlin trägt seit 1985 den Namen „Klo“ und ist zu diesem Thema auch designt, beispielsweise mit Kloschüsseln statt Stühlen.

Phobien[Bearbeiten]

Andererseits gibt es Menschen, die unter der Phobie Paruresis leiden und Angst vor dem Urinieren in öffentlichen Toiletten haben, ähnliche Ängste gibt es auch beim Stuhlgang („Rhypophobie“). Die Ursachen solcher Phobien sind unterschiedlich, aber mitunter durch die erzogene Kultur bedingt. In französischen öffentlichen Toiletten fallen große Trennwände an den Stehurinalen auf, die es arabischen Nutzern und anderen eingewanderten Ethnien erleichtern, diese Toilettenformen zu nutzen.

In Lausanne befindet sich ein öffentliches WC, dessen Wände aus „intelligentem Glas“ hergestellt sind. Die elektrisch leitenden Glasflächen werden bei Anlegen einer elektrischen Spannung undurchsichtig. Beim Betreten sind die Wände noch durchsichtig, erst wenn ein Schalter betätigt wird, werden die Wände opak. Als Kunstinstallation wurden öffentliche WC-Anlagen errichtet, deren Wände aus halbdurchsichtige Spiegel bestehen. Vom dunklen Innen erscheinen die Wände durchsichtig und die Benutzer des WCs können die Passanten draußen beobachten, jedoch kann man von außen nicht hinein sehen.[18]

Trivia[Bearbeiten]

Papst Julius I. gilt als Schutzpatron der Latrinenreiniger.

In seinem Film Das Gespenst der Freiheit (1974) hat Luis Buñuel die Tabuierung des Gangs zur Toilette persifliert. Während die bürgerliche Gesellschaft bei einem Empfang gemeinsam auf der Toilette sitzt und darin nichts Anstößiges sieht, ist nunmehr das Essen tabuisiert. Gegessen wird an einem abgeschiedenen 'stillen Örtchen'.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Neudecker: Die Pracht der Latrine. Zum Wandel öffentlicher Bedürfnisanstalten in der kaiserzeitlichen Stadt. Pfeil, München 1994, (Studien zur antiken Stadt, Bd. 1), ISBN 3-923871-86-4.
  • Daniel Furrer: Wasserthron und Donnerbalken. Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens. Primus, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-248-7.
  • Anton Schlicksbier, Winfried Helm, Enrico Santifaller: Stille Örtchen der Oberpfalz. Büro Wilhelm, ISBN 3-936721-03-3.
  • Holger Dosch: Stätten der Welt. Bodensatz, ISBN 3-00-012323-7.
  • George Monbiot, Peter Harper, Louise Halestrap: Lifting the Lid. An ecological approach to toilet systems. Centre for Alternative Technology, ISBN 1-898049-79-3.
  • Joseph von Hazzi: Über den Dünger. Zugleich aber auch über das Unwesen dabei in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und in ganz Bayern. 1821.
  • Norbert Hierl-Deronco: Es ist eine Lust zu bauen – Von Bauherren, Bauleuten und vom Bauen im Barock in Kurbayern-Franken-Rheinland, 2001 Krailing, ISBN 3-929884-08-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Toilette – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Toilette – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Gerben von Häuten
  2. Leder – weltumspannend gerben (PDF; 2,0 MB)
  3. Lederfärberei
  4. Geschichte der Wäschepflege
  5. Andreas Hensen: Stille Örtchen im Römischen Reich. In: Archäologie in Deutschland 1 (2012), S. 8-13.
  6. http://www.theplumber.com
  7. Website des Museums für historische Sanitärobjekte
  8. Kleines Sanitärmuseum Graz
  9. Michael Grabenströer: Klo-Museum im alten Pfarrhaus, Frankfurter Rundschau online, und klooseum.de
  10. Sanitäter Pfau: WC-Komfort im Sanitärbereich
  11. Duravit Duraplus Wand-WC Cascade
  12. Baddepot: Was beachten beim WC?
  13. Pacific Science Center in Seattle, Washington: Spülvorgang bei einem funktionsfähigen Schnittmodell einer amerikanischen Tiefspültoilette.
  14. Kompostierbare Tüten sollen Hygieneprobleme lösen und Krankheiten vermeiden Die Zeit vom 10. Juni 2010
  15. sbz-online: Dr.-Ing. Hugo Feurich gestorben
  16. Hugo Feurich: Mit dem 2-Liter WC: Wasser- und Betriebskosten einsparen, IKZ-HAUSTECHNIK [sic!], Ausgabe 11/2003, Seite 24ff
  17. Hugo Feurich: Wassereinsparung bei WC-Spülung, sbz-online 17/2000, S. 56–67,
  18. Transparent Public Toilets of Switzerland
  19. D. Diederichsen: Toiletten-Dinner. In: Die Zeit. Nr. 19, 4. Mai 2005 (online, abgerufen am 14. Februar 2014).