Christliche Mystik
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
Der Ausdruck christliche Mystik ist ein Sammelbegriff für Texte, Autoren und Gruppierungen innerhalb des Christentums, auf welche rückblickend die religionswissensschaftliche Kategorie "Mystik" anwendbar ist. Es werden allerdings unterschiedliche Bestimmungen des Mystikbegriffs vorgeschlagen. Die Zurechnung zu "christlicher Mystik" ist sowohl von dieser Begriffsbestimmung abhängig, wie auch von der Interpretation der entsprechenden Primärtexte. Beides ist vielfach kontrovers. Eine typische Minimalbestimmung versteht Mystik als eine Praxis, welche auf eine Einswerdung (unio mystica) zielt, welche bereits im diesseitigen Leben erfahren werden soll, sowie Elemente einer Theorie, welche die Möglichkeit einer solchen Erfahrung erklären und bestimmen soll.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Viele der christlichen Mystik zugerechnete Texte sind beeinflusst von Begriffen und Lehren des Neuplatonismus. In den orthodoxen Kirchen hat die Mystik eine lange Tradition. In der Mönchsbewegung Hesychasmus (von griechisch "hesychia": Ruhe, Stille) wird die Mystik praktiziert durch das Jesusgebet (auch Herzensgebet genannt) und die Nabelschau. Einen zentralen Platz nehmen die Ikonen ein als Vermittler zwischen Gott und Mensch. Im Westen waren ebenfalls die Klöster die Zentren der Mystik. Nonnen und Mönche verschiedener Orden widmeten sich der Kontemplation und schrieben Texte über ihre Erfahrungen[2]. Eine Hochblüte erlebte die christliche Mystik im Spätmittelalter in den Werken Meister Eckharts, Johannes Taulers und Heinrich Seuses. In der protestantischen Tradition stieß die Mystik in weiten Teilen auf Ablehnung, obgleich Luther selbst ein ambivalentes Verhältnis zur mystischen Erfahrung pflegte, und sich immer wieder innerkirchliche Bewegungen ergaben, deren Religiosität die mystische Dimension mit einschloss. [3]. Mystisches Gedankengut findet sich in den Strömungen des Pantheismus und Panentheismus, sowie der negativen Theologie. Letztere betont ausdrücklich, Gott könne man nur erfahren, nicht beschreiben.
Die Wege der mystischen Innenschau und die Äußerungen christlicher Mystiker weisen oft Ähnlichkeiten und Parallelen mit den mystischen Traditionen anderer Religionen auf, wie Sufismus (Islam), Zen (Buddhismus), Tantrismus (Hinduismus/Buddhismus) oder Kabbalistik (Judentum).
[Bearbeiten] Mystiker im christlichen Kontext
[Bearbeiten] Anfänge der christlichen Mystik
- Origenes (185 - 254)
- Augustinus von Hippo (354-430)
[Bearbeiten] Christliche Mystik im Mittelalter
- hl. Bernhard von Clairvaux (* um 1090, † 1153), Kirchenlehrer,
- Hildegard von Bingen (1098-1179)
- Amalrich von Bena (* in Bène bei Chartres; † 1206 oder 1207)
- hl. Franz von Assisi (1181/1182-1226)
- Mechthild von Magdeburg (1207/10-1282/94), Mechthild von Hackeborn (1241/42-1299) und hl. Gertrud von Helfta (1256-1301/2) lebten alle im Zisterzienserinnenkloster Helfta in Eisleben (Sachsen-Anhalt).
- Margareta Porete (1250/60-1310), Begine, verfasste den „Spiegel der einfachen Seele“, den meistverbreiteten mystischen Traktat des 14. Jh.s und wurde als Häretikerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt
- hl. Thomas von Aquin (* um 1225, † 1274) , einer der bedeutendsten katholischen Kirchenlehrer,
- der Kirchenlehrer und Franziskanertheologe hl. Johannes Bonaventura (vor 1221-1274), der auch Werke wie die „Pilgerreise der Seele zu Gott“ verfasste.
- Dietrich von Freiberg
- der deutsche Theologe und Philosoph Meister Eckhart (1260 - 1328).
- der Augustinermönch Heinrich von Friemar (der Ältere) (1250-1340), welcher, teils von Eckhart beeinflusst, den ersten Traktat über die Unterscheidung der Geister und die mystischen Traktate De adventu Verbi in Mentum und Tractatus de adventu Domini verfasste
- Hermann von Fritzlar, dessen von 1343 bis 1349 verfaßte asketische Prosasammlung, das „Buch von der Heiligen Leben“, um 1400 sehr einflussreich wurde
- der deutsche Mystiker Johannes Tauler (*um 1300, †1361), wirkte zu Zeiten der Pest in Straßburg. Mit seiner Predigt von der Einheit des Menschen mit Gott (unio mystica) forderte er ethische Vervollkommnung, die aktiv zu betreiben sei. Dies kam einer starken Nachfrage nach privaten Frömmigkeit sehr entgegen (vgl. Devotio moderna)
- Rulman Merswin (1307 - 1382), Kaufmann und geistlicher Schriftsteller, gehörte zu den „Gottesfreunden"
- Heinrich von Nördlingen (um 1310-nach 1356), Nonnenseelsorger, mit Tauler befreundet. Briefverkehr gibt Aufschluss über die oberdeutschen bzw. Basler „Gottesfreunde“. Übersetzte Mechthild von Magdeburgs „Spiegel der einfachen Seele“
- sel. Margareta Ebner (1291-1351), eine Dominikanernonne. Briefwechsel mit Heinrich von Nördlingen, vgl. auch Eufemia Frickin
- Christine Ebner (1277–1356), ebenfalls eine Dominikanerin und eine Nonne, Kontakt mit Margareta Ebner, aber nicht verwandt
- sel. Heinrich Seuse (1295–1366), ein deutscher Mystiker, von dem ein inneres Gnadenerlebnis, Ekstasen und Askesen berichtet werden, die wohl teils hagiographischen Ursprungs sind. Als Student am Studium Generale des Dominikanerordens ist er begeisterter Schüler Eckharts. Diesen verteidigt er gegen Kritiker und wettert selbst gegen die Brüder des freien Geistes, später gerät er wie Eckhart unter Häresieverdacht. Seine Schriften sind ihres poetischen Reichtums wegen bekannt und prägen ein noch immer verbreitetes Bild der „Deutschen Mystik“. Sein „Büchlein der Wahrheit“ war ein beliebtes Andachtsbuch im Mittelalter, seine geistliche Vita ist die erste in deutscher Sprache (wenngleich mit Einflüssen seiner geistlichen Tochter Elsbeth Stagel).
- sel. Jan (o. Johannes) van Ruysbroek (o. Ruusbroec o. Rusbrochius) (1293-1381), ein flämischer Mystiker
- der unbekannte Autor des Werks »Gottesfreund im Oberland« (1346) gehörte einer Gemeinschaft von Männer und Frauen an, die im Rahmen eigener Laienfrömmigkeit ethische Erneuerung statt klerikal gebundener Frömmigkeit suchten.
- Niklaus von Flüe (Bruder Klaus) (1417–1487) zählt zu den letzten spätmittelalterlichen Mystikern. Wegen des päpstlichen Schismas waren weite Teile der Schweizer Eidgenossenschaft exkommuniziert, was Laienbewegungen Aufschwung brachte. Niklaus wurde vom Mystikerkreis des Klosters Engelberg und den Straßburger Gottesfreunden beeinflusst. Von ihm werden asketisches Fasten und ein Turmerlebnis in Jugendjahren berichtet, sowie ein Lichterlebnis, das ihn zur Heimkehr aus der Einsiedelei bewog. Er wirkte als politischer Berater, verband also Mystik und Politik. Neben Sprüchen und Reimgebeten sind eine nicht von ihm verfasste, aber seine oder verwandte Worte wiedergebende volkstümliche Erbauungsschrift überliefert.
[Bearbeiten] Mystik in der Neuzeit (16. - 19. Jh)
Katholische Vertreter der christlichen Mystik im 16. Jahrhundert sind hl. Teresa von Ávila und hl. Johannes vom Kreuz, die Frauen- bzw. Männerorden der barfüssigen Karmeliten gründeten und hierfür von der katholischen Kirche den Ehrentitel Doctor mysticus (Lehrer der Mystik) erhielten.
- die spanische Mystikerin hl. Teresa von Ávila (1515–1582) gründete Karmelitinnenklöster, darunter das erste Frauenkloster Spaniens, wirkte aktiv in der Seelsorge und verfasste geistliche Texte. Die „Innere Burg“ beschreibt den Weg ins Innerste des Menschen. Sie ist bekannt für ihre Predigt der Freundschaft mit Gott.
- der spanische Mystiker Johannes vom Kreuz (1542–1591) wurde durch Theresa von Avila für Reformen des Karmelitenordens gewonnen, lebte streng asketisch und suchte eine leidenschaftliche Spiritualität. Seine ekstatischen Visionen schlugen sich in einer geistlichen Poesie nieder.
Weitere wichtige katholische Mystiker dieser Zeit waren
- hl. Ignatius von Loyola (1491 - 1556) mit seinen Exerzitien
- hl. Franz von Sales, (1567 - 1622), Bischoff, Kirchenlehrer
- Johann von Staupitz (* um 1465, † 1524), kath. Theologe und Professor. Verfasste zahlreiche Schriften, die stark von der mittelalterlichen Mystik beeinflusst sind. Bekannt vor allem als Beichtvater und Förderer Martin Luthers.
- Martin Luther (1483 - 1546) war tief in der mystischen Tradition verwurzelt: sein Beichtvater Johann von Staupitz sowie entsprechende frühere Schriften (insbesondere Johannes Tauler und Theologia deutsch) prägten tief die Entwicklung seiner reformatorischen Ansichten und seine Lehren der Rechtfertigung und des Priestertums aller Gläubigen [4]. Allerdings wandte Martin Luther sich später scharf gegen die so genannten Schwärmer. Dies hatte vor allem politische Gründe, verursachte aber unzählige Verwirrungen und weitere Spaltungen.
- Sebastian Franck (1499-1542/3) - zunächst ein katholischer Priester, dann zum Protestantismus übergetreten und als lutherischer Pfarrer tätig. Pazifist, Schriftsteller. 1528 sagte er sich von allen Konfessionen los und entwickelte eigene Ideen eines dogmenfreien Christentums des Herzens.
- Valentin Weigel (1533-1588), ein deutscher Pastor, mystisch-theosophischer Schriftsteller. Zeitlebens verbarg er seine Sebastian Franck und Jakob Böhme nahestehenden mystischen Auffassungen. Erst zwanzig Jahre nach seinem Tode gelangten viele seiner Schriften, befördert von seinem Amtsnachfolger und seinen Söhnen, zum Druck. 1626 wurden seine Bücher öffentlich verbrannt.
- Franz von Sales (1567-1622)
- Jakob Böhme (1575-1624)
- Angelus Silesius (eigentlich Johann Scheffler, 1624-1677)
- Daniel Czepko (1605 - 1660), ein deutscher Dichter und Dramatiker. Seine meisten Werke blieben zu seinen Lebzeiten wegen Zensur ungedruckt.
- Gerhard Tersteegen (1697-1769), ein deutscher Theologe, niederrheinischer Prediger, Seelsorger, Schriftsteller und Mystiker des reformierten Pietismus.
- George Fox (1624 - 1691), der Gründervater der Quäker
- Johann Valentin Andreae war der Begründer der Rosenkreuzer.
- Emanuel Swedenborg formulierte ein eigenes Lehrsystem, welches später zur Gründung der Neuen Kirche (Kirche des neuen Jerusalem) führte.
- Jakob Lorber.
[Bearbeiten] Christliche Mystik in der Orthodoxen Kirche
[Bearbeiten] Christliche Mystik heute (20.-21. Jh.)
- Dag Hammarskjöld (1905 - 1961), ein parteiloser schwedischer Staatssekretär, zweiter UN-Generalsekretär, Friedensnobelpreisträger. Hinterließ ein Tagebuch „Vägmärken“ (deutsch: „Zeichen am Weg“), das erst nach seinem Tod bekannt und veröffentlicht wurde und einen explizit mystischen Inhalt offenbarte.
- Pierre Teilhard de Chardin,
- Hugo Makibi Enomiya-Lassalle,
- Francisco Whitaker Ferreira, ein befreiungstheologisch orientierter katholischer Aktivist aus Brasilien, Mitgründer des Weltsozialforums, Träger des alternativen Nobelpreises.
Im deutschen Sprachraum sind es beispielsweise
- Dietrich Bonhoeffer,
- Anselm Grün,
- Edith Stein,
- Simone Weil,
- Dorothee Sölle,
- David Steindl-Rast,
- Jörg Zink,
- Christian Morgenstern,
- Peryt Shou,
- Charles Waldemar
- Franz Bernhard Ammann
- Carl Friedrich von Weizsäcker, Naturphilosoph
- Rut Björkman, Autorin
- Rupert Lay, Autor
- Willigis Jäger, ein Benediktinermönch und zugleich buddhistischer Lehrer
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Literatur
- Gerhard Ruhbach, Josef Sudbrack (Hrsg.): Christliche Mystik. Texte aus zwei Jahrtausenden. Beck, München 1989, ISBN 3-406-33622-1
- Kurt Ruh: Geschichte der abendländischen Mystik. 5 Bde. Beck, München 1990-1999.
- Uta Störmer-Caysa: Einführung in die mittelalterliche Mystik. Neuausg. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-017646-8
- Otto Langer: Christliche Mystik im Mittelalter. Mystik und Rationalisierung - Stationen eines Konflikts. WBG, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-04527-0
- Peter Dinzelbacher (Hrsg.): Wörterbuch der Mystik. 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-45602-8
- Zensho W. Kopp: Zen und die Wiedergeburt der christlichen Mystik, Schirner Verlag, Darmstadt 2004
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Einen kompakten Überblick zu verschiedenen Definitionsversuchen bietet z.B. Bernard McGinn: Presence of God: a History of Western Christian Mysticism. 5 Bde., auch in deutscher Übersetzung bei Herder, 1994ff, hier Bd. 1, 265ff. Zu Definitionsproblemen äußert sich fast jede Einführung ins Thema, etwa: Volker Leppin: Die christliche Mystik, C.H. Beck 2007.
- ↑ zur sog. cognitio dei experimentalis siehe z.B.: Theologische Realenzyklopädie, Horst Robert Balz et. al., de Gruyter, 1977, S.113
- ↑ Peter Zimmerling: Evangelische Spiritualität, Wurzeln und Zugänge, Vandenhoek und Ruprecht 2003, S. 22ff.
- ↑ Gerhard Wehr: Die deutsche Mystik: Leben und Inspiration gottentflammter Menschen in Mittelalter und Neuzeit. Anaconda, Köln 2006, ISBN 3-938484-86-1

