Cheikh Anta Diop

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Cheikh Anta Diop (* 29. Dezember 1923 in Théytou, in der Region Diourbel (Senegal); † 1986 in Dakar) war einer der bekanntesten Ägyptologen des afrikanischen Kontinents.

Geburt und Studium[Bearbeiten]

Diop wurde 1923 in eine Wolof-Familie geboren. Im Alter von 23 Jahren flog er nach Paris, um Physiker zu werden. Er verbrachte 15 Jahre dort und studiere Physik unter der Leitung von Frédéric Joliot-Curie, dem Schwiegersohn von Marie Curie, und übersetzte auch Teile von Einsteins Relativitätstheorie in seine Muttersprache Wolof.

Diop wurde weiterhin auch in Afrikanische Geschichte, Ägyptologie, Linguistik, Anthropologie und Ökonomie ausgebildet.

Forschung[Bearbeiten]

1951 legte Diop seine Dissertation an der Universität von Paris vor. Darin entwickelte er die These, dass die alten Ägypter Schwarzafrikaner waren und dass die von ihnen geschaffene Hochkultur eine authentische afrikanische Zivilisation darstellte.

Seine These wurde zunächst abgelehnt, doch Diop arbeitete in den folgenden neun Jahren an seiner Dissertation weiter und brachte neue und bessere Beweise. 1960 legte er erfolgreich seine Dissertation vor und ihm wurde der Doktortitel erteilt.

1955 wurde seine These in einem Buch mit dem Titel Nations nègres et culture (Schwarze Nationen und Kultur) veröffentlicht. Dies machte ihn zu einem der umstrittenen Historiker seiner Zeit.[1]

Die Beziehungen Ägyptens und Griechenlands stehen im Zentrum seiner Beschäftigung. Demnach waren viele Wissenschaftler Griechenlands, wie beispielsweise Pythagoras, in Ägypten, um Mathematik zu lernen. Pythagoras soll sich 22 Jahre lang in Afrika aufgehalten haben. Die Debatte zwischen Cheikh Anta Diop und seinen ehemaligen Kontrahenten wird mittlerweile in der Black-Athena-Debatte über die Thesen des Briten Martin Bernals weitergeführt, der einen Einfluss Ägyptens auf die Kultur des klassischen Griechenland festgestellt haben will.

Die Zivilisationsdebatte führte seiner Meinung nach in Bezug auf den afrikanischen Kontinent viele Wissenschaftler dazu, Afrika als Tabula rasa anzusehen oder die rassistische Hamitentheorie aufzustellen. So hätten die Afrikaner nicht nur stabile Zivilisationen (Königreich Benin, Reich von Kusch, Mali, Songhai, Ghana, Swahili, Groß-Simbabwe, Axum, Kanem-Bornu und vor allem Ägypten) hervorgebracht, sondern beherrschten sehr früh die Technik der Metallgewinnung und Metallverarbeitung und hätten eine fortschrittliche Urbanisierung und Verwaltung entwickelt. Städte wie Benin oder Oyo schickten sogar Studenten und Botschafter nach Portugal. Die Situation hätte sich dramatisch mit der Entdeckung Amerikas und dem Sklavenhandel geändert. Zuerst versklavte man der Forschung nach die Indianer, dann die Europäer selbst, danach die Afrikaner, deren Zivilisationen mit der gegenseitigen Auseinandersetzung um Sklaven und andere Ressourcen nach und nach zerstört wurden.

Cheik Anta Diop ist der Begründer der afrozentrischen Ägyptologie. Für ihn haben sich Afrika und Europa nicht zum ersten Mal während der neuzeitlichen europäischen Zeit im 18. Jahrhundert getroffen. Nach ihm ist die Anwesenheit afrikanischer Gelehrter in Europa und in der Geschichte der Kirche schon vorher belegt; man vergleiche beispielsweise Anton Wilhelm Amo.

Veröffentlichungen von Diop[Bearbeiten]

Englische Übersetzungen:

  • The African Origin of Civilization: Myth or Reality
  • Civilization or Barbarism: An Authentic Anthropology
  • Precolonial Black Africa
  • Black Africa: The Economic and Cultural Basis for a Federated State
  • The Cultural Unity of Black Africa: The Domains of Patriarchy and of Matriarchy in Classical Antiquity
  • Towards the African Renaissance: Essays in African Culture and Development, 1946–1960
  • The Peopling of Ancient Egypt & the Deciphering of the Meroitic Script

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonhard Harding, Brigitte Reinwald (Hrsg.): Afrika – Mutter und Modell der Europäischen Zivilisation? Die Rehabilitierung des Schwarzen Kontinents durch Cheikh Anta Diop. Reimer, Berlin 1990, ISBN 3-496-00489-4.
  • Cheikh Anta Diop: L'unité Culturelle de l'Afrique Noire. 2. Auflage, Présence Africaine, Paris u. a. 1982, ISBN 2-7087-0406-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cheikh Anta Diop: L'Unité Culturelle de l'Afrique noire. Paris 1982.