Burning Man
Burning Man ist ein jährlich stattfindendes Festival in der Black Rock Desert, einer Salztonebene in Nevada in den USA. Diese entstand aus dem eiszeitlichen Lake Lahontan, ungefähr 150 km nord-nordöstlich von Reno.
Das Festival dauert acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September, dem amerikanischen Labor Day. Seine Kernveranstaltung ist das Verbrennen einer überdimensionalen menschlichen Statue – des Burning Man – am sechsten Festivaltag.
Das Festival ist nicht nur eine große Kunstausstellung, sondern auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine große Party.
Auf dem Fest sind in neuerer Zeit nur Fußgänger, Fahrradfahrer und Art Cars zugelassen, die bei Burning Man als Mutant Vehicles bezeichnet werden. Burning Man ist berühmt für seine besonders phantasievollen und skurrilen Art Cars. Besonders bemerkenswert sind auch Lauf-Mutantenfahrzeuge wie die 2006 für das Festival konstruierte achtbeinige Stahlspinne Mondospider von 2007.[1][2][3][4]
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Begründer des Festivals ist Larry Harvey (* 1948 in der Nähe von Portland). Er veranstaltete das Festival erstmals 1986 – angeblich aus Liebeskummer – mit nur 20 Teilnehmern am Baker Beach, einem Strand auf dem Gelände des Presidio in San Francisco. Es wurde dann jährlich mit steigender Teilnehmerzahl abgehalten, bis 1990 das Verbrennen der Statue am Strand verboten wurde. Daraufhin zog das Burning Man Festival in die Black-Rock-Wüste in Nevada, weil durch die steigende Zahl der Feiernden das Platzangebot am Strand zu gering wurde.
Mittlerweile wird die Veranstaltung von über 50.000 Menschen jährlich besucht. Die Statue ist etwa 12 Meter hoch und steht auf einem Podest, das über die Jahre immer weiter erhöht wurde. Während des Festivals entsteht in der Wüste eine temporäre Stadt aus Zelten, die anschließend wieder abgebaut oder verbrannt werden. Ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern sorgt dafür, dass am Ort des Festivals keine Spuren (insbesondere Abfall) hinterlassen werden.
Seit Jahren übersteigt die Nachfrage das Angebot an Plätzen in der temporären Stadt. Im Jahr 2012 wurden die Tickets in Form einer Verlosung vergeben, was sich als Fiasko herausstellte, da sowohl langjährige erfahrene Helfer, als auch ein großer Teil der Künstler, die zum Programm beitrugen, nicht berücksichtigt wurden. Dafür hatten sich Tickethändler an der Verlosung beteiligt, die im Fall eines Gewinns bis zum Vierfachen des nominalen Preises von 250 Dollar erlösten. Kurz vor der Veranstaltung sorgte ein Überangebot von Eintrittskarten für Preise unterhalb des Kaufpreises. 2013 wird keine Verlosung stattfinden, sondern eine Vorregistrierung zum Kauf soll sicherstellen, dass Schwarzhändler kaum zum Zuge kommen.[5]
Zeittafel [Bearbeiten]
| Jahr | Höhe des Mannes | Ort | Teilnehmer | Motto | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1986 | 2,4 m | Baker Beach, San Francisco | 20 | — | Larry Harvey und Jerry James bauen einen hölzernen Mann und brennen ihn zur Sommersonnenwende ab. |
| 1987 | 6 m | Baker Beach | 80 | — | |
| 1988 | 10 m | Baker Beach | 150–200 | — | |
| 1989 | 12 m | Baker Beach | 300+ | — | Erste Erwähnung des Events im Cacophony Society Newsletter. |
| 1990 | 12 m | Baker Beach / Black Rock Desert, Nevada | 500-900 | — | Die Figur wird zur Sommersonnenwende am Baker Beach montiert, aber nicht abgebrannt. Das Labor-Day-Wochenende wird neues Veranstaltungsdatum in der Black Rock Desert. |
| 1991 | 12 m | Black Rock Desert | 250 | — | Erstmals als Neon-Mann |
| 1992 | 12 m | Black Rock Desert | 600 | — | |
| 1993 | 12 m | Black Rock Desert | 1.000 | — | |
| 1994 | 12 m | Black Rock Desert | 2.000 | — | |
| 1995 | 12 m | Black Rock Desert | 4.000 | Gutes und Schlechtes | Die Ansiedlung wird erstmals Black Rock City genannt. |
| 1996 | 15 m | Black Rock Desert | 8.000 | Das Inferno | Das Thema erinnert an Dantes Inferno. Das erste Jahr in dem der Mann auf einem Strohballenpodest errichtet wird. |
| 1997 | 15 m | Hualapai Playa | 10.000 | Fruchtbarkeit | Autofahren und Waffentragen wird verboten. Erstmals radiale Anordnung der Straßen |
| 1998 | 15 m | Black Rock Desert | 15.000 | Unklare Einheit | Erste Managementstrukturen, stabile Finanzierung und Kostendeckung |
| 1999 | 12 m | Black Rock Desert | 23.000 | Wheel of Time | Im RV-Führer der American Automobile Association als „Great Destination“ erwähnt. |
| 2000 | 12 m | Black Rock Desert | 25.400 | Der Körper | |
| 2001 | 21 m | Black Rock Desert | 25.659 | Sieben Alter des Menschen | William Shakespeare: Wie es euch gefällt. 2. Akt, 7. Szene |
| 2002 | 24 m | Black Rock Desert | 28.979 | The Floating World | Erstmals von der Federal Aviation Administration als Flugplatz anerkannt |
| 2003 | 24 m | Black Rock Desert | 30.586 | Jenseits des Glaubens | Hunde werden verboten |
| 2004 | 24 m | Black Rock Desert | 35.664 | Die Weite des Himmels | |
| 2005 | 22 m | Black Rock Desert | 35.567 | Psyche | Die Teilnehmer können den Mann drehen |
| 2006 | 22 m | Black Rock Desert | 39.100 (est.) | Hoffnung und Angst: Die Zukunft | |
| 2007 | 20 m | Black Rock Desert | 47.097 | Der Grüne Mann | Der Mann geht vier Tage zu früh in Flammen auf. Kurz nach der Brandstiftung kommt es zu einer Festnahme. Die Statue wird rechtzeitig zum Samstag wiederaufgebaut. |
| 2008 | 25 m | Black Rock Desert | 49.599 | Der Amerikanische Traum | |
| 2009 | 20 m | Black Rock Desert | 43.435 | Evolution: A Tangled Bank | |
| 2010 | 32 m | Black Rock Desert | 51.454 | Metropolis: The Life Of Cities | Teilnehmerzahl erstmals über 50.000 |
| 2011 | 24 m | Black Rock Desert | 53.600 | Rites of Passage | Vor 25 Jahren (am 21. Juni 1986) fand das erste Festival statt. Da der Vorverkauf der Eintrittskarten vier Wochen vor der Eröffnung die behördlich genehmigte Anzahl an Besuchern erreicht, wird er gestoppt und die Veranstaltung zum ersten Mal als ausverkauft bezeichnet. |
Die Figur selbst hat seit 1989 ihre Höhe von 12 Metern behalten, da sich aber die Höhe und die Struktur der Basis geändert hat, variieren die Höhenangaben entsprechend.
Galerie [Bearbeiten]
Musik [Bearbeiten]
Das Festival in der Musik:
- Die erste CD der Gruppe Third Eye Blind enthielt das Lied Burning Man.
- 1999 sangen Queensrÿche den Song Burning Man auf ihrem Album Q2K.
- Das Album Remission der Gruppe Mastodon enthält das Stück Burning Man.
Trivia [Bearbeiten]
- In der Fernsehserie Malcolm mittendrin besucht die Familie in der ersten Episode der siebten Staffel das Festival. Die Aufnahmen wurden nicht bei Burning Man gedreht, da dort nur Berichterstattung und nichtkommerzielles Material aufgezeichnet werden dürfen.
- In der Zeichentrickserie American Dad spielt ein Teil der 4. Episode in der ersten Staffel auch auf dem Festival.
- In der Zeichentrickserie South Park läuft in der 13. Episode der 14. Staffel der Dämon Cthulhu auf dem Festival Amok.
- In der Zeichentrickserie The Simpsons erklärt der Anführer der Umweltaktivisten in der 4. Episode der 12. Staffel „Lisa, the tree hugger“ die persönlichen Nachteile, die durch das Besetzen eines zum Abholzen freigegebenen Baumes entstehen: „Once you're up there, you can't come down. Not for a Phish concert, not even for Burning Man“.
- Das erste jemals verwendete Doodle der Suchmaschine Google zeigte das Firmenlogo mit der Holzfigur des „Man“.[6]
Literatur [Bearbeiten]
- Chen, Katherine 2004: The Burning Man Organization Grows Up: Blending Bureaucratic and Alternative Structures. Dissertation. Cambridge, Massachusetts: Harvard University.
- Doherty, Brian 2004: This is Burning Man. The Rise of a New American Underground. Boston/New York: Little, Brown and Company.
- Hockett, Jeremy 2004: Reckoning Ritual and Counterculture in the Burning Man Community: Communication, Ethnography, and the Self in Reflexive Modernism. Dissertation. Albuquerque, New Mexico: The University of New Mexico.
- Kozinets, Robert V. 2002: Can Consumers Escape the Market? Emancipatory Illuminations from Burning Man. In: Journal of Consumer Research, 29, June 2002, S. 20-38.
- Pike, Sarah M. 2001: Desert Goddesses and Apocalyptic Art. Making Sacred Space at the Burning Man Festival. In: Mazur, Eric Michael/McCarthy, Kate (Hrsg.): God in the Details. American Religion in Popular Culture. London/New York: Routledge, S. 155-176.
- Kristen, Christine: Reconnecting art and life at Burning Man. In: Raw Vision, Nr. 57 (Winter 2006), S. 28-35.
- Van Proyen, Mark/Gilmore, Lee (Hrsg.): AfterBurn: Reflections on Burning Man. New Mexico: University of New Mexico Press.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Website des Burning Man (englisch)
- ↑ Nackte Feuerteufel Spiegel online 2003
- ↑ Q-Tips in der Donnerkuppel Spiegel online 2001
- ↑ Zu Besuch auf dem Planeten Kunst rp-online.de 2007
- ↑ Outside Magazine: Hot Mess – An oral history of Burning Man, August 2012
- ↑ Google Doodle
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Website
- Website der offiziellen deutschen Co-Regionalkontakte von Burning Man
- Markus Drechsel: Fotos Burning Mann 2007/2008/2009. Abgerufen am 20. Januar 2011.
40.754722222222-119.23638888889Koordinaten: 40° 45′ 17″ N, 119° 14′ 11″ W