Burning Man

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Der „brennende Mann
Black Rock City im Jahr 2005, NASA-Bild
Neonbeleuchtung des Burning Man 2002

Burning Man ist ein jährlich stattfindendes Festival im US-Bundesstaat Nevada in der Black Rock Desert. Die Salztonebene entstand aus dem eiszeitlichen Lake Lahontan und liegt ungefähr 150 km nord-nordöstlich von Reno.

Das Festival dauert acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September, dem US-amerikanischen Labor Day. Seine Kernveranstaltung ist das Verbrennen einer überdimensionalen menschlichen Statue – des Burning Man – am sechsten Festivaltag.

Das Festival ist nicht nur eine große Kunstausstellung, sondern auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine große Party.[1]

Auf dem Fest sind in neuerer Zeit nur Fußgänger, Fahrradfahrer und Art Cars zugelassen, die bei Burning Man als Mutant Vehicles bezeichnet werden. Burning Man ist berühmt für seine besonders phantasievollen und skurrilen Art Cars. Besonders bemerkenswert sind auch Lauf-Mutantenfahrzeuge wie die für das Festival konstruierte achtbeinige Stahlspinne Mondospider von 2007.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Begründer des Festivals ist Larry Harvey (* 1948 in der Nähe von Portland). Er veranstaltete das Festival erstmals 1986 – angeblich aus Liebeskummer – mit nur 20 Teilnehmern am Baker Beach, einem Strand auf dem Gelände des Presidio in San Francisco. Es wurde dann jährlich mit steigender Teilnehmerzahl abgehalten, bis 1990 das Verbrennen der Statue am Strand verboten wurde. Daraufhin zog das Burning Man Festival in die Black-Rock-Wüste in Nevada, weil durch die steigende Zahl der Feiernden das Platzangebot am Strand zu gering wurde.

Mittlerweile wird die Veranstaltung von über 70.000 Menschen jährlich besucht. Die Statue – The Man – stand zeitweise auf einem Podest, das über die Jahre immer weiter erhöht wurde. Beim Burning Man 2014 stand sie auf keinem Podest und war dadurch umso höher. Während des Festivals entsteht in der Wüste eine temporäre Stadt mitsamt Spital, die hinterher wieder komplett abgebaut wird. Ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern sorgt dafür, dass keinerlei Spuren (insbesondere Abfall) hinterlassen werden.

Seit Jahren übersteigt die Nachfrage das Angebot an Plätzen in der temporären Stadt. Im Jahr 2012 wurden die Tickets in Form einer Verlosung vergeben, was sich als Fiasko herausstellte, da sowohl langjährige erfahrene Helfer, als auch ein großer Teil der Künstler, die zum Programm beitrugen, nicht berücksichtigt wurden. Dafür hatten sich Tickethändler an der Verlosung beteiligt, die im Fall eines Gewinns bis zum Vierfachen des nominalen Preises von 250 Dollar erlösten. Kurz vor der Veranstaltung sorgte ein Überangebot von Eintrittskarten zu Preisen unterhalb des Kaufpreises für Ärger. 2013 fand keine Verlosung statt, sondern eine Vorregistrierung zum Kauf. Dies soll sicherstellen, dass Schwarzhändler kaum zum Zuge kommen.[5]

Zeittafel[Bearbeiten]

Jahr Höhe des Mannes Ort Teilnehmer Motto Bemerkungen
1986 2,4 m Baker Beach, San Francisco 20 Larry Harvey und Jerry James bauen einen hölzernen Mann und brennen ihn zur Sommersonnenwende ab.
1987 6 m Baker Beach 80
1988 10 m Baker Beach 150–200
1989 12 m Baker Beach 300+ Erste Erwähnung des Events im Cacophony Society Newsletter.
1990 12 m Baker Beach / Black Rock Desert, Nevada 500-900 Die Figur wird zur Sommersonnenwende am Baker Beach montiert, aber nicht abgebrannt. Das Labor-Day-Wochenende wird neues Veranstaltungsdatum in der Black Rock Desert.
1991 12 m Black Rock Desert 250 Erstmals als Neon-Mann
1992 12 m Black Rock Desert 600
1993 12 m Black Rock Desert 1.000
1994 12 m Black Rock Desert 2.000
1995 12 m Black Rock Desert 4.000 Gutes und Schlechtes Die Ansiedlung wird erstmals Black Rock City genannt.
1996 15 m Black Rock Desert 8.000 Das Inferno Das Thema erinnert an Dantes Inferno. Das erste Jahr in dem der Mann auf einem Strohballenpodest errichtet wird.
1997 15 m Hualapai Playa 10.000 Fruchtbarkeit Autofahren und Waffentragen wird verboten. Erstmals radiale Anordnung der Straßen
1998 15 m Black Rock Desert 15.000 Unklare Einheit Erste Managementstrukturen, stabile Finanzierung und Kostendeckung
1999 12 m Black Rock Desert 23.000 Wheel of Time Im RV-Führer der American Automobile Association als „Great Destination“ erwähnt.
2000 12 m Black Rock Desert 25.400 Der Körper
2001 21 m Black Rock Desert 25.659 Sieben Alter des Menschen William Shakespeare: Wie es euch gefällt. 2. Akt, 7. Szene
2002 24 m Black Rock Desert 28.979 The Floating World Erstmals von der Federal Aviation Administration als Flugplatz anerkannt
2003 24 m Black Rock Desert 30.586 Jenseits des Glaubens Hunde werden verboten
2004 24 m Black Rock Desert 35.664 Die Weite des Himmels
2005 22 m Black Rock Desert 35.567 Psyche Die Teilnehmer können den Mann drehen
2006 22 m Black Rock Desert 39.100 (est.) Hoffnung und Angst: Die Zukunft
2007 20 m Black Rock Desert 47.097 Der Grüne Mann Der Mann geht vier Tage zu früh in Flammen auf. Kurz nach der Brandstiftung kommt es zu einer Festnahme. Die Statue wird rechtzeitig zum Samstag wiederaufgebaut.
2008 25 m Black Rock Desert 49.599 Der Amerikanische Traum
2009 20 m Black Rock Desert 43.435 Evolution: A Tangled Bank
2010 32 m Black Rock Desert 51.454 Metropolis: The Life Of Cities Teilnehmerzahl erstmals über 50.000
2011 32 m Black Rock Desert 53.600 Rites of Passage Vor 25 Jahren (am 21. Juni 1986) fand das erste Festival statt. Da der Vorverkauf der Eintrittskarten vier Wochen vor der Eröffnung die behördlich genehmigte Anzahl an Besuchern erreicht, wird er gestoppt und die Veranstaltung zum ersten Mal als ausverkauft bezeichnet.
2012 27 m Black Rock Desert 56.149 Fertilität 2.0
2013 n. a. Black Rock Desert 68.000 Cargo Cult
2014 n. a. Black Rock Desert Caravansary

Die Figur selbst hat seit 1989 ihre Höhe von 12 Metern behalten, da sich aber die Höhe und die Struktur der Basis geändert hat, variieren die Höhenangaben entsprechend.

Galerie[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Das Festival in der Musik:

  • Die erste CD der Gruppe Third Eye Blind enthielt das Lied Burning Man.
  • 1999 sangen Queensrÿche den Song Burning Man auf ihrem Album Q2K.
  • Das Album Remission der Gruppe Mastodon enthält das Stück Burning Man.

Rezeption in der Populärkultur[Bearbeiten]

  • In der Fernsehserie Malcolm mittendrin besucht die Familie in der ersten Episode der siebten Staffel das Festival. Die Aufnahmen wurden nicht bei Burning Man gedreht, da dort nur Berichterstattung und nichtkommerzielles Material aufgezeichnet werden dürfen.
  • In der Zeichentrickserie American Dad spielt ein Teil der 4. Episode in der ersten Staffel auch auf dem Festival.
  • In der Zeichentrickserie South Park läuft in der 13. Episode der 14. Staffel der Dämon Cthulhu auf dem Festival Amok.
  • In der Zeichentrickserie The Simpsons erklärt der Anführer der Umweltaktivisten in der 4. Episode der 12. Staffel „Lisa, the tree hugger“ die persönlichen Nachteile, die durch das Besetzen eines zum Abholzen freigegebenen Baumes entstehen: „Once you're up there, you can't come down. Not for a Phish concert, not even for Burning Man“.
  • Das erste jemals verwendete Doodle der Suchmaschine Google zeigte das Firmenlogo mit der Holzfigur des „Man“.[6]
  • Im Roman "Homeland" von Cory Doctorow besucht der Protagonist am Anfang des Romanes das Festival.[7]
  • In Dan Simmons' Romanen Ilium und Olympos, die in einer fernen Zukunft spielen, hat das Burning-Man-Festival als Legende im kollektiven Gedächtnis der Menschheit überdauert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Chen, Katherine 2004: The Burning Man Organization Grows Up: Blending Bureaucratic and Alternative Structures. Dissertation. Cambridge, Massachusetts: Harvard University.
  • Doherty, Brian 2004: This is Burning Man. The Rise of a New American Underground. Boston/New York: Little, Brown and Company.
  • Hockett, Jeremy 2004: Reckoning Ritual and Counterculture in the Burning Man Community: Communication, Ethnography, and the Self in Reflexive Modernism. Dissertation. Albuquerque, New Mexico: The University of New Mexico.
  • Kozinets, Robert V. 2002: Can Consumers Escape the Market? Emancipatory Illuminations from Burning Man. In: Journal of Consumer Research, 29, June 2002, S. 20-38.
  • Pike, Sarah M. 2001: Desert Goddesses and Apocalyptic Art. Making Sacred Space at the Burning Man Festival. In: Mazur, Eric Michael/McCarthy, Kate (Hrsg.): God in the Details. American Religion in Popular Culture. London/New York: Routledge, S. 155-176.
  • Kristen, Christine: Reconnecting art and life at Burning Man. In: Raw Vision, Nr. 57 (Winter 2006), S. 28-35.
  • Van Proyen, Mark/Gilmore, Lee (Hrsg.): AfterBurn: Reflections on Burning Man. New Mexico: University of New Mexico Press.

Filme[Bearbeiten]

  • Dust & Illusions. 30 years of Burning Man history. Dokumentarfilm, USA, 2009, 80 Min., Buch und Regie: Olivier Bonin, Produktion: Madnomad Films, Kinostart: 28. März 2009 (USA), Filmseite.
  • Utopia im Wüstensturm. Eine Reise zu amerikanischen Träumern. Dokumentarfilm, Deutschland, 2009, 29 Min., Buch und Regie: Udo Lielischkies und Audrey Stimson, Produktion: WDR, Reihe: WDR weltweit, Erstsendung: 20. Oktober 2009 bei WDR, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burning Man Festival – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Q-Tips in der Donnerkuppel Spiegel online 2001
  2. Website des Burning Man (englisch)
  3. Nackte Feuerteufel Spiegel online 2003
  4. Zu Besuch auf dem Planeten Kunst rp-online.de 2007
  5. Outside Magazine: Hot Mess – An oral history of Burning Man, August 2012
  6. Google Doodle
  7. HTML-Version des Romanes

40.754722222222-119.23638888889Koordinaten: 40° 45′ 17″ N, 119° 14′ 11″ W