Christadelphian

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Gemeindehaus der Christadelphians in Esslingen am Neckar

Die Christadelphian-Gemeinden sind eine Gemeinschaft von Christen, die in ihrem Glauben nur vom Wort Gottes laut der Bibel ausgehen. Die Bezeichnung „Christadelphian“, wie sich die Gläubigen nennen, ist von den griechischen Wörtern „Christos adelphoi“ abgeleitet und bedeutet „Brüder in Christus“. Andere verwendete Bezeichnungen sind Urchristen (Selbstbezeichnung im deutschen Sprachraum), Brethren in Christ oder Broeders in Christus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verbreitung

Die meisten Mitglieder dieser Gemeinden findet man in England, Nordamerika, Australien und Südafrika.

Die deutsche Gemeinde entstand unter anderem durch den Einfluss der Vorträge von Ludwig von Gerdtell zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und hieß zunächst Urchristengemeinde. Inzwischen gibt es Gemeinden z. B. in Esslingen am Neckar, Oberhausen, Mönchengladbach, Iserlohn und Siegburg.

Die erste Taufe in Deutschland wurde am 30. April 1899 durchgeführt.[1]

Die deutschen Christadelphians veröffentlichen die Zeitschrift Prüfet alles, die zweimonatlich erscheint. (Siehe auch: Liste christlicher Zeitschriften)[2]

In Europa findet man die Gemeinden neben England und Deutschland auch in Belgien, Holland, Polen und Russland.[3]

In Nordamerika gab es 1936 109 Gemeinden mit 2755 getauften Mitgliedern, 2006 waren es noch 83 Gemeinden mit 1850 Mitgliedern.[4]

[Bearbeiten] Organisation

Die einzelnen Gemeinden sind weitgehend eigenständig (Kongregationalismus) und haben keine hauptamtlichen Geistlichen. Sie stehen im Kontakt untereinander, haben aber keine zentrale Verwaltung oder Oberhirten. Die Gemeinden werden ecclesia genannt.[5]

[Bearbeiten] Geschichte

Gründer der Christadelphians ist John Thomas (geboren am 12. April 1805, gestorben 1871), einem aus England in die USA ausgewanderten Arzt, der vorher den Disciples of Christ angehörte. Auf der Schiffs-Überfahrt in die USA gab er aufgrund eines Sturms Gott das Versprechen, den Rest seines Lebens dem Bibelstudium zu widmen und den Sinn des Lebens zu erforschen. Nach seiner Taufe im Oktober 1832 und einer Zeit als Wanderprediger wurde er Prediger in Philadelphia. Um 1844 gründete Thomas nach dem Ausschluss aus der Disciples of Christ eigene Gemeinden. 1864 gab er seinen Gemeinden den Namen Christadelphians.[6]

Der aus Schottland gebürtige Robert Roberts (1839-1898) spielte eine maßgebliche Rolle bei der Ausformulierung bzw. Weiterentwicklung ihrer Glaubensgrundsätze, vor allem durch seine programmatische Schrift "Christendom Astray" (1884).

[Bearbeiten] Theologie

Ähnlich wie viele andere christliche Gemeinschaften, insbesondere solche, die aus der adventistischen Tradition oder der Erweckungsbewegung in den USA des 19. Jahrhunderts erwachsen sind, glauben die Mitglieder der Christadelphian-Gemeinden an ein kommendes Reich Gottes auf der Erde, lassen sich als Erwachsene (Glaubenstaufe) taufen und hoffen auf die leibhaftige Auferstehung aus den Toten bei der Wiederkunft Christi.

Die Christadelphians unterscheiden sich von vielen anderen christlichen Gemeinschaften durch ihre Ablehnung aller Glaubenslehren, die nach ihrer Auffassung nicht mit den ursprünglichen Zeugnissen der Bibel übereinstimmen, sondern erst nach dem Kontakt des Urchristentums mit der hellenistischen Welt entstanden seien. So lehnen sie die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes, die Vorstellung einer unsterblichen Seele und die Präexistenz Christi ab (Nichttrinitarier, Sozinianer) und glauben nicht an einen leibhaftigen Teufel. Der einzige Widersacher gegen Gottes Willen sei nach ihrer Auffassung der Mensch selbst. Mit dem Begriff "Dämonen" werden ihrem Bibelverständnis gemäß keine bösen Geistwesen, sondern Krankheiten, insbesondere geistiger und seelischer Art, bezeichnet.

Als Annihilationisten halten sie den Glauben an die Existenz einer Hölle für unbiblisch. Weiterhin beteiligen sie sich nicht an politischen Wahlen und lehnen jede Form von Gewalt ab, was sie auch zu überzeugten Militärdienstverweigerern macht. Die Errichtung des Staates Israel 1948 interpretieren sie als Erfüllung von Gottes Zusagen, auch bei Jesu Wiederkunft wird dieser Staat ihrer Lehre nach eine wichtige Rolle einnehmen.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 23.
  2. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 23.
  3. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 23.
  4. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 23.
  5. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 22.
  6. Evangelische Informationsstelle (Hrsg.): Informationsblatt. 48. Jahrgang, Nr. 3 und 4, Rüti ZH 2011, S. 21.
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